
@:KULTUR_THEOR
Die Projektarbeit im Bereich Kultur / Theorien umfaßte die Dokumentation
verschiedener namhafter theoretischer Ansätze, insb. der Materialien, die
über die WWW-Recherchen gefunden wurden.
@:STADT_ZUKUNFT
Ulm, 9.-11.10.1997, Prof. Dr. Dieter Sauberzweig,
Berlin, Organisator.
Abhängig von der Erlaubnis des Verlags soll hier eine HTML-(Kurz-/Voll-)
Fassung des Kongress-Vortragsbandes gebracht werden.
(CD-Version)
(URL)
file:stadt.htm
@:JOH_HEINRICHS
Kurze Einführung von A. Goppold:
Wir erhalten hier eine umfassende Gesamtübersicht, und in gleicher Weise
eine an die Fundamente gehende theoretisch-philosophische Diagnose der
kulturellen und sozialen Grundprobleme an der Basis unserer Wirtschafts- und
Gesellschaftsformen, und ein Programm zur wurzel-ergreifenden (radikalen)
Umgestaltung eben dieser Grundlagen zur Erreichung des Ziels einer nachhaltigen
und menschenwürdigen Zukunft. Johannes Heinrichs entwirft in diesem Buch
seine Theorie der natürlichen Wirtschaftslehre. Diese Schrift basiert auf
den umfangreichen sozial- und kulturtheoretischen Arbeiten des Verfassers, die
in seiner Bibliographie gelistet sind. Kernelement ist sein Entwurf der
systemischen Viergliederung des Sozialen, der auf S. 49-58 umrissen wird. In
seiner Besprechung der Entwürfe seiner Vorgänger bespricht Heinrichs
die Arbeit des Begründers der Natürlichen Wirtschaftsordnung, Silvio
Gesell
(21-55) ->:
diskur03.htm#SILVIO_GESELL,
und kontrastiert dessen Arbeit in Kap. 11 (175-205) mit der Lehre von Karl Marx.
Weiterhin widmet er zwei Kapitel (123-174) dem Pionier der katholischen
Soziallehre, Johannes Kleinhappl.
Volltext des Buches im WWW-Format hier:
(URL)
file:tkreis.htm
Bibliographie-Eintrag ->:
diskur15.htm#TEUFELSKREIS
Weitere Arbeiten in diesem Zusammenhang unter ->:
diskur03.htm#NAT_WIRT
@:KOHR_EINF
Kurze Einführung von A. Goppold:
Leopold Kohr kann (nach Aristoteles) als Spiritus Rector der Theorie
menschengerechter Sozialsysteme angesehen werden. Seine Schriften
beeinflußten eine Generation von Vordenkern, wie Ivan Illich und Eugen
Schumacher, maßgeblich. Kohrs Arbeit war zentral an der Aristotelischen
Konzeption des "Guten Lebens" in einem Sozialverbund ausgerichtet[1], der eu-daimonia ->:
diskur12.htm#EU_DAIMONIA.
Er prägte einen Begriff der menschenangepaßten
Größenordnung von Sozialsystemen, an das zu erinnern in unserem
heutigen Zeitalter der Globalisierung immer nur noch wichtiger wird. Unter dem
Stichwort "Subsidiarität" haben seine Arbeiten heute den
größten Stellenwert.
Einige Zitate aus seinen Werken:
"Die Qualität von Herrschern steht im umgekehrten Verhältnis zu der
Größe des Mobs, den sie regieren."
"Es war ein Desaster, als die kleinen Staaten und Fürstentümer
Europas zu den sogenannten großen Nationen-Staaten
zusammengebastelt wurden... es hat zu nichts als Kriegen brutalster Art
geführt.
"Die Urdistanz aller Entfernungen, die 22-km Einheit.. 1/2 Std. mit der
Lokalbahn, 1 Std. mit dem Rad, 4 Std. zu Fuß."[2]
"In einer Welt von Kleinstaaten bräuchte man nur ein paar Kilometer weit
zu wandern, um in einem anderen Staat Asyl zu finden".
"This purpose was philosophically expressed by Aristotle when he said that men
form communities not for justice, peace, defense, or traffic, but for the sake
of the good life, the summum bonum. And the good life in the community
has at all times signified the satisfaction of man's three basic social desires
to which former planners have invariably given material shape in their
structures. These desires are conviviality, religiosity, and
politics. Hence the nucleus of their cities, with all their variations
in styles, consisted always of the same basic structdures. Taverns and theatres
to satisfy conviviality, churches to satisfy religiosity, and city halls -
their political temperament."[3]
"To sum up the success of old, and the failure of modern city planners in one
sentence: ancient planners, recognizing the unchanging Aristotelian purpose of
why people live in communities, put all their talent into the construction of
the communal nucleus - inns, churches, city halls. The rest of the city then
followed by itself. Modern planners are forever building the rest of the city.
But without the nucleus nothing can be held together"[4]
"... to talk about aesthetics among theorists of industrial location and other
economists is like raising the question of sex amongst pre-Freudian child
educators. Half of them cannot grasp the connection, the other half are
shocked"[5]
->:
diskur11.htm#LEOPOLD_KOHR
->:
diskur11.htm#CONVIVIALITY
-> Nachlaßverwalter von Leopold Kohr
(Winter:
Salzburg, Foetter:
Neukirchen)
Das Verlagsprogramm von ->:
diskur03.htm#AXEL_MENGES
enthält wichtige zeitgenössische Werke in der Denklinie von Kohr. Was
aber nicht bedeuten muß, daß die jeweiligen Autoren Kohr je gelesen
haben müssen. Anscheinend ist in der Architektur ein gewisses
Verständnis für die Grundanliegen von Kohr noch nicht ganz verloren
gegangen. So z.B. ist Alfred Schinz
(The Magic Square) m.E. einer der bedeutendsten Vertreter der Kohrschen
Ansätze, und aus meinen Unterhaltungen mit Schinz
weiß ich, daß er nie in seinem Leben von Kohr gehört hatte.
Ein anderes in dieser Hinsicht wesentliches Buch aus dem Programm von Menges
ist: Jan Pieper: "Pienza - Der Entwurf einer humanistischen Weltsicht", der
Stadt, die von Papst Pius (#???), dem Renaissance-Gelehrten und engen Freund
und Vertrauten von Cusanus, geplant und gegründet wurde.
In meiner Weltsicht nehmen Leopold Kohr und Lewis Mumford die hervorragenden
Plätze von Visonären ein, deren Blick weit über den Horizont
ihrer damaligen Zeit reichte. Die durchdringende Kraft ihres Erkennens
läßt sich mit dem heutigen Erkenntnisfortschritt umso besser
ermessen. Da beide intellektuell dem industriellen Zeitalter angehörten,
fehlt ihnen das Begriffsinstrumentarium, das von den Medientheoretikern,
angefangen mit Innis, Havelock, McLuhan, Ong, aufgebaut wurde, und heute zu
einer gewaltigen Bewegung geworden ist, von denen man nur ganz willkürlich
einige heutige Vertreter, wie Veltman, Assmann&Assmann, Kittler und Nadin
stellvertretend für die ganze Bewegung nennen kann. Das "gute Leben" der
Aristotelischen Stadt, wie Kohr es darstellt, hatte eine essentielle
"Informations"[6]- Komponente, die für Kohr
noch nicht greifbar und darstellbar war. Dies zu formulieren ist der Ansatz und
die Aufgabenstellung des vorliegenden Projekts MM-Diskurs.
Verband
zur Förderung umweltgerechten Wirtschaftens
Martina Schwendmann,
Geschäftsführerin
Hermannstr. 5a, 70178 Stuttgart
tel. 0711 615 9510, fx: 0711 615 9540
(URL)
http://www.angele.de/unternehmensgruen
Eugen Schlachter,
Haldenweg 24 88437 Maselheim
Fon: 07351/8940 pr. oder 07305/9623-20 ge.
(URL)
mailto:Eugen.Schlachter@T-Online.de
Sprecher des Vorstandes der Raiffeisenbank Dellmensingen eG
(URL)
mailto:Raiffeisenbank.Dellmensingen@T-Online.de
Südliches
Schloßrondell 1, 80638 München, Tel. 171826 , Fax 171816
Die Schweisfurth Stiftung beschäftigt sich mit Projekten im
ökologischen Umkreis, und fördert Forschungsarbeiten in dem
Bereich.
(URL)
http://www.zukunft.de/Schweisfurth
Netzwerk Neue Arbeit, Prof. Fritjof Bergmann:
(URL)
http://www.zukunft.de/Schweisfurth/NNA/
->:
diskur15.htm#AX_HANDWERK
->:
diskur15.htm#OEKOLOGIK
Hans-Ulrich
Oberländer,
S.-Allende-Pl. 5, 07747 Jena, 03641-390238
Sein Artikel: "Existenz und Arbeit sicherndes Sozialmodell zur
zukunftsfähigen Gestaltung der Energiedienste in der Europäischen
Union" ist hier komplett im WWW-Format zu finden.
->:
diskur09.htm#OBERLAENDER
Manon
Baukhage
/ Daniel Wendl
Tauschen statt Bezahlen
Leben ohne Geld und Zinsen
233 Seiten, DM/sFr 24,80 / öS 181,-
ISBN 3-88022-648-2
E-Mail an Manon Baukhage:
(URL)
mailto:mb@pm-magazin.de
(URL)
http://www.rotbuch.de/baukhage.htm
Auszug aus der WWW-Seite:
(URL)
http://www.rotbuch.de/baukhage.htm
Das erste Buch über eine neue gesellschaftliche Bewegung gegen soziale
Kälte, für eine mitmenschliche alternative Ökonomie. Mit
Mitmach-Karte. »Ohne Moos geh's los - tauschen statt bezahlen« ist
das Motto des Kreuzberger Tauschrings. »Tausche erstklassiges
Büffet-Service gegen wunderbares Liebesgedicht«, stand in der
Tauschzeitung Straßenkreuzer. Wie kann man in einer Welt, die vom Geld
regiert wird, ohne Geld leben? Man besinnt sich auf seine Talente! Eine neue
Bewegung formiert sich, allein in Deutschland gibt es bereits über 200
Tauschringe, in denen Dienstleistungen und Waren getauscht werden.
Haareschneiden und Kuchenbacken, Computerkurse oder Shiatsu-Massage,
Totenwachen und Zuhören, Tapezieren oder Kompostwürmer - getauscht
wird fast alles. Die Mitglieder eines Tauschrings können aus dem Angebot
der Gemeinschaft frei auswählen. »Bezahlt« wird mit
Phantasiewährungen wie Isarthalern, Knochen, Kreuzern oder Talenten. In
diesem Buch wird erstmals ein Überblick gegeben über die
Tauschbewegung in Deutschland und weltweit. Es werden Materialien und Hinweise
geliefert für alle, die mitmachen oder selbst einen Tauschring
gründen wollen. Die Bewegung formiert sich auch gegen die soziale
Kälte in der Leistungsgesellschaft und den alles erstickenden Staat. Im
Anhang gibt es eine Sammlung internationaler Adressen, wie sie bisher im
deutschen Sprachraum einmalig ist.
Transaction
Net: Publications on the Future of Money
(URL)
http://www.transaction.net/money/
Folgendes Zitat aus einem Interview von Sarah van Gelder mit Bernard
Lietaer:
(URL)
http://www.transaction.net/press/interviews/lietaer0497.html
Few people have worked in and on the money system in as many different capacities as Bernard Lietaer. He spent five years at the Central Bank in Belgium, where his first project was the design and implementation of the single European currency system. He was president of Belgium's Electronic Payment System, and has developed technologies for multinational corporations to use in managing multiple currency environments. He has helped developing countries improve their hard currency earnings and taught international finance at the University of Louvain, in his native Belgium. Bernard Lietaer was also the general manager and currency trader for one of the largest and most successful offshore currency funds. He is currently a fellow at the Center for Sustainable Resources at the University of California at Berkeley and is writing his seventh book: The Future of Money: Beyond Greed and Scarcity.
@:NAT_WIRT
Die meisten der hier dargestellten Entwürfe orientieren sich
an
den Arbeiten von Silvio Gesell. Eine Übersicht zu WWW-Beiträgen zu
dem Themenkreis ist unter:
Weitere Links zum Thema: 'Neues Geld und Ökonomie'
(URL)
http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/kennedy/links.html
(CD-Version)
(URL)
file:0NA/BRIEFS/GELD/NA0.htm
NWO im WWW
(URL)
http://www.anjora.de/nwo/inhalt.htm
(CD-Version)
(URL)
file:0NA/BRIEFS/NWO/NA0.htm
@:SILVIO_GESELL
(URL)
http://ourworld.compuserve.com/homepages/ruetten/Gesell.htm
(CD-Version)
(URL)
file:0NA/BRIEFS/MON/NA1461.HTM
(CD-Version)
(URL)
file:0NA/BRIEFS/Gesell/NA0.htm
Silvio Gesell: Die Natürliche Wirtschaftsordnung
Text unter:
(URL)
http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/
(CD-Version)
(URL)
file:0NA/BRIEFS/nat-wirt/NA0.htm
Beiträge
zum INWO-Kongress '95 in Bern
Autoren:
Peter Kafka, Pierre Fornallaz, Renato Pichler, Hans C. Binswanger, Peter
Bosshard, Luzius Theiler, Helmut Creutz, Margrit Kennedy, Thomas Estermann,
Sol Lyfond, Felix Bührer, Werner Rosenberger
(URL)
http://www.echo.ch/org/inwo/tagungsband95/Titel_Autoren.html
(CD-Version)
(URL)
file:0NA/BRIEFS/sch-nwo/NA560.HTM
Veranstaltungsreihe
von Prof. Dr. Bernd Senf
Fachhochschule für Wirtschaft, Badensche Str. 50/51, 10825
Berlin-Schöneberg, U-Bhf Bayerischer Platz
und: Stroeme Institut, Hermannstr. 48, 2. Hinterhof, 5. Etage, 12049 Berlin
Dr.
Hans-Peter Studer,
Rickstraße 31, CH-9037 Speicherschwendi
Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege
Berichte der ANL 20, (1996), 49-60
Der Artikel enthält eine Fülle von Anregungen für neue soziale
und wirtschaftliche Konzepte.
Untertitel aus dem Artikel:
Das Wesen des Geldes und seine Vermehrung
Vom Wettbewerb zum Catch-as-Catch-Can
Der Staat als Sündenbock und Lastesel
Sustainable Shrinking ist angesagt
Die Marktwirtschaft braucht neue Rahmenbedingungen
Der Natur einen Preis geben
Den ersten mit einem zweiten Arbeitsmarkt ergänzen
Garantiertes Grundeinkommen anstelle der heutigen Rentensysteme
Vom Zins zum umlaufgesichterten Geld
Obergrenzen für Einkommen und Gewinne
Vorteile einer Bandbreiten-Marktwirtschaft
Scheinbare Widersprüche
Entflechtung von Politik und Wirtschaft
Selbstzerstörung oder Quantensprung des individuellen und kollektiven
Bewußtseins?
Leider
ist der Begriff "Kultur" extrem vage, und wird von jedem, der ihn benutzt, in
eigener Bedeutung gebraucht. Einige Streiflichter durch heute vertretene
Interpretationen sollen in dem folgenden Abschnitt gegeben werden, ohne jedoch
Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität zu erheben.
Die Thematik des MM-Diskurs bezieht sich auf die Bedeutung des
"Kulturschaffens" in einer lebenswerten Sozialstruktur. Menschliches Leben
besteht nicht nur aus Ökonomie, und hat vor allem nicht ihren Endzweck
hierin, sondern wird insbesondere von den Kontakten und gemeinsamen
Aktivitäten bestimmt. Wir erinnern hier an die höheren Stufen der
Maslowschen Bedürfnispyramide und den Begriff der Aristotelischen
eu-daimonia, wie er von Kohr verwendet wird.
->:
diskur03.htm#KOHR_EINF
->:
diskur11.htm#LEOPOLD_KOHR
In ähnlicher Weise wird die Kultur von Johannes Heinrichs behandelt.
->:
diskur03.htm#JOH_HEINRICHS
In welchem Verhältnis Multimedia und Telematik zur Kultur steht, ist
sicher ein sehr strittiges Thema. Die Ars Electronica
(URL)
http://www.aec.at/ macht sich seit vielen Jahren darum verdient, eine solche
Verbindung herstellen (zu wollen). Es bieten sich hier Möglichkeiten einer
Ergänzung bestehender Strukturen, besonders auch um den nivellierenden und
gleichmachenden Einflüssen einer Massen-Konsum-Industrie entgegenzuwirken.
Das WWW erlaubt es z.B., Aufführungen von Künstlern mit spezieller
Ausrichtung und kleinem, ausgesuchtem Publikum (wie Ethno-Musik) für ihre
weitverbreitete Fangemeinde preiswert bekanntzumachen und zu organisieren.
Ein weiterer Ansatz zum Thema Kultur und moderne Gesellschaft ist der Club of
Vienna.
->:
diskur08.htm#CLUB_VIENNA
Es
ist aber nicht zu übersehen, daß es noch ganz andere, gänzlich
diametral entgegengesetzte Ansichten zu dem Thema "Kultur" gibt. Auf der einen
Seite finden wir, wie bei Kohr und Heinrichs, das menschlich lebenswerte, das
zu optimierende, oder in der deutschen Umgangssprache "das kultivierte" an der
Kultur (wir können dies den humanistischen Kulturbegriff nennen).
Auf der anderen Seite finden wir eine sehr harte, zwingende, mechanische, ja
sogar grausame Sicht der Kultur, die man die thermodynamische,
autokatalytische, oder soziobiologische Kulturtheorie nennen
könnte.
Deren Vertreter sind z.B.:
Schopenhauer und Nietzsche als philosophische Urahnen. "Welt als Wille und
Vorstellung", "Wille zur Macht".
Der Vordenker Herbert Spencer, in einer Zusammenfassung durch Robert Carneiro
->:
diskur15.htm#CARNEIRO.
Howard Bloom: The Lucifer principle ->:
diskur08.htm#LUCIFER_PRINCIPLE
Heiner Mühlmann: Die Natur der Kulturen
(URL)
http://www.uni-wuppertal.de/FB5-Hofaue/Brock/Aktuell.html
Memetik ->:
diskur08.htm#MEMETICS
Jacques Neirynck (1994)
Jared Diamond (1992, 1997)
Samuel Huntingdon: The clash of civilizations
Als eine Art von Schocktherapie sind diese Werke besonders denen zu empfehlen,
die sich aus politischen Gründen (Multi-Kulti-Adherenten) lieber auf einem
weltanschaulichen Antipoden dieser Meinungsträger ansiedeln. Auch wenn man
nicht mit ihrer Weltsicht übereinstimmt, ist die Kenntnis ihrer Argumente
sehr hilfreich. Es handelt sich um sehr beunruhigende Analysen der
Hintergrundfaktoren der menschlichen Kulturentwicklung, von denen zu hoffen
ist, daß sie nicht ganz so schrecklich, wie dargestellt, zu nehmen sind,
aber wehe uns, wenn sie wahr sind!
Denn bei uns in Deutschland assoziiert man "Kultur" gerne mit "freiem Zugang zu
den Universitäten für alle", Humboldt, Goethe, Schiller, Staatsoper,
Ballett, Beethoven, und Wagner, aber weniger gerne mit Kaserne, Zuchthaus,
Kindesmißhandlung, und -Mißbrauch, Paragraph 218, Drogen-Verbrauch
und -Mißbrauch, Skinheads, Nazis, und Konzentrationslager. Die oben
genannten Kulturtheorien stellen eine Art Schocktherapie für die
Denkweisen der kulturverklärenden Art dar, denen wir in Deutschland
anscheinend mehr verfallen sind, als andere europäische Nationen.
Natürlich ist das alles eine Definitionsfrage, was man mit "Kultur"
eigentlich meint, und man kann sich definitorisch darauf einigen, daß man
mit "Kultur" nur die positiven Seiten der Kultur benennen will. Was macht man
aber, wenn man dauernd mit den negativen Seiten der Kultur konfrontiert wird,
und man keine vernünftige Strategie entwickeln kann, um für diese
Probleme eine ausreichend fundierte Behandlung zu finden? Siehe dazu auch die
augenblickliche Diskussion um Steuerpolitik, Standord Deutschland (bzw.
Europa), Arbeitslosenproblem (-> Viviane Forrester: Terror der
Ökonomie), Gewalt gegen Ausländer, Mafia und organisierte
Kriminalität, und terroristische Staaten, die die Menschenrechte mit
Füßen treten, aber von der Wirtschaft (und leider auch der Politik)
hofiert werden, weil ein Terror-Regime vielleicht bessere Sicherheit für
die Kredite bietet, als eine instabile Demokratie.
Lewis Mumford hat mit "The myth of the machine" eine exakte Beschreibung der
Symptomatik der autokatalytischen Zivilisation geliefert, aber er konnte
mangels theoretischem Durchgriff auf das thermodynamische und
systemtheoretische Instrumentarium seine Theorie nur metaphorisch, als Mythos,
formulieren, was dem Verständnis seines Werkes größten Nachteil
bereitet hat. Man müßte sein Werk und die der obigen Autoren
parallel lesen, um die Entsprechungen zu finden, was bei insgesamt mehreren
1000 Seiten nicht so leicht zu verlangen ist.
Nicht zu vergessen natürlich Spenglers "Untergang des Abendlandes", der
ebenfalls gezwungen ist, den Hauptinhalt seines Werkes als Mythos zu
formulieren. Mumford polemisiert endlos gegen Spengler, hat aber genau dasselbe
Problem. Spengler, als Nachfolger von Nietzsche (und Schopenhauer),
verherrlicht in seinem Werk den blinden autokatalytischen Drang der
Naturgesetzlichkeit in der Zivilisationsentwicklung, während Mumford ihn
verabscheut. Es ist das Privileg der Spätgeborenen, sich über solche
"minor variations" einer Generalthematik souverän hinwegzusetzen.
Weiterführende Diskussion:
->:
diskur05.htm#WAFFE_INFO
Heise Telepolis
(URL)
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/default.html
Viviane
Forresters: "Terror der Ökonomie" gibt eine sehr emotionale aber genau
treffende Darstellung der sozialen und menschlichen Probleme der Globalen
Autokatalyse. Sie hätte gut daran getan, Mumford und Spengler zu lesen,
und es ist bedauerlich, daß sie keinen guten technischen und
kulturtheoretischen Ghostwriter hatte. Ihre Erfassung den technisch-
kulturtheoretischen Grundlagen der Entwicklung ist dürftig, aber sie
beschreibt die Folgen sehr genau, und sie konfrontiert uns mit genau solchen
Aspekten der Kultur, die wir lieber nicht sehen wollen.
Weitere Besprechung: ->:
diskur10.htm#TERROR_OEKO
@:AUTOKATALYSE
Die Zivilisationsentwicklung der Menschheit zeigt klare autokatalytische
Züge, und die heutige Gefahr eines totalen Weltzusammenbruchs durch eine
entfesselte Techno-Kapitalismus-Maschinerie ist nur die letzte Konsequenz eines
nun schon etwa 10,000 Jahren[7] anhaltenden nie
zu stoppenden Autokatalyse-Prozesses.
Wir machen hier einen Exkurs in die Kulturtheorien zur tieferen Auslotung der
Symptomatik der wesentlichen und wesenshaften Verbindung zwischen
Suchtphänomenen und Autokatalyse-Prozessen. Was hat das Suchtpotential von
(Informations-) Technologien[8] mit
Autokatalyse-Prozessen zu tun?
->:
diskur05.htm#INFORMATION
Zum Beispiel: Omnipotenz-Phantasien in der virtuellen Computerwelt. Sind die
Geschichten von Hackern und ausgerasteten Computerkids, und WWW-Junkies, nur
Anekdoten von nebensächlichen Entgleisungen psychisch instabiler
Charaktere oder haben wir es mit einem Phänomen zu tun, das einen
größeren Tiefgang hat, mit der "Spitze des Eisbergs" sozusagen eines
Technologie-Suchtpotentials, das seinen größten Tiefgang als
Sozialpathologie im Untergrund von 5000 Jahren Kultur- und Technologiedynamik
entwickelt hat, und das sich nur zu gut zu tarnen weiß?
Autokatalytische Prozesse haben eine hohe Bedeutung in der individual- und
sozialpathologischen Diagnostik, aber sie sind ein Tabuthema der heutigen
westlichen Zivilisationen. Denn der bekannteste Typ autokatalytischer Prozesse
heißt "Sucht". So verlangt zwar jeder Staatshaushalt und jedes politische
Programm ein jährlich steigendes Wirtschaftswachstum, aber ebenso
reagieren alle Legislaturen und Staatsgewalten der westlichen Zivilisationen
teilweise hysterisch, teilweise völlig ineffizient auf das Thema der
Suchtkrankheiten [9]. Ebenso Tabuthema ist der
Faktor "Sucht" in seiner Anwendung auf die Informationstechnologien. Denn
Informationstechnologien ermöglichen hohe Produktivitätssteigerungen
und erlauben gleichzeitig die "Freisetzung überflüssiger
Produktivkräfte" (Menschen), und ermöglichen damit sowohl
Erhöhung der Arbeitslosenzahlen, wie der Unternehmensgewinne. Allgemeiner
gefaßt, spricht man vom autokatalytischen Einfluss aller Technologien auf
die Kulturentwicklung. In ihren psychologischen Auswirkungen beim Menschen
werden die unvorhergesehenen Folgen der Informationstechnologie eher
verharmlost. In der Literatur wird das beiläufig und karikierend als
Hackertum, Computer-Kids-Phänomen etc. angesprochen, aber kaum in seiner
tieferen Verbindung mit der Macht der Technologien auf unser Seelenleben.
->:
diskur11.htm#GLOBAL_DOC
-> Sucht und Macht / Sucht und Politik
Dr. Thea Bauriedl, Vortrag im Haus der Begegnung, Ulm 27.11.1997)
@:IBN_CHALDUN
Ein kulturmorphologisches Grundmuster, das uns schon seit Ibn Chaldun bekannt
ist, ist das Spannungsfeld zwischen Nomaden und seßhaften Städtern
und Bauern (den Sedentari). Traditionsgemäß brachen
Nomadenstämme immer in das Kulturgebiet der Sedentari ein und
zerstörten es, oder raubten es aus, oder installierten eine Herrenschicht
über die Sedentari. (Beispiele: Antikes Mesopotamien als Dauerdrehscheibe
von Nomadeneinfällen seit 5000 Jahren, die Mongolen in China, Jihad der
Araber in Nordafrika, Ägypten, Persien, Vorderasien).
-> Gellner: Schwert und Buch
Diesen Mustern kommt in der telematischen Globalzivilisation eine besondere
strategische Bedeutung zu, die die Sedentari noch kaum erkennen können.
Einzelne Nomadenvölker haben sich hervorragend an Telekommunikation
angepaßt, und so sind auch ohne Neuromancer-Visionen gewisse
Zigeuner-Gruppen heute schon auf dem Telefon global aktiv. Diese Tendenzen
werden mit Internet noch wesentlich stärker werden.
-> Bruce Chatwin: The songlines
Es steht mit dem Telematik-Zeitalter zu erwarten, daß diese Tendenzen
eine starke Wiederkunft finden werden.
Weiter ausgeführt unter
->:
diskur05.htm#WAFFE_INFO
->:
diskur11.htm#GLOBAL_DOC
Siehe auch: ->: diskur11.htm#GLOBAL_DOC
Harald
Schumann, Redaktion Spiegel
Kurzprotokoll eines Vortrags von Harald Schumann zu seinem Buch
Seine Grundthesen:
Deutschland gehört weiterhin zu den führenden Industrienationen mit
den besten Produktionsbedingungen und der größten Produktivität
und Stabilität. Auch eine weitere Globalisierung der Produktion wird sich
hier nur vorteilhaft für den Industriestandort Deutschland auswirken, weil
die Auslands-Nachfrage weiter zum Vorteil Deutschlands ausfallen wird.
Die oft angeführten Investitions-abschreckenden Lohnnebenkosten erweisen
sich als statistische Ente, wenn man von den Lohnstückkosten, also dem
Arbeitskostenfaktor, bezogen auf die Produktivität, ausgeht. Hier ist
Deutschland ein geradezu optimales Land für Investitionen. Der Export von
Arbeitsplätzen ist z.T. ebenfalls eine statistische Ente, da vielfach
ausländische Produktion eingekauft wird.
Nachdem durch verschiedene Statistiken die oft angeführten
"Standortnachteile" als Fiktionen dargestellt worden waren, kam der Vortragende
auf den seiner Meinung nach gewichtigeren und fataleren Faktor der heutigen
"Globalisierungsfalle": Die Loslösung und Unkontrollierbarkeit des
migrierenden Kapitals aus dem Zugriff der Staatsfinanzen. Anhand vieler Charts
zeigte er, wie durch die Unkontrollierbarkeit der Kapitalgewinne, immer
größere Teile eines traditionellerweise versteuerbaren
Kapitalflusses an den Staaten vorbeigelenkt werden und in den off-shore
Steuerparadiesen landen. Von dort ist die Macht des Wanderkapitals inzwischen
so groß, daß die einzelnen Staaten über den
Staats-Schuldendienst erpreßbar geworden sind: Wenn die Gläubiger
einen Staat aufgrund einer dem internationalen Kapital nicht als genehm
erscheinenden Gesetzgebung als "schlechte Bonität" markieren, kann ein
Risiko-Aufschlag auf die Leihbedingungen dazu führen, diesen Staat in die
Krise, oder sogar in den Bankrott, zu stürzen. Damit ist der Grundlage
eines nationalstaatlich-souveränen Wirtschaftens, wie es die Basis der
Politik der modernen Staaten war, jede Grundlage entzogen.
Da sich das internationale Kaptial hiermit völlig unkontrollierbare
Akkumulations-Bedingungen geschaffen hat, entsteht wieder ein explosives
Potential, wie zu früheren Krisenzeiten der Industrialisierung. Der
Vortragende zog einen Vergleich mit der Situation vor der Wirtschaftskrise in
den 20ern. Es bilden sich immer wieder reine Spekulationsblasen des
vagabundierenden Kapitals, dessen Einsatz ist aber ohne volkswirtschaftlich
relevante Ergebnisse. Die Folge müssen notwendigerweise periodische
Spekulations-Einbrüche sein, wie in den 20ern, aber auch im 19. Jh., als
die Absatzmärkte aufgrund von allgemeiner Verarmung zusammenbrachen.
Beispielhaft
die Ansätze des FAW Ulm:
"Information Society and Sustainable Development",
AGIP "African Global Inventory Project",
"Global Telematics",
Beiträge zur Konferenz "Information Society and Development",
sowie die IFG Veranstaltungen 1997 und 1998.
z.B. Vortrag von Ashok Koshla und Prof. Radermacher auf der IFG 1998
Weitere Materialien und potentielle Ansprechpartner:
Beiträge des 1998 IMD-Kongresses Frankfurt
(URL)
http://staff-www.uni-marburg.de/~rillingr/imd/IMD98/98texte.htm
Uwe Afemann, Universität Osnabrück:
Internet als Chance für den Bildungsbereich in
Entwicklungsländern?
(URL)
http://www.rz.uni-osnabrueck.de/Dokumentation/Lokale_Kopien/Internet_Und_Dritte_Welt/STUTTGART.html
Heimo Claasen
Der "Browser War": Über den Einbau von Techno-Ideologie in Hard- &
Software
(URL)
http://www.inti.be/hammer/imd-ffm.scr
-> Prof. Grünert, Ulm: Kontakte zu China
Akademie für Wissenschaft, Wirtschaft, und Technik an der Universität
Ulm, e.V.,
Universität Ulm, Rektoramt,
(URL)
mailto:akademie@rektoramt.uni-ulm.de
-> Deutsch-Japanische Burse, Ulm
-> Museum Villa Rot, Dr. Deuchert, Burgrieden-Rot
Schwellenländer könnten erheblich durch den Einbau einer
Informations-Infrastruktur profitieren, da diese (Stichwort Dematerialisation)
z.T. ressourcensparender vorgenommen werden kann, als der Bau der
traditionellen Industrieländer-Infrastruktur, die sich vor allem um
(Massen-) Transportwege herum zentriert. Die Beiträge des 1998
IMD-Kongress Frankfurt zeigten schlaglichtartig einige Probleme einer naiven
Anwendung dieser Idee. Ein Hauptproblem z.B. im "Browser War" wird sogar als
"Techno-Rassismus" bezeichnet, nämlich der unaufhaltsame Drang der
Industrie, dem Informations-Konsumenten Software-Systeme anzubieten, die ihn
zwingen, immer die neueste (und teuerste) Hardware (typischerweise von Intel)
zu verkaufen. Diese Taktik ist aus der Frühzeit des Industriekapitalismus
als der "Chinesische-Lampen-Trick"[10] bekannt.
Dies zwingt in den alljährlichen Upgrade-Zyklen Millionen von 1.-Welt
Computerbenutzern, ihre an sich noch völlig gebrauchsfähige Hardware
abzustoßen und neue zu kaufen. Dies wäre an sich eine Bonanza
für die 3. Welt, denn so könnte tatkräftige IuK
Entwicklungshilfe zu einem geringen Preis geleistet werden. Was es aber
für vielfältige bürokratische und Cliquenwirtschafts-Hindernisse
gibt, vom Einsammeln der Hardware in den Ursprungsländern bis zu ihrer
Verteilung in der 3. Welt, kann man sich als Uneingeweihter kaum vorstellen.
Erstens ist natürlich die 1.Welt Industrie überhaupt nicht daran
interessiert, daß ihre eigenen Altprodukte im Süden mit ihren
dortigen Neu-Angeboten Konkurrenz machen, zweitens sind die Profite des Handels
(bzw. Bestechungszahlungen an die lokale Politikmafia) im Süden ungeheuer,
da Altgeräte, die hier 1000 DM kosten, dort mit 10,000 DM-Werten gehandelt
werden. (Siehe IMD-Papers). So wünscht sich dort auch niemand aus den
politischen und wirtschaftlichen Macht-Kasten allzusehr eine schnelle
Marktsättigung mit solcher Technologie. Und zuviel IuK Technologie
würde sich auch entscheidend auf eine lokale politische Mündigkeit
(z.B. zuviel Polit-unterhaltungen über Internet) auswirken, das den
regionalen Macht-Kasten ebenso nicht zu gelegen kommen dürfte.
->
Leopold Kohr
-> Nachlaßverwalter von Leopold Kohr (Winter: Salzburg, Foetter:
Neukirchen)
-> Ivan Illich
-> Alexander Mitscherlich: Die Unwirklichkeit unserer Städte
-> Alfred Schinz:
The Magic Square
-> Harold Innis: Empire and Communications, The Bias of Communication
-> McLuhan
-> Havelock: Communication arts of the ancient world
Sakrale Architektur, z.B. Kathedralen zur Encodierung von nicht-schreibbarem
Wissen
[^].
@:AXEL_MENGES
Ein Verlagsprogramm mit wesentlichen für das Projekt relevanten Titeln zum
Thema Stadtkultur und Architektur
(URL)
http://www.nbnbooks.com
-> Alfred Schinz:
The Magic Square
-> Attilio Petruccioli: Fatehpur Sikri
-> Richard Meier: Stadthaus Ulm
-> Saryu Doshi: Dharna Vihara
-> Irmtraud Schaarschmidt-Richter: Himeji Castle
-> Niels Gutschow: The Nepalese Caitya
-> Jan Pieper: Pienza - Der Entwurf einer humanistischen Weltsicht
Eine
wesentliche Verbindung ergibt sich zu den Aktivitäten um das Thema "Ulmer
Großer Schwörbrief" zur geschichtlichen Rolle der Stadt als
Informationszentrum, und eine geeignete Weiterentwicklungsmöglichkeit der
Ansätze, die die freien Reichsstädte des Mittelalters zu
ökonomisch und kulturell führenden Wegbereitern der
europäischenZivilisation gemacht haben.
-> Schwörrede Ivo Gönner, 1997
-> Kongress "Stadt der Zukunft" , ->:
diskur03.htm#STADT_ZUKUNFT
Präsentation von Vortragsthemen, Rednern, Agendas, kulturhistorische
Einbettung, weiterführendes Literaturverzeichnis
Die
Kommunikations-Infrastruktur einer weitgehend autonomen Wirtschaftsregion,
ausgehend von dem Beispiel Ulm des ausgehenden Mittelalters, der freien
deutschen Reichsstädte, und der italienischen Stadtrepubliken.
-> Lars Karbe: Venedig, Diederichs 1995, -> Leonardo-Navigatoren
-> Arbeiten von Leopold Kohr: The City of Man
-> Telepolis-Diskurse
Themenpunkt: Die Rolle der Stadt als Kommunikationszentrum und
Informationsmarkt. Einarbeitung der Anforderungen und Möglichkeiten der
heutigen sozio-technologischen Verhältnisse, sowie des europäischen
Subsidiaritätsprinzips, für eine post-industrielle regionale
Wirtschafts- und Sozialgemeinschaft. Flankierend, die Rolle der
nicht-telematisierbaren Kommunikationsstrukturen, i.e. persönliche
Direktkontakte, wo und wie zu implementieren.
Nach Berichten in Telepolis stellt sich in der Internet-Szene eine gewisse
Ernüchterung ein, was das Potential der vorhandenen technologischen
Infrastruktur für Internet-Communities angeht. Wir haben also ein Spektrum
von Ansichten, etwa den Protagonisten wie etwa Howard Rheingold
(URL)
http://www.well.com/user/hlr/vcbook/index.html
(URL)
http://www.well.com/user/hlr/tomorrow/
und den Kritikern, etwa Richard Barbrock:
(URL)
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1007/1.html
Die wesentliche Frage im Rahmen des MM-Diskurs ist, ob hier evtl. eine
vorzeitige Reaktion auf allzu naive Träume vorliegt, die übersehen
haben, daß zur Ausgestaltung einer funktionsfähigen, vor allem aber
menschengerechten, und menschenrechts-orientierten Kommunikationsinfrastruktur
neuartiger Gesellschaftsformen etwas mehr gehört als nur Enthusiasmus and
das Vertrauen in die Marktkräfte und die Weisheit der
Venture-Capital-Geber, die die Technologie-Infrastruktur Investitionen bezahlen
sollen (falls man das nicht gerade nach alter Manier vom Militär erledigen
lassen will). Vielleicht sollte also hier ein wenig mehr in die Basisarbeit
investiert werden. Insbesondere ist zu beachten, daß Technologien nicht
im gesellschaftlichen luftleeren Raum stehen, sondern meist eine definitive
eingekapselte Version bestimmter gesellschaftlicher Schlüsselthemen und
Strategien darstellen, die äußerst schwer zu ändern sind, wenn
einmal eine technologische Infrastruktur in hunderten von Millionen Exemplaren
in der Welt steht.
Wohin das führt, kann man am besten am Stromnetz sehen. So ist es irgendwie schwer einzusehen, warum in hunderten von Millionen Haushalten weltweit hunderte von Millionen Tonnen Erdöl jährlich für pure Wärmeerzeugung verbrannt werden, wenn mit diesem Erdöl auch noch Strom erzeugt werden könnte, und die Abwärme dann für die Heizung genutzt würde. Ein katalysierter und gekapselter Dieselmotor ist auch nicht viel teurer als ein moderner Heizkessel, und sollte sich bei der Stromersparnis sehr bald amortisieren. Anscheinend ist hier eine äußerst wirksame Denkbremse in das kollektive Bewußtsein von ca. 1 Milliarde Bewohner der nördlichen Industriestaaten eingebaut, die diesen an sich naheliegenden Schluß, und vor allem die Umsetzung in politische Entscheidung, verhindert. Und das hat anscheinend etwas mit bestimmten Weichenstellungen zu tun, die die Elektroindustrie installiert hat, nicht nur auf dem Gebiet der Strom-Leitungen. Dagegen ist die augenblickliche Diskussion um die Einspeisung von Kleinerzeugern von Solar-, Wind- oder Wasserkraft, gegen die sich die Stromindustrie so vehement sperrt, ein reines Peanuts-Thema. Wobei man wohl dem Staat mit seiner Diesel-Besteuerungspolitik auch noch ein gutes Stück Verantwortung zuschieben könnte. Siehe auch den IFG-1998 Vortrag von Yannis Palocrassas zur Vorreiter-Rolle des Staates und der Bürokratien bei der Erzeugung der heutigen Krise der Industrienationen.
Ferdinand
Steinbeis ist besonders "im Ländle" Baden-Württemberg das Wahrzeichen
einer menschenbewußten Technologie-Entwicklung, die sich damals in einer
ähnlichen Situation wie der heutigen Globalisierung gegen den
menschenverachtenden Manchester-Kapitalismus gerichtet hat und schon damals
erkannt hat, daß das wertvollste "Kapital" jeder Wirtschaft, auch der
industriekapitalistischen, das Know-How und das Engagement der Menschen, und
nicht nur der Manager, ist. Davon zehren die Daimlers, Porsches, und tausende
von mittelständischen Unternehmern "im Ländle" noch heute.
->:F_STEINBEIS
->
Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte
Kurze Darstellung der Zentralthesen von Mitscherlich und ihren Auswirkungen:
Das Boden-Eigentumsrecht unserer Städte ist einer der wichtigsten
Faktoren, die über die (Nicht-) Wohnlichkeit entscheiden. Hier ist es vor
allem die urbane Bodenspekulation, die für bestimmte Gruppen eine
veritable Bereicherungsindustrie darstellt. Grundproblematik ist die Imbalance
zwischen dem Profit, den der Bodeneigentümer eines Stadtgrundstücks
aus allen kommunalen Infrastrukturmaßnahmen (Straßen, Kanalisation,
Energie, Verkehrsmittel) ziehen kann, und dem (zu) geringen Anteil, mit dem die
Bodeneigentümer (über Grundsteuern) zum Tragen dieser Kosten mit
herangezogen werden. Garrett Hardin nannte das Problem die "Commonized Cost -
Privatized Profit" Falle (aus: "Filters against folly"). Der Wert eines
Grundstücks wird im wesentlichen von der Verkehrslage (also der
öffentlichen Infrastruktur) bestimmt. Dies führt zu einer
Umverteilung der kommunalen Investitionen auf die privaten Bodenbesitzer.
Mitscherlich sieht hier einen der Hauptfaktoren des Niedergangs, der
Aushöhlung, und der strukturellen Zerstörung der modernen
Städte.
Besonderer Faktor ist hier die Rolle von Kleingewerben als kommunale
Dienstleistung. Wesentlich ist die Berücksichtigung des Raumbedarfs
für Dienstleister, die nicht mit 30,- DM Gewerberaummieten konkurrieren
können.
@:FEUDALISMUS
Literatur: Brunner: Land und Herrschaft.
Der feudale Ursprung des städtischen Bodenrechts: Die Stadt entstand
traditionell aus einem Wege-Zollrecht der Feudal-Grundherren: Der Feudalherr
erhob einen Wegezoll an einem Ort, der einen verkehrsstrategischen Engpaß
darstellte: "Durch diese hohle Gasse muß er kommen (Schiller, Wilhelm
Tell)".
Die meisten größeren Städte Europas entstanden so (z.B.
Frank-Furt, München, etc.). Daher ist es nicht verwunderlich, wenn dieses
feudale Rechtsrelikt in der heutigen Kommunalrechtslandschaft uralte Strukturen
und Privilegien zementiert. Denn die am ältesten eingesessenen
Bodeneigentümer profitierten in der Regel am meisten von diesem Recht, das
sie sich demnach auch ungern nehmen ließen.
-> Brunner: Land und Herrschaft, 273-303, 349-354.
-> Brunner: S. 344: "Wir kennen den Prozeß der ständigen
Verdichtung und Steigerung der Herrenrechte."
-> Norbert Elias: Der Prozess der Zivilisation
Ein Grundproblem heutiger Staaten ist ihre Fundierung auf geschriebenes Recht. Der Zusammenbruch der Schriftsysteme ( ->: diskur06.htm#ZUSAMMENBRUCH p. 45) zieht auch die Rechtssysteme in Mitleidenschaft. Wenn in unserer Zeit die gesellschaftliche (technologische- produktions- / lebensumstände-) Situation sich schneller ändert, als die politischen Mechanismen auf die Veränderungen reagieren können, bzw. die technologische / wirtschaftliche Dynamik von politischen Kräften reflektiert werden kann, so ist das ganze Gesellschaftssystem davon in Mitleidenschaft gezogen. Es ist dringend nötig, die Grundlagen unseres Rechts zu überdenken, und alte Konzepte wieder zu erwägen, nämlich ob Rechtsanwendung fallbasiert (algorithmisch) definiert werden kann. Das war schon im antiken Rom und Griechenland so, als man von einem kleinen Bestand von Grundsatzrechten ausging, die der Sachlage entsprechend angewandt wurden. (Kasuistik?).
Das
Verkehrsrecht als einer der Haupt- Infrastruktur-Faktoren der ökonomischen
Produktivität einer Volkswirtschaft mag hier als Beispiel dienen. Die
motorisierte Verkehrsteilnahme wird heute noch (in der BRD) als obrigkeitliche
Lizenz (Sondervergünstigung) und nicht als bürgerliches Grundrecht
angesehen, die von der Obrigkeit unter allen möglichen Gründen
entzogen werden kann[11]. Zudem existiert in
der BRD eine fatale Maschinerie, die jährlich Tausende von Arbeitslosen
durch Entzug der Arbeitsgrundlage Führerschein produziert.
Öffentliche Verkehrsmittel reichen leider nicht aus, um die
Arbeitsfähigkeit zu erhalten.
Irgendwann entstand eine unheilvolle Verquickung von Einnahmequellen zur
Sanierung der kommunalen Finanzen, die sich die
"Verkehrssünder"-Bußgelder als immerwährende Einnahmequelle
erschlossen haben, was nun zu einer modernen Hexenjagd entartet ist (Stern 32,
1998). In manchen Gegenden Deutschlands (wie z.B. in dem Gebiet, das durch die
Autobahnen Ulm-Stuttgart-Heilbronn, -Schwäbisch-Hall Aalen-Heidenheim-Ulm
eingeschlossen ist) stehen in jedem Dorf ein oder mehrere Radar- /
Ampelkästen. Da alle Einheimischen natürlich den Standort der
Radarkästen kennen, gehen nur Auswärtige in die Falle. Eine typische
Wegelagerer-Situation, die mit der ursprünglichen Vorstellung einer
Verkehrsüberwachung und -Beruhigung nichts mehr zu tun hat.
Der fatale Mechanismus ist, daß der Bußgeldkatalog irgendwann
einmal gesetzlich mit einem aufsummierenden Punktekatalog zum (quasi-)
automatischen Entzug des Führerscheins verbunden wurde, aber es wurde
vergessen, daß die ökonomische Spirale der regelmäßig
notwendigen Erhöhung der Bußgelder (zur Aufbesserung der kommunalen
Finanzen) leider linear mit der automatischen Aberkennung des
Führerscheins von Tausenden und Abertausenden Menschen einhergeht, die
durch diesen Automatismus ihrer Lebensgrundlage beraubt werden, und damit
über Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe auf ebendenselben Taschen der
Kommunen liegen. Es ist eine Aufgabe der Kommunen, zu sehen, wie sie sich da
selber ins Fleisch schneiden. Heute sind 6,66 Mio Autofahrer, also mehr als 10%
der BRD Führerschein-Inhaber in dem Flensburger Sündenregister
"verewigt" (-> Stuttgarter Zeitung, 17.12.97, S. 1.), und damit wohl etwa
100% aller Personen, die häufig Auto fahren, und das Auto zum
Lebenswerwerb benötigen.
Weiterhin wäre zu nennen, daß Ampeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen[12], und Markierungsstreifen als
"Geßlerhüte" da stehen, deren Mißachtung obrigkeitsstaatlich
mit (unverhältnismäßiger?) Härte unbesehen der
Umstände verfolgt wird[13]. Während
Verkehrsvergehen nahezu mit einer 100%igen mechanistischen Genauigkeit verfolgt
werden[14], werden bei anderen Vergehen wie
z.B. Ladendiebstahl die Verfahren meistens eingestellt. Der Skandal ist darin
zu sehen, daß durch die finanzielle Verquickung offenbar ein Anlass darin
besteht, die Verkehrssünder mit größerer Härte und
Unnachgiebigkeit zu bestrafen als vergleichbare andere Vergehen. Ein Vergleich
mit der Drogenpolitik drängt sich auf.
[1] Kohr, Leopold: The city of man, Univ. of
Puerto Rico, 1976.
[2] Zum Anmerken: Auf dem flachen Land
können wir an einem Tag ziemlich genau so weit laufen, wie unser Blick uns
den Horizont darstellt. Daher ist der Horizont eine sowohl der menschlichen
Fort- als auch Denk- Bewegung durchaus optimal angepaßte
Größe. Wie Ivan Illich vermerkt, konnte in den früheren Zeiten
ein wandernder Mönch/Handwerksbursche/Kaufmann sogar seine Sprache an die
kaum merklich von lokalem Dialekt zu lokalem Dialekt sich verändernden
Nuancen anpassen, so daß er, ohne es als Bruch zu erfahren, z.B. von
einem urdeutschen Sprachhorizont in das französische oder italienische
Sprachgebiet hinüberdiffundieren konnte. Er lernte die anderen Sprachen
sozusagen "per pedes apostulorum". Dies war natürlich mit dem Zeitalter
der Nationalstaaten und ihrer fixierten Grenzen ebenso zuende.
[3] The city of man: xiv
[4] ibid.
[5] The city of man: 17
[6] Anführungszeichen wegen der
grundsätzlichen Problematik des Begriffs ->:
INF_KULTUR
[7] Seit der sog. Agrar-Revolution. Siehe Jared
Diamond.
[8] Das Horrorszenario von Microsoft und Co. als
Info-Crack Dealer. Informationstechnologien sorgen für allgemeine
Beschleunigung der Abläufe in allen technischen und organisatorieschen
Sektoren der Gesellschaft. Leider ist aber das menschliche Nervensystem nicht
auf unbeschränkte Beschleunigung eingerichtet. Man vergleiche der
Erfahrungen mit dem Einsatz der "Stuka-Tabletten" im 2. Weltkrieg. (Tholen/
Kittler: Arsenale der Seele. Drogen und Krieg). Ein anderer tabuisierter Faktor
ist Kokain-Konsum und Informationsindustrie.
[9] Als Beispiele: Auf der einen Seite
Alkoholismus, Koffein- und Nikotinsucht als staatstragende (weil
steuerbringende und/oder Produktions- und Konsum-steigernde)
Suchterscheinungen, und auf der anderen Seite schwere Gefängnisstrafen
für den Besitz von inkriminierten Substanzen, deren Sucht- und soziales
Gefährdungspotential bei weitem nicht an die vorher genannten Probleme
heranreicht. Man vergleiche nur die Statistiken zu den jährlichen Zahlen
von Alkohol-verursachten Verkehrsopfern mit den Todesfällen durch
kriminalisierte Rauschdrogen. Somit entsteht ein unermeßlicher
volkswirtschaftlicher Schaden, durch Gesetz-verursachte Effekte, wie
Sekundär- und Beschaffungskriminalität, während im eigentlichen
Vergehensbereich, also dem Drogenkonsum, der Schaden im Vergleich mit legalen
Rausch- und Aufputsch-Substanzen geradezu zu vernachlässigen ist.
Weiterhin wäre zu nennen der vom Medizin- und Pharma- Establishment
unterstützte gewohnheitsmäßige Massen-Konsum von medizinisch
etablierten Drogen zur Ruhigstellung und Produktivitätserhaltung:
Tranquilizer, Psychopharmaka wie Stimmungsaufheller, Antidepressiva...
[10] Nach einer Geschichte, die sich in China
zugetragen haben soll. Ein Öl-Industrieller bot sich den Chinesen an, ihre
alten Ölfunzeln gegen neue Petroleumlampen umsonst einzutauschen. Die
Chinesen machten massenhaft von dem Angebot Gebrauch, nur um nachher
ernüchtert festzustellen, daß die neuen Lampen auch nur das
Petroleum des Öl-Industriellen brannten, und das zum zehnfachen Preis des
alten Öls. Da die alten Lampen aber nun weg waren, gab es kein zurück
mehr für die Chinesen. Die Ähnlichkeiten mit heutiger geschenkter
Browser-Software sind dem Geschichtskundigen unübersehbar. Siehe auch ->:
GLOBAL_DOC.
[11] So z.B. für Vergehen, die mit dem
Straßenverkehr überhaupt nichts zu tun haben.
[12] Das Tempolimit (z.B. in Kurven) ist
für schwerbeladene Lastwagen ausgelegt, wird aber auf Fahrzeuge jeder Art
"über einen Kamm geschoren".
[13] Z.B. nachts um drei, wenn niemand da ist
oder gefährdet werden könnte, oder Radarfallen, die typischerweise
nicht an gefährlichen Stellen stehen, wo man schon aus Vorsicht langsamer
fährt, sondern an den schönen, breiten, übersichtlichen
Abschnitten, wo es sich ja einlädt, ein wenig "auf die Tube zu
drücken".
[14] Und Einspruchmöglichkeiten per
Gesetz immer weiter zurückgenommen werden.