
Der
Ausgangspunkt für die Projektarbeit war das Ziel der Erarbeitung eines
medien- und kulturtheoretischen Hintergrunds zu den im Raum Ulm und
Baden-Württemberg stattfindenden Diskursen zur Telematik-Infrastruktur
einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Wirtschaftsregion. Hierfür sollte
ein Hypertext-basiertes Informations-, Präsentations-, Navigations-, und
Argumentationssystem konzipiert und entwickelt werden und mit entsprechenden
Inhalten gefüllt werden. Wesentliches Design-Kriterium war die Verwendung
von möglichst einfacher und damit für weiteste Nutzerkreise
verwendbarer Technologie, die im Sinne der Nachhaltigkeit also geringe
Ansprüche an die technische Ausstattung stellt, und z.B. in
Dritte-Welt-Situationen leicht zu verwenden ist.
Die Originalfassung des Projektantrags ist an folgender Stelle zu finden:
->:
diskur14.htm#DISK_PLAN
Ergebnis
der Projektarbeit sind die folgenden Elemente:
Die
Inhaltliche Arbeit umfaßte eine WWW- und Literatur-Recherche, die
Systematisierung, Ordnung und Kommentierung des Materials zu den Ausgangs- und
Nebenbedingungen der heutigen gesellschaftlichen Umbruchsprozesse beim
Übergang in die Informationsgesellschaft. Hierbei wurde vor allem
versucht, einen Überblick zu relevanten Kultur-, Sozial-, Wirtschafts- und
Medientheorien zu bieten.
Siehe dazu: ->:
diskur02.htm#KULTUR_ASPEKTE.
Der Unterpunkt 3) des Projektplans: "Die Rolle der Stadt als
Kommunikationszentrum und Informationsmarkt" (->:
diskur14.htm#DISK_PLAN)
wurde durch die WWW-Konversion und -Präsentation der Kongressmaterialien
des Kongresses "Stadt der Zukunft - Zukunft der Stadt" im wesentlichen
abgedeckt.
Als Ergebnis des kulturellen Teils der Studie ist erkennbar, daß für
eine Verbesserung der Bürger-Partizipation ->:
diskur14.htm#INTERESSE
mit Hilfe von Telematik die technische Infrastruktur in Form von MIPS und BAUD
nur einen Teil der Erfordernisse darstellt. Eine Hauptaufgabe besteht in der
kulturellen Integration und Adaptation der technischen Mittel durch eine lokale
Technologie- / Kommunal-IuK-Struktur, also einer technologischen
Subsidiarität. Wie bei den oben genannten Erscheinungen stehen aber
die Konzentrations- und Monopol-Tendenzen der Industrie einer solchen lokalen
Adaptation diametral entgegen und es wird eine Zukunftsaufgabe der Politik und
der Legislation sein, hierfür die entsprechenden Rahmenbedingungen auch
gegen den Druck der Industrie durchzusetzen. Hauptproblematik der politischen
Willensbildung ist aber die hinter technischen Argumenten verkleidete (macht-)
politische Weichenstellung, deren Hinter- und Untergründe von den
technisch leider nicht bewanderten politischen Entscheidungsträgern kaum
hinterfragt werden können.
Besondere Beachtung müßte weiterhin die soziale und ökonomische
Ausgewogenheit des Zugangs zu den Telematik-Infrastruktur-Ressourcen finden.
Die von der Industrie bevorzugte Lösung in Form eines
(überdimensionierten, für den Normalbürger kaum bedienbaren) PC
in jedem Hause dient anscheinend eher den Industrie-Interessen, als den
Bedürfnissen der Basis. Hauptproblemfaktor der Basis ist aber nicht die
Hardware, sondern die Expertise der Nutzung. So besteht meist ein ungeheures
Mißverhältnis zwischen installierten Funktionen eines PC und den
tatsächlich (aufgrund von mangelndem Wissen, Einarbeitungszeit, Spieltrieb
etc.) auch genutzten. Dies resultiert z.B. in enormen brachliegenden
Kapazitäten von zwar bezahltem, aber nie genutzten Plattenspeicher auf
Hunderten von Millionen PC's weltweit. Hier liegt eins der Hauptprobleme einer
aus den Wurzeln völlig unnachhaltig agierenden Computerindustrie und dem
Einsatz ihrer Produkte für eine nachhaltige Zukunft.
Weiterhin erscheint wünschenswert, daß ein langfristiger Rahmenplan
zur Gestaltung einer menschenwürdigen nachhaltigen Zukunftszivilisation
eine Abstraktionsmöglichkeit von den Kulturmustern der augenblicklich
dominanten Systeme enthält. Ansonsten wäre die Gefahr gegeben,
daß das Potential einer Multimedia-Infrastruktur gestützten
Zivilisation nach der Optik des vergangenen Schriftzeitalters gemessen
würde. So sollte nicht nur die inzwischen allseits dokumentierte
Druckrevolution vor 500 Jahren, deren Auswirkungen ja eine Potenzierung der
Möglichkeiten des Alphabets darstellen, zur Vergleichsgrundlage
herangezogen werden, sondern auch die vor- und außeralphabetischen
Traditionen der Menschheit, da gerade unserere alphabetisch orientierte
Wissenschaftskultur möglicherweise (unwissentlich) kulturzentristische
Bilder projiziert, die bei der neutralen Bewertung der Potentiale hinderlich
wären. Mihai Nadin's Buch "Civilization of Illiteracy" stellt z.B. einen
alternativen Ansatz dar.
Mit dem vorliegenden Projekt wurde angestrebt, eine Verbindung der Erforschung
der Erfordernisse und Auswirkungen von technologischer und sozialer
IuK-Infrastruktur zu schaffen, und damit einen Beitrag zur Überwindung des
C.P. Snow'schen Grabens zwischen Geistes- (Kultur-) und Natur- (Technik-)
Wissenschaften bei der Gestaltung der zukünftigen Informationsgesellschaft
zu leisten. Ein wesentliches weiterführendes Ergebnis der Projektarbeit
ist daher der Katalog der "Design-Anforderungen an eine sozial optimierte
Hypermedia-WWW-Infrastruktur" ->:
diskur04.htm#DESIGN_WWW.
Das
Ergebnis des technologischen Teils der Studie ist ein sehr einfaches und
flexibles Interpreter-System auf Basis einer adaptierten Java-VM, das
LPL-System. Dieses Prinzip soll nach den Vorstellungen von SUN Microsystems
zukünftig als ubiquitous computing facility weltweit nicht nur in
Computern, sondern auch in allen Arten von technischen Geräten Einsatz
finden. Damit stellt die Java-VM einen ernsthaften Ansatz für eine
computerisierte Gesellschafts-Infrastruktur dar.
In der speziellen Implementation des LPL-Systems wurde für das Projekt
MM-Diskurs eine WWW-kompatible Hypertext Infrastruktur entwickelt, die es
erlaubt, komplexe und tiefe WWW-Verzweigungstrukturen in einem Diskursraum als
elektronische kommentierte Hypertext-Bibliothek für den Benutzer optimal
anzupassen. Insbesondere werden die mächtigen Struktur- Editierungs- und
Navigations-Möglichkeiten von WinWord für das WWW-Environment
genutzt, und damit eine Möglichkeit der HTML Strukturierung geschaffen,
die ähnlich, aber mächtiger als das Netscape Bookmark Schema ist, und
somit "das beste aus zwei Welten verbunden". Aufgrund der Low-Technology
Ausrichtung, die rückwärtscompatibel auch auf 3.-Welt-Hardware (PC
386, Win-3) optimal lauffähig ist, kann hiermit eine "Enabling Technology"
Basis-Infrastruktur konzipiert werden, und für lokale Bedürfnisse
adaptionsfähige WWW-Informations-Ressourcen und Data Mining zur
Verfügung gestellt werden. Da die Basis hierfür in Texthaltungs-Daten
Repositories liegt, die mit den WinWord-Strukturmöglichkeiten organisiert
werden, und durch RTF-Filter zu HTML konvertiert werden, erübrigt es die
implementierte Lösung, den wertvollen Datenbestand der Einweg-Lösung
spezialisierter HTML-Authoring Systeme anzuvertrauen. Dies ist wegen der
Rückschrittlichkeit des HTML-Standards und der großen Probleme der
Adaptation und Modifikation von Daten, die einmal in diesem Format sind, zu
empfehlen. So ist diese Lösung auch eine kostengünstige Alternative
zu den Datenbank-basierten Lösungen (etwa mit Oracle), die wiederum in
Situationen wie {3.-Welt-/ Privat- / Uni-Instituts-} Anwendungen eine kaum zu
vertretende Infrastruktur-Investition erfordern. Insbesondere wird der
Geschwindigkeitsvorteil ausgenutzt, den die Win-3 Plattform gegenüber
Win95/98 bietet, da letztere zum komfortablen Arbeiten grundsätzlich immer
die neuste, schnellste, und teuerste (meist Intel-Pentium) PC-Plattform
benötigen.
Das in der Recherche gefundene und gespeicherte Datenmaterial von mehreren
hundert Megabytes stellt eine wertvolle Informationsressource für lokale
Projekte dar. Auch wenn die gespeicherten Daten prinzipiell im WWW
verfügbar sind, ist es dennoch empfehlenswert, lokale Zwischenspeicher in
Form von themenzentrierten "added value" aufbereiteten elektronischen
Bibliotheken anzulegen, weil aufgrund der WWW-Situation in Deutschland (hohe
Telecom-Kosten, langsame Verbindungen) es auf absehbare Zeit kaum effektiv ist,
den Download-Aufwand viele Male zu duplizieren.
Siehe dazu: ->:
diskur02.htm#TECHNO_ASPEKTE