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2. Kultur / Theorien


@:KULTUR_THEOR
Die Projektarbeit im Bereich Kultur / Theorien umfaßte die Dokumentation verschiedener namhafter theoretischer Ansätze, insb. der Materialien, die über die WWW-Recherchen gefunden wurden.

2.1. Modelle für Wirtschaft und Gesellschaft

@:MODELL_GES

2.1.1. Kongress: Stadt der Zukunft - Zukunft der Stadt

@:STADT_ZUKUNFT
Ulm, 9.-11.10.1997, Prof. Dr. Dieter Sauberzweig, Berlin, Organisator.
Abhängig von der Erlaubnis des Verlags soll hier eine HTML-(Kurz-/Voll-) Fassung des Kongress-Vortragsbandes gebracht werden.
(CD-Version) (URL) file:stadt.htm

2.1.2. Johannes Heinrichs: Sprung aus dem Teufelskreis

@:JOH_HEINRICHS
Kurze Einführung von A. Goppold:
Wir erhalten hier eine umfassende Gesamtübersicht, und in gleicher Weise eine an die Fundamente gehende theoretisch-philosophische Diagnose der kulturellen und sozialen Grundprobleme an der Basis unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsformen, und ein Programm zur wurzel-ergreifenden (radikalen) Umgestaltung eben dieser Grundlagen zur Erreichung des Ziels einer nachhaltigen und menschenwürdigen Zukunft. Johannes Heinrichs entwirft in diesem Buch seine Theorie der natürlichen Wirtschaftslehre. Diese Schrift basiert auf den umfangreichen sozial- und kulturtheoretischen Arbeiten des Verfassers, die in seiner Bibliographie gelistet sind. Kernelement ist sein Entwurf der systemischen Viergliederung des Sozialen, der auf S. 49-58 umrissen wird. In seiner Besprechung der Entwürfe seiner Vorgänger bespricht Heinrichs die Arbeit des Begründers der Natürlichen Wirtschaftsordnung, Silvio Gesell (21-55) ->: diskur03.htm#SILVIO_GESELL, und kontrastiert dessen Arbeit in Kap. 11 (175-205) mit der Lehre von Karl Marx. Weiterhin widmet er zwei Kapitel (123-174) dem Pionier der katholischen Soziallehre, Johannes Kleinhappl.
Volltext des Buches im WWW-Format hier: (URL) file:tkreis.htm
Bibliographie-Eintrag ->: diskur15.htm#TEUFELSKREIS
Weitere Arbeiten in diesem Zusammenhang unter ->: diskur03.htm#NAT_WIRT

2.1.3. Leopold Kohr

@:KOHR_EINF
Kurze Einführung von A. Goppold:
Leopold Kohr kann (nach Aristoteles) als Spiritus Rector der Theorie menschengerechter Sozialsysteme angesehen werden. Seine Schriften beeinflußten eine Generation von Vordenkern, wie Ivan Illich und Eugen Schumacher, maßgeblich. Kohrs Arbeit war zentral an der Aristotelischen Konzeption des "Guten Lebens" in einem Sozialverbund ausgerichtet[1], der eu-daimonia ->: diskur12.htm#EU_DAIMONIA. Er prägte einen Begriff der menschenangepaßten Größenordnung von Sozialsystemen, an das zu erinnern in unserem heutigen Zeitalter der Globalisierung immer nur noch wichtiger wird. Unter dem Stichwort "Subsidiarität" haben seine Arbeiten heute den größten Stellenwert.
Einige Zitate aus seinen Werken:
"Die Qualität von Herrschern steht im umgekehrten Verhältnis zu der Größe des Mobs, den sie regieren."
"Es war ein Desaster, als die kleinen Staaten und Fürstentümer Europas zu den sogenannten großen Nationen-Staaten zusammengebastelt wurden... es hat zu nichts als Kriegen brutalster Art geführt.
"Die Urdistanz aller Entfernungen, die 22-km Einheit.. 1/2 Std. mit der Lokalbahn, 1 Std. mit dem Rad, 4 Std. zu Fuß."[2]
"In einer Welt von Kleinstaaten bräuchte man nur ein paar Kilometer weit zu wandern, um in einem anderen Staat Asyl zu finden".
"This purpose was philosophically expressed by Aristotle when he said that men form communities not for justice, peace, defense, or traffic, but for the sake of the good life, the summum bonum. And the good life in the community has at all times signified the satisfaction of man's three basic social desires to which former planners have invariably given material shape in their structures. These desires are conviviality, religiosity, and politics. Hence the nucleus of their cities, with all their variations in styles, consisted always of the same basic structdures. Taverns and theatres to satisfy conviviality, churches to satisfy religiosity, and city halls - their political temperament."[3]
"To sum up the success of old, and the failure of modern city planners in one sentence: ancient planners, recognizing the unchanging Aristotelian purpose of why people live in communities, put all their talent into the construction of the communal nucleus - inns, churches, city halls. The rest of the city then followed by itself. Modern planners are forever building the rest of the city. But without the nucleus nothing can be held together"[4]
"... to talk about aesthetics among theorists of industrial location and other economists is like raising the question of sex amongst pre-Freudian child educators. Half of them cannot grasp the connection, the other half are shocked"[5]
->: diskur11.htm#LEOPOLD_KOHR
->: diskur11.htm#CONVIVIALITY
-> Nachlaßverwalter von Leopold Kohr (Winter: Salzburg, Foetter: Neukirchen)
Das Verlagsprogramm von ->: diskur03.htm#AXEL_MENGES enthält wichtige zeitgenössische Werke in der Denklinie von Kohr. Was aber nicht bedeuten muß, daß die jeweiligen Autoren Kohr je gelesen haben müssen. Anscheinend ist in der Architektur ein gewisses Verständnis für die Grundanliegen von Kohr noch nicht ganz verloren gegangen. So z.B. ist Alfred Schinz (The Magic Square) m.E. einer der bedeutendsten Vertreter der Kohrschen Ansätze, und aus meinen Unterhaltungen mit Schinz weiß ich, daß er nie in seinem Leben von Kohr gehört hatte. Ein anderes in dieser Hinsicht wesentliches Buch aus dem Programm von Menges ist: Jan Pieper: "Pienza - Der Entwurf einer humanistischen Weltsicht", der Stadt, die von Papst Pius (#???), dem Renaissance-Gelehrten und engen Freund und Vertrauten von Cusanus, geplant und gegründet wurde.
In meiner Weltsicht nehmen Leopold Kohr und Lewis Mumford die hervorragenden Plätze von Visonären ein, deren Blick weit über den Horizont ihrer damaligen Zeit reichte. Die durchdringende Kraft ihres Erkennens läßt sich mit dem heutigen Erkenntnisfortschritt umso besser ermessen. Da beide intellektuell dem industriellen Zeitalter angehörten, fehlt ihnen das Begriffsinstrumentarium, das von den Medientheoretikern, angefangen mit Innis, Havelock, McLuhan, Ong, aufgebaut wurde, und heute zu einer gewaltigen Bewegung geworden ist, von denen man nur ganz willkürlich einige heutige Vertreter, wie Veltman, Assmann&Assmann, Kittler und Nadin stellvertretend für die ganze Bewegung nennen kann. Das "gute Leben" der Aristotelischen Stadt, wie Kohr es darstellt, hatte eine essentielle "Informations"[6]- Komponente, die für Kohr noch nicht greifbar und darstellbar war. Dies zu formulieren ist der Ansatz und die Aufgabenstellung des vorliegenden Projekts MM-Diskurs.

2.1.4. UnternehmensGrün

Verband zur Förderung umweltgerechten Wirtschaftens
Martina Schwendmann, Geschäftsführerin
Hermannstr. 5a, 70178 Stuttgart
tel. 0711 615 9510, fx: 0711 615 9540
(URL) http://www.angele.de/unternehmensgruen
Eugen Schlachter, Haldenweg 24 88437 Maselheim
Fon: 07351/8940 pr. oder 07305/9623-20 ge.
(URL) mailto:Eugen.Schlachter@T-Online.de
Sprecher des Vorstandes der Raiffeisenbank Dellmensingen eG
(URL) mailto:Raiffeisenbank.Dellmensingen@T-Online.de

2.1.5. Schweisfurth Stiftung

Südliches Schloßrondell 1, 80638 München, Tel. 171826 , Fax 171816
Die Schweisfurth Stiftung beschäftigt sich mit Projekten im ökologischen Umkreis, und fördert Forschungsarbeiten in dem Bereich.
(URL) http://www.zukunft.de/Schweisfurth
Netzwerk Neue Arbeit, Prof. Fritjof Bergmann:
(URL) http://www.zukunft.de/Schweisfurth/NNA/
->: diskur15.htm#AX_HANDWERK
->: diskur15.htm#OEKOLOGIK

2.1.6. Hans-Ulrich Oberländer

Hans-Ulrich Oberländer, S.-Allende-Pl. 5, 07747 Jena, 03641-390238
Sein Artikel: "Existenz und Arbeit sicherndes Sozialmodell zur zukunftsfähigen Gestaltung der Energiedienste in der Europäischen Union" ist hier komplett im WWW-Format zu finden.
->: diskur09.htm#OBERLAENDER

2.1.7. Tauschen statt Bezahlen

Manon Baukhage / Daniel Wendl
Tauschen statt Bezahlen
Leben ohne Geld und Zinsen
233 Seiten, DM/sFr 24,80 / öS 181,-
ISBN 3-88022-648-2
E-Mail an Manon Baukhage: (URL) mailto:mb@pm-magazin.de
(URL) http://www.rotbuch.de/baukhage.htm
Auszug aus der WWW-Seite: (URL) http://www.rotbuch.de/baukhage.htm
Das erste Buch über eine neue gesellschaftliche Bewegung gegen soziale Kälte, für eine mitmenschliche alternative Ökonomie. Mit Mitmach-Karte. »Ohne Moos geh's los - tauschen statt bezahlen« ist das Motto des Kreuzberger Tauschrings. »Tausche erstklassiges Büffet-Service gegen wunderbares Liebesgedicht«, stand in der Tauschzeitung Straßenkreuzer. Wie kann man in einer Welt, die vom Geld regiert wird, ohne Geld leben? Man besinnt sich auf seine Talente! Eine neue Bewegung formiert sich, allein in Deutschland gibt es bereits über 200 Tauschringe, in denen Dienstleistungen und Waren getauscht werden. Haareschneiden und Kuchenbacken, Computerkurse oder Shiatsu-Massage, Totenwachen und Zuhören, Tapezieren oder Kompostwürmer - getauscht wird fast alles. Die Mitglieder eines Tauschrings können aus dem Angebot der Gemeinschaft frei auswählen. »Bezahlt« wird mit Phantasiewährungen wie Isarthalern, Knochen, Kreuzern oder Talenten. In diesem Buch wird erstmals ein Überblick gegeben über die Tauschbewegung in Deutschland und weltweit. Es werden Materialien und Hinweise geliefert für alle, die mitmachen oder selbst einen Tauschring gründen wollen. Die Bewegung formiert sich auch gegen die soziale Kälte in der Leistungsgesellschaft und den alles erstickenden Staat. Im Anhang gibt es eine Sammlung internationaler Adressen, wie sie bisher im deutschen Sprachraum einmalig ist.

2.1.8. Bernard Lietaer: Transaction Net

Transaction Net: Publications on the Future of Money
(URL) http://www.transaction.net/money/
Folgendes Zitat aus einem Interview von Sarah van Gelder mit Bernard Lietaer:
(URL) http://www.transaction.net/press/interviews/lietaer0497.html

Few people have worked in and on the money system in as many different capacities as Bernard Lietaer. He spent five years at the Central Bank in Belgium, where his first project was the design and implementation of the single European currency system. He was president of Belgium's Electronic Payment System, and has developed technologies for multinational corporations to use in managing multiple currency environments. He has helped developing countries improve their hard currency earnings and taught international finance at the University of Louvain, in his native Belgium. Bernard Lietaer was also the general manager and currency trader for one of the largest and most successful offshore currency funds. He is currently a fellow at the Center for Sustainable Resources at the University of California at Berkeley and is writing his seventh book: The Future of Money: Beyond Greed and Scarcity.

2.1.9. Natürliche Wirtschaftsordnung, alternative Geld-Theorien

@:NAT_WIRT
Die meisten der hier dargestellten Entwürfe orientieren sich an den Arbeiten von Silvio Gesell. Eine Übersicht zu WWW-Beiträgen zu dem Themenkreis ist unter:
Weitere Links zum Thema: 'Neues Geld und Ökonomie'
(URL) http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/kennedy/links.html
(CD-Version) (URL) file:0NA/BRIEFS/GELD/NA0.htm
NWO im WWW
(URL) http://www.anjora.de/nwo/inhalt.htm
(CD-Version) (URL) file:0NA/BRIEFS/NWO/NA0.htm

Silvio Gesell

@:SILVIO_GESELL
(URL) http://ourworld.compuserve.com/homepages/ruetten/Gesell.htm
(CD-Version) (URL) file:0NA/BRIEFS/MON/NA1461.HTM
(CD-Version) (URL) file:0NA/BRIEFS/Gesell/NA0.htm
Silvio Gesell: Die Natürliche Wirtschaftsordnung
Text unter:
(URL) http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/
(CD-Version) (URL) file:0NA/BRIEFS/nat-wirt/NA0.htm

Tagung: Zukunftsfähige Wirtschaft

Beiträge zum INWO-Kongress '95 in Bern
Autoren:
Peter Kafka, Pierre Fornallaz, Renato Pichler, Hans C. Binswanger, Peter Bosshard, Luzius Theiler, Helmut Creutz, Margrit Kennedy, Thomas Estermann, Sol Lyfond, Felix Bührer, Werner Rosenberger
(URL) http://www.echo.ch/org/inwo/tagungsband95/Titel_Autoren.html
(CD-Version) (URL) file:0NA/BRIEFS/sch-nwo/NA560.HTM

Wiederbelebung der Natur und natürliche Wirtschaftsordnung

Veranstaltungsreihe von Prof. Dr. Bernd Senf
Fachhochschule für Wirtschaft, Badensche Str. 50/51, 10825 Berlin-Schöneberg, U-Bhf Bayerischer Platz
und: Stroeme Institut, Hermannstr. 48, 2. Hinterhof, 5. Etage, 12049 Berlin

Wirtschaften im Einklang mit der Natur und mit uns selbst

Dr. Hans-Peter Studer, Rickstraße 31, CH-9037 Speicherschwendi
Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege
Berichte der ANL 20, (1996), 49-60
Der Artikel enthält eine Fülle von Anregungen für neue soziale und wirtschaftliche Konzepte.
Untertitel aus dem Artikel:
Das Wesen des Geldes und seine Vermehrung
Vom Wettbewerb zum Catch-as-Catch-Can
Der Staat als Sündenbock und Lastesel
Sustainable Shrinking ist angesagt
Die Marktwirtschaft braucht neue Rahmenbedingungen
Der Natur einen Preis geben
Den ersten mit einem zweiten Arbeitsmarkt ergänzen
Garantiertes Grundeinkommen anstelle der heutigen Rentensysteme
Vom Zins zum umlaufgesichterten Geld
Obergrenzen für Einkommen und Gewinne
Vorteile einer Bandbreiten-Marktwirtschaft
Scheinbare Widersprüche
Entflechtung von Politik und Wirtschaft
Selbstzerstörung oder Quantensprung des individuellen und kollektiven Bewußtseins?

2.2. Kultur und lebenswerte Sozialstruktur

2.2.1. Aufgaben und Potentiale des Kulturschaffens in einer lebenswerten Sozialstruktur

Leider ist der Begriff "Kultur" extrem vage, und wird von jedem, der ihn benutzt, in eigener Bedeutung gebraucht. Einige Streiflichter durch heute vertretene Interpretationen sollen in dem folgenden Abschnitt gegeben werden, ohne jedoch Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität zu erheben.
Die Thematik des MM-Diskurs bezieht sich auf die Bedeutung des "Kulturschaffens" in einer lebenswerten Sozialstruktur. Menschliches Leben besteht nicht nur aus Ökonomie, und hat vor allem nicht ihren Endzweck hierin, sondern wird insbesondere von den Kontakten und gemeinsamen Aktivitäten bestimmt. Wir erinnern hier an die höheren Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide und den Begriff der Aristotelischen eu-daimonia, wie er von Kohr verwendet wird.
->: diskur03.htm#KOHR_EINF
->: diskur11.htm#LEOPOLD_KOHR
In ähnlicher Weise wird die Kultur von Johannes Heinrichs behandelt.
->: diskur03.htm#JOH_HEINRICHS
In welchem Verhältnis Multimedia und Telematik zur Kultur steht, ist sicher ein sehr strittiges Thema. Die Ars Electronica (URL) http://www.aec.at/ macht sich seit vielen Jahren darum verdient, eine solche Verbindung herstellen (zu wollen). Es bieten sich hier Möglichkeiten einer Ergänzung bestehender Strukturen, besonders auch um den nivellierenden und gleichmachenden Einflüssen einer Massen-Konsum-Industrie entgegenzuwirken. Das WWW erlaubt es z.B., Aufführungen von Künstlern mit spezieller Ausrichtung und kleinem, ausgesuchtem Publikum (wie Ethno-Musik) für ihre weitverbreitete Fangemeinde preiswert bekanntzumachen und zu organisieren.
Ein weiterer Ansatz zum Thema Kultur und moderne Gesellschaft ist der Club of Vienna.
->: diskur08.htm#CLUB_VIENNA

2.2.2. Autokatalyse und die dunklen Seiten der Kultur

Es ist aber nicht zu übersehen, daß es noch ganz andere, gänzlich diametral entgegengesetzte Ansichten zu dem Thema "Kultur" gibt. Auf der einen Seite finden wir, wie bei Kohr und Heinrichs, das menschlich lebenswerte, das zu optimierende, oder in der deutschen Umgangssprache "das kultivierte" an der Kultur (wir können dies den humanistischen Kulturbegriff nennen). Auf der anderen Seite finden wir eine sehr harte, zwingende, mechanische, ja sogar grausame Sicht der Kultur, die man die thermodynamische, autokatalytische, oder soziobiologische Kulturtheorie nennen könnte.
Deren Vertreter sind z.B.:
Schopenhauer und Nietzsche als philosophische Urahnen. "Welt als Wille und Vorstellung", "Wille zur Macht".
Der Vordenker Herbert Spencer, in einer Zusammenfassung durch Robert Carneiro ->: diskur15.htm#CARNEIRO.
Howard Bloom: The Lucifer principle ->: diskur08.htm#LUCIFER_PRINCIPLE
Heiner Mühlmann: Die Natur der Kulturen
(URL) http://www.uni-wuppertal.de/FB5-Hofaue/Brock/Aktuell.html
Memetik ->: diskur08.htm#MEMETICS
Jacques Neirynck (1994)
Jared Diamond (1992, 1997)
Samuel Huntingdon: The clash of civilizations
Als eine Art von Schocktherapie sind diese Werke besonders denen zu empfehlen, die sich aus politischen Gründen (Multi-Kulti-Adherenten) lieber auf einem weltanschaulichen Antipoden dieser Meinungsträger ansiedeln. Auch wenn man nicht mit ihrer Weltsicht übereinstimmt, ist die Kenntnis ihrer Argumente sehr hilfreich. Es handelt sich um sehr beunruhigende Analysen der Hintergrundfaktoren der menschlichen Kulturentwicklung, von denen zu hoffen ist, daß sie nicht ganz so schrecklich, wie dargestellt, zu nehmen sind, aber wehe uns, wenn sie wahr sind!
Denn bei uns in Deutschland assoziiert man "Kultur" gerne mit "freiem Zugang zu den Universitäten für alle", Humboldt, Goethe, Schiller, Staatsoper, Ballett, Beethoven, und Wagner, aber weniger gerne mit Kaserne, Zuchthaus, Kindesmißhandlung, und -Mißbrauch, Paragraph 218, Drogen-Verbrauch und -Mißbrauch, Skinheads, Nazis, und Konzentrationslager. Die oben genannten Kulturtheorien stellen eine Art Schocktherapie für die Denkweisen der kulturverklärenden Art dar, denen wir in Deutschland anscheinend mehr verfallen sind, als andere europäische Nationen. Natürlich ist das alles eine Definitionsfrage, was man mit "Kultur" eigentlich meint, und man kann sich definitorisch darauf einigen, daß man mit "Kultur" nur die positiven Seiten der Kultur benennen will. Was macht man aber, wenn man dauernd mit den negativen Seiten der Kultur konfrontiert wird, und man keine vernünftige Strategie entwickeln kann, um für diese Probleme eine ausreichend fundierte Behandlung zu finden? Siehe dazu auch die augenblickliche Diskussion um Steuerpolitik, Standord Deutschland (bzw. Europa), Arbeitslosenproblem (-> Viviane Forrester: Terror der Ökonomie), Gewalt gegen Ausländer, Mafia und organisierte Kriminalität, und terroristische Staaten, die die Menschenrechte mit Füßen treten, aber von der Wirtschaft (und leider auch der Politik) hofiert werden, weil ein Terror-Regime vielleicht bessere Sicherheit für die Kredite bietet, als eine instabile Demokratie.
Lewis Mumford hat mit "The myth of the machine" eine exakte Beschreibung der Symptomatik der autokatalytischen Zivilisation geliefert, aber er konnte mangels theoretischem Durchgriff auf das thermodynamische und systemtheoretische Instrumentarium seine Theorie nur metaphorisch, als Mythos, formulieren, was dem Verständnis seines Werkes größten Nachteil bereitet hat. Man müßte sein Werk und die der obigen Autoren parallel lesen, um die Entsprechungen zu finden, was bei insgesamt mehreren 1000 Seiten nicht so leicht zu verlangen ist.
Nicht zu vergessen natürlich Spenglers "Untergang des Abendlandes", der ebenfalls gezwungen ist, den Hauptinhalt seines Werkes als Mythos zu formulieren. Mumford polemisiert endlos gegen Spengler, hat aber genau dasselbe Problem. Spengler, als Nachfolger von Nietzsche (und Schopenhauer), verherrlicht in seinem Werk den blinden autokatalytischen Drang der Naturgesetzlichkeit in der Zivilisationsentwicklung, während Mumford ihn verabscheut. Es ist das Privileg der Spätgeborenen, sich über solche "minor variations" einer Generalthematik souverän hinwegzusetzen.
Weiterführende Diskussion:
->: diskur05.htm#WAFFE_INFO
Heise Telepolis
(URL) http://www.heise.de/tp/deutsch/special/default.html

2.2.2.1. Viviane Forrester: Terror der Ökonomie

Viviane Forresters: "Terror der Ökonomie" gibt eine sehr emotionale aber genau treffende Darstellung der sozialen und menschlichen Probleme der Globalen Autokatalyse. Sie hätte gut daran getan, Mumford und Spengler zu lesen, und es ist bedauerlich, daß sie keinen guten technischen und kulturtheoretischen Ghostwriter hatte. Ihre Erfassung den technisch- kulturtheoretischen Grundlagen der Entwicklung ist dürftig, aber sie beschreibt die Folgen sehr genau, und sie konfrontiert uns mit genau solchen Aspekten der Kultur, die wir lieber nicht sehen wollen.
Weitere Besprechung: ->: diskur10.htm#TERROR_OEKO

2.2.3. Autokatalytische Prozesse, Informations- und Technologie-Sucht und Sozialpathologien

@:AUTOKATALYSE
Die Zivilisationsentwicklung der Menschheit zeigt klare autokatalytische Züge, und die heutige Gefahr eines totalen Weltzusammenbruchs durch eine entfesselte Techno-Kapitalismus-Maschinerie ist nur die letzte Konsequenz eines nun schon etwa 10,000 Jahren[7] anhaltenden nie zu stoppenden Autokatalyse-Prozesses.
Wir machen hier einen Exkurs in die Kulturtheorien zur tieferen Auslotung der Symptomatik der wesentlichen und wesenshaften Verbindung zwischen Suchtphänomenen und Autokatalyse-Prozessen. Was hat das Suchtpotential von (Informations-) Technologien[8] mit Autokatalyse-Prozessen zu tun?
->: diskur05.htm#INFORMATION
Zum Beispiel: Omnipotenz-Phantasien in der virtuellen Computerwelt. Sind die Geschichten von Hackern und ausgerasteten Computerkids, und WWW-Junkies, nur Anekdoten von nebensächlichen Entgleisungen psychisch instabiler Charaktere oder haben wir es mit einem Phänomen zu tun, das einen größeren Tiefgang hat, mit der "Spitze des Eisbergs" sozusagen eines Technologie-Suchtpotentials, das seinen größten Tiefgang als Sozialpathologie im Untergrund von 5000 Jahren Kultur- und Technologiedynamik entwickelt hat, und das sich nur zu gut zu tarnen weiß?
Autokatalytische Prozesse haben eine hohe Bedeutung in der individual- und sozialpathologischen Diagnostik, aber sie sind ein Tabuthema der heutigen westlichen Zivilisationen. Denn der bekannteste Typ autokatalytischer Prozesse heißt "Sucht". So verlangt zwar jeder Staatshaushalt und jedes politische Programm ein jährlich steigendes Wirtschaftswachstum, aber ebenso reagieren alle Legislaturen und Staatsgewalten der westlichen Zivilisationen teilweise hysterisch, teilweise völlig ineffizient auf das Thema der Suchtkrankheiten [9]. Ebenso Tabuthema ist der Faktor "Sucht" in seiner Anwendung auf die Informationstechnologien. Denn Informationstechnologien ermöglichen hohe Produktivitätssteigerungen und erlauben gleichzeitig die "Freisetzung überflüssiger Produktivkräfte" (Menschen), und ermöglichen damit sowohl Erhöhung der Arbeitslosenzahlen, wie der Unternehmensgewinne. Allgemeiner gefaßt, spricht man vom autokatalytischen Einfluss aller Technologien auf die Kulturentwicklung. In ihren psychologischen Auswirkungen beim Menschen werden die unvorhergesehenen Folgen der Informationstechnologie eher verharmlost. In der Literatur wird das beiläufig und karikierend als Hackertum, Computer-Kids-Phänomen etc. angesprochen, aber kaum in seiner tieferen Verbindung mit der Macht der Technologien auf unser Seelenleben.
->: diskur11.htm#GLOBAL_DOC
-> Sucht und Macht / Sucht und Politik
Dr. Thea Bauriedl, Vortrag im Haus der Begegnung, Ulm 27.11.1997)

2.2.4. Kulturmorphologische Grundmuster und ihre geo-strategische Bedeutung

@:IBN_CHALDUN
Ein kulturmorphologisches Grundmuster, das uns schon seit Ibn Chaldun bekannt ist, ist das Spannungsfeld zwischen Nomaden und seßhaften Städtern und Bauern (den Sedentari). Traditionsgemäß brachen Nomadenstämme immer in das Kulturgebiet der Sedentari ein und zerstörten es, oder raubten es aus, oder installierten eine Herrenschicht über die Sedentari. (Beispiele: Antikes Mesopotamien als Dauerdrehscheibe von Nomadeneinfällen seit 5000 Jahren, die Mongolen in China, Jihad der Araber in Nordafrika, Ägypten, Persien, Vorderasien).
-> Gellner: Schwert und Buch
Diesen Mustern kommt in der telematischen Globalzivilisation eine besondere strategische Bedeutung zu, die die Sedentari noch kaum erkennen können. Einzelne Nomadenvölker haben sich hervorragend an Telekommunikation angepaßt, und so sind auch ohne Neuromancer-Visionen gewisse Zigeuner-Gruppen heute schon auf dem Telefon global aktiv. Diese Tendenzen werden mit Internet noch wesentlich stärker werden.
-> Bruce Chatwin: The songlines
Es steht mit dem Telematik-Zeitalter zu erwarten, daß diese Tendenzen eine starke Wiederkunft finden werden.
Weiter ausgeführt unter
->: diskur05.htm#WAFFE_INFO
->: diskur11.htm#GLOBAL_DOC

2.2.5. Globalisierung

Siehe auch: ->: diskur11.htm#GLOBAL_DOC

2.2.5.1. Die Globalisierungsfalle

Harald Schumann, Redaktion Spiegel
Kurzprotokoll eines Vortrags von Harald Schumann zu seinem Buch
Seine Grundthesen:
Deutschland gehört weiterhin zu den führenden Industrienationen mit den besten Produktionsbedingungen und der größten Produktivität und Stabilität. Auch eine weitere Globalisierung der Produktion wird sich hier nur vorteilhaft für den Industriestandort Deutschland auswirken, weil die Auslands-Nachfrage weiter zum Vorteil Deutschlands ausfallen wird.
Die oft angeführten Investitions-abschreckenden Lohnnebenkosten erweisen sich als statistische Ente, wenn man von den Lohnstückkosten, also dem Arbeitskostenfaktor, bezogen auf die Produktivität, ausgeht. Hier ist Deutschland ein geradezu optimales Land für Investitionen. Der Export von Arbeitsplätzen ist z.T. ebenfalls eine statistische Ente, da vielfach ausländische Produktion eingekauft wird.
Nachdem durch verschiedene Statistiken die oft angeführten "Standortnachteile" als Fiktionen dargestellt worden waren, kam der Vortragende auf den seiner Meinung nach gewichtigeren und fataleren Faktor der heutigen "Globalisierungsfalle": Die Loslösung und Unkontrollierbarkeit des migrierenden Kapitals aus dem Zugriff der Staatsfinanzen. Anhand vieler Charts zeigte er, wie durch die Unkontrollierbarkeit der Kapitalgewinne, immer größere Teile eines traditionellerweise versteuerbaren Kapitalflusses an den Staaten vorbeigelenkt werden und in den off-shore Steuerparadiesen landen. Von dort ist die Macht des Wanderkapitals inzwischen so groß, daß die einzelnen Staaten über den Staats-Schuldendienst erpreßbar geworden sind: Wenn die Gläubiger einen Staat aufgrund einer dem internationalen Kapital nicht als genehm erscheinenden Gesetzgebung als "schlechte Bonität" markieren, kann ein Risiko-Aufschlag auf die Leihbedingungen dazu führen, diesen Staat in die Krise, oder sogar in den Bankrott, zu stürzen. Damit ist der Grundlage eines nationalstaatlich-souveränen Wirtschaftens, wie es die Basis der Politik der modernen Staaten war, jede Grundlage entzogen.
Da sich das internationale Kaptial hiermit völlig unkontrollierbare Akkumulations-Bedingungen geschaffen hat, entsteht wieder ein explosives Potential, wie zu früheren Krisenzeiten der Industrialisierung. Der Vortragende zog einen Vergleich mit der Situation vor der Wirtschaftskrise in den 20ern. Es bilden sich immer wieder reine Spekulationsblasen des vagabundierenden Kapitals, dessen Einsatz ist aber ohne volkswirtschaftlich relevante Ergebnisse. Die Folge müssen notwendigerweise periodische Spekulations-Einbrüche sein, wie in den 20ern, aber auch im 19. Jh., als die Absatzmärkte aufgrund von allgemeiner Verarmung zusammenbrachen.

2.3. Dritte-Welt Modell: Erarbeitung eines Strukturmodells für die Telematik-gestützte Entwicklung von autonomen Wirtschaftsregionen in Schwellenländern

Beispielhaft die Ansätze des FAW Ulm:
"Information Society and Sustainable Development",
AGIP "African Global Inventory Project",
"Global Telematics",
Beiträge zur Konferenz "Information Society and Development",
sowie die IFG Veranstaltungen 1997 und 1998.
z.B. Vortrag von Ashok Koshla und Prof. Radermacher auf der IFG 1998
Weitere Materialien und potentielle Ansprechpartner:
Beiträge des 1998 IMD-Kongresses Frankfurt
(URL) http://staff-www.uni-marburg.de/~rillingr/imd/IMD98/98texte.htm
Uwe Afemann, Universität Osnabrück:
Internet als Chance für den Bildungsbereich in Entwicklungsländern?
(URL) http://www.rz.uni-osnabrueck.de/Dokumentation/Lokale_Kopien/Internet_Und_Dritte_Welt/STUTTGART.html
Heimo Claasen
Der "Browser War": Über den Einbau von Techno-Ideologie in Hard- & Software
(URL) http://www.inti.be/hammer/imd-ffm.scr
-> Prof. Grünert, Ulm: Kontakte zu China
Akademie für Wissenschaft, Wirtschaft, und Technik an der Universität Ulm, e.V.,
Universität Ulm, Rektoramt, (URL) mailto:akademie@rektoramt.uni-ulm.de
-> Deutsch-Japanische Burse, Ulm
-> Museum Villa Rot, Dr. Deuchert, Burgrieden-Rot
Schwellenländer könnten erheblich durch den Einbau einer Informations-Infrastruktur profitieren, da diese (Stichwort Dematerialisation) z.T. ressourcensparender vorgenommen werden kann, als der Bau der traditionellen Industrieländer-Infrastruktur, die sich vor allem um (Massen-) Transportwege herum zentriert. Die Beiträge des 1998 IMD-Kongress Frankfurt zeigten schlaglichtartig einige Probleme einer naiven Anwendung dieser Idee. Ein Hauptproblem z.B. im "Browser War" wird sogar als "Techno-Rassismus" bezeichnet, nämlich der unaufhaltsame Drang der Industrie, dem Informations-Konsumenten Software-Systeme anzubieten, die ihn zwingen, immer die neueste (und teuerste) Hardware (typischerweise von Intel) zu verkaufen. Diese Taktik ist aus der Frühzeit des Industriekapitalismus als der "Chinesische-Lampen-Trick"[10] bekannt. Dies zwingt in den alljährlichen Upgrade-Zyklen Millionen von 1.-Welt Computerbenutzern, ihre an sich noch völlig gebrauchsfähige Hardware abzustoßen und neue zu kaufen. Dies wäre an sich eine Bonanza für die 3. Welt, denn so könnte tatkräftige IuK Entwicklungshilfe zu einem geringen Preis geleistet werden. Was es aber für vielfältige bürokratische und Cliquenwirtschafts-Hindernisse gibt, vom Einsammeln der Hardware in den Ursprungsländern bis zu ihrer Verteilung in der 3. Welt, kann man sich als Uneingeweihter kaum vorstellen. Erstens ist natürlich die 1.Welt Industrie überhaupt nicht daran interessiert, daß ihre eigenen Altprodukte im Süden mit ihren dortigen Neu-Angeboten Konkurrenz machen, zweitens sind die Profite des Handels (bzw. Bestechungszahlungen an die lokale Politikmafia) im Süden ungeheuer, da Altgeräte, die hier 1000 DM kosten, dort mit 10,000 DM-Werten gehandelt werden. (Siehe IMD-Papers). So wünscht sich dort auch niemand aus den politischen und wirtschaftlichen Macht-Kasten allzusehr eine schnelle Marktsättigung mit solcher Technologie. Und zuviel IuK Technologie würde sich auch entscheidend auf eine lokale politische Mündigkeit (z.B. zuviel Polit-unterhaltungen über Internet) auswirken, das den regionalen Macht-Kasten ebenso nicht zu gelegen kommen dürfte.

2.4. Architektur, Ekistik, Kommunikationsinfrastrukturen, Siedlungsplanung

2.4.1. Literatur, Theoretische Vorarbeiten

-> Leopold Kohr
-> Nachlaßverwalter von Leopold Kohr (Winter: Salzburg, Foetter: Neukirchen)
-> Ivan Illich
-> Alexander Mitscherlich: Die Unwirklichkeit unserer Städte
-> Alfred Schinz: The Magic Square
-> Harold Innis: Empire and Communications, The Bias of Communication
-> McLuhan
-> Havelock: Communication arts of the ancient world
Sakrale Architektur, z.B. Kathedralen zur Encodierung von nicht-schreibbarem Wissen [^].

2.4.1.1. Edition Axel Menges

@:AXEL_MENGES
Ein Verlagsprogramm mit wesentlichen für das Projekt relevanten Titeln zum Thema Stadtkultur und Architektur
(URL) http://www.nbnbooks.com
-> Alfred Schinz: The Magic Square
-> Attilio Petruccioli: Fatehpur Sikri
-> Richard Meier: Stadthaus Ulm
-> Saryu Doshi: Dharna Vihara
-> Irmtraud Schaarschmidt-Richter: Himeji Castle
-> Niels Gutschow: The Nepalese Caitya
-> Jan Pieper: Pienza - Der Entwurf einer humanistischen Weltsicht

2.4.2. Ulmer Großer Schwörbrief, Freie Reichsstadt Ulm

Eine wesentliche Verbindung ergibt sich zu den Aktivitäten um das Thema "Ulmer Großer Schwörbrief" zur geschichtlichen Rolle der Stadt als Informationszentrum, und eine geeignete Weiterentwicklungsmöglichkeit der Ansätze, die die freien Reichsstädte des Mittelalters zu ökonomisch und kulturell führenden Wegbereitern der europäischenZivilisation gemacht haben.
-> Schwörrede Ivo Gönner, 1997
-> Kongress "Stadt der Zukunft" , ->: diskur03.htm#STADT_ZUKUNFT
Präsentation von Vortragsthemen, Rednern, Agendas, kulturhistorische Einbettung, weiterführendes Literaturverzeichnis

2.4.3. Kommunikations-Infrastrukturen einer weitgehend autonomen Wirtschaftsregion

Die Kommunikations-Infrastruktur einer weitgehend autonomen Wirtschaftsregion, ausgehend von dem Beispiel Ulm des ausgehenden Mittelalters, der freien deutschen Reichsstädte, und der italienischen Stadtrepubliken.
-> Lars Karbe: Venedig, Diederichs 1995, -> Leonardo-Navigatoren
-> Arbeiten von Leopold Kohr: The City of Man
-> Telepolis-Diskurse
Themenpunkt: Die Rolle der Stadt als Kommunikationszentrum und Informationsmarkt. Einarbeitung der Anforderungen und Möglichkeiten der heutigen sozio-technologischen Verhältnisse, sowie des europäischen Subsidiaritätsprinzips, für eine post-industrielle regionale Wirtschafts- und Sozialgemeinschaft. Flankierend, die Rolle der nicht-telematisierbaren Kommunikationsstrukturen, i.e. persönliche Direktkontakte, wo und wie zu implementieren.
Nach Berichten in Telepolis stellt sich in der Internet-Szene eine gewisse Ernüchterung ein, was das Potential der vorhandenen technologischen Infrastruktur für Internet-Communities angeht. Wir haben also ein Spektrum von Ansichten, etwa den Protagonisten wie etwa Howard Rheingold
(URL) http://www.well.com/user/hlr/vcbook/index.html
(URL) http://www.well.com/user/hlr/tomorrow/
und den Kritikern, etwa Richard Barbrock: (URL) http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1007/1.html
Die wesentliche Frage im Rahmen des MM-Diskurs ist, ob hier evtl. eine vorzeitige Reaktion auf allzu naive Träume vorliegt, die übersehen haben, daß zur Ausgestaltung einer funktionsfähigen, vor allem aber menschengerechten, und menschenrechts-orientierten Kommunikationsinfrastruktur neuartiger Gesellschaftsformen etwas mehr gehört als nur Enthusiasmus and das Vertrauen in die Marktkräfte und die Weisheit der Venture-Capital-Geber, die die Technologie-Infrastruktur Investitionen bezahlen sollen (falls man das nicht gerade nach alter Manier vom Militär erledigen lassen will). Vielleicht sollte also hier ein wenig mehr in die Basisarbeit investiert werden. Insbesondere ist zu beachten, daß Technologien nicht im gesellschaftlichen luftleeren Raum stehen, sondern meist eine definitive eingekapselte Version bestimmter gesellschaftlicher Schlüsselthemen und Strategien darstellen, die äußerst schwer zu ändern sind, wenn einmal eine technologische Infrastruktur in hunderten von Millionen Exemplaren in der Welt steht.

2.4.4. Wie einmal gemachte Infrastruktur-Entscheidungen schwer zu ändern sind,
und wie politische Maschinerien Veränderungen verhindern [@]

Wohin das führt, kann man am besten am Stromnetz sehen. So ist es irgendwie schwer einzusehen, warum in hunderten von Millionen Haushalten weltweit hunderte von Millionen Tonnen Erdöl jährlich für pure Wärmeerzeugung verbrannt werden, wenn mit diesem Erdöl auch noch Strom erzeugt werden könnte, und die Abwärme dann für die Heizung genutzt würde. Ein katalysierter und gekapselter Dieselmotor ist auch nicht viel teurer als ein moderner Heizkessel, und sollte sich bei der Stromersparnis sehr bald amortisieren. Anscheinend ist hier eine äußerst wirksame Denkbremse in das kollektive Bewußtsein von ca. 1 Milliarde Bewohner der nördlichen Industriestaaten eingebaut, die diesen an sich naheliegenden Schluß, und vor allem die Umsetzung in politische Entscheidung, verhindert. Und das hat anscheinend etwas mit bestimmten Weichenstellungen zu tun, die die Elektroindustrie installiert hat, nicht nur auf dem Gebiet der Strom-Leitungen. Dagegen ist die augenblickliche Diskussion um die Einspeisung von Kleinerzeugern von Solar-, Wind- oder Wasserkraft, gegen die sich die Stromindustrie so vehement sperrt, ein reines Peanuts-Thema. Wobei man wohl dem Staat mit seiner Diesel-Besteuerungspolitik auch noch ein gutes Stück Verantwortung zuschieben könnte. Siehe auch den IFG-1998 Vortrag von Yannis Palocrassas zur Vorreiter-Rolle des Staates und der Bürokratien bei der Erzeugung der heutigen Krise der Industrienationen.

2.4.5. Ansätze von Ferdinand Steinbeis

Ferdinand Steinbeis ist besonders "im Ländle" Baden-Württemberg das Wahrzeichen einer menschenbewußten Technologie-Entwicklung, die sich damals in einer ähnlichen Situation wie der heutigen Globalisierung gegen den menschenverachtenden Manchester-Kapitalismus gerichtet hat und schon damals erkannt hat, daß das wertvollste "Kapital" jeder Wirtschaft, auch der industriekapitalistischen, das Know-How und das Engagement der Menschen, und nicht nur der Manager, ist. Davon zehren die Daimlers, Porsches, und tausende von mittelständischen Unternehmern "im Ländle" noch heute.
->:F_STEINBEIS

2.4.6. Faktor Boden-Nutzung, Boden Eigentum, Boden-Besteuerung

-> Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte
Kurze Darstellung der Zentralthesen von Mitscherlich und ihren Auswirkungen:
Das Boden-Eigentumsrecht unserer Städte ist einer der wichtigsten Faktoren, die über die (Nicht-) Wohnlichkeit entscheiden. Hier ist es vor allem die urbane Bodenspekulation, die für bestimmte Gruppen eine veritable Bereicherungsindustrie darstellt. Grundproblematik ist die Imbalance zwischen dem Profit, den der Bodeneigentümer eines Stadtgrundstücks aus allen kommunalen Infrastrukturmaßnahmen (Straßen, Kanalisation, Energie, Verkehrsmittel) ziehen kann, und dem (zu) geringen Anteil, mit dem die Bodeneigentümer (über Grundsteuern) zum Tragen dieser Kosten mit herangezogen werden. Garrett Hardin nannte das Problem die "Commonized Cost - Privatized Profit" Falle (aus: "Filters against folly"). Der Wert eines Grundstücks wird im wesentlichen von der Verkehrslage (also der öffentlichen Infrastruktur) bestimmt. Dies führt zu einer Umverteilung der kommunalen Investitionen auf die privaten Bodenbesitzer. Mitscherlich sieht hier einen der Hauptfaktoren des Niedergangs, der Aushöhlung, und der strukturellen Zerstörung der modernen Städte.
Besonderer Faktor ist hier die Rolle von Kleingewerben als kommunale Dienstleistung. Wesentlich ist die Berücksichtigung des Raumbedarfs für Dienstleister, die nicht mit 30,- DM Gewerberaummieten konkurrieren können.

2.4.7. Feudale Grundlagen des kommunalen Rechts

@:FEUDALISMUS
Literatur: Brunner: Land und Herrschaft.
Der feudale Ursprung des städtischen Bodenrechts: Die Stadt entstand traditionell aus einem Wege-Zollrecht der Feudal-Grundherren: Der Feudalherr erhob einen Wegezoll an einem Ort, der einen verkehrsstrategischen Engpaß darstellte: "Durch diese hohle Gasse muß er kommen (Schiller, Wilhelm Tell)".
Die meisten größeren Städte Europas entstanden so (z.B. Frank-Furt, München, etc.). Daher ist es nicht verwunderlich, wenn dieses feudale Rechtsrelikt in der heutigen Kommunalrechtslandschaft uralte Strukturen und Privilegien zementiert. Denn die am ältesten eingesessenen Bodeneigentümer profitierten in der Regel am meisten von diesem Recht, das sie sich demnach auch ungern nehmen ließen.
-> Brunner: Land und Herrschaft, 273-303, 349-354.
-> Brunner: S. 344: "Wir kennen den Prozeß der ständigen Verdichtung und Steigerung der Herrenrechte."
-> Norbert Elias: Der Prozess der Zivilisation

2.4.8. Recht: Gesetzesproduktion, Anwendung

Ein Grundproblem heutiger Staaten ist ihre Fundierung auf geschriebenes Recht. Der Zusammenbruch der Schriftsysteme ( ->: diskur06.htm#ZUSAMMENBRUCH p. 45) zieht auch die Rechtssysteme in Mitleidenschaft. Wenn in unserer Zeit die gesellschaftliche (technologische- produktions- / lebensumstände-) Situation sich schneller ändert, als die politischen Mechanismen auf die Veränderungen reagieren können, bzw. die technologische / wirtschaftliche Dynamik von politischen Kräften reflektiert werden kann, so ist das ganze Gesellschaftssystem davon in Mitleidenschaft gezogen. Es ist dringend nötig, die Grundlagen unseres Rechts zu überdenken, und alte Konzepte wieder zu erwägen, nämlich ob Rechtsanwendung fallbasiert (algorithmisch) definiert werden kann. Das war schon im antiken Rom und Griechenland so, als man von einem kleinen Bestand von Grundsatzrechten ausging, die der Sachlage entsprechend angewandt wurden. (Kasuistik?).

2.4.8.1. Feudale Strukturen des Verkehrsrechts

Das Verkehrsrecht als einer der Haupt- Infrastruktur-Faktoren der ökonomischen Produktivität einer Volkswirtschaft mag hier als Beispiel dienen. Die motorisierte Verkehrsteilnahme wird heute noch (in der BRD) als obrigkeitliche Lizenz (Sondervergünstigung) und nicht als bürgerliches Grundrecht angesehen, die von der Obrigkeit unter allen möglichen Gründen entzogen werden kann[11]. Zudem existiert in der BRD eine fatale Maschinerie, die jährlich Tausende von Arbeitslosen durch Entzug der Arbeitsgrundlage Führerschein produziert. Öffentliche Verkehrsmittel reichen leider nicht aus, um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.
Irgendwann entstand eine unheilvolle Verquickung von Einnahmequellen zur Sanierung der kommunalen Finanzen, die sich die "Verkehrssünder"-Bußgelder als immerwährende Einnahmequelle erschlossen haben, was nun zu einer modernen Hexenjagd entartet ist (Stern 32, 1998). In manchen Gegenden Deutschlands (wie z.B. in dem Gebiet, das durch die Autobahnen Ulm-Stuttgart-Heilbronn, -Schwäbisch-Hall Aalen-Heidenheim-Ulm eingeschlossen ist) stehen in jedem Dorf ein oder mehrere Radar- / Ampelkästen. Da alle Einheimischen natürlich den Standort der Radarkästen kennen, gehen nur Auswärtige in die Falle. Eine typische Wegelagerer-Situation, die mit der ursprünglichen Vorstellung einer Verkehrsüberwachung und -Beruhigung nichts mehr zu tun hat.
Der fatale Mechanismus ist, daß der Bußgeldkatalog irgendwann einmal gesetzlich mit einem aufsummierenden Punktekatalog zum (quasi-) automatischen Entzug des Führerscheins verbunden wurde, aber es wurde vergessen, daß die ökonomische Spirale der regelmäßig notwendigen Erhöhung der Bußgelder (zur Aufbesserung der kommunalen Finanzen) leider linear mit der automatischen Aberkennung des Führerscheins von Tausenden und Abertausenden Menschen einhergeht, die durch diesen Automatismus ihrer Lebensgrundlage beraubt werden, und damit über Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe auf ebendenselben Taschen der Kommunen liegen. Es ist eine Aufgabe der Kommunen, zu sehen, wie sie sich da selber ins Fleisch schneiden. Heute sind 6,66 Mio Autofahrer, also mehr als 10% der BRD Führerschein-Inhaber in dem Flensburger Sündenregister "verewigt" (-> Stuttgarter Zeitung, 17.12.97, S. 1.), und damit wohl etwa 100% aller Personen, die häufig Auto fahren, und das Auto zum Lebenswerwerb benötigen.
Weiterhin wäre zu nennen, daß Ampeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen[12], und Markierungsstreifen als "Geßlerhüte" da stehen, deren Mißachtung obrigkeitsstaatlich mit (unverhältnismäßiger?) Härte unbesehen der Umstände verfolgt wird[13]. Während Verkehrsvergehen nahezu mit einer 100%igen mechanistischen Genauigkeit verfolgt werden[14], werden bei anderen Vergehen wie z.B. Ladendiebstahl die Verfahren meistens eingestellt. Der Skandal ist darin zu sehen, daß durch die finanzielle Verquickung offenbar ein Anlass darin besteht, die Verkehrssünder mit größerer Härte und Unnachgiebigkeit zu bestrafen als vergleichbare andere Vergehen. Ein Vergleich mit der Drogenpolitik drängt sich auf.


[1] Kohr, Leopold: The city of man, Univ. of Puerto Rico, 1976.
[2] Zum Anmerken: Auf dem flachen Land können wir an einem Tag ziemlich genau so weit laufen, wie unser Blick uns den Horizont darstellt. Daher ist der Horizont eine sowohl der menschlichen Fort- als auch Denk- Bewegung durchaus optimal angepaßte Größe. Wie Ivan Illich vermerkt, konnte in den früheren Zeiten ein wandernder Mönch/Handwerksbursche/Kaufmann sogar seine Sprache an die kaum merklich von lokalem Dialekt zu lokalem Dialekt sich verändernden Nuancen anpassen, so daß er, ohne es als Bruch zu erfahren, z.B. von einem urdeutschen Sprachhorizont in das französische oder italienische Sprachgebiet hinüberdiffundieren konnte. Er lernte die anderen Sprachen sozusagen "per pedes apostulorum". Dies war natürlich mit dem Zeitalter der Nationalstaaten und ihrer fixierten Grenzen ebenso zuende.
[3] The city of man: xiv
[4] ibid.
[5] The city of man: 17
[6] Anführungszeichen wegen der grundsätzlichen Problematik des Begriffs ->: INF_KULTUR
[7] Seit der sog. Agrar-Revolution. Siehe Jared Diamond.
[8] Das Horrorszenario von Microsoft und Co. als Info-Crack Dealer. Informationstechnologien sorgen für allgemeine Beschleunigung der Abläufe in allen technischen und organisatorieschen Sektoren der Gesellschaft. Leider ist aber das menschliche Nervensystem nicht auf unbeschränkte Beschleunigung eingerichtet. Man vergleiche der Erfahrungen mit dem Einsatz der "Stuka-Tabletten" im 2. Weltkrieg. (Tholen/ Kittler: Arsenale der Seele. Drogen und Krieg). Ein anderer tabuisierter Faktor ist Kokain-Konsum und Informationsindustrie.
[9] Als Beispiele: Auf der einen Seite Alkoholismus, Koffein- und Nikotinsucht als staatstragende (weil steuerbringende und/oder Produktions- und Konsum-steigernde) Suchterscheinungen, und auf der anderen Seite schwere Gefängnisstrafen für den Besitz von inkriminierten Substanzen, deren Sucht- und soziales Gefährdungspotential bei weitem nicht an die vorher genannten Probleme heranreicht. Man vergleiche nur die Statistiken zu den jährlichen Zahlen von Alkohol-verursachten Verkehrsopfern mit den Todesfällen durch kriminalisierte Rauschdrogen. Somit entsteht ein unermeßlicher volkswirtschaftlicher Schaden, durch Gesetz-verursachte Effekte, wie Sekundär- und Beschaffungskriminalität, während im eigentlichen Vergehensbereich, also dem Drogenkonsum, der Schaden im Vergleich mit legalen Rausch- und Aufputsch-Substanzen geradezu zu vernachlässigen ist. Weiterhin wäre zu nennen der vom Medizin- und Pharma- Establishment unterstützte gewohnheitsmäßige Massen-Konsum von medizinisch etablierten Drogen zur Ruhigstellung und Produktivitätserhaltung: Tranquilizer, Psychopharmaka wie Stimmungsaufheller, Antidepressiva...
[10] Nach einer Geschichte, die sich in China zugetragen haben soll. Ein Öl-Industrieller bot sich den Chinesen an, ihre alten Ölfunzeln gegen neue Petroleumlampen umsonst einzutauschen. Die Chinesen machten massenhaft von dem Angebot Gebrauch, nur um nachher ernüchtert festzustellen, daß die neuen Lampen auch nur das Petroleum des Öl-Industriellen brannten, und das zum zehnfachen Preis des alten Öls. Da die alten Lampen aber nun weg waren, gab es kein zurück mehr für die Chinesen. Die Ähnlichkeiten mit heutiger geschenkter Browser-Software sind dem Geschichtskundigen unübersehbar. Siehe auch ->: GLOBAL_DOC.
[11] So z.B. für Vergehen, die mit dem Straßenverkehr überhaupt nichts zu tun haben.
[12] Das Tempolimit (z.B. in Kurven) ist für schwerbeladene Lastwagen ausgelegt, wird aber auf Fahrzeuge jeder Art "über einen Kamm geschoren".
[13] Z.B. nachts um drei, wenn niemand da ist oder gefährdet werden könnte, oder Radarfallen, die typischerweise nicht an gefährlichen Stellen stehen, wo man schon aus Vorsicht langsamer fährt, sondern an den schönen, breiten, übersichtlichen Abschnitten, wo es sich ja einlädt, ein wenig "auf die Tube zu drücken".
[14] Und Einspruchmöglichkeiten per Gesetz immer weiter zurückgenommen werden.


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