Diverse Texte aus Noologie-Schriften, Materialien, Glossar

 

 

 

 

© Copyright, All Rights Reserved:

Dr. Andreas Goppold

Prof. a.D. & Dr. Phil. & Dipl. Inform. & MSc. Ing. UCSB

 

email: xyz123 (at) mnet-mail de

 

Version: 20190619

 

The Home Page is:

Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.

 

A printable .pdf-Version is here:

Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.

Unfortunately, the .pdf format cannot give access to the vital Multi Media files.

And more problematic, one cannot get to the footnotes.

These are accessible only in the .htm format.

 

The .htm version is here:

Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.

This contains all the www-links that can be accessed in .hm oly.

 

Project Sophia: A printable .pdf-Version is here:

http://www.noologie.de/sophia.pdf

Unfortunately, the .pdf format cannot give access to the vital Multi Media files.

And more problematic, one cannot get to the footnotes.

These are accessible only in the .htm format.

 

Project Sophia: The .htm version is here:

http://www.noologie.de/sophia.htm

This contains all the www-links that can be accessed.

 

The Appemdices are now in the files:

http://www.noologie.de/appendix.htm

http://www.noologie.de/appendix.pdf

 


 

Inhaltsverzeichnis

 

Texte aus Noologie-Schriften, Materialien, Glossar 7

Nietzsche-Zitate. 7

Wikipedia. 13

St._Augustine. 13

Zum geschichtlichen und geistigen Hintergrund der Gotik. 13

Die Harmonie des Kosmos - Gott als der kunstreiche Architekt 14

Das Licht als göttliche Erscheinung - die Lichtdurchlässigkeit der Kathedralen. 14

Mahakala. 15

Glossar / Spezialausdrücke. 17

A. 17

All 17

a-moralisch. 17

ausser-moralisch. 17

Angeboren. 17

Antagonismus 17

Anthropozentrisch. 17

Antipathie. 18

Apathie. 18

Apeiron. 18

Aporie. 19

Architektur 19

Architektonik. 19

Atheismus 19

Äther 20

Atom.. 20

Attribut 20

Absurd. 21

Algorithmus 21

Außenwelt 21

Autopsie. 21

B. 22

Bedeutungswandel 22

Bedingung. 22

Begehren. 22

Begierde. 22

Begreifen. 23

Begriff 23

Beharrungsvermögen. 23

Beobachtung. 24

Beseelt 24

Bestimmt 24

Betrug. 24

Bewegung. 24

Bewußtsein. 26

Böse. 26

C-D.. 27

Causa. 27

Chaos 27

cogito, ergo sum.. 27

Dauer 28

Denken. 28

Denkgesetze. 28

Dialektik. 28

Dialektik, Hegel 29

Denkart 30

Dianoia. 30

Dichotomie. 30

Differenz. 30

Dilemma. 30

Dogmatismus 31

Dualismus 31

E. 32

Ekel 32

Eleaten. 32

Elemente. 33

Empfindung. 33

Energeia. 34

Energie. 34

Enthymem.. 34

Epoche. 35

Epos 35

Erinnerung. 35

Erkenntnis 35

Erkenntnislehre. 35

H.. 36

Ernst 37

Ethik. 37

Ethnos 37

Ethos 37

Evolution. 37

Ewigkeit 37

F-H.. 38

Fractal geometry. 38

Freude. 38

Freundschaft 38

Furcht 39

Gattungsbegriffe. 39

Gedanke. 39

Gedächtnis 39

Gefühle. 39

Gegensatz. 40

Gehör 40

Gemüt 41

Geruch. 41

Gesetz. 42

Glaube. 42

Gott 43

Gott. Christentum.. 45

gut 45

Harmonie. 46

K.. 47

Kategorien. 47

Kategorien - Platon, Aristoteles, Bacon, Hume. 48

Kategorien - Kant 49

Kategorien - Fichte, Hegel, Schleiermacher 52

4.7.     Hypertext und WWW.. 86

4.7.1.      Noologie und Hypertext 86

4.7.2.      Die Noologie-DVD als Wissens-Wiki 89

Philosophy. 90

The Dictionary of the History of Ideas 90

Quotations 92

MegArt Quotes 92

Peri Pe{/i}ras{i/eo}s 94

Peri mnaemae kai ana-mnaesis, peri ais-thaesis kai phainosis 95

Einführung: Proimion. 95

Aufstieg: Ana-Basis 95

"Wissen", das nur erfahrbar ist 108

Vitamin K, John Lilly, Carlos Castaneda und die Matrix. 109

Louis H. Kauffman: Virtual Logic - The Matrix Full Text 109

Dualismus und Monotheismus 111

Kulturkonflikte, Islam, Jihad / Dschihad, Dhimmitude. 112

Begründung der Terminologie der Noologie. 117

Einführungen zur Noo-Serie. 119

Einführungen für die Einzelwissenschaften. 119

Philosophie. 119

Semiotik. 119

Theologie. 119

Psychologie. 119

Politik- / Sozialwissenschaften. 120

Eine Buchrezension. 120

Noch eine Buchrezension. 122

Zitate / Autoren. 123

St. Augustinus: Tolle Lege. 123

Technische Endnote. 124

 


Texte aus Noologie-Schriften, Materialien, Glossar

Nietzsche-Zitate

Über den Alkohol

@:ECCE_KLUG

Alkoholika sind mir nachtheilig; ein Glas Wein oder Bier des Tags reicht vollkommen aus, mir aus dem Leben ein "Jammerthal" zu machen, - in München leben meine Antipoden. Gesetzt, dass ich dies ein wenig spät begriff, erlebt habe ich's eigentlich von Kindesbeinen an. Als Knabe glaubte ich, Weintrinken sei wie Tabakrauchen anfangs nur eine Vanitas junger Männer, später eine schlechte Gewöhnung. Vielleicht, dass an diesem herben Urtheil auch der Naumburger Wein mit schuld ist. Zu glauben, dass der Wein erheitert, dazu müsste ich Christ sein, will sagen glauben, was gerade für mich eine Absurdität ist. Seltsam genug, bei dieser extremen Verstimmbarkeit durch kleine, stark verdünnte Dosen Alkohol, werde ich beinahe zum Seemann, wenn es sich um starke Dosen handelt. Schon als Knabe hatte ich hierin meine Tapferkeit. Eine lange lateinische Abhandlung in Einer Nachtwache niederzuschreiben und auch noch abzuschreiben, mit dem Ehrgeiz in der Feder, es meinem Vorbilde Sallust in Strenge und Gedrängtheit nachzuthun und einigen Grog von schwerstem Kaliber über mein Latein zu giessen, dies stand schon, als ich Schüler der ehrwürdigen Schulpforta war, durchaus nicht im Widerspruch zu meiner Physiologie, noch vielleicht auch zu der des Sallust wie sehr auch immer zur ehrwürdigen Schulpforta ... Später, gegen die Mitte des Lebens hin, entschied ich mich freilich immer strenger gegen jedwedes "geistige" Getränk: ich, ein Gegner des Vegetarierthums aus Erfahrung, ganz wie Richard Wagner, der mich bekehrt hat, weiss nicht ernsthaft genug die unbedingte Enthaltung von Alcoholicis allen geistigeren Naturen anzurathen. Wasser thut's ... Ich ziehe Orte vor, wo man überall Gelegenheit hat, aus fliessenden Brunnen zu schöpfen (Nizza, Turin, Sils); ein kleines Glas läuft mir nach wie ein Hund. In vino veritas: es scheint, dass ich auch hier wieder über den Begriff "Wahrheit" mit aller Welt uneins bin: - bei mir schwebt der Geist über dem Wasser...

...

So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurtheile kommen aus den Eingeweiden. - Das Sitzfleisch - ich sagte es schon einmal - die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist.

Ecce homo, Warum ich so klug bin. 1.

Über Geruch und Reinlichkeit

@:ECCE_GERUCH1

Darf ich noch einen letzten Zug meiner Natur anzudeuten wagen, der mir im Umgang mit Menschen keine kleine Schwierigkeit macht? Mir eignet eine vollkommen unheimliche Reizbarkeit des Reinlichkeits-Instinkts, so dass ich die Nähe oder - was sage ich? - das Innerlichste, die "Eingeweide" jeder Seele physiologisch wahrnehme - rieche... Ich habe an dieser Reizbarkeit psychologische Fühlhörner, mit denen ich jedes Geheimniss betaste und in die Hand bekomme: der viele verborgene Schmutz auf dem Grunde mancher Natur, vielleicht in schlechtem Blut bedingt, aber durch Erziehung übertüncht, wird mir fast bei der ersten Berührung schon bewusst. Wenn ich recht beobachtet habe, empfinden solche meiner Reinlichkeit unzuträgliche Naturen die Vorsicht meines Ekels auch ihrerseits: sie werden damit nicht wohlriechender ... So wie ich mich immer gewöhnt habe - eine extreme Lauterkeit gegen mich ist meine Daseins-Voraussetzung, ich komme um unter unreinen Bedingungen, schwimme und bade und plätschere ich gleichsam beständig im Wasser, in irgend einem vollkommen durchsichtigen und glänzenden Elemente. Das macht mir aus dem Verkehr mit Menschen keine kleine Gedulds-Probe; meine Humanität besteht nicht darin, mitzufühlen, wie der Mensch ist, sondern es auszuhalten, dass ich ihn mitfühle ... Meine Humanität ist eine beständige Selbstüberwindung. - Aber ich habe Einsamkeit nöthig, will sagen, Genesung, Rückkehr zu mir, den Athem einer freien leichten spielenden Luft ... Mein ganzer Zarathustra ist ein Dithyrambus auf die Einsamkeit, oder, wenn man mich verstanden hat, auf die Reinheit... Zum Glück nicht auf die reine Thorheit. - Wer Augen für Farben hat, wird ihn diamanten nennen. - Der Ekel am Menschen, am "Gesindel" war immer meine grösste Gefahr ... Will man die Worte hören, in denen Zarathustra von der Erlösung vom Ekel redet?

Ecce homo, Warum ich so weise bin. 8

Plato ist langweilig

@:PLATO_LANGWEILIG

Den Griechen verdanke ich durchaus keine verwandt starken Eindrücke; und, um es geradezu herauszusagen, sie können uns nicht sein, was die Römer sind. Man lernt nicht von den Griechen - ihre Art ist zu fremd, sie ist auch zu flüssig, um imperativisch, um "klassisch" zu wirken. Wer hätte je an einem Griechen schreiben gelernt! Wer hätte es je ohne die Römer gelernt! ... Man wende mir ja nicht Plato ein. Im Verhältniss zu Plato bin ich ein gründlicher Skeptiker und war stets ausser Stande, in die Bewunderung des Artisten Plato, die unter Gelehrten herkömmlich ist, einzustimmen. Zuletzt habe ich hier die raffinirtesten Geschmacksrichter unter den Alten selbst auf meiner Seite. Plato wirft, wie mir scheint, alle Formen des Stils durcheinander, er ist damit ein erster décadent des Stils: er hat etwas Ähnliches auf dem Gewissen, wie die Cyniker, die die satura Menippea erfanden. Dass der Platonische Dialog, diese entsetzlich selbstgefällige und kindliche Art Dialektik, als Reiz wirken könne, dazu muss man nie gute Franzosen gelesen haben, - Fontenelle zum Beispiel. Plato ist langweilig. - Zuletzt geht mein Misstrauen bei Plato in die Tiefe: ich finde ihn so abgeirrt von allen Grundinstinkten der Hellenen, so vermoralisirt, so präexistent-christlich - er hat bereits den Begriff "gut" als obersten Begriff -, dass ich von dem ganzen Phänomen Plato eher das harte Wort "höherer Schwindel" oder, wenn man's lieber hört, Idealismus - als irgend ein andres gebrauchen möchte. Man hat theuer dafür bezahlt, dass dieser Athener bei den Ägyptern in die Schule gieng (- oder bei den Juden in Agypten? ...) Im grossen Verhängniss des Christenthums ist Plato jene "Ideal" genannte Zweideutigkeit und Fascination, die den edleren Naturen des Alterthums es möglich machte, sich selbst misszuverstehn und die Brücke zu betreten, die zum "Kreuz" führte ... Und wie viel Plato ist noch im Begriff "Kirche", in Bau, System, Praxis der Kirche! - Meine Erholung, meine Vorliebe, meine Kur von allem Platonismus war zu jeder Zeit Thukydides. Thukydides und, vielleicht, der principe Machiavell's sind mir selber am meisten verwandt durch den unbedingten Willen, sich Nichts vorzumachen und die Vernunft in der Realität zu sehn, - nicht in der "Vernunft", noch weniger in der "Moral" ... Von der jämmerlichen Schönfärberei der Griechen in's Ideal, die der "klassisch gebildete" Jüngling als Lohn für seine Gymnasial-Dressur in's Leben davonträgt, kurirt Nichts so gründlich als Thukydides. Man muss ihn Zeile für Zeile umwenden und seine Hintergedanken so deutlich ablesen wie seine Worte: es giebt wenige so hintergedankenreiche Denker. In ihm kommt die Sophisten-Cultur, will sagen die Realisten-Cultur, zu ihrem vollendeten Ausdruck: diese unschätzbare Bewegung inmitten des eben allerwärts losbrechenden Moral- und Ideal-Schwindels der sokratischen Schulen. Die griechische Philosophie als die décadence des griechischen Instinkts; Thukydides als die grosse Summe, die letzte Offenbarung jener starken, strengen, harten Thatsächlichkeit, die dem älteren Hellenen im Instinkte lag. Der Muth vor der Realität unterscheidet zuletzt solche Naturen wie Thukydides und Plato: Plato ist ein Feigling vor der Realität, - folglich flüchtet er in's Ideal; Thukydides hat sich in der Gewalt, folglich behält er auch die Dinge in der Gewalt ...

Nietzsche, Götzen-Dämmerung, Was ich den Alten verdanke, 2.

Das Letzte und das Erste verwechseln

@:LETZTES_ERSTES

Die andre Idiosynkrasie der Philosophen ist nicht weniger gefährlich: sie besteht darin, das Letzte und das Erste zu verwechseln. Sie setzen Das, was am Ende kommt - leider! denn es sollte gar nicht kommen! - die "höchsten Begriffe", das heisst die allgemeinsten, die leersten Begriffe, den letzten Rauch der verdunstenden Realität an den Anfang als Anfang. Es ist dies wieder nur der Ausdruck ihrer Art zu verehren: das Höhere darf nicht aus dem Niederen wachsen, darf überhaupt nicht gewachsen sein ... Moral: Alles, was ersten Ranges ist, muss causa sui sein. Die Herkunft aus etwas Anderem gilt als Einwand, als Werth-Anzweifelung. Alle obersten Werthe sind ersten Ranges, alle höchsten Begriffe, das Seiende, das Unbedingte, das Gute, das Wahre, das Vollkommne - das Alles kann nicht geworden sein, muss folglich causa sui sein. Das Alles aber kann auch nicht einander ungleich, kann nicht mit sich im Widerspruch sein ... Damit haben sie ihren stupenden Begriff "Gott" ... Das Letzte, Dünnste, Leerste wird als Erstes gesetzt, als Ursache an sich, als ens realissimum ... Dass die Menschheit die Gehirnleiden kranker Spinneweber hat ernst nehmen müssen! - Und sie hat theuer dafür gezahlt! ...

Nietzsche, Götzen-Dämmerung, Die "Vernunft" in der Philosophie. 4.

Über die echte Heuchelei

@:ECHTE_HEUCHELEI

Zum "intellektuellen Gewissen". - Nichts scheint mir heute seltner als die echte Heuchelei. Mein Verdacht ist gross, dass diesem Gewächs die sanfte Luft unsrer Cultur nicht zuträglich ist. Die Heuchelei gehört in die Zeitalter des starken Glaubens: wo man selbst nicht bei der Nöthigung, einen andern Glauben zur Schau zu tragen, von dem Glauben losliess, den man hatte. Heute lässt man ihn los; oder, was noch gewöhnlicher, man legt sich noch einen zweiten Glauben zu, - ehrlich bleibt man in jedem Falle. Ohne Zweifel ist heute eine sehr viel grössere Anzahl von Überzeugungen möglich als ehemals: möglich, das heisst erlaubt, das heisst unschädlich. Daraus entsteht die Toleranz gegen sich selbst. - Die Toleranz gegen sich selbst gestattet mehrere Überzeugungen: diese selbst leben verträglich beisammen, - sie hüten sich, wie alle Welt heute, sich zu compromittiren. Womit compromittirt man sich heute? Wenn man Consequenz hat. Wenn man in gerader Linie geht. Wenn man weniger als fünfdeutig ist. Wenn man echt ist ... Meine Furcht ist gross, dass der moderne Mensch für einige Laster einfach zu bequem ist: so dass diese geradezu aussterben. Alles Böse, das vom starken Willen bedingt ist - und vielleicht giebt es nichts Böses ohne Willensstärke - entartet, in unsrer lauen Luft, zur Tugend ... Die wenigen Heuchler, die ich kennen lernte, machten die Heuchelei nach: sie waren, wie heutzutage fast jeder zehnte Mensch, Schauspieler. -

Nietzsche, Götzen-Dämmerung, Streifzüge eines Unzeitgemässen, 18.

Das Recht auf eine stolze Art sterben

@:RECHT_STERBEN

... das Recht ... auf eine stolze Art sterben, wenn es nicht mehr möglich ist, auf eine stolze Art zu leben. Der Tod, aus freien Stücken gewählt, der Tod zur rechten Zeit, mit Helle und Freudigkeit, inmitten von Kindern und Zeugen vollzogen: so dass ein wirkliches Abschiednehmen noch möglich ist, wo Der noch da ist, der sich verabschiedet, insgleichen ein wirkliches Abschätzen des Erreichten und Gewollten, eine Summirung des Lebens - Alles im Gegensatz zu der erbärmlichen und schauderhaften Komödie, die das Christenthum mit der Sterbestunde getrieben hat. Man soll es dem Christenthume nie vergessen, dass es die Schwäche des Sterbenden zu Gewissens-Nothzucht, dass es die Art des Todes selbst zu Werth-Urtheilen über Mensch und Vergangenheit gemissbraucht hat! - Hier gilt es, allen Feigheiten des Vorurtheils zum Trotz, vor Allem die richtige, das heisst physiologische Würdigung des sogenannten natürlichen Todes herzustellen: der zuletzt auch nur ein "unnatürlicher", ein Selbstmord ist. Man geht nie durch jemand Anderes zu Grunde, als durch sich selbst. Nur ist es der Tod unter den verächtlichsten Bedingungen, ein unfreier Tod, ein Tod zur unrechten Zeit, ein Feiglings Tod. Man sollte, aus Liebe zum Leben -, den Tod anders wollen, frei, bewusst, ohne Zufall, ohne Überfall ... Endlich ein Rath für die Herrn Pessimisten und andere décadents. Wir haben es nicht in der Hand, zu verhindern, geboren zu werden: aber wir können diesen Fehler - denn bisweilen ist es ein Fehler - wieder gut machen. Wenn man sich abschafft, thut man die achtungswürdigste Sache, die es giebt: man verdient beinahe damit, zu leben ... Die Gesellschaft, was sage ich! Das Leben selber hat mehr Vortheil davon, als durch irgend welches "Leben" in Entsagung, Bleichsucht und andrer Tugend ‑, man hat die Andern von seinem Anblick befreit, man hat das Leben von einem Einwand befreit ...

Nietzsche, Götzen-Dämmerung, Streifzüge eines Unzeitgemässen, 36.

Vom Freien Tode

Viele sterben zu spät, und Einige sterben zu früh. Noch klingt fremd die Lehre: ``stirb zur rechten Zeit!'' Stirb zur rechten Zeit: also lehrt es Zarathustra. Freilich, wer nie zur rechten Zeit lebt, wie sollte der je zur rechten Zeit sterben? Möchte er doch nie  geboren sein! - Also rathe ich den Überflüssigen. Aber auch die Überflüssigen thun noch wichtig mit ihrem Sterben, und auch die hohlste Nuss will noch  geknackt sein. Wichtig nehmen Alle das Sterben: aber noch ist der Tod kein Fest. Noch erlernten die Menschen nicht,  wie man die schönsten Feste weiht. Den vollbringenden Tod zeige ich euch, der den Lebenden ein Stachel und ein Gelöbniss wird. Seinen Tod stirbt der Vollbringende, siegreich, umringt von Hoffenden und Gelobenden. Also sollte man sterben lernen; und es sollte kein Fest geben, wo ein solcher Sterbender nicht der  Lebenden Schwüre weihte! Also zu sterben ist das Beste; das Zweite aber ist: im Kampfe zu sterben und eine grosse Seele zu  verschwenden. Aber dem Kämpfenden gleich verhasst wie dem Sieger ist euer grinsender Tod, der heranschleicht wie ein  Dieb - und doch als Herr kommt. Meinen Tod lobe ich euch, den freien Tod, der mir kommt, weil ich will. Und wann werde ich wollen? - Wer ein Ziel hat und einen Erben, der will den Tod zur rechten Zeit für  Ziel und Erben. Und aus Ehrfurcht vor Ziel und Erben wird er keine dürren Kränze mehr im Heiligthum des Lebens  aufhängen. Wahrlich, nicht will ich den Seildrehern gleichen: sie ziehen ihren Faden in die Länge und gehen dabei  selber immer rückwärts. Mancher wird auch für seine Wahrheiten und Siege zu alt; ein zahnloser Mund hat nicht mehr das Recht  zu jeder Wahrheit. Und Jeder, der Ruhm haben will, muss sich bei Zeiten von der Ehre verabschieden und die schwere Kunst  üben, zur rechten Zeit zu - gehn.

Nietzsche, Zarathustra, I. Teil, Vom freien Tode

Über das Riechen

@:DAS_RIECHEN

Und was für feine Werkzeuge der Beobachtung haben wir an unsren Sinnen! Diese Nase zum Beispiel, von der noch kein Philosoph mit Verehrung und Dankbarkeit gesprochen hat, ist sogar einstweilen das delikateste Instrument, das uns zu Gebote steht: es vermag noch Minimaldifferenzen der Bewegung zu constatiren, die selbst das Spektroskop nicht constatirt. Wir besitzen heute genau so weit Wissenschaft, als wir uns entschlossen haben, das Zeugniss der Sinne anzunehmen, - als wir sie noch schärfen, bewaffnen, zu Ende denken lernten. Der Rest ist Missgeburt und Noch-nicht-Wissenschaft: will sagen Metaphysik, Theologie, Psychologie, Erkenntnisstheorie. Oder Formal-Wissenschaft, Zeichenlehre: wie die Logik und jene angewandte Logik, die Mathematik. In ihnen kommt die Wirklichkeit gar nicht vor, nicht einmal als Problem; ebensowenig als die Frage, welchen Werth überhaupt eine solche Zeichen-Convention, wie die Logik ist, hat.

Nietzsche, Götzen-Dämmerung, Die "Vernunft" in der Philosophie. 3

Moral als Widernatur

@:MORAL_WIDERNATUR

4.

- Ich bringe ein Princip in Formel. Jeder Naturalismus in der Moral, das heisst jede gesunde Moral ist von einem Instinkte des Lebens beherrscht, - irgend ein Gebot des Lebens wird mit einem bestimmten Kanon von "Soll" und "Soll nicht" erfüllt, irgend eine Hemmung und Feindseligkeit auf dem Wege des Lebens wird damit bei Seite geschafft. Die widernatürliche Moral, das heisst fast jede Moral, die bisher gelehrt, verehrt und gepredigt worden ist, wendet sich umgekehrt gerade gegen die Instinkte des Lebens, - sie ist eine bald heimliche, bald laute und freche Verurtheilung dieser Instinkte. Indem sie sagt "Gott sieht das Herz an", sagt sie Nein zu den untersten und obersten Begehrungen des Lebens und nimmt Gott als Feind des Lebens ... Der Heilige, an dem Gott sein Wohlgefallen hat, ist der ideale Castrat ... Das Leben ist zu Ende, wo das "Reich Gottes" anfängt ...

5.

Gesetzt, dass man das Frevelhafte einer solchen Auflehnung gegen das Leben begriffen hat, wie sie in der christlichen Moral beinahe sakrosankt geworden ist, so hat man damit, zum Glück, auch Etwas Andres begriffen: das Nutzlose, Scheinbare, Absurde, Lügnerische einer solchen Auflehnung. Eine Verurtheilung des Lebens von Seiten des Lebenden bleibt zuletzt doch nur das Symptom einer bestimmten Art von Leben: die Frage, ob mit Recht, ob mit Unrecht, ist gar nicht damit aufgeworfen. Man müsste eine Stellung ausserhalb des Lebens haben, und andrerseits es so gut kennen, wie Einer, wie Viele, wie Alle, die es gelebt haben, um das Problem vom Werth des Lebens überhaupt anrühren zu dürfen: Gründe genug, um zu begreifen, dass das Problem ein für uns unzugängliches Problem ist. Wenn wir von Werthen reden, reden wir unter der Inspiration, unter der Optik des Lebens: das Leben selbst zwingt uns Werthe anzusetzen, das Leben selbst werthet durch uns, wenn wir Werthe ansetzen ... Daraus folgt, dass auch jene Widernatur von Moral, welche Gott als Gegenbegriff und Verurtheilung des Lebens fasst, nur ein Werthurtheil des Lebens ist - welches Lebens? Welcher Art von Leben? - Aber ich gab schon die Antwort: des niedergehenden, des geschwächten, des müden, des verurtheilten Lebens. Moral, wie sie bisher verstanden worden ist - wie sie zuletzt noch von Schopenhauer formulirt wurde als "Verneinung des Willens zum Leben" - ist der décadence-Instinkt selbst, der aus sich einen Imperativ macht: sie sagt: "geh zu Grunde" sie ist das Urtheil Verurtheilter ...

6.

Erwägen wir endlich noch, welche Naivetät es überhaupt ist, zu sagen "so und so sollte der Mensch sein!" Die Wirklichkeit zeigt uns einen entzückenden Reichthum der Typen, die Üppigkeit eines verschwenderischen Formenspiels und -Wechsels: und irgend ein armseliger Eckensteher von Moralist sagt dazu: "nein! der Mensch sollte anders sein"? ... Er weiss es sogar, wie er sein sollte, dieser Schlucker und Mucker, er malt sich an die Wand und sagt dazu ecce homo!" ... Aber selbst wenn der Moralist sich bloss an den Einzelnen wendet und zu ihm sagt: "so und so solltest du sein!" hört er nicht auf, sich lächerlich zu machen. Der Einzelne ist ein Stück fatum, von Vorne und von Hinten, ein Gesetz mehr, eine Nothwendigkeit mehr für Alles, was kommt und sein wird. Zu ihm sagen "ändere dich" heisst verlangen, dass Alles sich ändert, sogar rückwärts noch ... Und wirklich, es gab consequente Moralisten, sie wollten den Menschen anders, nämlich tugendhaft, sie wollten ihn nach ihrem Bilde, nämlich als Mucker: dazu verneinten sie die Welt! Keine kleine Tollheit! Keine bescheidne Art der Unbescheidenheit! ... Die Moral, insofern sie verurtheilt, an sich, nicht aus Hinsichten, Rücksichten, Absichten des Lebens, ist ein spezifischer Irrthum, mit dem man kein Mitleiden haben soll, eine Degenerirten-Idiosynkrasie, die unsäglich viel Schaden gestiftet hat! ... Wir Anderen, wir Immoralisten, haben umgekehrt unser Herz weit gemacht für alle Art Verstehn, Begreifen, Gutheissen. Wir verneinen nicht leicht, wir suchen unsre Ehre darin, Bejahende zu sein. Immer mehr ist uns das Auge für jene Ökonomie aufgegangen, welche alles Das noch braucht und auszunützen weiss, was der heilige Aberwitz des Priesters, der kranken Vernunft im Priester verwirft, für jene Ökonomie im Gesetz des Lebens, die selbst aus der widerlichen species des Muckers, des Priesters, des Tugendhaften ihren Vortheil zieht, - welchen Vortheil? - Aber wir selbst, wir Immoralisten sind hier die Antwort ... -

Götzen-Dämmerung, Moral als Widernatur. 4, 5, 6

Über das Gebet

@:DAS_GEBET

Das Gebet. - Nur unter zwei Voraussetzungen hatte alles Beten - jene noch nicht völlig erloschene Sitte älterer Zeiten - einen Sinn: es müßte möglich sein, die Gottheit zu bestimmen oder umzustimmen, und der Betende müßte selber am besten wissen, was ihm not tue, was für ihn wahrhaft wünschenswert sei. Beide Voraussetzungen, in allen anderen Religionen angenommen und hergebracht, wurden aber gerade vom Christentum geleugnet; wenn es trotzdem das Gebet beibehielt, bei seinem Glauben an eine allweise und allvorsorgliche Vernunft in Gott, durch welche eben dies Gebet im Grunde sinnlos, ja gotteslästerlich wird, - so zeigte es auch darin wieder seine bewunderungswürdige Schlangen-Klugheit; denn ein klares Gebot "du sollst nicht beten" hätte die Christen durch die Langeweile zum Unchristentum geführt. Im christlichen ora et labora vertritt nämlich das ora die Stelle des Vergnügens: und was hätten ohne das ora jene Unglücklichen beginnen sollen, die sich das labora versagten, die Heiligen! - aber mit Gott sich unterhalten, ihm allerlei angenehme Dinge abverlangen, sich selber ein wenig darüber lustig machen, wie man so töricht sein könne, noch Wünsche zu haben, trotz einem so vortrefflichen Vater, - das war für Heilige eine sehr gute Erfindung.

Der Wanderer und sein Schatten, 74.

Zeichensprache der Affekte

@:AFFEKT_ZEICHENSPR

Abgesehn noch vom Werthe solcher Behauptungen wie "es giebt in uns einen kategorischen Imperativ", kann man immer noch fragen: was sagt eine solche Behauptung von dem sie Behauptenden aus? Es giebt Moralen, welche ihren Urheber vor Anderen rechtfertigen sollen; andre Moralen sollen ihn beruhigen und mit sich zufrieden stimmen; mit anderen will er sich selbst an's Kreuz schlagen und demüthigen; mit andern will er Rache üben, mit andern sich verstecken, mit andern sich verklären und hinaus, in die Höhe und Ferne setzen; diese Moral dient ihrem Urheber, um zu vergessen, jene, um sich oder Etwas von sich vergessen zu machen; mancher Moralist möchte an der Menschheit Macht und schöpferische Laune ausüben; manch Anderer, vielleicht gerade auch Kant, giebt mit seiner Moral zu verstehn: "was an mir achtbar ist, das ist, dass ich gehorchen kann, - und bei euch soll es nicht anders stehn, als bei mir!" - kurz, die Moralen sind auch nur eine Zeichensprache der Affekte.

Nietzsche, Jenseits von Gut & Böse, 187

Über Herdentiere

@:HERDEN_TIER

Insofern es zu allen Zeiten, so lange es Menschen giebt, auch Menschenheerden gegeben hat (Geschlechts-Verbände, Gemeinden, Stämme, Völker, Staaten, Kirchen) und immer sehr viel Gehorchende im Verhältniss zu der kleinen Zahl Befehlender, - in Anbetracht also, dass Gehorsam bisher am besten und längsten unter Menschen geübt und gezüchtet worden ist, darf man billig voraussetzen, dass durchschnittlich jetzt einem jeden das Bedürfniss darnach angeboren ist, als eine Art formalen Gewissens, welches gebietet: "du sollst irgend Etwas unbedingt thun, irgend Etwas unbedingt lassen", kurz "du sollst". Dies Bedürfniss sucht sich zu sättigen und seine Form mit einem Inhalte zu füllen; es greift dabei, gemäss seiner Stärke, Ungeduld und Spannung, wenig wählerisch, als ein grober Appetit, zu und nimmt an, was ihm nur von irgend welchen Befehlenden - Eltern, Lehrern, Gesetzen, Standesvorurtheilen, öffentlichen Meinungen - in's Ohr gerufen wird. Die seltsame Beschränktheit der menschlichen Entwicklung, das Zögernde, Langwierige, oft Zurücklaufende und Sich-Drehende derselben beruht darauf, dass der Heerden-Instinkt des Gehorsams am besten und auf Kosten der Kunst des Befehlens vererbt wird. Denkt man sich diesen Instinkt einmal bis zu seinen letzten Ausschweifungen schreitend, so fehlen endlich geradezu die Befehlshaber und Unabhängigen; oder sie leiden innerlich am schlechten Gewissen und haben nöthig, sich selbst erst eine Täuschung vorzumachen, um befehlen zu können: nämlich als ob auch sie nur gehorchten. Dieser Zustand besteht heute thatsächlich in Europa: ich nenne ihn die moralische Heuchelei der Befehlenden. Sie wissen sich nicht anders vor ihrem schlechten Gewissen zu schützen als dadurch, dass sie sich als Ausführer älterer oder höherer Befehle gebärden (der Vorfahren, der Verfassung, des Rechts, der Gesetze oder gar Gottes) oder selbst von der Heerden-Denkweise her sich Heerden-Maximen borgen, zum Beispiel als "erste Diener ihres Volks" oder als "Werkzeuge des gemeinen Wohls". Auf der anderen Seite giebt sich heute der Heerdenmensch in Europa das Ansehn, als sei er die einzig erlaubte Art Mensch, und verherrlicht seine Eigenschaften, vermöge deren er zahm, verträglich und der Heerde nützlich ist, als die eigentlich menschlichen Tugenden: also Gemeinsinn, Wohlwollen, Rücksicht, Fleiss, Mässigkeit, Bescheidenheit, Nachsicht, Mitleiden. Für die Fälle aber, wo man der Führer und Leithammel nicht entrathen zu können glaubt, macht man heute Versuche über Versuche, durch Zusammen-Addiren kluger Heerdenmenschen die Befehlshaber zu ersetzen: dieses Ursprungs sind zum Beispiel alle repräsentativen Verfassungen. Welche Wohlthat, welche Erlösung von einem unerträglich werdenden Druck trotz Alledem das Erscheinen eines unbedingt Befehlenden für diese Heerdenthier-Europäer ist, dafür gab die Wirkung, welche das Erscheinen Napoleon's machte, das letzte grosse Zeugniss: - die Geschichte der Wirkung Napoleon's ist beinahe die Geschichte des höheren Glücks, zu dem es dieses ganze Jahrhundert in seinen werthvollsten Menschen und Augenblicken gebracht hat.

Nietzsche, Jenseits von Gut & Böse, 199

Most- und Essig-Gesang

@:MOST_ESSIG

Sehr bedeutend ist die ältere Benennung der Komödie trygodia "Mostgesang": sie führt mich auf eine neue Ableitung von tragodia, nämlich "Essiggesang". targanon ist "Essig", also targodia, verwandelt in tragodia. Dann fällt der Ursprung aus dem Satyrdrama: wesentlichst! Älteste Weinleselieder, die einen süß und ausgelassen wie Most, die andern herb und zusammenziehend wie Essig. Dies sind nur Bilder, Unsinn daß Most die Belohnung des Siegers war.

Nietzsche, Fragmente, 1 [67]

Weib und Kind.

379. Fortleben der Eltern. - Die unaufgelösten Dissonanzen im Verhältniss von Charakter und Gesinnung der Eltern klingen in dem Wesen des Kindes fort und machen seine innere Leidensgeschichte aus.

...

383. Irrthum vornehmer Frauen. - Die vornehmen Frauen denken, dass eine Sache gar nicht da ist, wenn es nicht möglich ist, von ihr in der Gesellschaft zu sprechen.

...

386. Vernünftige Unvernunft. - In der Reife des Lebens und des Verstandes überkommt den Menschen das Gefühl, dass sein Vater Unrecht hatte, ihn zu zeugen.

...

388. Verschiedene Seufzer. - Einige Männer haben über die Entführung ihrer Frauen geseufzt, die meisten darüber, dass Niemand sie ihnen entführen wollte.

Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, Weib und Kind.

file:///f:/gutbg/gutbg.spiegel/nietzsch/menschli/mensch07.htm


Wikipedia

http://en.wikipedia.org/wiki/St._Augustine

St._Augustine

It was at Milan that Augustine's life changed. While still at Carthage, he had begun to move away from Manichaeism, in part because of a disappointing meeting with a key exponent of Manichaean theology. At Milan, this movement continued. His mother Monica pressured him to become a Catholic, but it was the bishop of Milan, Ambrose, who had most influence over Augustine. Ambrose was a master of rhetoric like Augustine himself, but older and more experienced. Prompted in part by Ambrose's sermons, and partly by his own studies, in which he steadfastly pursued a quest for ultimate truth, Augustine renounced Manichaeism. He did not immediately return to Catholicism, however. After a flirtation with skepticism, he became an enthusiastic student of Neoplatonism, and for a time believed he was making real progress in his quest.

Augustine's mother had followed him to Milan and he allowed her to arrange a society marriage, for which he abandoned his concubine (however he had to wait two years until his fiancée came of age; he promptly took up in the meantime with another woman). It was during this period that he uttered his famous prayer, "Grant me chastity and continence, but not yet" [da mihi castitatem et continentiam, sed noli modo] (Conf., VIII. vii (17)).

In the summer of 386, after having read an account of the life of Saint Anthony of the Desert which greatly inspired him, Augustine underwent a profound personal crisis and decided to convert to Christianity, abandon his career in rhetoric, quit his teaching position in Milan, give up any ideas of marriage, and devote himself entirely to serving God and the practices of priesthood, which included celibacy. Key to this conversion was the voice of an unseen child he heard while in his garden in Milan telling him in a sing-song voice to "tolle lege" ("take up and read") the Bible, at which point he opened the Bible at random and fell upon the Epistle to the Romans 13:13, which reads: "Let us walk honestly, as in the day; not in rioting and drunkenness, not in chambering and wantonness, not in strife and envying" (KJV). He would detail his spiritual journey in his famous Confessions, which became a classic of both Christian theology and world literature. Ambrose baptized Augustine, along with his son, Adeodatus, on Easter Vigil in 387 in Milan, and soon thereafter in 388 he returned to Africa. On his way back to Africa his mother died, as did his son soon after, leaving him alone in the world without family.

Zum geschichtlichen und geistigen Hintergrund der Gotik

Günter Eckstein

@:ECKSTEIN_GOTIK

Eine Metaphysik der Gotik?

Wenn wir davon ausgehen, daß Rippengewölbe, Strebewerk und Spitzbogen keine genuinen Erfindungen der Gotik sind, sondern schon vorhanden waren, was ist dann das Gotische an der Gotik? Ich will versuchen nachzuzeichnen, was Otto von Simson in seinem Werk (1) zu dieser Frage meint. Er bezieht sich vor allem auf Aufzeichnungen des Abtes Suger, in dem man wohl den eigentlichen Schöpfer des Chors der Abtei St. Denis sehen muß, "denn die Einheit der Fassade ist noch keine stilistische, aber eine symbolische, aus deren Vorbildlichkeit später einzelne Elemente (Portale, Mittelgeschoßfenster, Rose, Türme) stilistisch neu durchformuliert und gestaltet werden, und aus deren auf einen stilistisch einheitlichen Nenner gebrachten Summe später die künstlerische Einheit erwächst''. So ist dieser Chor Prototyp der gotischen Kathedrale. Suger entwirft in seiner Beschreibung des Baus zunächst "die mystische Vision jener Harmonie, mit der die göttliche Vorsehung den Kosmos durchwaltet" und beschreibt dann die Einweihungszeremonie als ein "Schauspiel, in dem Himmel und Erde, die Heerscharen der Engel und die in der Kirche versammelte Gemeinde sich zu verbinden scheinen." Zwei Bezüge werden hier angesprochen: die Kirche als Kosmos und die Kirche als Paradies. Die Kathedrale als Himmelsstadt, als himmlisches Jerusalem, als Abbild des Gottesreiches auf Erden. Aber auch umgekehrt: der Kosmos als Palast. So sollte es der Besucher erleben, wenn er in die Kathedrale trat, und so erlebte er es! Dies verstehen wir nur, wenn wir uns darüber klar werden, "was die mittelalterliche Einstellung zur Kunst von unserer eigenen unterscheidet. Das geschieht am einfachsten dadurch, daß wir uns die veränderte Bedeutung und Funktion des Sinnbilds vergegenwärtigen. Für uns ist das Symbol ein Bild, das einem Gegenstand poetische Bedeutung mitteilt. Für den mittelalterlichen Menschen dagegen ist die dingliche Welt überhaupt nur als 'Symbol' wirklich." "Das Mittelalter empfand Schönheit als den 'splendor veritatis', als 'Glanz der Wahrheit', es suchte im Bild nicht die Illusion, sondern die Offenbarung.... Der mittelalterliche Künstler war der Wahrheit verpflichtet, die die menschliche Existenz transzendierte. Die Betrachter seines Werkes beurteilten es als Abbild jener Wahrheit.... Das Heiligtum war ein Abbild des Himmels.... Der Sakralbau offenbarte die Vollendung einer kosmischen Ordnung. Suger spricht hier nur einen Topos aus, der von zahlreichen mittelalterlichen Schriftstellern bezeugt wird. Wichtiger noch: Die gotischen Kathedralen sind von den großen Baumeistern jener Epoche mit diesem Leitgedanken der Abbildlichkeit entworfen worden."

Die Harmonie des Kosmos - Gott als der kunstreiche Architekt

Ich versuche nun mit eigenen Worten, diese von Otto von Simson vorgetragene Sicht zu verdeutlichen. In der Schule von Chartres beschreibt gegen Ende des 12. Jhdts. Alanus ab Insulis Gott als einen kunstreichen Architekten (elegans architectus). ER erbaut den Kosmos als königlichen Palast und fügt dabei die Vielfalt des Geschaffenen mittels musikalischer Harmonien zur Einheit zusammen. Woher kommt dieses Verständnis? Ich führte schon aus, daß die Schule von Chartres geprägt war durch den Neuplatonismus, man kann auch sagen, die Lehrer waren Platoniker. Grundlagen waren die Schriften Eriugenas, der den Pseudoareopagiten übersetzt hatte. Dieser galt als der Dionysius, den Paulus auf dem Areopag von Athen zum Glauben gebracht hatte und hatte von daher in der Kirche eine hohe Autorität. Er gab vor allem die Lehre Platons, wie sie im Timaios niedergelegt ist, wieder. Danach ist, entsprechend der pythagoreischen Zahlenmystik, der Kosmos im Verhältnis ganzer Zahlen aufgebaut. Der Urstoff wird zum Bau des Weltalls in festen Quantitäten nach den vollkommenen geometrischen Proportionen von Quadraten (1:2:4:8) und Würfeln (1:3:9:27) zusammengesetzt. Dies aber sind wiederum dieselben Proportionen, die auch die Zusammensetzung der Weltseele bestimmen. So werden die vier Urstoffe (Feuer, Wasser Luft und Erde) zu einem Einklang und Eintracht mit sich selbst gebracht, die durch keine innere Disharmonie gefährdet ist. Diese Proportionen - und nur sie - gewähren Einklang und Eintracht! Wieso musikalische Harmonie? Für Augustinus waren Musik und Architektur Schwestern: Beide mit dem gleichen transzendentalen Element Zahl behaftet. Die Architektur spiegelt die ewige Harmonie wider und Musik ist ihr Echo. Grundlage ist die Naturtonleiter, bei der die Frequenzen der aufeinanderfolgenden Töne ausgehend von dem Grundton jeweils verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht usw. werden. Die Verhältnisse aufeinanderfolgender Töne sind also 1:2, 2:3, 3:4, .. Das aber sind die Intervalle der "vollkommenen" Akkorde, Oktave, Quinte und Quarte. Das beste Verhältnis ist nach Augustinus das der Gleichheit oder Symmetrie, das Verhältnis 1:1. Dies ist denn auch Symbol für das Verhältnis zwischen Gottvater und Gottsohn. Im Verhältnis der Oktave 1:2 sieht Augustinus ein Symbol für die Erlösung des Menschen von seinem zweifachen Tod (Tod des Leibes, Tod der Seele, verursacht durch die Sünde Adams). Wie ist dies in der Architektur dieser Zeit umgesetzt? Hier haben wir wieder die Schule von Chartres und diesmal vor allem Thierry, der mittels Geometrie und Arithmetik das Geheimnis Gottes zu erklären suchte. Ad quadratum zu bauen bedeutete Gott als Symbol aufzunehmen, denn die Seiten verhalten sich wie 1:1. Die Zweite Person der Gottheit heißt für ihn mit Recht "das erste Quadrat." Die Dreifaltigkeit steckt selbstverständlich im gleichseitigen Dreieck (!). So lassen sich alle vollkommenen Verhältnisse die vollkommenen Harmonien, übertragen. Die immer wieder auftauchenden quadratischen Grundstrukturen und gleichseitigen Dreiecke scheinen dies zu bestätigen. Otto von Simson überprüft nun daraufhin die Verhältnisse der Schiffe und der Chöre, sowie die Unterteilungen der Pfeiler, speziell bei der Kathedrale von Chartres. Er findet darin die volle Bestätigung, daß alles in vollkommenen Proportionen gebaut ist. Die Geometrie war die ästhetische, aber auch die statische Grundlage. Der gotische Baumeister war Mathematiker mit dem Zirkel.

Das Licht als göttliche Erscheinung - die Lichtdurchlässigkeit der Kathedralen

Das zweite wesentliche Element gotischer Kathedralen ist nach Simson das Licht. Für Thomas von Aquin ist Schönheit rechte Proportion und lichte Klarheit. Schönheit ist die Ausstrahlung der Wahrheit, der Glanz der Vollkommenheit des Seienden, sie spiegelt den göttlichen Ursprung wider. So gewährt Licht Einblick in die Vollkommenheit des Kosmos, in die Macht des Schöpfers. Licht ist Mittler zwischen körperlichen und unkörperlichen Substanzen, es ist das schöpferische Prinzip, das aus der Himmelssphäre kommend alles Wachstum auf Erden hervorbringt. Bei den Neuplatonikern ist Licht die transzendentale Wirklichkeit, die alles erschafft und unseren Geist erhellt. Augustinus findet diese Auffassung im Johannesevangelium: "Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt." Für ihn wird Jesus im wahrsten Sinne des Wortes Licht Gottes, Göttliches Licht genannt, als eine ontologische und nicht nur metaphorische Aussage! Dies ist nur zu verstehen, wenn man bedenkt, daß die Basis der Gedankenwelt der christlichen Platoniker der Begriff "Analogie" ist. Die Dinge sind nach den Gesetzen der Analogie erschaffen, sie sind Manifestationen Gottes, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Allen gemeinsam ist das Licht, es verbindet. Diese Verbindung wird nun wiederhergestellt durch die Menschwerdung Gottes, die Inkarnation. "Als ästhetischer Wert erfüllt das Licht somit - genau wie der Einklang in der Musik - das Streben nach endgültiger Eintracht, die Verschmelzung des Vielen zur Einheit, die dem Schönheitsempfinden ebenso wie dem Glauben des Mittelalters zugrunde liegt. Wenn wir uns nun daraufhin das Diaphane, das Durchleuchtete der Wände der gotischen Kathedralen anschauen, bei denen wir gar nicht mehr eigentlich von Wänden sprechen können, ahnen wir vielleicht, wie sehr das einfallende Sonnenlicht die Menschen angesprochen haben muß. Es wird uns aber schier unmöglich sein, das physikalische Phänomen, das als solches erklärt werden kann, als göttliches Geschehen wahrzunehmen, wie es tatsächlich erlebt wurde. Übrigens: Seit der Zeit, spätestens vor Ende des 13. Jahrhunderts, wurde am Ende jeder Messe der Eingangsabschnitt des Johannesevangeliums als Schlußevangelium gelesen.

Günter Eckstein, F:\mat-phil\licht\gotiktext.pdf

Mahakala

@:MAHA_KALA

Another myth lays particular stress on the destructive aspect of time. Everything dies in time: "Time ripens the creatures, Time rots them" (Mahabharata 1.1.188). "Time" (kala) is thus another name for the god of death, Yama. The name is associated especially with Shiva in his destructive aspect as Mahakala and is extended to his consort, who may be known as the goddess Kali or Mahakali. On a mythological level the speculations on time reflect the doctrine of the eternal return in the philosophy of transmigration. The universe returns just as, after death, a soul returns to be born again. In the oldest description of the process (Chandogya Upanishad 5.3.1.-5.3.10), the account is still mythic, but with tendencies to naturalism. The soul on departing may go either of two ways: the Way of the Gods, which brings it through days, bright fortnights, the half year of the northern course of the Sun, to the full year, and eventually to brahman; or the Way of the Ancestors, through nights, dark fortnights, the half year of the southern course of the Sun, and, failing to reach the full year, eventually back to Earth clinging to raindrops. If the soul happens to light on a plant that is subsequently eaten by a man, the man may impregnate a woman and thus the soul is reborn. Once more the significance of the year as a symbol of complete time is clear.

Copyright (c) 1996 Encyclopaedia Britannica, Inc. All Rights Reserved


          Glossar / Spezialausdrücke

A

All

All oder Universum (lat.) ist der Inbegriff aller Dinge. Im Griechischen heißt All: pan (pan), daher nennen wir die Auffassung, welche das All-Eine (hen kai pan) als Gott setzt, Pantheismus (s. d.).

Aristoteles Metaph. IV, 26 1024 a 1-3 nennt All (pan) ein Quantum mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende, bei dem die Stellung der Teile keinen Unterschied ausmacht, dagegen ganz (holon) ein solches Quantum, bei dem die Stellung der Teile einen Unterschied ausmacht (tou posou echontos archên kai meson eschaton, hosôn men mê poiei hê thesis diaphoran, pan legetai, hosôn de poiei, holon).

https://www.textlog.de/7536.html

a-moralisch

Ausserhalb jeder Moral stehend.

A.G.

ausser-moralisch

Unter Nicht-Betrachtung der moralischen Aspekte.

A.G.

Angeboren

Angeboren (lat. innatus) heißt im Gegensatze zu erworben, angelernt, alles, was der Mensch von Geburt an besitzt. Dies sind zunächst gewisse Triebe und Fähigkeiten. Die Philosophie hat aber auch vielfach bestimmte Ideen und Grundsätze für angeboren angesehen. Vertreter der Lehre von den angeborenen Ideen sind z. B. Platon, Descartes, Malebranche, Spinoza. Bekämpft hat die Lehre von den angeborenen Ideen, die man Nativismus (s. d.) nennt, vor allem Locke im I. Buche seines Essay concerning Human Understanding (1689). Modifiziert erscheint die Lehre von den angeborenen Ideen schon bei Aristoteles (384-322), der die allgemeinen Grundsätze und Begriffe nur dem Keime nach als in der Vernunft vorhanden annimmt, und bei Leibniz (1646-1716), der aus fertigen angeborenen Ideen vielmehr Anlagen die »virtuellement« gegeben sind, macht. Bei Kant (1724-1804) erscheint die Lehre von den angeborenen Ideen umgewandelt in die Lehre vom a priori. A priori heißt dasjenige, was aus reiner Vernunft und nicht aus der Erfahrung stammt, keineswegs aber dasjenige, was zeitlich vor der Erfahrung vorhanden ist. Ein Nativist ist also Kant, wie die Engländer vielfach fälschlich annehmen, nicht gewesen. - Angeborene Vorstellungen, Ideen, Grundsätze existieren in Wahrheit nicht; der ganze Vorrat unseres Bewußtseinsinhaltes entsteht in der Erfahrung: aber die Anlagen zu der Bewußtseinstätigkeit sind aus der Tätigkeit der vorausgegangenen Generationen entstanden und gehen durch Vererbung auf uns über. - Angeborene Rechte sind solche, die der Mensch mit seiner Geburt erhalten hat; dies sind teils natürliche (die sog. Menschenrechte), daß er z. B. lebe, frei sei usw., teils konventionelle, d. h. durch Übereinkunft ihm gegebene, z. B. daß das Kind seinen Vater beerbe u. dgl.

https://www.textlog.de/1110.html

Antagonismus

Antagonismus (gr. von antagônizomai = wetteifern) heißt der Widerstreit der Kräfte in der körperlichen wie der geistigen Welt; kein Ding verhält sich nur leidend, sondern jedes Ding reagiert stets (lex antagonismi) auf Einwirkungen. Auf dem Antagonismus der Kräfte beruht alles Leben in unserem Leibe und Geiste, in Staat, Kirche und Wissenschaft. Ausgesprochen ist diese Überzeugung zuerst von Herakleitos (um 500 v. Chr.), nach dem der Streit der Vater und Herr aller Dinge ist (Plutarch. de Isid. 48 Hêrakleitos - polemon onomazei patera kai basilea kai kyrion pantôn.).

Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.

Anthropozentrisch

Anthropocentrisch (vom gr. anthrôpos = Mensch und kentron = Mittelpunkt) nennt man diejenige Weltauffassung, welche den Menschen als das Zentrum der ganzen Welt ansieht, wie es die meisten Religionen, z. B. das Christentum, aber auch manche philosophische Systeme tun, z. B. im Altertum die Lehre des Sokrates, in der Neuzeit die Wolfische Philosophie. Auch in Kants (1724-1804) Erkenntnistheorie liegt eine neue eigentümliche anthropozentrische Wendung, indem sie lehrt, daß die menschliche Vernunft der Natur (sofern sie die Welt der Erscheinungen ist) die Formen und Grundgesetze vorschreibe. Spinozas (1632-1677) Lehre von Gott -Natur ist dagegen theozentrisch, und die gegenwärtige Naturwissenschaft führt ebenfalls seit Kopernikus, Kepler, Newton von der anthropozentrischen Weltbetrachtung ab. Am stärksten vertrat dagegen von den Neueren in seiner Philosophie den anthropozentrischen Standpunkt Wilhelm von Humboldt (1767-1835), dem sich die ganze Wissenschaft zu einer philosophisch-empirischen Menschenkenntnis zusammenfaßte.

https://www.textlog.de/7534.html

Antipathie

Antipathie (gr. antipatheia), der Gegensatz von Sympathie, ist die unklare Abneigung gegen Personen oder Sachen, welche aus physiologischen Ursachen oder psychologischen Gründen entspringt. Jene beruht auf der eigentümlichen Struktur unserer Sinne (daher die Abneigung gegen gewisse Gerüche u. dergl.), diese auf Ideenverbindungen. Durch Erziehung und Ausbildung des Charakters kommt der Mensch dazu, die Antipathien zu beherrschen.

https://www.textlog.de/7532.html

Apathie

Apathie (gr. apatheia = Unempfindlichkeit) heißt allgemein die Gefühllosigkeit; diese kann entweder eine Folge von Stumpfsinn oder von Ekstase, Kummer, Überanstrengung und dgl. sein. Im engeren Sinne bedeutet Apathie die Freiheit von Leidenschaften und Affekten, welche sowohl von den Stoikern wie von Spinoza als ethisches Ziel gefordert worden ist. Von Spinoza (1632-1677) wird sie als die Folge unserer Einsicht in den Kausalzusammenhang angesehen. Die Stoiker übertrieben die Forderung der Apathie dahin, daß sie auch die edlen Affekte (s. d.) verwarfen. Der Weise ist, wie die Stoiker lehren, affektlos. Auch der Skeptiker Pyrrhon (zur Zeit Alexanders) empfahl die Apathie. Maximus v. Tyrus (unter den Antoninen) dagegen stellte den Gegensatz von Empathischem und Apathischem auf (empathes - apathes); jenes kommt den Dämonen, Menschen und Tieren zu, dieses den Pflanzen und Steinen. - Im weiteren Sinne kann auch die wahrhaft wissenschaftliche Betrachtung Apathie heißen, weil sie ohne Vorurteil und Neigung (sine ira et studio) nach der Wahrheit forscht.

https://www.textlog.de/1097.html

Apeiron

Apeiron (apeiron): das Unbegrenzte. So nennt ANAXIMANDER das Princip, den Urgrund aller Dinge (archên kai stoicheion to apeiron, Diog. L. II, 1; tôn ontôn archên einai to apeiron, Stob. Ecl. I, 10, 292). Das Apeiron ist eigenschaftlich unbestimmt; in den aus ihm entstandenen Dingen beharrt es unveränderlich (ametableton), unzerstörbar (anôlethron), unsterblich (athanaton; Aristot., Phys. III 4, 203b 13). Es umfaßt und beherrscht alles (periechein panta kai panta kybernan, l.c. 203b 11). Die Dinge entstehen aus ihm durch Aus- oder Abscheidung (ekkrinesthai, apokrinesthai; Simpl. ad Arist. Phys. 24, 23), zuerst das Warme und Kalte, dann das Flüssige, Feste (Erde), Luftförmige, Feurige (l.c. Diels 150, 22). Die Zahl der entstehenden Welten, die wieder vergehen müssen, ist unbegrenzt (Stob. Ecl. I, 10, 292). Der Urgrund selbst muß apeiron sein, damit das Werden sieh nicht erschöpfe (hina mêden elleipê hê genesis hê hyphistamenê, l.c. I, 10, 292). Immer wieder kehren die Dinge ins Apeiron zurück: ek gar toutou panta gignesthai kai eis touto panta phtheiresthai (ib.), um zu büßen für ihr Verschulden gemäß der Zeitordnung (didonai gar auta tisin kai dikên tês asikias kata tês tou chronou taxin, Simpl. l. c; vgl. ZELLER, G. d. gr. Ph. I, 15, S. 229). Die Einzelexistenz erscheint hier als eine Art Schuld, als ein Raub am Sein, der an diesem wieder gutgemacht werden muß. - Das Apeiron ist wohl nicht als »migma« (ARISTOTELES, Met. XII 1, 1069b 22), als Gemenge fertiger Qualitäten anzusehen (so RITTER, BÜSGEN, Üb. d. Apeir. 1867, TEICHMÜLLER, Stud. zur Gesch. d. Begr. S. 71, u. a.), sondern als ein stofflich Unbestimmtes (STRÜMPELL, SEYDEL, TANNERY, KÜHNEMANN, Grundl. d. Philos. S. 2), das die Qualitäten der Dinge potentiell in sich birgt (ÜBERWEG, Grundr. I, 45; ZELLER, G. d. gr. Ph. I, 15, 201, 218). Bemerkenswert ist die Ansicht WINDELBANDs: »Das Wahrscheinlichste ist hier noch, daß Anaximander die unklare Vorstellung des mystischen Chaos, welches eins und doch alles ist, begrifflich reproduziert hat, indem er als den Weltstoff eine unendliche Körpermasse annahm, in der die verschiedenen empirischen Stoffe so gemischt seien, daß ihr im ganzen keine bestimmte Qualität mehr zugeschrieben werden dürfe, daß aber auch die Ausscheidung der Einzelqualitäten aus dieser selbstbewegten Materie nicht mehr als eigentliche qualitative Veränderung derselben angesehen werden könnte« (G. d. Phil. S. 25 f.). (Vgl. NATORP, Phil. Monatshefte XX, 36. ff.; J. COHN, Geseh. d. Unendl. S. 13 ff.). Den pythagoreischen Gegensatz des Bestimmten und Unbegrenzten (peras und apeiron) erneuert PLATO. Das apeiron ist das Unbestimmte, Nicht-Seiende (mê on), das erst durch das peras, die quantitative Bestimmtheit und Ordnung, zum Seienden (peperasmenon, ousia) wird (Phileb. 16C, D, 24, 25 A). Nach ARISTOTELES (Met. I, 6; XIV, 1) hat Plato auch in den Ideen als Faktoren derselben ein peras und apeiron angenommen. Vgl. Idee.

https://www.textlog.de/1389.html

Aporie

Aporie (aporia logikê): logischer Zweifel, logische Schwierigkeit, Denkhindernis, auch absichtlich, methodisch aufgestellt als Einwand gegen eine Denkweise, gegen Dogmatismus u. dgl., so von SOKRATES, PLATO (Apol. 23 A, Phaedo 84 C, D, 85 D, Phileb. 15 C). Der Terminus Aporie auch bei ARISTOTELES (Phys. I 2, 185 b 11; III 1, 208 a 33; III 2, 202 a 21; De an. I 1, 402 a 21). Aporien gegen die Realität der Bewegung (s. d.) bei dem Eleaten ZENO, gegen den Kausalitätsbegriff (s. d.) bei den Skeptikern.

https://www.textlog.de/1384.html

Architektur

Architektur (lat. architectura) heißt die Baukunst. Sie ist in dem System der Künste insofern die unterste, als sie am meisten mit dem physischen Stoffe zu ringen hat, aber darum auch andrerseits die oberste Kunst, insofern sie die größten Schwierigkeiten überwindet und dem Künstler am meisten Ehre zu bereiten imstande ist. Aus dem Bedürfnis der Menschen entstanden, die Erde als Wohnplatz zu benutzen, dient sie in ihren Werken Lebensforderungen und Zwecken der Menschheit. Ihre Werke sind daher nicht in jeder Hinsicht freie Kunstwerke. Der Kunstzweck muß sich bei ihnen mit dem Gebrauchszweck verbinden, ja selbst oft diesem unterordnen. Sie ist auch die wirklichste aller Künste, und die ausschließliche Verwendung fester Materialien, die auf den Boden der Erde gesetzt, sicher dastehn sollen, bindet sie an die Gesetze der Mathematik und Physik, so daß die Grundformen ihrer Gestalten im allgemeinen regelmäßige, geometrische sein müssen. Sie gibt dem Raume feste Grenzen und macht ihn dadurch nutzbar, sichtbar und ästhetisch wirksam. So schafft sie Räume, aber nicht die Gestalten, die sich in dem Raume bewegen. Ihre wesentlichen Teile bedingen die konstruktive auf der rechten Proportion der Teile beruhende Schönheit eines Bauwerkes und sind sämtlich Glieder von Raumgrenzen (Fundament, Wände, Träger, Pfeiler, Säulen, Decken, Gebälk, Gewölbe usw.). Zur Zierde der konstruktiven Glieder verwendet sie entweder einen den geometrischen Formen angepaßten zum Teil aus der Technik erwachsenden oder einen freieren plastischen und malerischen Schmuck (dekorative Schönheit). In diesen Ornamenten, und auch in der Ausgestaltung ihrer Konstruktionsformen, kann sie zur nachahmenden Kunst werden. Die Darstellung von Ideen bereitet der Baukunst mehr Schwierigkeit als anderen Künsten. Sie kann direkt nur Räumliches, nicht Zeitliches und Bewegung und Ideenhaftes darstellen. Aber sie kann sich in ihren geometrischen Verhältnissen und ihren konstruktiven wie dekorativen Formen in die Zwecke, die sie darstellt, und in den Zeitgeist, den sie verkörpern will, hineindenken und hineinleben und so Werke schaffen, die für alle ähnlichen Zwecke maßgebend werden und ein Zeitalter klarer als alle anderen gleichzeitigen Kunstwerke charakterisieren. Der Tempel der Griechen, der gotische Dom, der Palast des Renaissancezeitalters führen uns am sichersten in den Geist bestimmter Völker und Zeitalter ein. Die Architektur entwickelt und verändert sich also mit der Zeit und mit der Lebensweise der Menschheit und ist keineswegs eine stumme Kunst, sondern zeugt vom Geist der Zeiten und von den Ideen der Künstler.

https://www.textlog.de/1079.html

Architektonik

Architektonik (gr. architektonikos = zur Baukunst gehörig) heißt die Systemlehre oder die Kunst, ein wissenschaftliches Lehrgebäude aufzuführen. Kant (1724-1804) nennt daher in der Kr. d. r. V. den dritten Abschnitt der transzendentalen Methodenlehre die Architektonik der reinen Vernunft (S. 833-851) und erklärt: »Ich verstehe unter einer Architektonik die Kunst der Systeme. Weil die systematische Einheit dasjenige ist, was gemeine Erkenntnis allererst zur Wissenschaft, d. i. aus einem bloßen Aggregat derselben ein System macht, so ist Architektonik die Lehre des Szientifischen in unserer Erkenntnis überhaupt und sie gehört also notwendig zur Methodenlehre.«

https://www.textlog.de/1078.html

Atheismus

Atheismus (franz. athéisme v. gr. atheos = gottlos), Gottlosigkeit, bezeichnete bei den Alten die Verachtung der vom Staat anerkannten Götter, so daß Anaxagoras, Sokrates, Aristoteles u. a., ja später auch die Christen des Atheismus beschuldigt wurden. Allgemeiner versteht man unter Atheismus die Leugnung des Daseins Gottes, und es gibt einen theoretischen und praktischen Atheismus. Jener leugnet Gottes Dasein aus Prinzip, dieser aus Gleichgültigkeit. Die Wissenschaft hat es nur mit jenem zu tun, der die einseitige Anerkennung der greif- und sichtbaren Realität ist. Der Atheismus erwächst in der neueren Philosophie aus dem Pantheismus, wenn er Gott ganz im All aufgehn läßt (Ed. v. Hartmann), aus dem Sensualismus (Hume, Condillac, Bonnet), der als einzige Erkenntnisquelle die Sinnestätigkeit ansieht und in jedem psychischen Vorgang nichts als eine umgebildete Sinnesempfindung sucht, aus dem Skeptizismus (Hume), der jeden Glauben negiert, aus dem Positivismus (Comte), der alles metaphysische Wissen ablehnt, aus dem Naturalismus, der nur bei den Zeugnissen der Sinne und der äußeren Erfahrung stehn bleibt und außer der Kausalität und Natur nichts anerkennt, aus dem Materialismus (Mechanismus und Dynamismus), der dem Körper die Existenz zuspricht und dem Allgemeinen, der Idee, dem Geiste die Existenz abspricht (Franz. Philos. des 18. Jahrh.), und aus der materialistischen Ethik (Hedonismus, Eudämonismus, Utilitarismus), die das Streben der Menschheit nur durch ihre natürlichen Bedürfnisse, Triebe und Anlagen bestimmt sein läßt. Aber alle diese methodischen, erkenntnistheoretischen, metaphysischen und ethischen Richtungen der neueren Philosophie erfassen die Welt und das Dasein nur unvollständig. Die Welt der Sinneserfahrung ist nicht mehr als die halbe wirkliche Welt, und die eigenen Methoden und Schlußfolgerungen der Erfahrungswissenschaften drängen über das Sinnenbild der Natur hinaus. Die materielle Welt, für sich genommen, ist nichts anderes als die beharrliche Möglichkeit der menschlichen Empfindung, und die Zergliederung der Außenwelt führt überall zu unlösbaren Schwierigkeiten, die uns die Grenzen äußerer Erfahrung zum Bewußtsein bringen. Das Weltbild ist, solange wir bei den bloßen Naturobjekten und Naturvorgängen stehn bleiben, stets lückenhaft und unbefriedigend und fordert zu Ergänzung aus anderer Quelle heraus, ohne die unser metaphysischer Trieb nicht zur Ruhe kommt. Es gilt hier das Wort Bacons: Leves gustus in philosophia movere fortasse ad atheismum, sed pleniores haustus ad religionem reducere, das Reinhold Hoppe (Die Elementarfragen der Philosophie S. 83) so wendet: »Die Gottesleugnung beruht auf der Verschweigung von Tatsachen. Die Erfahrung der Existenz Gottes wächst mit jeder neuen Erkenntnis«. - Von den neueren Systemen sind entschieden atheistisch das Schopenhauers, E. v. Hartmanns und Fr. Nietzsches. Hier ist der treibende Gedanke der Pessimismus gewesen, der der Welt die Vollkommenheit abspricht und ihren Untergang fordert. Sie beruhen auf falschen Ansprüchen des Individuums und auf falscher Bilanz der Freuden und Leiden des Daseins, und auch ihnen gegenüber gilt der Satz: Der Gottesbegriff ist der Schlußstein der ganzen Philosophie, und Atheismus ist nur ein Resultat kurzsichtiger Einseitigkeit. Mit dem Atheismus hängen zusammen die Versuche, einen religiösen Kultus »ohne Gott« herzustellen, wie sie die Epikureer, Holbach, die französ. Revolution (Être Supreme), Dav. Strauß, Aug. Comte u. a. gemacht haben. Vgl. Hume, Dial. concern. Natural Religion. 1779. Schleiermacher, Reden üb. d. Relig. 1799. Ulrici, Gott u. d. Natur. 1875. F. A. Lange, Gesch. d. Materialismus 4. Aufl. 1881. A. J. Balfour, Die Grundlagen des Glaubens, deutsche Übersetzung von R. König. 1896. Reinhold Hoppe, Die Elementarfragen d. Philosophie. 1897.

https://www.textlog.de/1066.html

Äther

Äther (gr.), bei Hesiodos der Sohn des Erebos (Dunkel) und der Nyx (Nacht), heißt zunächst bei den Griechen ein mythisches Wesen, eins der Grundwesen, aus denen die Welt entstanden sein soll; die orphischen Hymnen feiern ihn als Weltseele. Später erscheint er in der Philosophie bei den Hylozoisten (s. d.) als das Wärmeprinzip neben den vier Elementen, Wasser, Feuer, Luft und Erde, und noch später, namentlich auch bei Aristoteles (384-322), als die höchste fünfte Substanz (daher: Quintessenz!), der alles Sein und Denken entstammt. - Die moderne Physik nimmt an, daß ein überaus feiner und elastischer Stoff durch den Weltraum und in den Zwischenräumen der kleinsten Teile des Körpers verbreitet sei, aus dessen Schwingungen sie die Erscheinungen des Lichts, der Elektrizität und dergl. erklärt. Daher sind manche neuere Philosophen, z. B. Ph. Spiller auf die Idee gekommen, den Äther wieder als Gott zu setzen. - Naturwissenschaftlich wird der Äther noch sehr verschieden gedeutet, und wir sind in der Hauptsache noch in Unkenntnis über seine Beschaffenheit. Nach Fresnel (1788-1804) ist der Äther ein sehr elastisches Mittel von unkonstanter Dichtigkeit, während andere ihm konstante Dicke und veränderliche Elastizität beilegen. Nach Lord Kelvin (geb. 1824) ist er ein festes elastisches Mittel, dessen Starrheit 1/10000000 des Stahls und dessen Dichte 1-17 des Wassers beträgt. Stockes (geb. 1819) gibt ihm die Konsistenz einer dünnen Gallerte, da er sich den Lichtschwingungen gegenüber als fester Körper verhält, bei dem allein transversale Schwingungen vorkommen. Im allgemeinen versteht man also heute unter Äther nichts als ein Ding, das Wärme, Elektrizität und Licht verbindet, ohne zu wissen, welcher Art diese Verbindung ist. Vgl. Spiller, Gott im Lichte der Naturwissenschaften, Leipzig 1883.

https://www.textlog.de/7540.html

Atom

Attribut

Attribut (lat. von attribuo = beilegen) heißt eigentlich das Beigelegte, dann das Merkmal, die Eigenschaft, das Kennzeichen eines Dinges. Descartes (1596-1650) versteht unter Attributen die wesentlichen nicht wechselnden Merkmale der Substanz. Bei Spinoza (1632-1677) hat das Attribut den besonderen Sinn, daß darunter die denknotwendigen Prädikate der Substanz verstanden sind, welche der Verstand an der Substanz als deren Wesen ausmachend erfaßt. Die Substanz hat unendlich viele Attribute, aber unser Verstand kann nur zwei davon fassen, nämlich Denken und Ausdehnung; denn alles, was er begreift, ist entweder etwas Denkendes oder Ausgedehntes. Vgl. Modus. Diese Begriffsbestimmung Spinozas ist unklar und nicht widerspruchsfrei. Sie läßt zweifelhaft, ob die Attribute der Substanz nur vom Verstande der Substanz beigelegt werden und nur im Betrachter existierende Erkenntnisformen sind, oder ob sie als reale Eigenschaften der Substanz betrachtet werden müssen, aus denen diese besteht. Die letztere von K. Fischer vertretene Ansicht kommt der Auffassung Spinozas jedenfalls näher als die erstere, welche Erdmann verteidigt hat. - In den bildenden Künsten sind Attribute dem Hauptgegenstande der Darstellung beigegebene Zeichen bestimmter Eigenschaften oder Zustände, also Symbole, wie etwa der Blitz des Zeus, die Schlüssel des Petrus, das Schwert des Paulus.

https://www.textlog.de/1062.html

Absurd

Algorithmus

Algorithmus (arab. = Rechenbuch) ist zunächst der Personenname des Arabers Muhammed Ibn Musa Alchwarizoni, dessen Rechenbuch (Anf. des IX. Jahrh.) im Westen durch Übersetzungen verbreitet wurde. Er nahm in den lateinischen Übersetzungen des Buches die Form Algorithmi an. Später verstand man unter Algorithmus ein Rechenbuch oder die Rechenkunst. - Das Rechenbuch des Alchwarizoni vermittelte dem Abendland die Kenntnis der Null und des indisch-arabischen Rechnens. Es bildete sich daher im 12ten Jahrh. eine Schule der Algorithmiker, die den Sieg über die von Papst Gerbert (Sylvester II., 940-1003) herstammende Schule der Abacisten (von abacus = Rechenbrett) davontrug. - Unter logischem Algorithmus versteht man jetzt die in der Gegenwart eifrig betriebenen Versuche, die logischen Operationen durch ein besonderes Zeichensystem und Rechnungsverfahren zu ersetzen. Vertreter dieser Bestrebungen sind in Deutschland vor allem Schroeder, in England Mc-Coll, in Amerika Peirce, in Italien Peano u. a. Vgl. Reinaud, Mémoire géographique etc. sur l'Inde. Paris 1849. Tropfke, Gesch. d. Elementarmathematik. Leipzig 1902/3. Teil I S. 13 u. 14.

https://www.textlog.de/1123.html

Außenwelt

Außenwelt heißt die Gesamtheit aller Dinge unserer sinnlichen Wahrnehmung, die sich uns in Raum und Zeit darstellen und die zu unserem Innern einen Gegensatz bilden. Auf der Unterscheidung der Innenwelt von der Außenwelt beruht das Selbstbewußtsein und die Idee der Persönlichkeit. Der naive Realismus schreibt der Außenwelt die Existenz im vollen Umfange zu. Anders die Philosophie. Schon die Eleaten (c. 550-400) leugneten die Existenz der Vielheit, der Bewegung, des Werdens und der Veränderung. Die Atomisten Leukippos und Demokritos (im 5. Jahrh. v. Chr.) bestritten die Existenz des Qualitativen in der Außenwelt. Platon (427 bis 347) sah in der Materie ein Nichtreales. Locke (1632-1704) schied die sekundären Eigenschaften (Licht, Farbe, Ton usw.) von den primären (Größe, Gestalt, Zahl, Lage, Bewegung, Ruhe) und erkannte nur die letzteren als wirkliche Eigenschaften der äußeren Dinge an. Berkeley (1685-1753) bekämpfte die Lehre von einer an sich existierenden Körperwelt und setzte das Sein derselben als gleichbedeutend mit dem Vorgestelltwerden (esse = percipi). Für Leibniz (1646 bis 1676) sind die wahrhaft existierenden Wesen die Monaden, punktuelle Seelenwesen mit der Kraft der Vorstellung. Die Außenwelt und alles Körperliche besteht aus Monaden und wird nur in verworrener Vorstellung als räumlich gefaßt. Nach Kant (1724-1804) ist die Außenwelt nicht Ding an sich, sondern Erscheinung. Es kommt ihr Realität, aber nur empirische Realität zu. Das Ansich der Dinge ist nur ein unbestimmbares X. Nach Fichte (1762-1814) ist die Außenwelt, das Nicht-Ich, nur eine Setzung des Ichs, das Material unseres Pflichtbegriffes. Nach Hegel (1770-1831) ist die Welt die sich logisch entwickelnde Vernunft. Der Natur kommt nur die Stellung zu, daß sie die absolute Vernunft in ihrer Selbstentäußerung, die Idee in der Form des Anderssein ist. So hat also die Philosophie besonders in ihren idealistischen Systemen die naive Vorstellung von der Außenwelt vielfach beschränkt und umgestaltet. - Aber auch die moderne Physik, die im wesentlichen die Idee der Atomisten aufgenommen hat, führt alles Qualitative in der Außenwelt auf Quantitatives zurück und steht etwa auf dem Standpunkt, den Locke philosophisch fixiert hat. Die Existenz einer objektiven Welt wird aber, ohne daß dadurch ihr Wesen bekannt wird, bewiesen durch das Unfreiwillige und Ungewollte unserer Sinneswahrnehmungen.

https://www.textlog.de/1057.html

Autopsie

Autopsie (gr. autopsia) heißt Selbstbeobachtung, eigenes Sehen und Wahrnehmen im Gegensatz zu den Berichten anderer.

https://www.textlog.de/1053.html

B

Bedeutungswandel

Bedeutungswandel ist die allmähliche Veränderung der mit einem Lautbild verbundenen Vorstellungen in einer Sprache. Der Bedeutungswandel ist eine der wichtigsten Erscheinungen im Leben der Sprache. Seine Möglichkeit liegt darin, daß ein Wort bei seiner Anwendung eine von der gewöhnlichen Bedeutung abweichende Bedeutung gewinnen kann, d. h. im Gegensatz der okkasionellen Bedeutung zur usuellen. Die okkasionelle Bedeutung ist gewöhnlich an Inhalt reicher und an Umfang enger als die usuelle. Der Zusatz des Artikels zu einem Substantiv, die gemeinsame Anschauung des Sprechenden und Hörenden, die Gemeinsamkeit ihrer Lebensbeziehungen, die Beziehung auf Vergangenes, der Zusammenhang der Rede usw. machen die Einengung der Bedeutung eines Wortes im okkasionellen Gebrauch möglich. Andrerseits können in der okkasionellen Bedeutung eines Wortes aber auch gewisse Teile der usuellen Bedeutung ausgeschlossen sein und so eine Erweiterung eintreten, oder die okkasionelle Bedeutung kann etwas, was mit dem usuellen Bedeutungsinhalt räumlich oder kausal verknüpft ist, mitverstehn. In allen okkasionellen Bedeutungen liegt nun die Wurzel des Bedeutungswandels. Bei Wiederholung wird das Okkasionelle allgemein, und bei der Überliefung von einer Menschengeneration auf die andere erleidet es weitere Umbildung, z. B. durch die Generalisierungen des Kindes. Der Bedeutungswandel schafft im Gegensatz zum Lautwandel, der an die Stelle einer Form die andere setzt, die mehrfache Bedeutung ein und desselben Wortes. (Siehe H. Paul, Prinzipien der Sprachgeschichte, Kap. IV.) Vgl. Sprache.

https://www.textlog.de/1044.html

Bedingung

Bedingung (conditio) heißt dasjenige, wovon ein anderes (das Bedingte) abhängig (s. d.) ist. Die Abhängigkeit kann entweder innerhalb des Gedachten oder innerhalb des Wirklichen bestehen. In ersterem Falle redet man von einer logischen, in letzterem von einer realen Bedingung. Für beide Fälle gilt das Gesetz: Ist die Bedingung gesetzt, so ist auch das Bedingte gesetzt, und ist die Bedingung aufgehoben, so fällt auch das Bedingte fort. (Posita conditione ponitur conditionatum, et sublata conditione tollitur conditionatum.) Aus dem Begriff der Bedingung erwachsen die hypothetischen Urteile und Schlüsse. Die logische Bedingung heißt der Grund (ratio), das Bedingte die Folge (consequens); die reale Bedingung heißt Ursache (causa), das Bedingte heißt Wirkung (effectus). Eine logische Bedingung ist eine solche, vermöge welcher ein Gedanke wahr oder unwahr ist; eine reale Bedingung dagegen ist die notwendige Voraussetzung (conditio sine qua non), daß ein anderes ist. Da alles nur insofern bedingend ist, als es etwas bedingt, und ein Bedingtes nur da vorhanden ist, wo ein Bedingendes da ist, so sind Bedingtes (conditionatum) und Bedingung (conditio) Wechselbegriffe (correlata), d. h. der eine Begriff fordert den andern. Aber es läßt sich der Satz, daß mit Aufhebung der Bedingung auch das Bedingte aufgehoben werde, nur in dem Falle umkehren, wenn ein Ding oder Gedanke nicht mehrfach, sondern nur durch eins bedingt ist, nicht, wenn ein Bedingtes von mehreren Bedingungen abhängt. Wo mehrere Bedingungen da sind, kann man Haupt- und Nebenbedingungen, sowie positive und negative unterscheiden. Vgl. Grund, Folge, Ursache, Kausalität.

https://www.textlog.de/1043.html

Begehren

Begehren heißt das Streben nach Lust durch die Verwirklichung eines Vorgestellten. Begehrungsvermögen heißt die Fähigkeit eines Wesens, seinen Vorstellungen Wirklichkeit zu verleihen und hierdurch der Lust teilhaftig zu werden. Aus ihm entspringt das Wünschen und Meiden, das Streben und Widerstreben. Richtet es sich darauf, einen zukünftigen, als angenehm vorgestellten Zustand herbeizuführen, so heißt es Begehren im engeren Sinne; sucht es dagegen einen unangenehmen zu vermeiden, so heißt es Verabscheuen. Ohne die, wenn auch dunkle Vorstellung dieser Zustände entsteht keines von beiden. Die ältere Psychologie unterschied ein höheres und ein niederes Begehrungsvermögen; die neuere unterscheidet ein materielles und intellektuelles. Jenes umfaßt die sinnlichen Triebe, dieses die geistigen. Das vernünftige Begehren heißt Wollen. Kant (1724-1804) definiert das Begehrungsvermögen als das Vermögen eines lebenden Wesens, durch seine Vorstellungen Ursache von der Wirklichkeit ihres Gegenstandes zu sein oder doch sich selbst zur Bewirkung desselben zu bestimmen, mag das physische Vermögen zur Hervorbringung des begehrten Objekts hinreichend sein oder nicht (Kritik der praktischen Vernunft S. 16, Anm. S. 29-30). Vgl. Trieb, Neigung, Wille usw.

https://www.textlog.de/1041.html

Begierde

Begierde (cupido) ist im Unterschied von dem bezüglich des erstrebten Objekts unbewußten Triebe das bewußte Streben nach Erreichung eines als angenehm vorgestellten Objekts. Niemand begehrt etwas, wovon er keine Vorstellung hat. (Ignoti nulla cupido.) Die Begierden, die aktive Willenszustände sind, zerfallen in sinnliche (materielle) und geistige(intellektuelle), die letzteren wieder in unmittelbare und mittelbare. Das Gegenteil der Begierde heißt Abscheu oder Widerstreben. Jede Begierde hat Inhalt, Stärke und Rhythmus. Ihr Inhalt ist die Vorstellung des Begehrten, die Lust, welche man durch Gewinnung des Objekts zu erlangen wähnt. Ihre Stärke hängt von dem Triebe, aus dem sie hervorwächst, der Wertschätzung des Begehrten und den Hindernissen, welche man zu überwinden hat, ab. Ihr Rhythmus ist das Steigen und Sinken der Begierde, indem sie teilweise durch Befriedigung gestillt, teilweise von neuem aufgestachelt wird. Inhalt, Stärke und rhythmische Bewegung der Begierden sind bei den verschiedenen Personen sehr verschieden und ändern sich auch mit dem Alter, der Lebensweise, dem Gedankenkreise jeder einzelnen Person. Der Zusammenhang von leiblichen und seelischen Vorgängen tritt bei der Begierde deutlich hervor; denn sie nimmt, wie jeder an sich beobachten kann, bald im Geiste, bald in der Sinnlichkeit ihren Ursprung, äußert sich aber alsbald auch auf der anderen Seite. So erzeugt die Vorstellung leckerer Speisen eine erhöhte Absonderung der Speicheldrüsen, und der sinnliche Trieb nach Nahrung (Hunger) erweckt in uns alsbald Vorstellungen von Speisen. Nach Descartes (1596-1650 Passiones animae II, 86) ist die Begierde eine durch die Lebensgeister bewirkte Erregung der Seele, durch die sie bestimmt wird, für die Zukunft Dinge zu wollen, die sie sich als angenehm vorstellt; nach Spinoza (1632 -1677 Ethica III, 9) ist die Begierde der bewußte Trieb (appetitus cum eiusdem conscientia), der Trieb aber das eigene Wesen des Menschen, insofern es sich in dem Zustande befindet, das zu tun, was seiner Erhaltung dient (ipsa hominis essentia, quatenus ex data quacumque eius affectione determinata est ad ea agendum, quae ipsius conservationi inserviant). Nach Kant (1724-1804 Anthropologie § 70) ist die Begierde (appetitio) die Selbstbestimmung der Kraft eines Subjekts durch die Vorstellung von etwas Künftigem, als einer Wirkung derselben. Die habituelle sinnliche Begierde heißt Neigung, das Begehren ohne Kraftaufwendung des Objekts ist der Wunsch. Nach Herbart (1776-1841), der das Wesen aller Seelenvorgänge im Vorstellen sieht, entstehen Begierden, wenn die Vorstellung irgend eines Gegenstandes im Bewußtsein zu steigen sucht, aber Hemmnissen begegnet. Das Bewußtwerden des Anstrebens einer Vorstellung oder einer Vorstellungsmasse gegen ihr widerstrebende Hemmnisse ist die Begierde. Nach Wundt (Phys. Psych. I, S. 535) ist die Begierde die aktive Reaktionsweise der Apperzeption gegenüber äußeren Eindrücken.

https://www.textlog.de/1039.html

Begreifen

Begreifen, eigtl. Erfassen, heißt, ein Ding oder einen Vorgang in seinem Zusammenhange, nach seinen Ursachen, seinem Wesen, seinem Zweck, seinen Beziehungen verstehen lernen. Begriffen ist also eine Sache nur dann, wenn wir nicht nur wissen, was sie ist, sondern warum sie so ist und wozu sie dient und wie sie mit allen anderen Dingen zusammenhängt. Der Stoiker Zenon (• 258 v. Chr.) schilderte den Übergang von der Erfahrung zum Begreifen, indem er die Wahrnehmung mit den ausgestreckten Fingern, die Zustimmung mit der halbgeschlossenen Hand, das Begreifen mit der Faust und das Wissen mit beiden zusammengedrückten Fäusten verglich (Cicero, Acad. II, 47, 145). Nach Kant (1724-1804) gehören zum Begreifen Vernunftbegriffe, wie zum Verstehn Verstandesbegriffe. Das Begreifen ist also ein Vernunftgeschäft. Vollständig begreift man nur, was man a priori einsieht. (Kant, Kr. d. r. Vern. II. Aufl., S. 367.)

https://www.textlog.de/1498.html

Begriff

Beharrungsvermögen

Beharrungsvermögen oder Trägheit (vis inertiae) ist die Eigenschaft der Materie, im Zustand der Ruhe oder im Zustand einer bestimmten Bewegung unverändert zu bleiben, bis durch irgend eine Kraft dieser Zustand geändert wird. Alle Körper beharren in Ruhe, bis sie bewegt werden. Ein sich bewegender Körper würde sich ins Unendliche mit unveränderter Geschwindigkeit und Richtung fortbewegen, brächten ihn nicht Kräfte, z. B. die Reibung, zur Ruhe oder veränderten seine Geschwindigkeit und Richtung. Das Beharrungsgesetz war im Altertum unbekannt. Bei Galilei (1564-1641) hat es die Fassung: Ein Körper, der auf einer wagerechten Ebene in Bewegung gesetzt wird, würde sich, insofern kein Hindernis vorhanden ist, geradlinig und gleichförmig ohne Aufhören weiterbewegen, wenn die Ebene sich bis ins Unendliche ausdehnte. Wir fassen es jetzt allgemeiner in die Form: Ein Körper, auf den keine Kraft wirkt, ändert seinen Bewegungszustand nicht, d. h. er verharrt in dem Zustande der Ruhe oder der gleichförmigen geradlinigen Bewegung. Vgl. Poske, Oberstufe der Naturlehre, Leipzig 1907, § 7 und § 14. Vgl. Substanz, Materie, Trägheit.

https://www.textlog.de/1037.html

Beobachtung

Beobachtung (observatio) heißt allgemein die absichtliche Hinlenkung gespannter Aufmerksamkeit (s. d.) auf einen Gegenstand, dann, auf naturwissenschaftlichem Gebiete, die methodisch, d. h. nach bestimmten Gesichtspunkten und Regeln vorgenommene Untersuchung desselben, wie er sich unmittelbar darbietet, ohne daß an demselben Veränderungen vorgenommen werden. Daher definiert Kant: » Erfahrung methodisch anstellen heißt (allein) beobachten« (Gebrauch teleol. Prinzipien in der Philos., Kants Werke, herausgegeben von v. Kirchmann VIII, S. 147). Sobald man dagegen das Objekt der Forschung willkürlich verändert oder in gewisse zu seiner Beobachtung geeignete Lagen bringt, geht die Beobachtung in das Experiment über. Die verschiedenen Wissenschaften verhalten sich verschieden zu Beobachtung und Experiment. Der Astronom z. B. kann nur beobachten, nicht experimentieren, weil er zwar seine Instrumente umlegen und ändern, die Zeiten und Orte auswählen, aber die Gestirne selbst nicht künstlichen Veränderungen unterwerfen kann, während der Chemiker, Physiker, Botaniker, Zoologe usw. durch von ihm selbst ausgehende Änderung der Stoffe Experimente anstellt. Beobachtung und Experiment sind die Hauptmittel der exakten Forschung. Hierauf hat zuerst Bacon von Verulam (1561-1626) hingewiesen, der deshalb auch Vater der Naturwissenschaft genannt wird (De dignitate et augmentis scientiarum 1623, und Novum organum 1620). Vgl. auch Sénébier, Sur l'art d'observer et de faire des expériences 2. Aufl. Genf 1502, deutsch von Gmelin 1776. John Herschel, A preliminary discourse on the study of natural philosophy. Lond. 1831. John Stuart Mill, a system of Logic ratiocinative and inductive. London 1843, deutsch n. d. 5. Aufl. 1862. W. Wundt, System d. Logik, 2 Teile, 1881.

https://www.textlog.de/1032.html

Beseelt

Beseelt (lat. animatus, gr. empsychos) heißt im engeren Sinne alles, was eine Seele hat, d. h. der Mensch und das Tier. Da es aber schwer ist, eine Grenze vom Tiere aus nach unten zu ziehen, so liegt es nahe auch scheinbar leblosen Wesen eine Seele zuzuschreiben. Daher schrieb Leibniz (1646-1716) auch den Pflanzen und überhaupt allen wirklichen Wesen, die er Monaden, oder geradezu Seelen (les âmes) nannte, Beseeltheit zu. Neuere Naturforscher sind ihm vielfach gefolgt. Die Alten hielten auch zum Teil die Weltkörper für beseelte Tiere. Vgl. Seele, Pflanzenseele.

https://www.textlog.de/7606.html

Bestimmt

Bestimmt heißt in der Logik ein Begriff, von dem alles angegeben ist, was darin gedacht werden soll, der also gegen alle anderen Begriffe nach Umfang und Inhalt vollständig abgegrenzt ist. Die Bestimmung eines Begriffs (Definition) erfolgt durch Angabe seiner Unterarten (s. Einteilung), durch Angabe des übergeordneten Begriffes und durch die Aufzählung seiner besonderen Merkmale. Durch bestimmte Begriffe werden Verwechslungen vermieden. - Im psychologischen Sinne heißt der Wille bestimmt, sofern er von den Motiven abhängt und dem stärksten folgt. Vgl. Determinismus. - In der Naturwissenschaft heißt bestimmen: ein Tier, eine Pflanze, ein Mineral der Familie, Gattung, Art oder Unterart einreihen, zu der es nach seinen Merkmalen gehört. Man muß dazu eine Reihe von Fragen beantworten, welcher von zwei Gegensätzen dem zu bestimmenden Gegenstande jedesmal als Merkmal angehört und welcher nicht, und steigt so von Reich, Kreis, Klasse immer weiter hinab bis zu Familie, Gattung, Art, Unterart (s. z. B. Lackowitz, Flora von Berlin u. d. Provinz Brandenburg. 9. Aufl. Berlin 1894. Vorwort).

https://www.textlog.de/2249.html

Betrug

Betrug (dolus) ist im allgemeinen Sinne jede absichtliche Verletzung oder Unterdrückung der Wahrheit; im engeren Sinne eine gewinnsüchtige Täuschung des anderen.

Bewegung

Bewegung nennt man die Ortsveränderung eines Körpers, Ruhe dagegen sein Verharren an demselben Orte. Man unterscheidet zunächst absolute und relative Bewegung und Ruhe. Jene ist die an sich gedachte Ortsveränderung eines Körpers oder sein an sich gedachtes Verharren an demselben Orte im unendlichen Raume, diese seine Ortsveränderung oder sein Verharren an demselben Orte in Beziehung auf einen anderen Körper. - Alle wahrnehmbare Bewegung und Ruhe ist in Wahrheit nur relativ; mit der Idee der absoluten Bewegung und Ruhe überschreiten wir den Kreis der Erfahrung. Die relative Bewegung und Ruhe ist entweder wirklich oder scheinbar. Wirklich ist die Bewegung und Ruhe, wenn der bewegte Körper für bewegt und der ruhende für ruhend angesehen wird, scheinbar, wenn der bewegte Körper als ruhend und der ruhende als bewegt gilt. So ist die tägliche Bewegung der Erde um ihre Achse und die Ruhe des Sternenhimmels wirklich, die tägliche Sternbewegung aber und die Erdruhe scheinbar. Ob eine Bewegung scheinbar oder wirklich ist, ist oft sehr schwer festzustellen. So ist die Achsendrehung der Erde jahrtausendelang nicht als wirkliche Bewegung erfaßt worden, und es hat schwieriger Forschungen bedurft, sie nachzuweisen und ebenso schwerer Kämpfe, die Wahrheit gegen das Vorurteil zur Geltung zu bringen. Auch im Leben ist es nicht immer leicht, über Scheinbarkeit oder Wirklichkeit einer Bewegung zu urteilen. Denken wir uns z. B. auf ein Schiff versetzt, das auf dem Äquator von Osten nach Westen fährt, und gehen wir ebenso schnell, als das Schiff fährt, auf demselben vom Bug zum Heck. Wie steht es dann mit Bewegung und Ruhe? Wir gehen scheinbar von Westen nach Osten - aber wir fahren ebenso schnell von Osten nach Westen - also schließen wir, daß wir wirklich ruhen; aber wir bewegen uns ja mit der Erdachsendrehung in bestimmter Geschwindigkeit von Westen nach Osten und mit der Erde um die Sonne andrerseits mit anderer Geschwindigkeit nach Westen und mit unserem ganzen Planetensystem in wieder anderer Geschwindigkeit und Richtung: Hier kümmern wir uns im alltäglichen Leben nur um das Nächstliegende und überlassen das Weitere dem wissenschaftlichen Forscher. - Zur Bestimmung jeder Bewegung gehört der vom Körper oder vielmehr seinem Schwerpunkt zurückgelegte Weg, die Bahn der Bewegung, und die Zeitdauer der Bewegung. Geradlinig heißt die Bewegung eines Körpers, wenn derselbe seine Richtung während der Bewegung unverändert beibehält, krummlinig, wenn er sie stetig ändert. Gleichförmig heißt die Bewegung eines Körpers, wenn er stets in gleichen Zeiten gleiche Wegstrecken zurücklegt, ungleichförmig, wenn dies nicht der Fall ist. Eine ungleichförmige Bewegung heißt beschleunigt, wenn die in gleichen Zeiten zurückgelegten Wegstrecken stets wachsen, verzögert, wenn sie stets abnehmen. Das Verhältnis des in einem bestimmten Zeitabschnitte zurückgelegten Weges zur Größe dieses Zeitabschnittes heißt die Geschwindigkeit des Körpers. Gleichmäßig beschleunigt oder verzögert heißt die Bewegung eines Körpers, wenn die Geschwindigkeit desselben in gleichen Zeiten gleichviel zu- oder abnimmt. - Die Bewegung führen wir vom Standpunkt des Dynamismus (s. d.) aus in jedem Falle auf verursachende Kräfte zurück, und in den Bewegungen erforschen wir die Kräfte. Jede Änderung in dem Bewegungszustande eines Körpers leiten wir von einer Kraft ab. Wir fordern, daß kein bewegter Körper in Ruhe, kein ruhender in Bewegung geraten kann, ohne daß eine Kraft dies bewirkt. Der Kinetiker sucht ohne Kräfte mit dem Begriff Impuls auszukommen. Einfach nennen wir die Bewegung, wenn wir sie auf eine Kraft, zusammengesetzt, wenn wir sie auf mehrere Kräfte zurückführen. Wirken auf einen Körper zwei Kräfte in gleicher Richtung, so ist die Geschwindigkeit gleich der Summe, wirken sie in entgegengesetzter Richtung, so ist die Geschwindigkeit gleich der Differenz der Geschwindigkeiten, welche beide Ursachen, einzeln wirkend, dem Körper erteilt haben würden. Wirken auf einen Körper zwei Kräfte, deren Richtungen einen Winkel bilden, so erfolgt die Bewegung in der Richtung und Größe der Diagonale desjenigen Parallelogramms, welches sich aus der Richtung und Größe der beiden Kräfte ziehen läßt (Parallelogramm der Kräfte). - Eine Bewegung heißt frei, wenn ein Körper ungehindert der Wirkung der ihn bewegenden Kräfte folgen kann, unfrei, wenn ihm (wie bei einem Eisenbahnzug oder den Teilen einer Maschine) eine feste Bahn vorgeschrieben ist. Unter der Größe der Bewegung versteht man die Gewalt, die ein bewegter Körper auf andere auszuüben vermag. Die Größe der Bewegung ist gleich dem Produkt aus der bewegten Masse und der Geschwindigkeit. - Die Bewegung ist ein Grundphänomen alles Geschehens in der Außenwelt. Frühzeitig hat sich daher der Blick der Naturforscher und Philosophen auf diesen Begriff gelenkt. Während unter den griechischen Philosophen Herakleitos (um 500) lehrte, daß sich alles in der Natur beständig bewege (panta rhei), haben die Eleaten (6. u. 5. Jahrh. v. Chr.) die Realität der Bewegung gänzlich geleugnet und die Bewegung für Sinnestrug erklärt; vor allem hat Zenon (geb. zw. 490 u. 485) die Lehre des Parmenides von der Nichtexistenz der Bewegung streng zu beweisen versucht. Aber seine Beweise schließen den mathematischen Fehler in sich ein, daß sie nicht beachten, daß die Summe einer unendlichen konvergierenden Reihe unter einer endlichen Größe zurückbleibt. Auch Aristoteles (384-322), der in der Bewegung den Übergang vom Möglichen zum Wirklichen sah, hat das Wesen der Bewegung nicht verstanden, da er das Trägheitsgesetz nicht kannte und annahm, daß jeder bewegte Körper allmählich von selbst zur Ruhe käme. Auch Kant (1724-1804) hat in seiner Erstlingsschrift das Wesen der Bewegung, obwohl es in seiner Zeit bereite richtig erkannt war, mißdeutet, aber in seinen späteren Schriften, z.B. den Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft, richtig bestimmt.

 

Die mehr oder weniger phantastischen Spekulationen der Philosophen über die Bewegung wurden zuerst durch Galilei (1564-1641) und dann durch Newton (1642-1727) (siehe Newtonsche leges motus) auf eine wissenschaftliche Grundlage gebracht. Vgl. Newton. Philosophiae naturalis principia mathematica 1687. Laplace, Mecanique celeste 1799f. Euler, Mechanica 1736. Möbius, Mechanik des Himmels, Lpz. 1843.

Interessant, aber verfehlt ist Trendelenburgs (1802 bis 1872) Versuch, alles, sowohl Sein als Denken, auf die Bewegung (räumliche und konstruktive) zurückzuführen und Raum und Zeit aus der Bewegung, nicht umgekehrt, die Bewegung aus Raum und Zeit abzuleiten. Vgl. Trendelenburg »Logische Untersuchungen«, 3. Aufl. 1870.

https://www.textlog.de/1028.html

Bewußtsein

Bewußtsein bedeutet im weitesten Sinne den Zusammenhang der psychischen Erlebnisse in einem Individuum (Individualbewußtsein) oder in einer sozialen Gemeinschaft (Kollektivbewußtsein, Gesamtbewußtsein, s. d.). Bewußtsein heißt ferner das Gattungsmäßige aller psychischen Vorgänge, ihr gemeinsames Wesen, ihr Charakter als Erlebnis, Für-ein-Ich-sein. Vom Ich ausgesagt, ist das Bewußtsein eine subjektive Tätigkeit, ein Zustand, eine Modifikation des Ich: aktives Bewußtsein. Von den Objekten ausgesagt, ist es Bewußtheit, im Sinne von passivem Bewußtsein, ein Ausdruck für den Umstand, daß etwas, ein Inhalt, in den Zusammenhang des Ich getreten ist oder sich bereits darin befindet oder befunden hat. Im engeren Sinne ist Bewußtsein aufmerksames Erlebnis, im engsten Sinne = Gewußtsein bezw. Wissen, reflektiertes Bewußtsein und dazu auch noch Selbstbewußtsein. Das Bewußtsein ist keine für sich, gesondert von den Erlebnissen existierende Wesenheit, Tätigkeit oder Eigenschaft, sondern in und mit dem Psychischen schon (in verschiedenen Graden der Aktivität und der Helligkeit) gegeben; in dieser Weise aber hat es unmittelbare Wirklichkeit und kausalen Charakter, ist es ein ursprünglicher, nicht weiter ableitbarer Faktor alles psychischen Geschehens. Es »enthält« immer ein Ich-Moment und eine Reihe positiver Bestimmtheiten (Bewußtseinsinhalte). Jeder Vorgang, der als »bewußt« charakterisiert wird, ist insofern »Bewußtseinsvorgang«.

Begriff und Definition des Bewußtseins:

Wissen des Wissens

Besonderes Vermögen

Eigenschaft der Vorstellungen

Einheit, Differenz, Sein

https://www.textlog.de/1318.html

Böse

Böse heißt das Gegenteil von gut. Da nun unter gut bald das Nützliche, bald das Angenehme, bald das Schöne, bald das Sittliche verstanden wird, so hat auch der Begriff des Bösen verschiedene Bedeutung angenommen, und man spricht z.B. von einem bösen Geschwür, einer bösen Nachricht, einem bösen Gesicht und einem bösen Menschen. Im engeren Sinne ist aber böse soviel als unsittlich. Das Wesen des Bösen besteht, soweit unser Verhältnis zu den Mitmenschen in Betracht kommt, vor allem in der Selbstsucht, in der rücksichtslosen Verfolgung des Selbsterhaltungstriebes. Dieser ist an sich natürlich; er äußert sich auch auf natürliche Weise in den Trieben nach Existenz, Nahrung, Ruhe, Eigentum, Schmuck, Ehre, Macht usw. Solange wir diesen Trieben mit Maß, mit Vernunft und mit Berücksichtigung unserer Nebenmenschen folgen, kann unser Handeln nicht böse heißen. Erst die egoistische Selbstbehauptung, welche den Forderungen der Sympathie und Gerechtigkeit widerspricht, ist böse. Weiter besteht das Sittlich böse in allen Schwächen und Irrungen, die die menschliche Anlage zu normaler Entfaltung und Vervollkommnung hemmen und ablenken. - Den Ursprung des Bösen hat die Religion und Philosophie auf verschiedene Weise zu erklären versucht. Der Parsismus leitet das Böse aus einem Weltprinzip ab und stellt dem guten Ormuzd den bögen Ahriman als von Anfang an existierend gegenüber. Dadurch wird aber der Begriff der Gottheit wesentlich eingeschränkt. Der Parsismus und der vom Parsismus beeinflußte und im 3. Jahrh. n. Chr. entstandene Manichäismus, der das Böse als selbständiges Prinzip ansieht, sind daher unvereinbar mit der allein haltbaren Idee des Göttlichen. - Auch die Ableitung des Bösen durch Platon (427-347) aus der Materie hylê befriedigt nicht, weil dadurch das Böse zu einem Negativen verflüchtigt und in den Stoff gelegt wird, während es doch positiv ist und, vor allem in der Gesinnung, in der verkehrten Richtung des Willens liegt. - Ebensowenig genügt die Herleitung des Bösen aus der menschlichen Freiheit, mag man sie mit Origenes (•254), Kant (•1804) und Schelling (•1854) als transzendentalen Akt in einen Zustand vor der Geburt setzen, oder mit Augustin (•430), Schleiermacher (•1834) und Jul. Müller (•1875) in das Diesseits. Denn die Freiheit reicht nicht aus, zu erklären, wie ein faktisch gutes Wesen böse werden konnte. Auch die Ableitung des Bösen aus einem Abfall von Gott, wie sie Plotin (•270) und Augustin (•430) lehren, kann nicht als angemessen gelten; ebensowenig die Auffassung des Thomas von Aquino (•1274), der im Bösen ein Mittel zum Guten sieht. - Ein andrer Versuch der Ableitung des Bösen findet sich in der indisch-neuplatonischen Ansicht, nach der zwar die gesamte Welt durch Emanation aus Gott hervorgeht, aber das einzelne unberechtigt ist, sich als solches zu behaupten. Ähnlich behauptet Leibniz (1646-1716), in seiner Theodicee (1710), das Böse sei bei der Unvollkommenheit der Geschöpfe unvermeidlich, es habe mithin seinen Ursprung nicht in Gott, sondern in der Beschränktheit der endlichen Wesen. - Hieran anknüpfend kann man den Ursprung des Bösen im Endlichen und Menschlichen suchen. Das Endliche ist unvollkommen, und der Mensch ist selbstsüchtig von Natur. Aber so wenig der Naturzustand auf sozialem Gebiete festgehalten, sondern zur Kultur veredelt wird, so wenig bleibt der ethische Naturzustand (vgl. Bildung, Humanität). Von Natur ist der Mensch noch nicht das, was seine Entwicklung aus ihm machen kann. Dies lehrt uns die Betrachtung der menschlichen Entwicklung. Jedes Kind ist, solange es ohne Selbstbewußtsein ist, weder gut noch böse. Sobald aber der Selbsterhaltungstrieb erwacht, zeigen sich schlechte Eigenschaften, Selbstsucht, Trotz, Grausamkeit, Ungehorsamkeit usw. Da sich nun die Sinnlichkeit jahrelang entwickeln kann, ehe die Vernunft durch die Erziehung ausgebildet wird, so findet sich der zum Selbstbewußtsein erwachte Mensch zu seinem Schrecken in einem Zustande vor, den Kant das »radikale Böse« genannt hat. Diesen Namen verdient es wenigstens insofern, als es mit der menschlichen Entwicklung unvermeidlich verknüpft ist. Nun beginnt in dem Menschen der sittliche Kampf gegen das Böse. - Das Böse ist ein ethischer Begriff, der daneben auch seine kulturhistorische Bedeutung hat. Was auf einer noch unerzogenen Stufe menschlicher Entwicklung erklärlich und entschuldbar ist, wird auf einer höheren Unsittlichkeit. Der verwandte metaphysische Begriff ist das Übel (s. d.). Vgl. Herbart, Gespräche ü. d. Böse, Königsb. 1818. Blasche, das Böse im Einklang mit der Weltordnung. Leipzig 1827. Jul. Müller, Christl. Lehre v. d. Sünde. 3. Aufl. Breslau 1849. Fr. Paulsen, System der Ethik. 6. Aufl. 1903.

https://www.textlog.de/1018.html

C-D

Causa

Causa: Ursache (s. d.). »Causa activa (agens)«: tätige Ursache. »C. adaequata«: entsprechende Ursache. »Causa cognoscendi«: Erkenntnisgrund. »Causa corporalis«: physische Ursache. »Causa creatrix«: schöpferische Ursache. »Causa deficiens (defectiva)«: negative Ursache. »Causa directa«: unmittelbare Ursache. »Causa efficiens (effectiva)«: wirkende Ursache (poioun aition bei ARISTOTELES). »Causa essendi und fiendi«: Seinsgrund, Ursache des Werdens. »Causa extrinseca und intrinseca«: äußere, innere Ursache. »Causa finalis«: Zweckursache (hou heneka bei ARISTOTELES). »Causa formalis«: gestaltende Ursache. »Causa immanens und transiens«: immanente und (auf ein anderes) übergehende Ursache. »Causa influens«: einfließende Ursache. »Causa instrumentalis«: Mittelursache. »Causa materialis«: Ursächlichkeit des Dinges, auf das eingewirkt wird. »Causa movens (motiva)«: bewegende Ursache. »Causa occasionalis«: Gelegenheitsursache. »Causa per accidens und per se«: akzidentielle (s. d.) Ursache und Ursache durch sich selbst (ALBERTUS MAGNUS, Sum. th. I, 55, l; THOMAS, Sum. th. I, 77, 3). »Causa principalis«: Grundursache = »Causa primordialis, prima« (prôtê aitia: PLATO, ARISTOTELES). »Causa prima est, cuius substantia et actio est in momento aeternitatis et non temporis« (ALBERTUS MAGNUS, Sum. th. I, 32, l). THOMAS: »Causa prima causat operationem causae secundae secundum modum ipsius« (Contr. gent. III, 148). Gegensatz zu Causa prima = »Causa secunda«; sekundäre, abgeleitete Ursache (vgl. ALBERTUS MAGNUS, Sum. th. I, 26, 2; BAUMGARTEN, Met. § 317). »Causa privans«: beraubende, ein Nichtsein setzende Ursache. »Causa proxima und remota«: nächste und entfernte Ursache. »Per causam remotam talem intelligimis, quae cum effectu nullo modo coniuncta est« (SPINOZA, Eth. I, prop. XXVIII, dem.). »Causa sine qua non«: unbedingte Ursache. »Causa socia (communis)«: gemeinsame Ursache. »Causa solitaria (propria)« (CHR. WOLF, Ontol. § 888). »Causa sufficiens«: zureichender Grund. (CHR. WOLF: »sufficiens - quae continet rationem sufficientem effectus alicuius dati«, Ontol. § 897). »C. vera«: wahrhafte Ursache (NEWTON). Vgl. Causa sui.

https://www.textlog.de/1305.html

Chaos

Chaos (gr. chaos v. chainô, gähne) bezeichnete bei den griechischen Dichterphilosophen den Urzustand der Welt, den man sich als rohe, ungestaltete, verworrene, ungeordnete Masse vorstellte (Ovid Met. I, 7: rudis indigestaque moles). Man dachte sich, daß das Chaos erst später durch ein höheres Prinzip: Streit, Liebe, Verstand, Gott u. dgl. geordnet und gestaltet worden sei. Den Gegensatz zum Chaos bildete der Kosmos (gr. kosmos), die gesetzlich geordnete Welt.

https://www.textlog.de/1010.html

cogito, ergo sum

Cogito, ergo sum (ich denke, also bin ich) lautet der Fundamentalsatz des Descartes (1596-1660), durch den er die Philosophie auf die Selbstgewißheit des Denkens gegründet hat. Wie die Skeptiker Montaigne und Charron ging er vom vollständigen Zweifel an allem in der Jugend erlernten Wissen aus; doch gerade durch dieses »methodologische Zweifeln« suchte er den festen Ausgangspunkt für die Philosophie, indem er schloß, daß der Mensch, wenn er auch alles in Zweifel ziehe, doch eins, nämlich daß er zweifelt, also denkt, dabei nicht bezweifeln könne. - Genau würde nun folgen: Ich denke, also wird gedacht; Cartesius aber wandte den Gedanken von der Tatsache des Denkens sofort auf ein denkendes, unausgedehntes Ich hin, dem er die Existenz beweislos zuschrieb, während nur die Existenz des eigenen Denkens für das zweifelnde Subjekt nachgewiesen war. Übrigens findet sich Ähnliches schon bei Augustin (Soliloqu. 2, 1). Vgl. die interessante Novelle unter demselben Titel in G. v. Ompteda »Vom Tode« 1893.

https://www.textlog.de/1006.html

Dauer

Dauer ist das unveränderte Dasein eines Gegenstandes im Wechsel der Zeit. Die Zeit selbst ist beständiger Fluß; ihr kommt keine Dauer zu. Nur von den Dingen in der Zeit, dem Zeitinhalt, kann Dauer ausgesagt werden. Das Bewußtsein von der Dauer eines Gegenstandes beruht auf dem Gegensatz, daß das Objekt mit seinem Empfindungs- und Gefühlsinhalte verharrt, während der Vorstellende sich ändert. Dies geschieht besonders wirksam, wenn der Wunsch des Vorstellenden dem Zustande des Objekts widerstrebt, d.h. das Nochdasein einer Vorstellung die Erwartung einer anderen Lügen straft. Unendliche Dauer heißt Ewigkeit. Alle Dauer im Fluß des Werdens der Dinge leugnete Herakleitos von Ephesos (um 600 v. Chr.), während die Eleaten umgekehrt allen Wechsel und alle Veränderung für Sinnestrug erklärten.

https://www.textlog.de/1000.html

Denken

Denken (lat. cogitare, gr. noein, phronein) heißt im weiteren Sinne im Gegensatz zu der Assoziation (s. d.), den passiven Erlebnissen des Bewußtseins, die Aktivität oder Selbstbetätigung des menschlichen Bewußtseins, im engeren Sinne das nicht unmittelbar von außen angeregte Vorstellen, während das Erkennen in der bewußten Erfassung der wirklich vorhandenen Gegenstände besteht. Beide Tätigkeiten, Denken und Erkennen, bedingen freilich einander. Denn das Erkennen ist nicht ohne Denken möglich, und das Denken nimmt stets seinen Ausgang von dem Wirklichen. Im engsten Sinne bedeutet Denken die logische Trennung und Verbindung der Vorstellungen nach den Denkgesetzen (s. d.). Die durch Empfindung und Wahrnehmung gewonnenen Vorstellungen werden in reproduktiven Verbindungen festgehalten, erneuert und fortgebildet, das Denken aber bearbeitet sie nach der durch ihre Qualität bedingten Notwendigkeit. Seine Hauptoperationen sind dabei: Apperzeption, Aufmerksamkeit, Abstraktion, Begreifen, Urteilen und Schließen. Seine Vorzüge sind Widerspruchslosigkeit und Einheit, Klarheit und Deutlichkeit, Zusammenhang und Konsequenz. Dadurch erreicht es, sofern es sich auf sich selbst beschränkt, logische Richtigkeit, sofern es mit Außendingen zu tun hat, Wahrheit.

https://www.textlog.de/994.html

Denkgesetze

Denkgesetze heißen die Gesetze, welche die gleichbleibenden Formen bestimmen, in denen sich unser Denken vollzieht. Sie gleichen den Naturgesetzen darin, daß sie die Gleichmäßigkeit des Geschehens zum Ausdruck bringen, während den juridischen und moralischen Gesetzen, welche freien Persönlichkeiten als Postulate eine Verpflichtung auferlegen, nicht natürliche Notwendigkeit beiwohnt. Da aber die Menschen durch Gefühle, Vorurteile und Motive vielfach in ihrem Denken beeinflußt sind und ferner aus Nachlässigkeit, Egoismus und Mangel an Methode falsche Begriffe, Urteile und Schlüsse bilden, so werden die Denkgesetze, obwohl sie den Naturgesetzen ähnlich sind, keineswegs immer befolgt und erleiden Ausnahmen, wie es die Naturgesetze nicht erleiden. Die Denkgesetze sind: 1. das Gesetz der Identität, 2. der Satz des Widerspruchs und des ausgeschlossenen Dritten, 3. der Satz vom zureichenden Grunde. Daran schließen sich dann die zahlreichen Gesetze der Kategorienlehre, der Lehre vom Begriff, Urteil und Schluß und der Methodenlehre. Vgl. Gesetz.

https://www.textlog.de/1553.html

Dialektik

https://www.textlog.de/991.html

Dialektik. - Kant, Fichte, Hegel

KANT erklärt, die Dialektik sei nur eine »Logik des Scheins« (Kr. d. r. Vern. S. 83), eine »ars sophistica, disputatoria«, die aus einem Mißbrauch der Logik entspringt (Log. S. 11). Denn »da sie uns gar nichts über den Inhalt der Erkenntnis lehret, sondern nur bloß die formalen Bedingungen der Übereinstimmung mit dem Verstande..., so muß die Zumutung, sich derselben als eines Werkzeugs (Organon) zu gebrauchen, um seine Kenntnisse, wenigstens dem Vorgeben nach, auszubreiten und zu erweitern, auf nichts als Geschwätzigkeit hinauslaufen, alles, was man will, mit einigem Schein zu behaupten, oder auch nach Belieben anzufechten« (Kr. d. r. Vern. S. 84). K. selbst will unter Dialektik nur »eine Kritik des dialektischen, Scheins« verstanden wissen. Auf dem Gebiete des Erkennens zunächst besteht eine in der Natur des Denkens liegende »transzendentale Dialektik«, die zu einer Verwechselung subjektiver Notwendigkeit mit objektiver Realität führt. Sie »beruht auf ursprünglichen, natürlichen Illusionen, auf einem transzendentalen Schein, dessen Folge es ist, daß in unserer Vernunft... Grundregeln und Maximen ihres Gebrauches liegen, welche gänzlich das Ansehen objektiver Grundsätze haben und wodurch es geschieht, daß die subjektive Notwendigkeit einer Verknüpfung unserer Begriffe zugunsten des Verstandes für eine objektive Notwendigkeit, der Bestimmung der Dinge an sich selbst, gehalten wird« (Krit. d. r. Vern. S. 263). Die »transzendentale Dialektik« als Kritik begründet den »Schein«, ohne ihn zerstören zu können (l.c. S. 263 f.). »Da aller Schein darin besteht, daß der subjektive Grund des Urteils für objektiv gehalten wird, so wird eine Selbsterkenntnis der reinen Vernunft in ihrem transzendentalen (überschwenglichen) Gebrauch das einzige Verwahrungsmittel gegen die Verirrungen sein, in welche die Vernunft gerät, wenn sie ihre Bestimmung mißdeutet und dasjenige transzendenterweise aufs Objekt an sich selbst bezieht, was nur ihr eigenes Subjekt und die Leitung desselben in allem immanenten Gebrauche angeht« (Proleg. § 40; vgl. § 45). Die transzendentale Dialektik besteht in der Untersuchung der Paralogismen (s. d.), Antinomien (s. d.) und Ideale (s. d.) der reinen Vernunft. Es gibt auch eine Dialektik der praktischen Vernunft, indem diese unter dem Namen des höchsten Gutes (s. d.) ein Unbedingtes sucht (Kr. d. pr. Vern. I. T., 2. B.). So auch in der Urteilskraft, nämlich betreffs der Antinomien des Geschmacks (s. d.) (Kr. d. Urt. § 55 ff.).

 

J. G. FICHTES philosophische Methode, nach welcher in Entgegengesetztem das übereinstimmende Merkmal aufgesucht und der Dreischritt: Thesis, Antithesis, Synthesis gemacht wird, ist dialektisch (»synthetisch«, Gr. d. g. Wiss. S. 31; ähnlich HEGEL, S. weiter unten). SCHLEIERMACHER versteht unter Dialektik eine »Kunstlehre des Denkens«, die Kunst des Begründens (Dialekt. S. 8), die philosophische Prinzipienlehre (Metaphysik und Erkenntnistheorie). Dialektik ist die Philosophie, weil das Wissen ein Produkt des gemeinsamen Denkens ist (l.c. S. 66). Sie ist »die Idee des Wissens unter der isolierten Form des Allgemeinen« (l.c. S. 309, vgl. S. 22, 315). SCHOPENHAUER versteht unter Dialektik »die Kunst des auf gemeinsame Erforschung der Wahrheit, namentlich der philosophischen, gerichteten Gespräches« (W. a. W. u. V. II. Bd., a. 9).

...

Auf die Wirklichkeit selbst wendet zuerst PROKLUS den Begriff der Dialektik an. Der Weltprozeß macht eine triadische Entwicklung durch: aus der Einheit oder Ursache, in der das Erzeugte vermöge seiner Ähnlichkeit verharrt (monê) tritt es heraus infolge seiner Unähnlichkeit (proodos), um dann wieder zu ihr zurückzukehren (epistrophê) (Procli stoicheiôsis theologikê, c. 31 ff.). Später überträgt HEGEL die dialektische Entwicklung, die nach ihm das logische Denken beherrscht, auf das Sein. Die Dialektik ist »die wissenschaftliche Anwendung der in der Natur als Denkens liegenden Gesetzmäßigkeit« (Enzykl. § 10) und zugleich diese Gesetzmäßigkeit selbst. Diese besteht in der immanenten Bewegung des. »Begriffs« (s. d.), der infolge des in ihm steckenden »Widerspruchs« (s. d.) sich selbst aufhebt, um wieder zu sich, auf einer höheren Stufe, zurückzukehren. Der Begriff schlägt in sein Gegenteil um, geht mit diesem in einem höheren Begriff zusammen, wodurch der Widerspruch »aufgehoben« wird. »Das dialektische Moment ist das eigene Sich-aufheben solcher endlichen Bestimmungen und ihr Übergehen in ihre entgegengesetzte« (Enzykl. § 81). So entwickeln sich die Begriffe auseinander »in unaufhaltsamem, reinem, von außen nichts hereinnehmendem Gange« (Log. I, 41). Der Geist ist hierbei nicht produktiv, sondern sieht der Selbstentwicklung des Begriffs zu (Rechtsphil. S. 65). Die Dialektik ist »die eigene, wahrhafte Natur der Verstandesbestimmungen, der Dinge und des Endlichen überhaupt« (Enzykl. § 81). Die geistige Entwicklung geht vom An-sich-sein durchs Für-sich-sein zum An- und Für-sich-sein. HILLEBRAND: »Alles, Geistige hat Form und Inhalt... nur in der Dialektik seines eigenen Tuns« (Phil. d. Geist. II, 95). SCHASLER erklärt den dialektischen Prozess als »Fortgang vom abstrakt Allgemeinen durch die Differenz und Besonderung zum Individuellen, worin der in der Besonderung enthaltene Gegensatz zu einer höheren Einheit aufgehoben, d.h. die abstrakte Einheit des Allgemeinen zur konkreten erhoben wird« (Kr. Gesch. d. Ästh. S. 8). J. E. ERDMANN überträgt die Dialektik auf die Psychologie (Psychol. Briefe3, 209, 250, 256). BAHNSEN nimmt nur eine »Realdialektik«, eine (antilogische) dialektische Entwicklung des Seins an (s. Widerspruch). R. HAMERLING betrachtet die Seins-Dialektik als logisch, zweckmäßig, er kennt auch eine Dialektik des Denkens und der Anschauung (Atom. d. Will. I, 73 ff.). Im Sinne Hegels lehrt CARNERI (Sittl. u. Darwin. S. 12). Vgl. E. DÜHRING, Natürl. Dialektik 1865.

https://www.textlog.de/4211f753.html

Dialektik, Hegel

 Die Methode der Hegelschen Philosophie ist die dialektische als Gegenstück zur objektiven Dialektik des Weltprozesses, der im philosophischen Denken zum Bewußtsein seiner selbst gelangt; denn das Sein selbst ist Denken, Denkentwicklung. Der »Widerspruch« (Gegensatz) ist die Triebkraft dieser Denkbewegung, die im Dreischritt von Thesis, Antithesis, Synthesis (vgl. Fichte, ferner Kants Antinomien, Heraklit) erfolgt und zur »Aufhebung« des Gegensatzes in einem höheren Begriff führt, der wieder seinen Gegensatz hat usw. Alles existiert zunächst »an sich«, in der Unmittelbarkeit der Potenz zu einem besonderen Sein (wie z. B, der Keim zu einer Pflanze), dann »für sich«, als Einzelnes, schließlich »an und für sich« als Konkret-Allgemeines, als Einheit in der Mannigfaltigkeit seiner Bestimmungen, als objektiver »Begriff«, der zugleich den Gehalt, das Wesen des Dinges bildet. Indem das philosophische Denken die Selbstentfaltung der Idee zum Gegenstände hat, macht es den Gehalt des Seins selbst zum Objekt; das System des Denkens erzeugt so aus sich das System der Erfahrung, der Panlogismus wird zu einem »Panempirismus« (Külpe). Das dialektische Denken ist ein »Totalitätsdenken« (M. Adler), in der die Tatsachen selbst zum Ausdruck kommen sollen. Die Idee ist das Denken »als die sich entwickelnde Totalität seiner eigentümlichen Bestimmungen und Gesetze, die es sich selbst gibt«. Die Dialektik entsteht dadurch, daß das Denken »sich in Widersprüche verwickelt, d. i. sich in die feste Nichtidentität der Gedanken verliert, somit sich selbst nicht erreicht, vielmehr in seinem Gegenteil befangen bleibt«.- Als Verstand muß das Denken in das »Negative seiner selbst, in den Widerspruch geraten«. Die Kategorien des Verstandes sind als solche beschränkte Bedingungen, Formen des Bedingten, abstrakt, unwahr. Das dialektische Moment ist nun »das eigene Sichaufheben solcher endlicher Bestimmungen und ihr Übergehen in ihre entgegengesetzte«. »Alles Endliche ist dies, sich selbst aufzuheben.« Durch Negation der Negation wird der Widerspruch beseitigt; so ist z.B. das Nichts die Negation des Seins, mit dem zusammen es im »Werden« aufgehoben wird. Diese Dialektik ist ein »Waltenlassen der Sache selbst oder der allgemeinen Vernunft in uns, die mit dem Wesen der Dinge identisch ist«. Das Denken selbst löst seine eigenen Widerspräche auf. Dem analog ist das Absolute die eine Idee, die als urteilend sich zum System der bestimmten Ideen besondert, die wieder in die eine Idee zurückgehen. Die Idee ist selbst die Dialektik, eine ewige Schöpfung, ewige Lebendigkeit, ewiger Geist, ewiges Anschauen ihrer selbst im andern.

https://www.textlog.de/hegel.html

Denkart

https://www.textlog.de/1561.html

Dianoia

Dianoia (gr. dianoia) heißt die Denkkraft. Dianöologie heißt die Denklehre (Schopenhauer). Dianoetische Tugenden sind bei Aristoteles (384-322) die richtigen Betätigungen der denkenden Vernunft an sich und bezüglich der niederen Seelentätigkeiten: Vernunft, Wissenschaft, Kunst und praktische Einsicht. Siehe Cardinaltugenden.

https://www.textlog.de/1556.html

Dichotomie

Dichotomie (gr. dichotomia von dichazweimal und tomê Einteilung) heißt im weiteren Sinne jede zweigliedrige Einteilung, z.B. die Einteilung des menschlichen Wesens in Leib und Seele, oder der Gestirne in Fixsterne und Planeten. Die Dichotomie im engem Sinne zerlegt ein Ganzes in zwei kontradiktorische (s. d.) Gegensätze, so daß ein Drittes daneben ausgeschlossen ist. Vgl. Einteilung u. Divisio und Partitio.

https://www.textlog.de/990.html

Differenz

Differenz (lat. differentia = Verschiedenheit) ist in der Logik ein aus dem beziehenden Denken entspringender Begriff, dessen Korrelat die Gleichheit ist. Individuelle Differenz ist der Inbegriff der Merkmale, wodurch sich ein Einzelding von der Art unterscheidet, spezifische Differenz (differentia specifica, diaphora eidopoios) ist der Unterschied einer Art von der Gattung, generische Differenz ist der Unterschied der unter einer Familie enthaltenen Gattungen. In der Mathematik ist Differenz der aus einer gegebenen Summe (Minuendus) und dem einen gegebenen Summandus (Subtrahendus) zu bestimmende zweite Summandus.

https://www.textlog.de/989.html

Dilemma

Dilemma (dis - lêmma, zweiteilige Annahme) ist eine Art des Disjunktionsschlusses (s. d.) oder ein Schluß mit zweigliedrigem disjunktiven und zugleich hypothetischen Obersatz: 1) Wenn A ist oder wäre, so ist oder müßte B ein a sein. Weder B noch C sind oder können sein. Also ist A nicht. 2) Wenn S nicht gilt, so muß es weder A noch B sein. S ist A. Also gilt S. Bei mehr als zwei Unterscheidungsgliedern ergeben sich Trilemmen, Tetralemmen, Polylemmen. Das Dilemma kommt oft als Trugschluß vor, z.B. der »Gehörnte« (Cornutus, s. d.), der »Krokodilschluß« (s. d.), der »Antistrephon« (s. d.). Vgl. GELLIUS X, 5; Logik von PORT-ROYAL III, 16; PRANTL, G. d. Log. I, 510.

https://www.textlog.de/1280.html

Dogmatismus

Dogmatismus heißt zunächst das wissenschaftliche Lehrverfahren, welches von Grundsätzen ausgeht und aus diesen die Lehrsätze durch Beweise ableitet. So verfährt die Mathematik. Als Methode ist der Dogmatismus (= Rationalismus) dem Empirismus, der in der wissenschaftlichen Forschung von Beobachtung und Experimenten ausgeht, entgegengesetzt. - Unter Dogmatismus versteht man ferner nicht nur ein methodisches Verfahren, sondern eine bestimmte Stellungnahme im Streite über die Grenzen der menschlichen Vernunfttätigkeit, und, so genommen, ist der Dogmatismus jede Philosophie, die den Erfahrungskreis überschreitet, ohne die Überschreitung vorher durch eine Prüfung der Erkenntniskraft gerechtfertigt zu haben. So heißt Dogmatiker oder Dogmatist derjenige Philosoph, welcher ein unbedingtes Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit der menschlichen Vernunft besitzt und ohne Prüfung und Beweis gewisse allgemeine Sätze als Grundlage seines Systems aufstellt. Er gebraucht die Vernunft, ohne erst ihre Fähigkeit und ihre Grenze zu untersuchen, zu metaphysischen Behauptungen. Den Dogmatikern unter den Philosophen stehen die Skeptiker und Kritiker gegenüber. Die ersten zweifeln an der Leistungsfähigkeit der menschlichen Vernunft überhaupt ohne Prüfung der menschlichen Erkenntniskraft, die zweiten fordern vor jedem Aufbau einer Erkenntnis erst die Aufstellung einer Erkenntnistheorie, welche die Natur und Grenzen unserer Vernunft zu prüfen hat. Dogmatiker sind Cartesius, Spinoza, Leibniz, Wolf und die Aufklärungsphilosophen des XVIII. Jahrhunderts, ferner Fichte, Schelling, Hegel gewesen. (Vgl. Kant Kr. d. r. V. 2. Aufl. Vorrede S. XXXV. »Dogmatismus ist - das dogmatische Verfahren der reinen Vernunft ohne vorangehende Kritik ihres eigenen Vermögens.«) Skeptiker war Hume, Kritiker waren Locke und Kant.

https://www.textlog.de/976.html

Dualismus

Dualismus (Zweiheits-Lehre) heißt jetzt die Aufstellung zweier Prinzipien des Seienden, die Betrachtungsweise, nach welcher Geistiges und Körperliches, Psychisches und Physisches, Seele und Leib zwei voneinander verschiedene Wesenheiten (Substanzen oder Vorgänge) bedeuten. Der empirische Dualismus anerkennt die Verschiedenheit der Daseins- oder Erscheinungsformen des Wirklichen, ist aber mit einem metaphysischen Monismus (s. d.) verträglich; der metaphysische Dualismus ist kosmologischer und anthropologischer Art.

Die ältere Bedeutung von »Dualismus«, die auch heute noch neben der angeführten besteht, ist die einer ethisch-religiösen Weltanschauung. der zufolge zwei Prinzipien im All einander gegenüberstehen: das Gute, der Lichtgeist, das Göttliche, und das Böse, die Finsternis, der Satan, wobei aber in der Regel doch die Superiorität des guten Prinzips betont wird. In diesem Sinne wird das Wort »Dualismus« gebraucht bei THOMAS HYDE (Histor. rel. vet. Pers. 1700, c. 9; nach EUCKEN, Terminol.). Durch BAYLE findet es seine Verbreitung. Die neuere Bedeutung hat das Wort schon bei CHR. WOLF. »Dualistae sunt, qui et substantiarum materialium et immaterialium existentiam admittunt« (Psychol. rat. § 39). Der »Dualist« glaubt, nach MENDELSSOHN, »es gäbe ebensowohl körperliche als geistige Substanzen« (Morgenst. I, 6). Nach KANT ist »Dualism« auch »die Behauptung einer möglichen Gewißheit von Gegenständen äußerer Sinne« (Krit. d. r. Vern. S. 311).

Den »religiösen« Dualismus lehren die Perser (Ahuramazda - Ahriman), PLUTARCH, die Manichäer (s. d.), in gewissem Sinn auch J. BÖHME, R. FLUDD (Phil. mosaïc. 1, 3, 6), SCHELLING. Vgl. Gott. Einen ethischen Dualismus bekunden die Stoiker, nach denen Naturnotwendigkeit und (sittliche) Freiheit des Willens einander gegenüberstehen, und KANT mit seiner Lehre vom absoluten Gegensatze zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit (dem vernünftig- moralischen Gesetze).

Der metaphysische Dualismus kommt in reinen und unreinen Formen vor. Zuerst bei ANAXAGORAS, der dem passiven Stoffe den ordnenden, gestaltenden »Geist« (nous) gegenüberstellt, der zu jenem hinzukommt eita ho nous elthôn auta diekosmêse, Diog. L. II, 6). PLATO scheidet die Welt in zwei voneinander gesonderte (chôrista) Bestandteile: die Sinnendinge, die immer werdend, nicht seiend, und die Ideen (s. d.), die seiend sind. ARISTOTELES bringt mit der Unterscheidung von »Form« (s. d.) und »Stoff« der Dinge ein dualistisches Moment in seine Philosophie. Noch abgeschwächter ist dieser »Dualismus« bei den Stoikern (s. Kraft). Dagegen kommt er bei den Neuplatonikern wieder zum Ausdruck; Geist (Seele) und Materie (s. d.) stehen einander hier schroff gegenüber; die Sinnenwelt ist von der »intelligiblen« ganz verschieden. Anthropologische Dualisten (s. Seele) sind (wie PLATO, ARISTOTELES u. a.) einige Kirchenväter, AUGUSTINUS, THOMAS und andere Scholastiker, auch Mystiker, wie BONAVENTURA, welcher bemerkt: »Facit Deus hominem ex naturis maxime distantibus (corpore et anima) coniunctis in unam personam et naturam« (Breviloqu. II, 10).

Eine neue, schroffe Formulierung erfährt der Dualismus durch DESCARTES. Vom »Cogito, ergo sum« (s. d.) ausgehend, bestimmt er die Seele (s. d.) als rein geistige, vom Leibe toto genere verschiedene Substanz, als »res cogitans« im Gegensatz zur »res extensa«. Zwischen Leib und Seele besteht Wechselwirkung, die freilich nur mit Gottes Beistand (»concursus, assistentia Dei«) möglich ist. Zwei Substanzarten, Geist und Körper, konstituieren die Welt. Die Verschiedenheit beider sowie von Seele und Leib ist »klar und deutlich«, daher objektiv gewiß. »Substantias - percipimus a se mutuo realiter esse distinctas, ex hoc solo, quod unam absque altera clare et distincte intelligere possimus. - Itemque ex hoc solo, quod unusquisque intelligat se esse rem cogitantem, et possit cogitatione excludere a se ipso omnem aliam substantiam, tam cogitantem quam extensam, certum est unumquemque sic spectatum, ab omni alia substantia cogitante atque ab omni substantia corporea realiter distingui« (Princ. philos. I, 60). Die Okkasionalisten (s. d.) nähern diesen Dualismus dem Monismus, in den er fast ganz bei SPINOZA übergeht, der Geist und Materie als bloße Attribute (s. d.) eines Wesens, der Substanz (s. d.), ansieht. Dualistischer ist LEIBNIZ, obgleich er im Materiellen nur die Erscheinungsform des Geistigen erblickt aber er bestimmt die Seele als eine Einzelmonade, die vom Leibe verschieden ist.

Eine Erneuerung des scholastischen Dualismus findet sich bei den modernen katholisch denkenden Philosophen, z.B. bei GUTBERLET. Den Cartesianischen Dualismus erneuert GÜNTHERS »kreatürlicher Dualismus«. Einen anthropologischen Dualismus (zum Teil in Annäherung an LEIBNIZ) vertreten HERBART, VOLKMANN, LOTZE, J. H. FICHTE, ULRICI, MARTINEAU, JAMES, G. THIELE, L. BUSSE, KÜLPE, REHMKE, W. JERUSALEM u. a. Vgl. psychophysischer Parallelismus, Seele, Wechselwirkung.

https://www.textlog.de/1265.html

E

Ekel

Ekel (lat. nausea) ist in allgemeinerer Bedeutung der heftige Grad des Widerwillens gegen ein Objekt, der mit körperlichem Übelbefinden verknüpft ist. In engerer Bedeutung ist er ein Zustand der Geschmacks - und Geruchsempfindung. Dieser Ekel kann als eine Halluzination der Magen- und Geschmacksnerven (nervus vagus und glossopharyngeus) betrachtet werden. Wundt (geb. 1832) definiert ihn als eine Muskelempfindung, deren. Ausbreitung und Verlauf durch die antiperistaltischen Bewegungen der Schlingmuskeln des Ösophagus und Magens bestimmt wird (Grundz. der phys. Psych. I S. 412). - Sittlich ekelhaft heißt alles, was eine gemeine Denkart verrät.

https://www.textlog.de/1570.html

Eleaten

Eleaten. Die Eleaten, die ihren Namen von der Stadt Elea in Lukanien hatten, waren Philosophen dreier Menschenalter im 6. und 5. Jahrh. v. Chr. (ungefähr 550-450), welche die Lehre von der Einheit und Unveränderlichkeit des Seienden vertraten und die Existenz der Vielheit, der Bewegung und des Werdens ableugneten. Ihr ältester Vertreter Xenophanes von Kolophon (zwischen 580 und 575) gab der Lehre eine theologische Form, indem er den griechischen Polytheismus und Anthropomorphismus bekämpfte, die Einheit, Ewigkeit, Unveränderlichkeit und Geistigkeit des Göttlichen behauptete und das Weltall dem Göttlichen pantheistisch gleichsetzte. Der zweite Eleat, Parmenides (geb. zw. 520 u. 510 in Elea), ein Schüler des Xenophanes, gestaltete die eleatische Lehre in eine metaphysische Theorie vom Sein und Nichtsein um. Nach ihm ist nur das Sein; es ist ungeworden, ewig, eins, unveränderlich und unbeweglich, eine den Raum kontinuierlich erfüllende Kugel, und Sein und Denken ist bei ihm ein und dasselbe. Das Nichtsein ist nicht. Es gibt kein Werden. Alles Viele und Wechselnde ist nur Schein und Redetrug, und alle Sinneserkenntnis ist nur Täuschung. Die dritte Generation bilden Zenon (geb. am Anf. d. 5. Jahrh.) und Melissos (5. Jahrh.), die beide Schüler des Parmenides waren. Sie sind die Dialektiker der eleatischen Schule und suchen die Lehre des Parmenides indirekt durch Beweise gegen die Vielheit und Bewegung (wie den Achilleus, den fliegenden Pfeil usw., s. d.) zu stützen. Alle Eleaten haben also gemeinsam den Gegensatz zur Volksreligion, die Verwerfung des Erfahrungswissens, die Entwicklung der Begriffe des Seins und Nichtseins, die Leugnung der Vielheit und Bewegung und andrerseits die Unfähigkeit, zum reinen Idealismus vorzudringen. Innerhalb der griechischen Philosophie hat die Lehre der Eleaten am meisten auf Platon (427-347) eingewirkt, der mit ihr in der Forderung eines Seins und in der Verwerfung der Sinneserkenntnis übereinstimmte, hierauf aber seine Ideenlehre begründete. Von neueren philosophischen Theorien nähern sich stellenweise der eleatischen Philosophie der Spinozismus (s. d.) und die Metaphysik Herbarts (1776-1841).

https://www.textlog.de/958.html

Elemente

Elemente heißen die qualitativ nicht weiter zerlegbaren, einfachen Bestandteile von Körpern oder Bewußtseinsinhalten (von Vorstellungen, Begriffen, Willensakten), im engeren Sinne die Grundstoffe der Welt. Die Elemente, welche die Chemie zählt, sind vielleicht Modifikationen eines Urelementes.

 

Die Elementen-Lehre ist zuerst philosophisch-spekulativ, später erhält sie einen naturwissenschaftlich- empirischen Charakter. Nach der Lehre des Inders KANÂDA gibt es vier Elemente: Erde, Wasser, Luft, Licht. THALES sieht im Wasser, ANAXIMENES in der Luft das Element (ARISTOTELES, Met. I 3, 984 a). Die Pythagoreer nehmen fünf Elemente an (Diog. L. VIII, 25), die sie Zugleich als geometrische Formen bestimmen: Feuer (Tetraëder), Erde (Kubus), Luft (Oktaëder), Wasser (Ikosaëder), dazu noch den Äther (Dodekaëder) (Stob. Ecl. I, 10, 26; Plut., Plac. II, Dox. 334). HERAKLIT betrachtet als Elemente die drei Aggregatzustände Feuer, Wasser, Erde; vielleicht nahm er vier Elemente an (vgl. DIELS, Elementum 1899, S. 15, 21). Nach PARMENIDES gibt es (kata doxan) zwei Elemente (archai): pyr (Feuer) und gê (Erde) (Theophr., Phys. opin. fr. 6, Dox. 482; Arist., De gener. et corr. II 2, 330 b 14). EMPEDOKLES gilt als der eigentliche Begründer der Lehre von den vier Elementen (Wurzeln, rhizai): Feuriges, Luftförmiges, Feuchtes, Erdiges (tettara men legei stoicheia, pyr aera hydôr gên, Plut. Plac. I, 3, 2, Dox. 286, Diog. L. VIII, 2,76; tessara tôn pantôn rizômata prôton akoue. Zeus argês Hêrê te pheresbio êd' 'Aidôneus Nêstis th' hê dakryois tengei krounôma neikos, Stob. Ecl. I, 10, 286, 288). Die Elemente sind das Beharrende in aller Veränderung (s. d.), die nur in Mischung und Entmischung der Elemente besteht. ANAXAGORAS betrachtet als Elemente die Homöomerien (s. d.), DEMOKRIT die Atome (s. d.). PLATO führt den Namen stoicheion ein (Diog. L. III, 19), nimmt die vier bekannten Elemente an, betrachtet sie aber geometrisch als regelmäßige Körper (epipeda), die aus kleinen rechtwinkligen Dreiecken bestehen (Tim. 53 C). So kann ein Element in ein anderes sich umwandeln, mit Ausnahme des Erdigen (Tim. 54 F.). ARISTOTELES definiert das Element: stoicheion legetai ex hou synkeitai prôtou enyparchontos, adiairetou tô eidei eis heteron eidos, hoion phônês stoicheia ex hôn synkeitai hê phônê eis ha diaireitai eschata, eleina de mêket' eis allas phônas heteras tô eidei autôn (Met. V 3, 1014 a 26 squ.). Element ist ferner das Kleine, Einfache, Unteilbare (dio kai to mikron kai haploun kai adiaireton otoicheion legetai, Met. V 3, 1014 b 5). Es gibt einfache Bewegungen, daher auch einfache Körper, Elemente (eisi gar kai kinêseir haplai. hôste dêlon kai hoti esti stoicheia kai dia ti estin, De coel. III 3, 302 b 9). Es gibt fünf Elemente. Die ersten vier bestehen aus Gegensätzen (enantiôseis): das Feuer aus dem Warmen und Trockenen, die Luft aus dem Warmen und Feuchten, das Wasser aus dem Kalten und Feuchten die Erde aus dem Kalten und Trockenen (De gener. et corr. II 2, 330 b 2-5). Feuer und Luft bewegen sich nach der Peripherie, Erde und Wasser nach dem Zentrum hin (l.c. 330 b 32). Das fünfte (bezw. »erste«) Element, der Äther (s. d.) ist einfacher Natur.

...

https://www.textlog.de/3905.html

Empfindung

Empfindung (von ahd. intfindan) heißt das durch einen Nervenreiz veranlaßte objektive Element der Bewußtseinsinhalte. Die Empfindung, die erfahrungsmäßig durch die Einwirkung eines Äußeren auf das Innere, oder durch die Aufnahme eines Sinneseindruckes in die Seele entsteht, ist ein durch ein körperliches Organ vermittelter objektiver Grundbestandteil der Bewußtseinsinhalte, im Gegensatz zu dem auf dieselbe Weise veranlaßten subjektiven Gefühlszustand der Lust und Unlust. Zustande kommt die Empfindung dadurch, daß ein äußerer Reiz eine Nervenfaser erregt und diese Erregung ins Gehirn fortgepflanzt wird, wo sie sich in einen psychischen Inhalt umsetzt. Man hat physikalische und physiologische Empfindungsreize zu unterscheiden, je nachdem sie in der Außenwelt oder in unseren Organen entspringen. Die physiologischen zerfallen wieder in zentrale und peripherische; jene bestehen aus Vorgängen im Gehirn, diese aus solchen in den Körperorganen. Alkmaion von Kroton (5. Jahrh.) meinte, es drängen gewisse Ausflüsse von Dingen durch Poren in die Augen, Ohren usw.; ähnlich lehrten Empedokles (484-424), Demokritos (460-320) und Anaxagoras (500-428); aber schon Aristoteles (384-322 v. Chr.) erkannte, daß nicht die Materie des Objekts in die Seele kommt, sondern nur dessen Form. Die Scholastik lehrte wieder einen physischen Einfluß (influxus physicus) der Dinge in die Seele. Descartes (1596-1650) denkt sich, daß der Reiz vom Organ durch die Nerven sich zum Gehirn fortpflanze und dort die vom Herzen aufsteigenden Lebensgeister bewege. Leibniz (1646-1716) betont die Selbsttätigkeit der Seele und läßt die Empfindung aus dunklen Perzeptionen entstehn. Kant (1724-1804) leitet die Empfindung aus der passiven Sinnlichkeit ab, welche das empirische Material hergebe, während es erst durch die apriorische Kraft des Subjektes geformt werde. Neuere Psychologen, wie Wundt, Lange und Spencer, fassen die Empfindung als subjektiv-innerliche Erscheinungsweise der objektiven Molekularbewegung in der Nervenfaser. - Die Empfindungen sind nach Inhalt (Qualität) und Stärke (Intensität) verschieden. Ferner unterscheidet man sensitive und sensorielle Empfindung; jene wird durch die Empfindungsnerven, die im Rückenmark endigen, vermittelt, diese durch die im Gehirn endigenden Sinnesnerven. Jene bringt uns den Zustand unseres eigenen Leibes, diese die Außenwelt zum Bewußtsein. Vgl. G. A. Spieß, Physiol. d. Nervensystems. Braunsch. 1844. Tourtual, Die Sinne des Menschen. 1837. W. Wundt, Grundzüge d. physiolog. Psychol., 3. Aufl. Leipzig 1887.

https://www.textlog.de/950.html

Energeia

file:///f:/mat-phil/humboldt/Energeia.htm

Energie

Energie (energeia): Wirksamkeit, Betätigungskraft, Arbeitsfähigkeit, Arbeit. Die physikalische Energie ist die Fähigkeit, Arbeit zu leisten, die Wirkungsfähigkeit der Masse; sie ist actuelle (insbesondere kinetische) oder potentielle Energie, d.h. sichtbare, an die Bewegung geknüpfte, oder unsichtbare, analog der lebendigen Kraft gedachte Energie. Das Gesetz der Konstanz und Erhaltung der Energie besagt, daß bei allen Umwandlungen der Energieformen in andere das Quantum (aktueller und potentieller) Energie unverändert bleibt, daß Energie weder neu entstehen noch verloren gehen kann. Es beruht dies Gesetz auf einem durch Erfahrung wachgerufenen und auch erhärteten Postulate des auf Geschlossenheit und Einheit des Naturgeschehens ausgehenden kausalen Denkens, in letzter Linie auf der Setzung der materiellen Substanz als eines permanierenden Prinzips. Psychische (geistige) Energie ist die Wirkungsfähigkeit, Wirksamkeit von Bewußtseinsfactoren, die Wertgröße eines psychischen Gebildes. Der Name »Energie« wird auf mechanischem Gebiet schon von TH. YOUNG (1800) gebraucht, aber erst nach 1850 von den englischen Physikern auf die gesamte Physik übertragen (MACH, Wärmelehre2, S. 256).

 

Der Terminus »Energie« verdankt seine Entstehung dem ARISTOTELES. Bei ihm heißt energeia (en ergô einai) die lebendige Wirklichkeit und Wirksamkeit, das Auswirken, Verwirklichen, Wirklichsein im Unterschiede von der bloßen Potenz (dynamis) (Met. IX, 6 squ.). Sehen, Erkennen, Leben u. dgl. sind Energien. Alles Geschehen ist Übergehen aus dem Zustande der dynamisin den der energeia durch die Tätigkeit einer »Form« (s. d.), die selbst energeia ist. Die Energie ist das Prius der Potenz (phaneron hoti proteron energeia dynameôs estin, Met. IX 8, 1049 b 5). Eine Energie kann wieder nur durch eine Energie ausgelöst werden (aiei gar ek tou dynamei ontos gignetai to energeia on hypo energeia ontos, hoion anthrôpos ex anthrôpou..., aiei kinountos tinos prôtou. to de kinoun energeia êdê estin, Met. IX 8, 1049 b 25). Die Energie ist zugleich Zweckursache (telos d'hê energeia, kai toutou charin hê dynamis lambanetai, Met. IX 8, 1050 a 9 squ.). Der Stoff ist bloß dynamis, Gott (s. d.) hingegen reine energeia (»actus purus«). Die Unterscheidung von »potentia« und Energie (actus, actualitas = operatio, vgl. SCOTUS ERIUGENA, Divis. natur. I, 44) spielt in der Scholastik eine große Rolle. LEIBNIZ schreibt den Monaden (s. d.) eine beständige Energie zu.

www.textlog.de

Enthymem

Enthymem (enthymêma) heißt eigentlich das im Gemüte Befindliche, das Zurückbehaltene. Man nennt so einen verkürzten Schluß, bei dem etwas unterdrückt ist und unausgesprochen bleibt, z.B. Heute geht der Mond nm Sonnenuntergang auf; denn es ist Vollmond. Entweder wird der Obersatz im Sinne (en thymô) behalten: Epimenides ist ein Kreter, also ein Lügner; oder der Untersatz: Alle Kreter sind Lügner, also auch Epimenides; oder man zieht das Enthymem sogar in einen Satz zusammen: Als Kreter ist Epimenides ein Lügner. Enthymeme sind aber ferner noch folgende Klassen: 1. Entgegensetzungsschlüsse (ratiocinia oppositionis), durch die ein Satz aus dem ändern vermöge des Gegensatzes beider gefolgert wird, und zwar a) Widerspruchsschlüsse (ratiocinia contradictionis): Diese Linien schneiden sich rechtwinklig, also nicht schiefwinklig; b) Widerstreitsschlüsse (ratioc. contrarietatis): Dieser Winkel ist ein rechter, also ist er kein stumpfer; 2. Gleichheitsschlüsse (rat. aequipollentiae), worin ein Satz aus dem anderen gefolgert wird, der nur den Worten nach verschieden ist, z.B.: Gottes Kraft ist unendlich; also ist Gott allvermögend; 3. Umkehrungsschlüsse (conclusiones ad conversam), worin ein Satz durch Umkehrung des ersten gefolgert wird: Kein Mensch ist vernunftlos, also ist kein vernunftloses Wesen ein Mensch; 4. Unterordnungsschlüsse (ratiocinia subalternationis), welche einen Satz aus dem anderen vermöge der Unterordnung folgern, z.B. Alle Wissenschaften bilden den Geist, folglich auch die mathematischen.

https://www.textlog.de/946.html

Epoche

Epoche (gr. epochê) heißt das Zurückhalten des Urteils. Diese Zurückhaltung forderten die Skeptiker vom Weisen. Vgl. Akatalepsie, Aphasie. - Epoche (dasselbe Wort, aber zum Lehnwort geworden) heißt in der Geschichte ein Haltepunkt, mit welchem ein neuer Abschnitt beginnt, auch ein wichtiger Moment überhaupt. Daher sagt man von bedeutenden Menschen, daß sie Epoche machen. Hieraus hat sich die Bedeutung Zeitabschnitt, Periode entwickelt, die jetzt die vorherrschende ist.

https://www.textlog.de/1573.html

Epos

Epos (gr. epos), eigentl. Wort, Rede, Gedicht, heißt die poetische Erzählung von wichtigen vergangenen Begebenheiten, die sich unter Menschen zugetragen haben. Der Dichter selbst tritt im Epos nur insofern, als die Erzählung sein Werk ist und die Worte seine Art und Kunst verraten, hervor, sonst bleibt er aus seiner Dichtung fort und erzählt die Begebenheiten, wie sie sich von selbst gemacht und zugetragen haben. Eingestreute Reflexionen im Epos, die der Dichter unmittelbar selbst gibt, sind unepisch und Stilfehler, die sich allerdings bei höfischen Dichtern des Mittelalters sehr häufig (z.B. bei Wirnt von Gravenberg) und bei Wieland (1733-1813) bis zum Überdruß vorfinden. In den vom Epos dargestellten Begebenheiten erscheint der Mensch zwar handelnd, aber mehr durch die feste Weltordnung gebunden und von der Gesamtheit getragen, als im Drama. Das Menschengeschick ist sein Geschick, er kann es nicht ändern und kämpft gegen dasselbe nicht an. Faustnaturen sind keine epischen Helden. Dagegen gehören Achilleus, Hektor, Siegfried, Gestalten, die ihr Geschick erfüllen, ins Epos. Das Bild der Begebenheiten ist im Epos ausführlich gehalten. Es treten viele Personen, Fürsten und ihre Völker, vornehme Führer und ihre Scharen, bedeutende Menschen und ihre Zeitgenossen auf. Die Erzählung durchläuft längere Zeiten und gliedert sich in eine Reihe von Einzelbegebenheiten. Sie verweilt gerne bei den einzelnen Gegenständen. Sie liebt den ruhigen Gang und Fortschritt und erschöpft oft das Einzelne, stillhaltend und verweilend, in allen seinen Momenten und Zügen. So ist Breite das Kennzeichen epischen Stils, dagegen straffe Spannung dem Epos fremd. - Die epische Poesie umfaßt drei Gattungen: a) das eine Idealwelt mit der wirklichen Welt verschmelzende, zweiweltige nationale Volksepos (Götter- und Heldenepos), b) das nachahmende, fremde Stoffe verarbeitende Kunstepos (römisches Epos, religiöse Epen des Mittelalters, höfische Epen, Legenden, Märchen) und c) das die Realwelt und den wirklichen Verlauf der Dinge darstellende einweltige moderne Epos (Roman und Novelle). Vgl. W. v. Humboldt, Über Goethes »Hermann und Dorothea«. 1799 (verfaßt 1797). Fr. Vischer, Ästhetik. Stuttgart 1857, III, 2, 5, §§ 865-883. Victor Hehn, über Goethes Hermann und Dorothea. Stuttg. 1893.

https://www.textlog.de/1590.html

Erinnerung

Erkenntnis

Erkenntnis (logisch) ist die Bestimmung der Merkmale (Eigenschaften, Kräfte, Beziehungen) eines Seienden, ein Denken (Urteil), dessen Inhalt objektiv, allgemeingültig ist. Durch den und im Erkenntnisakt (Erkennen) wird das Erkannte (der Erkenntnisgegenstand) Subjektiv-logisch so bestimmt, wie es gemäß den Erfahrungen, Folgerungen und Postulaten des Denkens geschehen muß. Einerseits setzt alle Erkenntnis ein erkennendes Subjekt voraus, dessen Tätigkeit und Gesetzmäßigkeit Bedingung der Erkenntnis ist, anderseits muß sich das Subjekt nach den ihm aufgenötigten, immer wiederkehrenden, konstanten Inhalten des Bewußtseins richten. Erkenntnis ist das Resultat des Zusammenspiels von Erfahrung (s. d.) und Denken, das Produkt denkender Verarbeitung eines Gegebenen, Vorgefundenen. Erkenntnis im einzelnen ist ein wahres Urteil, d.h. ein solches, von dem geglaubt werden muß, daß es die Beschaffenheit des Seienden, wenn auch in subjektiver Form, symbolisch, ausdrückt, darstellt. Die Subjektivität (s. d.) und Relativität (s. d.) der Erkenntnis bedeutet nicht ein absolutes Nichtwissen um das Sein, sondern nur die Abhängigkeit der Form der Erkenntnis vom Ich. - Ursprung und Gültigkeit der Erkenntnis werden vom Rationalismus (s. d.), Empirismus (s. d.), Sensualismus (s. d.), Apriorismus (s. d.), Kritizismus (s. d.) verschieden beurteilt. Betreffs des Erkenntnisgegenstandes gehen Realismus (s. d.) und Idealismus (s. d.) auseinander.

https://www.textlog.de/3947.html

Erkenntnislehre

https://www.textlog.de/platon-3.html

In seiner Erkenntnislehre ist Platon Rationalist, da nach ihm die Wahrheit nur durch die Vernunft, das reine Denken gefunden werden kann. Die Sinneswahrnehmung hat nicht das wahrhaft Seiende zum Objekt, ihre Gegenstände sind die im stetem Werden begriffenen Dinge, die nur Erscheinungen (Abbilder) der wahren Wirklichkeit sind. Die sinnliche Erkenntnis ist nur »Meinung« (doxa aus pistis und eikasia bestehend), unterschieden von der wahren Erkenntnis (noêsis, in dianoia und epistêmê zerfallend, Republ. V, 476 f., VII, 533 f.; Theaet. 210 A). Eine Mittelstellung nimmt die mathematische Erkenntnis ein (die niederste Art der noêsis), indem die Gegenstände derselben in der Mitte stehen zwischen den Sinnendingen und den Urbildern derselben, (Republ. VI, 511 D; Tim. 27; Phileb. 56 ff.). Die Mathematik ist eine Betätigung des Denkens an anschaulichen Inhalten und operiert an der Hand von Voraussetzungen (hypotheseis). Platon betont den Wert der mathematischen Erkenntnis, die am besten zur Dialektik vorbereitet. Die reine Erkenntnis ist die völlig unsinnliche Erfassung des wahrhaft und unveränderlich, an sich Seienden, des Allgemeinen, Typischen durch reines (schauendes) Denken (hautê di' hautês hê psychê ta koina moi phainetai peri pantôn episkopein). Die Erfahrung gibt nur die Gelegenheit zur geistigen Schau des Seienden, zur Wiedererinnerung, Anamnese (anamnêsis) an die Urbilder der Dinge, welche die Seele (im Zustande der Präexistenz) im überhimmlischen Orte dereinst unmittelbar geschaut hat (touto de estin anamnêsis ekeinôn, ha pot' eiden hêmôn hê psychê symporeutheisa theô kai hyperidousa ha nyn einai phamen kai anakypsasa eis to on ontôs, Phaed. 249 C; hêmin hê mathêsis ouk allo ti ê anamnêsis tynchanei ousa,, Phaed. 72 E). Alles Lernen ist also nur die Auffrischung von Spuren eines latenten, potentiell angeborenen Wissens, dessen Maßstäbe a priori an die Erfahrung herangebracht werden, so dass wir im Vorhinein feste Grundlagen, Normen und Werte zur Beurteilung des Gegebenen besitzen (oukoun ei men labontes autên pro tou genesthai echontes egenometha, êpistametha kai prin genesthai kai euthys genomenoi ou monon to ison kai to meizon kai to elatton, alla kai xympanta ta toiauta, Phaed. 75 C; Meno 86 A).

H

https://www.textlog.de/2400.html

Halber Ton

https://www.textlog.de/2683.html

Harmonie

https://www.textlog.de/2677.html

Harmonie - Anteil der Harmonie an der Musik

https://www.textlog.de/8086.html

Harmonie - Harmonie und Melodie

https://www.textlog.de/8085.html

Harmonik

https://www.textlog.de/2693.html

Harmonische Teilung

https://www.textlog.de/2692.html

Hauptton

https://www.textlog.de/2686.html

Hauptnote

https://www.textlog.de/2688.html

Kadenz

Klang (Musik)

https://www.textlog.de/2584.html

Konsonanz

https://www.textlog.de/2584.html

Monochord

https://www.textlog.de/2810.html

Musik

https://www.textlog.de/2805.html

Musik - Mittel der Musik

https://www.textlog.de/3738.html

Musik - Öffentlicher Gebrauch der Musik

https://www.textlog.de/7422.html

Musik - Heilkraft der Musik

https://www.textlog.de/3740.html

Musik - Geschichte der Musik. Antike

https://www.textlog.de/3741.html

Musik - Geschichte der Musik. Neuzeit

https://www.textlog.de/7463.html

Quarte

Quinte

Sexte

Ton

Ernst

https://www.textlog.de/1584.html

Ethik

Ethik (êthikê ethica, philosophia moralis bei SENECA, philosophia practica, moral philosophy, »Sittenlehre« zuerst bei MOSHEIM) heißt die Wissenschaft vom Sittlichen, d.h. vom sittlichen Wollen und Handeln. Sie bestimmt analytisch den Begriff des Sittlichen (s. d.) als solchen, fragt nach dem Wesen und dem Werte der Sittlichkeitstatsachen, deren Entwicklung genetisch verfolgt wird. Aus dem ethischen Befunde gewinnt die Ethik allgemeine Normen (s. d.), die befolgt werden müssen, soll ein Handeln das Prädikat »sittlich gut« verdienen; der normative Charakter der Ethik hebt sie über die (Sozial-)Psychologie des Sittlichen, auf die sie sich gründet, hinaus. Die Ethik fragt 1) nach dem Ursprung des Sittlichen. Je nach der Antwort unterscheidet man heteronomistische (theologische, politische) und autonomistische (s.d.) Moral; ethischen Apriorismus (Intuitionismus, s. d.), Empirismus, Evolutionismus (s. d.). Die Ethik fragt 2) nach der Art der Motive des sittlichen Handelns. Danach gibt es Reflexions-(Verstandes-, Vernunft-) und Gefühls-Moral. Ferner fragt die Ethik nach dem Objekt des sittlichen Handelns. Da sind Individualismus (Egoismus, Altruismus) und Universalismus zu unterscheiden. Endlich fragt man nach dem Zwecke des Handelns und unterscheidet Eudämonismus (Hedonismus, Utilitarismus), Perfektionismus, Evolutionismus, Rigorismus. Nach der Methode und der Aufgabe der Ethik sind spekulative und empirische, metaphysische und positive, descriptive und explikative, normative und darstellende Ethik zu unterscheiden. Einer Gruppe angehörende Richtungen verbinden sich mit solchen anderer Gruppen (vgl. KÜLPE, Einleit. in d. Philos.2, S. 227 ff.). Nach dem Objekt der Beurteilung lassen sich Gesinnungs-(Absichts-) und Erfolgsmoral unterscheiden. - Die Individualethik ist von der Sozialethik (s. d.) zu unterscheiden.

https://www.textlog.de/3970.html

Ethnos

Eine Ethos-Gemeinschaft. Also eine Gemeinschaft von Menschen, deren Leben von einem gemeinsamen Ethos geprägt wird, und nach dem sie leben und handeln. Wie unter Ethos schon gesagt, sind dies sowohl bewusste und unbewusste Leitmotive.

Ethos

Ethos êthos: Temperament, Gesinnung, Gemütsart, dann (sittl.) Charakter. HERAKLIT: êthos anthrôpô daimôn (Fragm. 121), des Menschen Sinnesart, Charakter bedingt das Geschick des Menschen. Die Stoiker erklären: êthos esti pêgê biou, aph' hês hai kata meros praxeis rheousi (Stob. Ecl. II 6, 36).

https://www.textlog.de/3968.html

A.G.: Ich verwende Ethos als Generalbegriff für das Denk- Empfindungs- Werte- und Normensystem, das die bewussten und unbewussten Leitmotive einer Kultur oder eines Ethnos beinhaltet.

Evolution

Evolution (franz. evolution) heißt Entwicklung. Fortschritt. Hauptsächlich versteht man darunter die stufenmäßige Entwicklung der organischen Natur. (Siehe Darwinismus). Herbert Spencer (1820-1904) hat das Evolutionsgesetz zum leitenden Grundgedanken seines gesamten philosophischen Systems gemacht. Das Wesen der Evolution besteht nach seiner Erklärung, in einer Vereinigung des Stoffes (integration of matter) und der Ausbreitung der Bewegung (dissipation of motion), wobei der Stoff eine sich steigernde Differenzierung und Gliederung erhält. Der entgegengesetzte Vorgang ist der der Dissolution. Spencer überträgt das Evolutionsgesetz auch von - der Natur auf die Seele und auf gesellschaftliche und ethische Verhältnisse der Menschheit. Er wendet es auf die Entstehung der Welten, des Lebens, des Gedankens, der Wissenschaft, Kunst, Zivilisation usw. an, bei den Problemen der Soziologie allerdings nicht ohne Zwang. Als Vorgänger Spencers können Leibniz, Herder u. a. gelten. (H. Spencer, System of synthetic philosophy seit 1860. Th. Ribot, la psychologie anglaise contemporaine 1875, S. 160-247.) Vgl. Fortschritt.

https://www.textlog.de/1593.html

Ewigkeit

Ewigkeit, das Gegenteil von Zeitlichkeit, Vergänglichkeit, bezeichnet die unendliche Dauer in der Zeit ohne Anfang und ohne Ende. Die Ewigkeit ist nur ein Denkbegriff; wir können uns die Ewigkeit nicht anschaulich vorstellen, weil wir nur begrenzte Zeiten überschauen. Die Ewigkeit der Welt behaupteten die Hylozoisten und die Pantheisten, ja auch spekulative Theologen, z.B. Origenes, Schleiermacher, Dorner u. a. Die Ewigkeit Gottes ist von dem Begriff Gottes nicht zu trennen. Faßt man mit Kant die Zeit als bloß subjektive Form der Anschauung, so ist Ewigkeit soviel als Zeitlosigkeit, das der subjektiven Zeitform entgegengesetzte intelligible Wesen der Dinge.

https://www.textlog.de/1592.html

F-H

Fractal geometry

branch of mathematics concerned with irregular patterns made of parts that are in some way similar to the whole, e.g., twigs and tree branches, a property called self-similarity or self-symmetry. Unlike conventional geometry, which is concerned with regular shapes and whole-number dimensions, such as lines (one-dimensional) and cones (three-dimensional), fractal geometry deals with shapes found in nature that have non-integer, or fractal, dimensions—linelike rivers with a fractal dimension of about 1.2 and conelike mountains with a fractal dimension between 2 and 3.             

Fractal geometry developed from Benoit Mandelbrot’s study of complexity and chaos (see chaos theory). Beginning in 1961, he published a series of studies on fluctuations of the stock market, the turbulent motion of fluids, the distribution of galaxies in the universe, and on irregular shorelines on the English coast. By 1975 Mandelbrot had developed a theory of fractals that became a serious subject for mathematical study. Fractal geometry has been applied to such diverse fields as the stock market, chemical industry, meteorology, and computer graphics.

See B. B. Mandelbrot, The Fractal Geometry of Nature (1983); K. J. Falconer, Fractal Geometry: Mathematical Foundations and Applications (1990); H.-O. Peitgen, H. Jurgens, and D. Saupe, Chaos and Fractals: New Frontiers of Science (1992).

file:///f:/encyc/alpha/www.bartleby.com/65/fr/fractalge.html

Freude

Freude ist das gesteigerte Lustgefühl, das durch eine äußere Veranlassung hervorgerufen wird. Die Freude gehört zu den aktiven Affekten (s. d.), welche aus einer Überfüllung unseres Gemüts entspringen. Je nach Temperament, Bildung und Lebenslage empfinden die Menschen über die verschiedensten Dinge Freude. Ihr Gegenteil ist die Betrübnis. Cartesius (1596-1650 Passiones Anim. II 61 u. II 91) definiert: Die Betrachtung eines gegenwärtigen Gute erweckt in uns Freude. - Die Freude ist eine angenehme Gemütsbewegung über den Genoß eines Guts, welches die Gehirneindrücke der Seele als das ihrige darstellen. Spinoza (1632-1677) erklärt (Eth. III, 11): Unter Fröhlichkeit werde ich den leidenden Zustand verstehn, durch den die Seele zu einer größeren Vollkommenheit übergeht. (Eth. III, 18, 2.) Die Freade ist eine Fröhlichkeit, welche nur dem Bilde einer vergangenen Sache entstanden ist, über deren Erfolg wir zweifelten. Kant (1724-1804 Anthrop. § 73, S. 207) definiert: Das Gefühl, welches das Subjekt antreibt in dem Zustande, darin es ist, zu bleiben, ist angenehm. - Als Affekt heißt es Freude. - Freudigkeit dagegen ist kein Affekt, sondern eine angenehme, unbestimmte Empfindung, welche dem Bewußtsein allgemeiner Lebensförderung entstammt. »Die Freudigkeit«, läßt Goethe im »Götz« den Bruder Martin sagen, »ist die Mutter aller Tugenden.«

https://www.textlog.de/1621.html

Freundschaft

Freundschaft ist die geistige Verbindung zweier Personen, welche, auf Liebe, Achtung oder Gleichartigkeit ihrer Interessen gegründet, sich durch herzliche Teilnahme füreinander, durch gefälliges Benehmen, gefällige Worte und freiwillige Dienste äußert. Aristoteles (Eth. Nic. 8, 9) unterscheidet drei Arten Freundschaft: die um des Vergnügens willen (Zech-, Spiel-, Jugendfreundschaften), die um des Nutzens willen (politische, gelehrte, kommerzielle) und die um der Tugend willen geschlossene. Die dritte Art entspricht am meisten dem Ideal, wenn auch die anderen dem Charakter förderlich sein können. Am häufigsten sind die Jugendfreundschaften, welche das Leben verklären; freilich dauern sie oft nicht lange. Die Freundschaften des Nutzens wahren meist so lange wie dieser selbst. Diejenigen der Tugend, welche der gemeinsamen Begeisterung für das Gute und Wahre entspringen, sind am beständigsten. Berühmte Freundschaftspaare in Dichtung und Wirklichkeit sind: Achillens und Patroklos, Orestea und Pylades, David und Jonathan, die Pythagoreer Dämon und Phintias (vgl. Schillers »Bürgschaft«), Scipio und Lälius, Konradin und Friedrich, Ernst v. Schwaben und Werner v. Kyburg, Ludwig v. Bayern und Friedrich, Egmont und Oranien, Carlos und Marquis Posa, Schiller und Goethe. Über die Freundschaft schrieb außer Aristoteles im Altertum auch Cicero (»Laelius«). Vgl. Stäudlin, Gesch. d. Vorstellungen von d. Freundschaft. Hannover 1826. Lazarus, Leben d. Seele. 1883-85, 1882.

https://www.textlog.de/1620.html

A.G.: In der Noologie ist philia, die Freundschaft, einer der drei konstituierenden Komponenten der Liebe, die beiden anderen sind agape und eros. Das christliche Verständnis von Liebe setzt agape und philia als erstrebenswerte Arten von Liebe, den eros dagegen als (zer-)strörend.

Furcht

Furcht ist das Gefühl heftiger Unlust, welche aus der Erwartung, eines künftigen Übels entspringt. Sie ist einer der passiven Affekte, welche aus plötzlicher Herabdrückung des Gemüts entstammen. Die Furcht jagt das Blut zum Herzen; daher das Erbleichen und der beschleunigte Herzschlag; sie lahmt den Willen und läßt unsere Vorstellungen stocken. Furcht ist oft sogar tödlich. Was Furcht erregt, heißt furchtbar. Die Furcht ist ein den lebenden Wesen natürlicher Affekt, dem der am meisten ausgesetzt ist, der die lebhafteste Phantasie hat. Stufen der Furcht sind Bangigkeit, Angst und Verzagtheit. Plötzliche Furcht heißt Erschrecken, Grausen und Entsetzen; ihr ist auch der Mutigste ausgesetzt, weil auch ihn das Gefühl seiner Ohnmacht durch Überraschung überfallen kann. Geneigtheit zur Furcht heißt Furchtsamkeit; diese kann physisch, geistig oder moralisch sein. Im Umgang mit Menschen erscheint die. mäßige Furchtsamkeit als Schüchternheit. (Vgl. Schreck.) Vgl. Mosso, über die Furcht. Aus d. Ital. Lpz. 1894.

https://www.textlog.de/1617.html

Gattungsbegriffe

Gattungsbegriffe sind. solche, die mehrere in den wesentlichen Eigenschaften übereinstimmende Begriffe zusammenfassen. Die zusammengefaßten Begriffe heißen im Gegensatz zu dem zusammenfassenden die Arten. Die Gattung hat größeren Umfang als die Art, die Art bestimmteren Inhalt als die Gattung. Die Zusammenfassung kann sowohl bei abstrakten wie bei konkreten Begriffen stattfinden. Werden Gattungen zusammengefaßt, so entstehen Familen und durch immer größere Umfänge sich ergebende Zusammenfassungen: Ordnungen, Klassen, Kreise, Reiche. - Bei der Anwendung dieser stufenmäßigen Folge der Begriffsüberordnungen und Begriffsunterordnungen auf die Erscheinungen der organischen Natur erhält das Verhältnis der Gattung zur Art einen genetischen Nebensinn, und zwar bezeichnet Art eine nicht unveränderliche, aber zunächst fest erscheinende Stufe der Wesen, nämlich derjenigen, die aus gleichartigem Samen oder von gleichartigen Eltern abstammen und ihre Eigenschaften aufeinander vererben, während die Gattung die verschiedenen Arten zusammenfaßt. So sind die Hauskatze, die Wildkatze, der Löwe, der Tiger und Lachs verschiedene Arten; die zusammenfassende Gattung ist die der Feliden (Katzen), während die Ordnung durch die Carnivoren (Raubtiere), die Klasse durch die Mammalien (Säugetiere) gebildet wird. - Bei logischer Anwendung der Stufenfolge der Begriffe wird dagegen allgemeiner jeder übergeordnete Begriff im Verhältnis zum untergeordneten Gattung, und jeder untergeordnete im Verhältnis zum übergeordneten Art genannt, so daß hier der Art und Gattung kein unverrückbarer Platz in dem System der allgemeinen Begriffe zufällt. Vgl. Art; Darwinismus; Einteilung; Klassifikation; Mutation.

https://www.textlog.de/1635.html

Gedanke

Gedanke ist das Erzeugnis eines Denkaktes (s. Denken). Gedankenlosigkeit bedeutet entweder Mangel an Herrschaft über die dem Bewußtsein sich aufdrängenden Vorstellungen oder Langsamkeit im Ablauf der Vorstellungen und Begriffe oder endlich Mangel an selbständigen Gedanken.

https://www.textlog.de/1632.html

Gedächtnis

Gedächtnis ist die Fähigkeit zu gedenken, d.h. psychische Erlebnisse zu erneuern, zu reproduzieren (s. d.). Ein besonderes Gedächtnis-Vermögen gibt es nicht, sondern nur spezielle Erinnerungsmöglichkeiten, Dispositionen (s. d.) von Erlebnissen aller Art. Das (genügend intensiv oder wiederholt) Erlebte hinterläßt in der Psyche »Spuren«, d.h. bei gegebenem Anlaß ist die Psyche nun befähigt, ein dem vergangenen mehr oder weniger ähnliches Erlebnis zu produzieren. Gedächtnis und Phantasie (s. d.) sind nur graduell verschieden, da es keine unveränderte Reproduktion (s. d.) gibt. Physiologisch betrachtet erscheinen die Dispositionen zur Reproduktion als moleculare Veränderungen im Nervensystem. Das Gedächtnis tritt in verschiedenen Qualitäten (Sach-, Namen-, Zahlen-, visuelles, auditives u. a. Gedächtnis) und Wertigkeiten auf (Stärke, Umfang, Treue, Sicherheit des Gedächtnisses; mechanisches, judiciöses Gedächtnis). Gedächtnisbilder sind die anschaulichen Erinnerungsvorstellungen. Unter Erinnerung versteht man die aktuelle Reproduktion eines Erlebnisses mit dem Bewußtsein des Reproduzierten. Erinnerungsbilder sind reproduzierte Vorstellungen.

In der Geschichte des Gedächtnisbegriffes treten drei Haupttheorien auf: die psychologische, die physiologische und die psycho-physiologische, alle in verschiedenen Modifikationen.

https://www.textlog.de//4123.html

Gefühle

Gefühle heißen die subjektiven Elemente unseres Bewußtseinsinhalts, welche wie die objektiven Elemente, die Empfindungen, sich im einzelnen durch ihre Qualität und Intensität voneinander unterscheiden, aber im Gegensatz zu jenen nicht durch größte Unterschiede, sondern durch größte Gegensätze begrenzt werden. Die Empfindungen bieten innerhalb ein und derselben Qualität regelmäßig Intensitätsunterschiede dar, die von einem Minimum aus in einer Richtung zu einem Maximum aufsteigen; die Gefühle dagegen entwickeln sich von einem Null- oder Indifferenzpunkte aus regelmäßig nach zwei einander entgegengesetzten Richtungen, wobei sie zu immer stärker kontrastierenden Gefühlen werden. Irrtümlich werden die Gefühle oft mit den Empfindungen überhaupt oder im besonderen mit den Empfindungen des Tastsinnes verwechselt, und der ältere Sprachgebrauch wirft beide Ausdrücke unterschiedlos durcheinander; aber die neuere Psychologie scheidet sie mit größter Schärfe. So wenig zwar Gefühle in dem Verlaufe unseres Seelenlebens isoliert für sich auftreten, so sehr sie. Begleiterscheinungen von Empfindungen und Vorstellungen sind - man nennt sie daher auch Gefühlstöne der Empfindung - so richtig trennt sie doch die Analyse als besondere subjektive Elemente unseres Erfahrungsinhalts von den objektiven Elementen des Empfindungs- und Vorstellungsinhalts. Diese bringen uns die objektiven Verhältnisse der Wirklichkeit, jene die Zustände unserer eigenen Person zum Bewußtsein. Auf den Empfindungen baut sich in uns die Erkenntnis der Welt auf, die Gefühle treiben uns zur Erhaltung und Vervollkommnung des eigenen Ichs und der Menschheit. An die Empfindungen schließen sich also als eigenartige Begleiterscheinungen die Gefühle der Lust und Unlust, der Beruhigung und Erregung, der Lösung und Spannung an und. bilden die Hauptklassen einfacher sinnlicher Gefühle, aus denen sich in beständiger Wechselwirkung mit den Erkenntnis- und Willensvorgängen die aus Partialgefühlen entstehenden mannigfaltigen zusammengesetzten niederen und höheren intellektuellen ästhetischen und ethischen Gefühle herausbilden, die zeitweise zu Gemeingefühlen (s. d.), zu Stimmungen (s. d.) und zu Affekten (s. d.) anwachsen. Die Gefühle sind eigenartigen Gesetzen unterworfen. Sie vermindern sich mit der Dauer. Sie entwickeln sich vom Nullpunkt in zwei Richtungen, aber die angenehmen Gefühle schlagen an einer bestimmten Grenze bei weiterer Steigerung in ihr Gegenteil um, während schwache unangenehme Gefühle unter Umständen noch angenehm wirken können. Lust und Unlust hat also etwas Relatives an sich. Herabgesetzte Unlust wird als Lust empfunden und umgekehrt. Derselbe Anlaß bereitet verschiedenen Menschen verschiedene Lust oder Unlust und denselben Menschen zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Lagen verschiedene Gefühle. - Die Erklärung der Gefühle hat der Psychologie viel Schwierigkeiten bereitet, und ihre Analyse ist noch unfertig. Vor Kant unterschied man im allgemeinen nur Vorstellen und Begehren und dementsprechend theoretische und praktische Philosophie. Kant (1724-1804) leitete nach Sulzers (1720-1779) Vorgange die Gefühle aus einem besonderen Vermögen der Seele ab, dem Vermögen der Lust und Unlust. (Vgl. Kant, Von der Einteilung der Philosophie, Einleitung in die Kr. d. Urteilskraft, S. XI - LVI, Anthropologie I, § 67-59, S. 169-202). Da aber, abgesehen von der Unhaltbarkeit der Vermögenstheorie, wie die neuere Psychologie zeigt, Gefühle nicht gesondert von den Empfindungen und Vorstellungen entstehen, so kann den Gefühlen keine andere Existenz und kein anderer Ursprung zugeschrieben werden als den übrigen psychischen Elementen, und die Annahme eines besonderen Gefühlsvermögens erscheint unberechtigt. Nur die psychologische Analyse sondert die Gefühle von den übrigen psychischen Vorgängen ab. Vgl. Wundt, Grundzüge der phys. Psychologie I, S. 508-544; Grundriß d. Psychol., §§ 5, 7, 12. Nahlowsky, Das Gefühlsleben. 2. Aufl. Leipzig 1894. Biunde, Empirische Psychologie III, S. 72f. George, Psychologie. Berlin 1851. Horwich, Psychologische Analysen. 2 Bde. 1872-1878. Anton Palme, J. G. Sulzers Psychologie und die Anfänge der Dreivermögenslehre. Berlin 1905.

https://www.textlog.de/1631.html

Gegensatz

Gegensatz (oppositio) heißt entweder das Verhältnis zweier Begriffe, die sich gegenseitig ausschließen, oder das Verhältnis zweier Sätze, die beide zwar unwahr, aber nicht beide zugleich wahr sein können. Der Gegensatz ist entweder kontradiktorisch (Widerspruch, s.d.), wenn er der Gegensatz der Bejahung und Verneinung ist, d.h. wenn nicht nur die Wahrheit des einen Teils die Falschheit des anderen bedingt, sondern auch die Falschheit des einen die Wahrheit des anderen, oder konträr, wenn nur das erstere Verhältnis stattfindet. Vgl. conträr und contradiktorisch.

https://www.textlog.de/1629.html

Gehör

Gehör (auditus) ist derjenige Sinn, welcher durch die schwingende Bewegung der Materie, die sich der Luft mitteilt, gereizt, uns die Empfindungen von Schällen, Tönen, Klängen und Geräuschen vermittelt. Das Hörbare entsteht nur da, wo Bewegung ist. Sein körperliches Organ ist das Ohr. Die Gehörsempfindungen unterscheiden sich durch ihre Entstehungsart, ihre Qualität, ihre Intensität und ihre Zeitdauer voneinander. Der durch einfache periodische Schwingungen, die von 12-16 Doppelschwingungen in der Sekunde bis zu 40000-60000 reichen, hervorgebrachte Schall ist der Ton; der Klang ist die Zusammenfassung mehrerer Töne, deren Schwingungszahlen kleinste Vielfache eines ihm zu Grunde liegenden Haupttones sind; das Geräusch dagegen entsteht durch unregelmäßige Schwingungen. Die Töne und Klänge ordnen wir nach ihrer Qualität (Tonhöhe) zu einem System und stellen die Verhältnisse ihres Zusammenklanges (Harmonie) und ihres Mißklanges (Disharmonie) für gleichzeitige oder aufeinanderfolgende Töne und Klänge fest. Harmonische Töne erregen unser Wohlgefallen, disharmonische nicht; heftiger rhythmischer Lärm spricht nur robuste Naturen an, zartere werden dadurch ebenso wie durch regelloses Gesumme und schrille Töne peinlich erregt. Die Musik ist dagegen die älteste und auf das Gemüt am stärksten einwirkende Kunst. Sie gründet sich auf die harmonischen Verhältnisse und Unterschiede der Töne in Zeitdauer und Intensität. Akustische Täuschungen, die oft zu Halluzinationen Anlaß geben, entstehen durch Abnormitäten des Blutlaufs im Hirn oder im inneren Ohr, durch Ermüdung oder Schwache der Nerven oder durch entotische (im Ohre selbst entspringende) Geräusche (d.h. Knacken, Sausen u. dgl.). Das Gehör ist ein höherer, für das Geistesleben des Menschen und die Erfassung einer objektiven Welt unentbehrlicher Sinn, auf dem ein großer Teil unserer Erkenntnis der Dinge beruht. Ein Vorzug der menschlichen Organisation besteht darin, daß wir Laute und Töne nicht nur vernehmen, sondern auch mit unseren eigenen Organen im reichsten Maße hervorbringen können. Dem pasiven Gehörsinne korrespondiert daher das aktive Sprachvermögen, das sich nur da entwickelt, wo der Gehörsinn vorhanden ist, bei dem Taubgebornen aber, trotz aller physischen Fähigkeit zum Sprechen, nicht zur Funktion kommt. Im Gegensatz zu dem Gesicht setzt uns aber das Gehör nur mit dem Näherliegenden, Terrestrischen, nicht mit dem Fernen, Kosmischen in Verbindung. Erst seit dem letzten Jahrhundert hat die Erfindung geeigneter Apparate (Telephon, erfunden von Reis 1860 usw.) es möglich gemacht, Töne und Worte auf weite terrestrische Entfernungen zu übermitteln; über die Erdatmosphäre reicht aber die Tonvermittlung auch jetzt nicht hinaus, und die pythagoreische Lehre von der Sphärenharmonie (s. d.), die das Ohr des Weisen vernimmt, ist eine Illusion. Vgl. H. Helmholtz, Die Lehre von den Tonempfindungen. 4. Aufl. 1877. Preyer, Die fünf Sinne des Menschen. Leipzig 1870.

https://www.textlog.de/1628.html

Gemüt

Gemüt heißt die durch die Gesamtheit der Gefühls - und Willenserregungen erworbene Einheit und Bestimmtheit des Seelenlebens. Das Gemüt bildet den Gegensatz zur Intelligenz, welche der Gesamtzustand des Erkenntnislebens des Menschen ist und ihn in Beziehung zur Außenwelt setzt. Im Gemüte besitzt und genießt die Seele sich selbst; es bildet ihr innerstes Leben. Die Grundlage der jedesmaligen Gemütsstimmung ist das Gemeingefühl. - In prägnantem Sinne heißt ein Mensch von reichem Innenleben gemütvoll, während gemütlos sowohl der rohe Mensch als auch der Mensch, dessen Innenleben arm ist, heißt. Die Art und Weise, wie sich die Gefühle und Neigungen eines Menschen ausbilden, macht seine Gemütsart aus, welche heiter oder trübe, furchtsam oder tapfer, gutartig oder bösartig sein kann. Gemütlichkeit legen wir dem bei, welcher, ohne die Absicht dazu zu haben oder zu zeigen, durch sein Benehmen andere in eine angenehme Gemütsstimmung versetzt. Gemütsbewegungen sind alle stärkeren, oft plötzlich ausbrechenden Veränderungen der Stimmung, also heftige Gefühle, Affekte, Begierden und Leidenschaften. Das Gegenteil davon ist die Gemütsruhe, die nicht in der Gefühllosigkeit, sondern in der Harmonie der Gefühle und Bestrebungen besteht. Gemütskrankheiten s. Geisteskrankheiten. Vgl. Affekte, Apathie, Ataraxie.

https://www.textlog.de/1638.html

Geruch

Geruch (lat. olfactus) beißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einer der fünf Sinne des Menschen, durch den wir bei Reizung der in der Nase befindlichen Endorgane des Riechnervs, der Riechzellen, Ausdünstungen von Körpern wahrnehmen. Die Geruchsempfindungen unterscheiden sich durch ihre Intensität und Qualität. Die Stärke der Empfindung hängt von den den Reiz veranlassenden Substanzen selbst, vom Umfang der gereizten Stelle des Riechnervs und der Dauer des Riechens ab. Die Qualitätsunterschiede der Geruchsempfindungen sind noch wenig erforscht. So wichtig der Geruchssinn dem Subjekte für die Auffindung nützlicher und für die Abwehr schädlicher Stoffe ist, so unentwickelt und unerzogen ist er doch beim Menschen und so wenig psychologische oder ästhetische Bedeutung hat er für uns, weil wir seine Empfindungen nicht unmittelbar in Zeit- und Raumform einordnen und also mit Hilfe dieses Sinnes nicht direkt Objekte erfassen, auch die einzelnen Qualitäten der Geruchsempfindung bisher nicht in bestimmte Beziehungen zueinander zu bringen und zu klassifizieren vermögen. Nur frühere Stimmungen werden uns öfters durch den Geruch (so durch Weihrauch und Leichenduft) ins Gedächtnis gerufen. - In neuester Zeit hat Jäger ihn als das wichtigste Mittel zur Menschenkenntnis gepriesen. Vgl. G. Jäger, die Entdeckung der Seele. Leipzig 1879. Wundt, Grundz. d. phys. Psych. I S. 413 ff. Grundriß d. Psych. § 6, 12 S. 65. Zwaardemaker, Physiologie des Geruches. 1895.

https://www.textlog.de/1649.html

Gesetz

Gesetz (lat. lex, gr. nomos) heißt im allgemeinen der Ausdruck des in einer Reihe von Vorgängen Wiederkehrenden oder einer Regel, wonach etwas zu geschehen hat. Kant definiert Gesetze als Prinzipien der Notwendigkeit dessen, was zum Dasein eines Dinges gehört (Metaph. Anfangsgr. der Naturw., Vorrede S. VII). Die Notwendigkeit, deren Ausdruck das Gesetz ist, ist entweder eine physische oder eine psychische oder eine logische oder eine moralische oder eine juridische. Es gibt daher Natur-, Seelen-, Denk-, Sitten- und Staatsgesetze. Im Sprachgebrauch ist der älteste Begriff des Gesetzes der juridische gewesen. Er ist vom menschlichen Handeln zur Natur gewandert, hat hier eine neue Gestalt genommen und kehrt mit ihr zum Menschen zurück, um auch sein Dasein in ein neues Licht zu rücken. (Eucken, geistige Strömungen 1904, S, 151.) Naturgesetz bezeichnet zunächst nicht Gesetz der Außenwelt, sondern ungeschriebenes Gesetz der menschlichen Natur (agraphos nomos) Erst bei den Stoikern wird der Name auf die Natur übertragen. Lukrez kennt den Ausdruck leges naturae. Aber erst die Neuzeit benennt allgemein die Gesetze des Geschehens Naturgesetze. (Vgl. Zeller, über Begriff n. Begründung der sittlichen Gesetze. 1883.) Die Natur- und Seelengesetze sind Gesetze, von denen es keine Abweichung gibt; es steht nicht in jemandes Belieben, sich von ihnen frei zu machen. Die Natur- und Seelengesetze sind Formeln für die Stetigkeit des Geschehens in der Natur und in der Seele, für die Resultate gewisser bleibender Verhältnisse; in ihnen fällt Notwendigkeit und Tatsächlichkeit zusammen. Es ist z.B. ein Gesetz, daß Eisen im Sauerstoff oxydiert; das heißt, es ist eine stets beobachtete Tatsache, daß Eisen durch Sauerstoff eine bestimmte Veränderung erleidet, oder Sauerstoff hat die Eigenschaft, d.h. die Kraft, Eisen zu zersetzen; ebenso verhält es sich mit den Fallgesetzen, mit dem Gesetz von der Erhaltung der Energie - es sind Ausdrücke für Vorgänge, die unter denselben Bedingungen immer wieder eintreten, und zwar, weil es nicht anders geschehen kann. Auch die Sprachgesetze schließen sich den Natur- und Seelengesetzen an und zeigen dieselbe Ausnahmelosigkeit wie jene. (Siehe Paul, Prinzipien der Sprachgeschichte. 3. Aufl. 1898.) - Anders steht es mit den Denk-, Sitten- und Staatsgesetzen, welche sich auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Moral, der Geschichte, des Hechts, mit einem Wort, der menschlichen Kulturarbeit beseitigen. Diese sind von den Menschen geschaffen und aufgestellt, damit sie von Menschen anerkannt und befolgt werden. Weil diese aber Personen sind, d.h. Wesen mit Selbstbewußtsein und Selbstbestimmung, so steht es bei ihnen, ob sie den Gesetzen gehorchen wollen oder nicht. Daher finden wir, wenn wir die Geschichte der Individuen wie der Völker betrachten, daß sie so oft dasjenige, was ihnen die Gesetze gebieten, übertreten, indem sie ihren Trieben, Interessen, Gefühlen oder Gewohnheiten folgen. Darauf beruhen alle Fehler in der wissenschaftlichen Forschung, alle moralischen Gebrechen, alle Verstöße gegen die Ordnung des Staates. Der Unterschied zwischen den Natur- und Seelengesetzen einerseits und den logischen, moralischen, juridischen Gesetzen anderseits besteht also darin, daß jene eine Notwendigkeit, diese eine Verpflichtung in sich schließen; jene müssen, diese sollen befolgt werden; jene sind nur der Ausdruck der objektiven Verhältnisse, diese wenden sich an den Willen des Menschen. Daß jene unter denselben Bedingungen nicht zur Geltung kommen sollten, ist ebenso unmöglich, als daß diese nicht übertreten werden sollten. Damit hängt ein weiterer Unterschied zwischen jenen und diesen zusammen. Jene Bind induktiv, diese deduktiv gefunden, d.h. jene sind durch (vielleicht nicht immer zureichende und nie völlig abzuschließende) Beobachtung gewonnen, diese hingegen nicht allein aus der Erfahrung, sondern auch aus der Vernunft selbst abgeleitet. Ein Naturgesetz, welches durch eine Instanz nicht bewährt wird, muß umgestaltet werden; ein Vernunftgesetz, z.B. aus der Moral, bleibt gültig, auch wenn es hundertmal übertreten würde. Was die Vernunft als gut oder wahr oder schön oder recht usf. anerkannt hat, bleibt so, selbst wenn es Tausende von Menschen, ja zeitweilig gar die Mehrzahl derselben nicht anerkennen. Andrerseits zeigt sich bei tieferer Betrachtung doch auch wieder eine merkwürdige Übereinstimmung zwischen beiden Arten von Gesetzen. Beide werden von den Menschen durch ihre Erkenntnistätigkeit gefunden und aufgestellt, beide werden von ihnen fort und fort modifiziert entsprechend dem Stand ihrer Erkenntnis. Die Vernunftgesetze ferner, welche wir für die menschliche Gesellschaft aufstellen, beruhen auch auf der Natur, nämlich auf der über die ganze Erde verbreiteten Menschennatur, ebenso wie die Naturgesetze, welche wir finden, schließlich auch als Beweise einer objektiven Vernunft zu gelten haben - eine Auffassung, welche von der Metaphysik naher zu begründen ist. Vgl. Natur, Zweckmäßigkeit, Notwendigkeit, Hypothese.

https://www.textlog.de/1662.html

Glaube

Glaube (lat. fides) ist die auf subjektiv zureichende Gründe gestützte Überzeugung; der Glaube steht also zwischen Meinen und Wissen; während jenes eine zufällige, unmaßgebliche Ansicht, dieses eine subjektiv und objektiv begründete Erkenntnis ist, gewährt der Glaube nur eine rein persönliche Gewißheit, welche sich entweder auf Autoritäten (Eltern, Lehrer, Überlieferung, Schriften), oder auch auf die eigenen Erfahrungen des Subjekts stützt. Die Gewißheit der Meinung ist problematisch, die des Wissens apodiktisch, die des Glaubens assertorisch. Der Glaube behauptet einfach, ohne sich durch Gegengründe irre machen zu lassen; er wird sogar durch Widerspruch meist noch befestigt. Obgleich er einer objektiven Begründung nicht fähig ist, pflegt der Glaube dem Wissen an Überzeugungskraft keineswegs nachzustehen. Glaube heißt daher auch die Zuversicht, die der Herzenshingabe entspringt. So glaubt der Freund an den Freund, das Kind an die Eltern, der Mensch an Gott. Diesem rein ethischen Glauben ist der spezifisch religiöse verwandt, welcher die Realität übersinnlicher Dinge auf Grund von Autoritäten und persönlicher Erfahrung behauptet. Dieser erscheint wieder als positiver glaube (fides quae creditur) und als Eigenglaube (fides qua creditur). Da aber der menschliche Geist immer mehr über sich selbst und die Welt zur Klarheit kommt, ist ein Widerspruch zwischen Glauben und Wissen unvermeidlich. Jener liebt Wunder und Geheimnisse, dieses kann und will sie nicht dulden; jener stützt sich vor allem auf das Gemüt, dieses auf die Vernunft; jener erkennt eine übernatürlich geoffenbarte, unfehlbare Urkunde als Norm an, dieses betrachtet sie nur als eine von Menschen allmählich verfaßte Schriftensammlung. Dazu kommt, daß durch die historische, psychologische und naturwissenschaftliche Forschung die Weltanschauung vielfach umgestaltet wird. Daraus erwächst für den einzelnen die schwere Aufgabe, glauben und Wissen in Einklang zu setzen, d.h. zu untersuchen, was sich von seinem Kindesglauben gegenüber unserer Weltanschauung als haltbar erweise; er hat sich zu fragen, was Haupt-, was Nebensache, was Kern, was Schale sei.  Anderseits ist auch der Glaube von höchster Bedeutung auf dem Gebiete des Gemütes, der Liebe, der Moral und Religion; denn er ist die auf moralische Gründe gestützte Überzeugung von demjenigen, was zu wissen zwar unmöglich, aber anzunehmen subjektiv notwendigist. Ja auch für das Wissen hat der glaube Wichtigkeit; denn zunächst müssen wir unseren Sinnen glauben, dann den Eltern und Lehrern, ferner den Büchern. In historischen Fragen haben wir den besten Zeugen zu glauben, in naturwissenschaftlichen denjenigen, welche von uns nicht auszuführende Experimente angestellt haben. Endlich verläuft alles Wissen zuletzt in metaphysischen glauben, d.h. in unbeweisbare Annahmen (Hypothesen). Die Axiome unserer Vernunft wie die psychologischen und kosmologischen Probleme enden schließlich in Hypothesen. Vgl. Ulrici, Glauben und Wissen. Lpz. 1858.

https://www.textlog.de/1656.html

Gott

Gott bedeutet das höchste Wesen. Je nach ihrem Bildungsstandpunkt, nach Abstammung und Umgebung und Glauben stellen sich die Menschen dieses Wesen verschieden vor. Mit der Darstellung der Entstehung und Kritik der verschiedenen Vorstellungen, welche die Menschheit allmählich von Gott erworben hat, beschäftigt sich die Religionsgeschichte, während die Religionsphilosophie Gottes Wesen, seine Existenz und Wirksamkeit untersucht. - Furcht und Liebe (Dankbarkeit) sind die Wurzeln des religiösen Gefühls, welches mit Hilfe der Phantasie verschiedene Naturgegenstände und Kräfte personifiziert (vgl. Religion). Die niedrigste Stufe dieses Gottesbewußtseins ist der Fetischismus (s. d.), der in der Verehrung irgend eines Gegenstandes als Gott besteht; aus diesem entwickelt sich dann der Polytheismus (s. d.), der Glaube an viele Götter. Dieser verehrt als Zoolatrie Tiere, als Sabäismus Gestirne, als Naturalismus Naturkräfte. Letzterer verklärt sich allmählich zum ethischen Anthropomorphismus, welcher die Götter wie verklärte Menschen schildert. In derselben Richtung bewegt sich der Dualimus, der ein gutes und ein böses Prinzip annimmt. Mit zunehmender Abstraktion erhebt sich die Menschheit zum Monotheismus, dessen niedrigste Stufe der Henotheismus ist; dieser verehrt nur einen Gott, als Gott eines Stammes, eines Volkes, ohne jedoch die Existenz anderer Götter zu leugnen. Der reine Monotheismus hat drei Formen: Theismus, Deismus und Pantheismus. Der Theismus (Juden-, Christentum und Islam) denkt sich Gott als den persönlichen Schöpfer und Regenten der Welt, der Deismus denkt ihn sich nur als Schöpfer. Beide aber trennen Gott und die Welt als Schöpfer und Schöpfung (deus et natura). Der Pantheismus dagegen, der sich Gott als geistiges Prinzip der Welt denkt, sucht Gott in der ewigen Natur, nicht außerhalb derselben oder identifiziert Gott und Natur (deus in natura, deus sive natura, s. Pantheismus). Die Religionsphilosophie untersucht zunächst Gottes Dasein. Für dieses haben Theologen und Philosophen eine Reihe von Beweisen aufgestellt. Schon Melanchthon (• 1560) kannte deren zehn, reformierte Dogmatiker, wie Polanus, sogar sechzehn. Diese sechzehn aber lassen sich mit Ausscheidung der sekundären, die nur geringe Bedeutung gehabt haben, sämtlich auf vier zurückführen. Der Beweis a tuto hat z.B. keinen, der a consensu gentium (s. d.) geringen Wert, der ab utili entspricht nur bestimmten Gesellschaftstheorien. Der erste sagt, Gottes Dasein sei zwar nicht ausgemacht, aber es sei doch sicherer, dasselbe anzunehmen; der zweite beruft sich darauf, daß alle Völker an eine Gottheit Glauben (Arist, de caelo I, 3. Cic. Tusc. I, 13); der dritte leitet die Existenz Gottes aus der praktischen Nützlichkeit des Gottesglaubens für die Wohlfahrt der Gesamtheit ab (Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer. Voltaire). Die vier Beweise dagegen, die allein als primäre gelten können, sind folgende: 1. Der kosmologische Beweis, welcher von der Zufälligkeit und Bedingtheit der Schöpfung, also a posteriori, auf einen bedingenden Schöpfer schließt. Jedes Ding hat seine Ursache, diese wiederum usf., folglich muß es eine letzte Ursache (eine causa sui) geben. Dieser Beweis findet sich schon bei Anaxagoras, Aristoteles (kinei ou kinoumenon) und Cicero. Wenn man nun auch weiter fragen kann, woher diese »letzte« Ursache stamme, so führt uns doch dieser Gedankengang auf ein Allbedingendes, Allererstes, aber freilich nur durch eine im Grunde eigenmächtige Bescheidung und Grenzsetzung. Unser Geist vermag bei Beobachtung des Wechsels in allem Werdenden nicht stehen zu bleiben, sondern sucht das Sein eines Unbedingten, eines Wesenhaften und Allbedingenden zu gewinnen, welches ihm gerade, je mehr er in den Zusammenhang der Welt eindringt, als Einheit erscheinen wird (Aristoteles, Duns Scotus). 2. Der teleologische Beweis, welcher von der Zweckmäßigkeit des Kosmos auf einen höchst geschickten Weltbaumeister schließt, und zwar entweder physikotheologisch von der sichtbaren Schönheit und Harmonie des einzelnen Weltobjektes auf einen ebenso beschaffenen Weldgrund (Sokrates, Augustin), oder spezifisch teleologisch aus der Zielstrebigkeit des Universums auf die Idee einer zwecksetzenden Urvernunft (Platon, Aristoteles, Fechner). Dieser Beweis hat sehr viel für sich und wirkt am tiefsten auf das Menschengemüt ein; denn wenn sich auch manche Unzweckmäßigkeiten oder Lücken in den Tatsachen nicht leugnen lassen, so findet sich doch solche Harmonie zwischen den Dingen untereinander, sowie zwischen den physikalischen, logischen und moralischen Gesetzen, daß wir uns getrieben fühlen, die Existenz einer objektiven Vernunft anzunehmen. 3. Der Moralbeweis, welcher den Zweckbegriff auf die sittliche Sphäre anwendet und aus dem Widerspruch zwischen Tugend und Glück, Pflicht und Leistung, Ideal und Wirklichkeit auf eine göttliche Gerechtigkeit schließt, welche diesen Streit ausgleicht und in der dieser Widerspruch nicht existiert. Er schließt also entweder von der Unendlichkeit des sittlichen Bedürfnisses auf das Sein eines absoluten Wertes (Jacobi) oder von der Tatsache des Sittengesetzes und des Freiheitsbewußtseins. auf einen absolut verpflichtenden höchsten Willen (Kant) oder von unserem sittlichen Streben auf eine sittliche Weltordnung (Raimund v. Sabunde, Fichte, Ulrici). Der moralische Beweis führt leicht zu der Idee eines unpersönlichen Gottes; daß Schicksal, welches die Alten als etwas Über- und Außerweltliches vorstellten, war das Resultat eines solchen Widerstreites der psychologisch begründeten Handlungen, welche mit anderen Verhältnissen kollidieren. Der Moralbeweis ist aber auch lückenhaft, sofern nicht bewiesen ist, ob jene sittliche Weltordnung auch außerhalb der Menschen existiere; denn sittliches Bedürfnis, Gewissen und Streben sind zunächst nur im Menschenkreise gegeben. Dazu kommt nun 4. der ontologische Beweis, welcher aus der Idee des höchsten Wesens auf dessen Dasein schließt. Dieses metaphysische Argument sucht allein aus Gottes Wesen den Zusammenhang zwischen seinem Sein in uns und seinem Sein an sich zu ermitteln. So Augustin, Anselm und Cartesius. Wer Gott denkt, muß ihn als das vollkommenste Wesen denken; dieses muß mit allen nur denkbaren Eigenschaften ausgerüstet sein; eine derselben ist auch die Existenz - folglich muß Gott nicht nur gedacht werden, sondern auch existieren. Gegen diesen Beweis hat schon Gaunilo, Roscellin (c. 1100) und später Kant mit Recht eingewendet, er beweise nur, daß Gott als existierend gedacht werden müsse, nicht aber, daß er existiere. Gegen diese Kritik läßt sich vielleicht nur erwidern, daß, wenn der Gottesbegriff mit Ernst psychologisch erfaßt ist, der Mensch ihn nicht leicht spielend wieder aufgeben wird und somit eine subjektive Nötigung, an ihm festzuhalten, zurückbleibt.  Die Kritik aller dieser Beweise überhaupt faßt sich dahin zusammen: Keiner derselben ist stringent. Dies hat z.B. Kant, der Vertreter des moralischen Beweises, der aber auch diesen nicht als demonstrativen Beweis ansieht, sondern die Existenz Gottes nur für ein Postulat der praktischen Vernunft erklärt, in seiner Kr. d. r. V. S. 571-704 zu zeigen versucht. Aber zusammen haben die Beweise doch ein gewisses Gewicht. Das Richtigste ist wohl: das Verhältnis des Menschen zu Gott als ein persönliches aufzufassen. Wer Gott nicht in den Schicksalen des Lebens von innen heraus findet, um in ihm seine Ruhe und sein Ziel zu gewinnen, wird ihn nicht finden. (Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in Gott. Augustinus.) Alle solche Begriffe wie Ursache, Zweck, Moral, Wesen haben ihren Hauptwert in bezug auf den Menschen. Ob z.B. die Welt als solche und an sich einen Zweck habe, ist für die meisten viel unwichtiger, als daß wir Menschen eben genötigt sind, nach Zwecken zu handeln und bei allen Dingen nach dem Zweck zu fragen; und das religiöse Gefühl des Menschen besteht wesentlich darin, daß er sich und alles abhängig setzt von einem Höheren, das alle diese Zwecke zusammenfaßt. Für ihn existiert also Gott so real wie alles Geistige überhaupt, d.h. mehr als das Sinnliche. Dieses Gefühl findet dann in den für jene Gottesbeweise benutzten Gedanken seine unterstützende theoretische Wendung. Ist für uns die Vielheit der Weltdinge undenkbar ohne eine allbedingende Einheit und ohne einen vernünftigen Zweck, hat das Leben des einzelnen wie der ganzen Menschheit keinen Zweck ohne die sittlichen Maßstäbe, so ist eben die Existenz Gottes so weit bewiesen, als sie bewiesen zu werden braucht, d.h. die Idee Gottes ist in den Zusammenhang unseres geistigen Bewußtseins aufgenommen.

Das Wesen und die Wirksamkeit Gottes ergibt sich aus dem bisherigen. Wie die Wahrheit, ist Gott für uns erkennbar und unerkennbar zugleich; jenes, soweit sein Geist in uns lebt, dieses, soweit seine Fülle weit über unsere beschränkte Einsicht hinausgeht. Wir denken ihn uns als »das vollkommenste Sein« zunächst substantiell oder auch aktuell. Da nun Sein und Tätigkeit wieder als Wechselwirkung, dieses aber nur unter Voraussetzung einer Ordnung, d.h. einer zweckmäßigen Harmonie gedacht werden kann, Zweckmäßigkeit, Ordnung, Harmonie aber wiederum dasselbe ist als Vernunft, so läßt sich aus jener einfachen Definition das Wesen Gottes als das objektiv Vernünftige erschließen. Die pantheistische Strömung unserer Philosophie faßte Gott unpersönlich, so Fichte (1762 bis 1814) als moralische Weltordnung, Schelling (1775-1854) als absolute Indifferenz, Schleiermacher (1768-1834) als einfache Kausalität der Welt, Hegel (1770-1831) als die absolute, sich in der Welt realisierende Vernunft. Dagegen trat die theistische Richtung des J. H. Fichte, H. Ulrici und C. Schwarz auf, welche die Persönlichkeit mit der Immanenz zu vereinigen strebt. Ihm aber persönlich, d.h. als höchste Einheit des Bewußtseins, zu denken, fühlen wir uns durch unser eigenes Wesen gedrängt. Persönlichkeit ist die höchste Daseinsform, die wir kennen, folglich neigen wir dahin, sie auch Gott beizulegen. Will man Gott besondere Eigenschaften zuschreiben, so würde dem ontologischen Argument die Macht, dem teleologischen die Weisheit, dem moralischen die Gerechtigkeit, dem kosmologischen die Liebe entsprechen. Daraus lassen sich dann die ändern Eigenschaften: Gnade, Langmut, Güte usw. ableiten. Vgl. Religion, glaube, Theodicee. Schleiermacher, Der christliche Glaube. 1821. F. E. Beneke, System d. Metaphysik. 1840. M. W. Drobisch, Religionsphilosophie. 1840. Pfleiderer, Religionsphilosophie. 1878. R. Seydel, Die Religion u. d. Religionen. 1872.

https://www.textlog.de/1670.html

Gott. Christentum

Das Christentum faßt Gott als den liebenden Vater auf, der durch den logos; (s. d.), seinen »eingeborenen Sohn«, in der Welt wirkt; er ist die ewige, absolut seiende, geistige, überweltliche Persönlichkeit (vgl. Paul., 1. Cor. 12, 6; pneuma ho theos, Joh. 4, 24; vgl. 5, 26; vgl. HARNACK, Dogmengesch. I3, 485 f.). Das Dogma von der Dreieinigkeit Gottes (eine Substanz in drei Personen) wird von den Kirchenvätern ausgebildet. Die (häretischen) Gnostiker (s. d.) unterscheiden einen höchsten Gott (die Gottheit) und den Demiurgen (Weltbildner, manchmal mit dem Judengott identificiert und sogar als böses Prinzip aufgefaßt, als Lucifer: APELLES). BASILIDES nennt Gott den Nichtseienden (ho ouk ôn theos), d. h. Überseienden, VALENTINUS die monas agennêtos, aphthartos, akatalêptos (Hippol. VI, 29), die Urtiefe (bythos), den Urvater (propatôr), den teleios aiôn. - ARNOBIUS bestimmt Gott als ewig, unendlich, als den »Ort« aller Dinge (Adv. gent. I, 31); ähnlich TERTULLIAN (Adv. Marc. I, 23 ff.; II, 6 ff.). Nach JUSTINUS ist Gott unnennbar (anônomastos, Apoll. I, 63), agennêtos (l.c. II, 6), überweltlich (en tois hyperouoaniois aei menontos, Dial.c. Tryph. 56).

...

Pantheistisch gefärbt oder panentheistisch ist die (an DIONYSIUS AREOPAGITA, der Gott »esse omnium« nennt, sich anlehnende) Lehre des JOHANN. SCOTUS ERIUGENA. Gott ist nach ihm die Einheit des Alls, die »universitas« (De divis. natur. II, 2), to pan (l.c. I, 24), »totum omnium« (l.c. I, 74), »omnium essentia« (l.c. I, 3), »omnia in omnibus« (l.c. I, 10). Gott ist in allem, alles ist in Gott. »Nam et creatura in Deo est subsistens, et Deus in creatura mirabili et ineffabili modo creatur, se ipsum manifestans« (l.c. III, 17). Gott ist die Substanz der Dinge (»essentiam omnium subsistere«, l.c. I, 72). »In Deo immutabiliter et essentialiter sunt omnia, et ipse est divisio et collectio universalis creaturae« (l.c. III, 1). »Deus in se ipso ultra omnem creaturam nullo intellectu comprehenditur« (l.c. I, 3). Gott ist der Urgrund der Dinge, »principalis causa omnium, quae ex ipso et per ipsum facta sunt« (l.c. I, 11), er ist »principium, medium et finis«. »Principium, quia ex se sunt omnia, quae essentiam participant, medium autem, quia in se ipso et per se ipsum subsistunt omnia, finis vero, quia ad ipsum moventur quietem motus sui, suaeque perfectionis stabilitatem quaerentia« (l.c. I, 12). Gott ist »informe principium« (l.c. II, 1). Er ist »super ipsum esse« (l.c. I, 39), ein »nihil« (l.c. II, 28), er manifestiert sich in den Dingen (l.c. III, 19 f.), 60 daß alles Sein eine Theophanie (s. d.) ist (l.c. III, 4). Durch seinen Willen geschieht alles (l.c. I, 12). »Deus non erat prius, quam omnia faceret« (l.c. I, 12, 68, 74). Gott ist die »bonitas« (l.c. I, 24). »Unum dicitur, quia omnia universaliter est« (l.c. III, 8). Gott ist dreieinig (l.c. II, 31 ff.). Er weiß sich nichtwissend: »Nescit igitur, quid ipse est, h. e. nescit se quid esse,« »intelligit se super omnia esse« (l.c. II, 28 f., III, 1).

https://www.textlog.de/4189.html

gut

gut heißt im allgemeinen alles, dem der Mensch einen Wert beilegt, weil es ihm Lust bereitet, sei es in der Erinnerung oder sei es im Genuß oder sei es in der Hoffnung. Diese Lust aber entspringt aus der Steigerung unseres Lebensgefühls, unserer Selbstbetätigung. Da diese nun nicht ohne ein vorgestelltes Ziel stattfinden kann, so verbindet sich mit der Wertschätzung eine Art von intellektuellem Wohlgefallen. Man unterscheidet ein mehrfaches Gutes: das Nützliche, Angenehme, Geschmackvolle und Sittlich-Gute. Nützlich ist ein Ding, sofern es uns als Mittel zu irgend einem Zwecke dient. Die Wertschätzung des Nützlichen ist nicht frei von Subjektivität; denn manches Ding, welches dem einen nützlich ist, kann dem anderen schädlich oder wenigstens für ihn unbrauchbar sein. Daher hat das Nützlich-Gute nur relativen Wert. Angenehm heißt das Gute, welches unseren Sinnen Lust bereitet; auch dieses ist bis zu einem gewisse Grade Subjektiv, ja noch mehr als das Nützliche; denn während dieses doch stets tatsächlichen Verhältnissen entsprechen muß, um zu wirken, hängt das Angenehme so sehr von der Situation des Subjekts ab, daß, was eben angenehm war, jetzt schon das Gegenteil davon sein kann. Das Geschmackvolle unterscheidet sich vom Nützlichen insofern, als seine Brauchbarkeit gar nicht dabei in Frage kommt; dagegen ist es mit dem Sinnlichen so weit verwandt, als es auch durch die Sinne (freilich nur die höheren) uns zugeführt wird. Es erhebt sich aber dadurch über das Angenehme, daß es ein mehr geistiges uninteressiertes Wohlgefallen erregt und nicht die niederen Begierden des Menschen erweckt. Es beruht also wohl auf einer Zweckmäßigkeit des Objekts (wie beim Nützlichen und Angenehmen), aber auf einer mehr idealen; sein Wert ist ein allgemeinerer. Insofern ist ihm endlich das Sittlich- Gute verwandt. Es erweckt unsere Billigung, weil es der Idee des Menschen entspricht; die Lust, die es hervorruft. ist rein geistig; aber in der geistigen Natur des Menschen (Willen und Intellekt) veranlaßt es ein lebhaftes Interesse; die Lust am Sittlich- Guten ist zugleich intellektuell und praktisch, so daß nicht bloß die Handlung selbst, sondern auch der Guthandelnde für uns Wert erhält. Das Nützliche erfreut uns, das Angenehme vergnügt, das Geschmackvolle gefallt, das Sittliche wird geschätzt. Das Schöne und Gute hat bleibenden, das Nützliche und Angenehme nur vorübergehenden Wert; jene haben objektiven, diese subjektiven Wert. Anderseits gruppieren sich die vier Arten so: dem Schönen und Angenehmen gegenüber verhalten wir uns überwiegend passiv, rezeptiv, dem Nützlichen und Sittlichen hingegen aktiv. Jene wenden sich an unser Gefühl, diese an den Willen. Im ethischen Sinne ist also gut dasjenige, was an sich wertvoll und von einer Persönlichkeit mit Bewußtsein und Freiheit aus idealem Interesse getan wird. Das Sittlich-Gute inhaltlich zu bestimmen, ist schwer. Die bloß formale Bestimmung desselben dahin, daß es auf der Übereinstimmung mit einem formalen Sittengesetze beruhe, ist jedoch völlig unzureichend; inhaltlich läßt es sich im einzelnen wesentlich nur aus der Praxis des Lebens, von einem philosophischen System oder von einer Religion aus bestimmen. Der inhaltsreichste Kodex des Sittlich-Guten ist das Neue Testament.

https://www.textlog.de/1665.html

Harmonie

Harmonie (harmonia): Zusammenfügung einer Vielheit zur Einheit, Zusammenstimmung, Übereinstimmung, Anpassung der Teile eines Ganzen aneinander zu einer Ordnung, Verbindung der Gegensätze in und zu einer Einheit. Die musikalische Harmonie beruht auf dem Fehlen von Schwebungen (s. d.) und Klang-Rauhigkeiten in einer Tonverbindung (HELMHOLTZ, Lehre von d. Tonempfind.2, ff. 297 ff.; Vortr. u. Red. II4, 121 ff.; vgl. WUNDT, Grdz. d, phys. Psychol. II, 65; STUMPF, Conson. u. Disson. Beitr. zur Akust. u. Musikwiss. 1. H. 1898). In der Ästhetik (s. d.) und in der Ethik (Harmonie der Charaktereigenschaften, der Interessen, der individuellen und sozialen Triebe u.s.w.) ist der Begriff der Harmonie von Bedeutung. Die Harmonie der Welt, d.h. die gesetzmäßige, kausal-teleologische Zusammenfügung der Dinge und Kräfte zu einer Weltordnung, ist von philosophischer Wichtigkeit.

 

Die Pythagoreer übertragen den musikalischen Harmoniebegriff auf das All. In diesem sind alle Gegensätze zur Einheit vereinigt. Alles in der Welt ist nach harmonischen Verhältnissen geordnet, ist selbst Harmonie und Maß: ton holon ouranon harmonian einai kai arithmon (Aristot., Met. I 5, 986 a 3); kata de tous tês harmonias logous (Diog. L. VIII 1, 29). Die Seele (s. d.) ist eine Harmonie (so auch nach ARISTOXENOS, DIKAEARCH, GALEN). Auch die Tugend (s. d.) ist eine Harmonie (tên d' aretên harmonian einai ... kath' harmonian synestanai ta hola, Diog. L. VIII 1, 33). Die Sphärenharmonie entsteht aus dem Zusammenklang der um das Zentralfeuer (hestia) sich bewegenden Planeten zu einem Heptachord (vgl. Goethe, Faust I: »Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang«). Die Harmonie der widerstreitenden Gegensätze im All betont HERAKLIT, damit die Gesetzmäßigkeit und Ordnung der Welt zum Ausdruck bringend: Hêrakleitos to antixoun sympheron kai ek tôn diapherontôn kallistên harmonian kai panta kat' erin ginesthai (Arist., Eth. Nic. VIII 2, 1155 b 4); ou syniasin hokôs diapheromenon heôutô homologei. palintropos harmoniê hokôsper toxon kai lyrês (die in sich zurückkehrende Harmonie, wie die des Bogens und der Leier, Fragm. 45); esti gar, phêsin, harmoniê aphanês phanerês kressôn (Fragm. 47). Die Harmonie des Weltganzen preisen PLOTIN dann wieder (in pythagoreisch klingender Weise) NICOLAUS CUSANUS, KEPLER, G. BRUNO. Die Harmonie als ethisches Prinzip betont SHAFTESBURY (Inquir. conc. virt. I, 2; The moral. II, 4; III, 1).

 

Nach LEIBNIZ ist Harmonie »unitas in multitudine«. Er stellt den Begriff der prästabilierten (vorherbestimmten) Harmonie auf, um die Ordnung des Alls ohne direkte Wechselwirkung (Influxus, s. d.) zu erklären, da ihm die Anerkennung der letzteren durch seinen Begriff der einfachen Monade (s. d.) verwehrt ist. Die Theorie der prästabilierten Harmonie (»harmonia praestabilita, harmonie préétablie, harmonie universelle, accord, concomitance, liaison, accommodement, rapport mutuel reglé par avance« u. dgl.) besagt, daß Gott alle Beziehungen sowohl zwischen den einzelnen Dingen (Monaden) als auch zwischen Seele und Leib von Anfang an so geordnet hat, daß alles Geschehen gesetzmäßig und zweckmäßig verlaufen muß, obgleich statt wirklicher Einzelkausalität nur ein Parallelismus, eine Koordination der Geschehnisse besteht. Jeder Monade hat Gott ein festes Gesetz eingepflanzt, welchem gemäß ihre (rein immanente) Tätigkeit sich abspielt, so aber, daß alle Monaden einander angepaßt sind, daß auf alle Rücksicht genommen ist, daß die Vorgänge einander angemessen, angepaßt sind (Monadol. 51, 52, 60). Den Namen »prästabilierte Harmonie« gebraucht Leibniz zuerst 1696, in einem Briefe an Basnage de Beauval (Gerh. III, 121 f.; vgl. III, 67, Brief an Bayle). Die Monaden sind rein geistig, punktuell, »ohne Fenster«, bilden jede »un monde à part«, können daher nicht gegenseitig aufeinander einwirken. Daher muß Gott der Vermittler der Kausalität sein, aber nicht bloß gelegentlich, wie der Okkasionalismus (s. d.) meint sondern ein für allemal von Anfang an. Alle Monaden sehen das eine Universum in verschiedenem Klarheitsgrade, jede hat Beziehungen, welche alle anderen ausdrücken, so daß sie ein lebendiger Spiegel des Alls ist (Monadol. 66, 57).

...

Vergleiche ferner:

- Harmonie (Kirchner, Wörterb. d. phil. Grundbegr.)

- Harmonie (Musik) (Sulzer, Th. d. schönen Künste)

- Harmonie (Malerei) (Sulzer, Th. d. schönen Künste)

- Die Harmonie (Hegel, Vorl. z. Ästhetik)

- Harmonisch rationalisierte Musik (Weber, Grundl. d. Musik)

- Leibniz: System der Prästabilierten Harmonie (Vorländer, Gesch. d. Phil.)

https://www.textlog.de/1230.html

K

Kategorien

Kategorien (katêgoriai von katêgorein, aussagen, »praedicamenta«): Aussagen, allgemeinste oder Grundaussagen über das Seiende, Grundbegriffe, Stammbegriffe, oberste Begriffe als Niederschlag von allgemeinsten Urteilen über das Seiende, Fundamentalbeurteilungen, Denkformen, Denksetzungen, Seinsarten. Die logischen Kategorien sind die allgemeinsten Begriffe, welche aus der denkenden Verarbeitung der Erfahrungsinhalte entspringen. Sie sind nicht direkt aus der Erfahrung (den Empfindungen, Vorstellungen) abstrahiert, sondern haben in dieser nur ein »Fundament«, d.h. die Erfahrung (das Gegebene) enthält Momente, die zur Setzung der Kategorien veranlassen, nötigen. Formal sind die Kategorien ein Produkt von Setzungen, Urteilen, ein Werk des beziehend-synthetischen Denkens. Aber sie sind nicht bloße Formbegriffe, sondern haben auch einen der (inneren) Anschauung entnommenen Inhalt, nämlich ein Verhalten des Ich, welches in und mit der Kategorie auf die Inhalte der äußeren Erfahrung übertragen, projiziert wird. Einheit, Identität, Beharrlichkeit (Substantialität), Wirken (Kausalität) sind Bestimmungen, die nicht objektiv erlebt (empfunden), auch nicht aus »angeborenen« Begriffen stammen, auch nicht bloß formale Beziehungen des Denkens sind, sondern Bestimmungen, die das Ich ursprünglich nur bei und in sich selbst vorfindet und nach deren Analogie es die Wahrnehmungsobjekte beurteilt, dies aber nicht willkürlich, sondern psychologisch und logisch motiviert durch das äußere (erfahrbare) Verhalten der Objekte, das dem äußeren (sinnlich-physischen) Verhalten des Ich gleichartig ist. Die subjektive Quelle der Kategorien ist also, in formaler und materialer Beziehung, das denkend-wollende Ich. Indem das Subjekt die Kategorien (primär nicht begrifflich, sondern in konkreter, unreflektierter Weise) auf den Inhalt seiner Erlebnisse, auf das Immanente (s. d.), anwendet, meint es (implizite, in der Wissenschaft und im philosophischen Realismus explicite) die transzendente Gültigkeit der Grundbegriffe, d.h. es setzt, postuliert mit ihnen transzendente, nicht objektiv erlebbare Faktoren der Objekte, es bereichert das Für-ein-Subjekt dieser um ein Eigen- und Fürsich-sein. Die Funktion der Kategorien (Kategorialfunktionen) sind also Herstellung von Einheit, Zusammenhang, Ordnung, Objektivität (»Objektivierung«) in den Erlebnissen und zugleich Setzung eines Transzendenten im Erkenntnisimmanenten (»Subjektivierung«, »Hypostasierung«). Insofern die Kategorien für jede mögliche Erfahrung notwendig Gültigkeit beanspruchen und insoweit sie nicht den Erfahrungsinhalten, sondern der Ichheit und dem Denken entspringen und in die Erlebnisse erst hineingelegt (introjiziert) werden, haben sie apriorischen (s. d.) Charakter. Insofern aber die Erfahrungsinhalte selbst den Anlaß zur Anwendung der Kategorien bieten und insoweit die Anwendbarkeit derselben beständig durch die Erfahrung erhärtet, erprobt wird, sind sie empirisch fundiert. - Die Urkategorie ist die »Ichheit«. Ihr objektiver Reflex ist die »Dingheit« (s. d.). Sie enthält schon das »Wirken«. Aus »Ding« und »Wirken« (Tun) gehen die Kategorien (und »Postprädikamente«, s. d.) »Substanz« (Sein) mit »Akzidenzen« (Eigenschaften, Zuständen), »Kausalität«, »Kraft«, »Zweck« u.s.w. hervor. »Ichheit« und »Dingheit« explizieren sich in »Einheit« (Identität), »Anderheit« (Verschiedenheit), »Vielheit«. Psychologische Kategorien sind Begriffe von allgemeinen psychischen Tätigkeiten und Zuständen. Ästhetische und ethische Kategorien sind Arten der Wertbegriffe (s. d.).

 

Die Kategorien werden betrachtet: 1) als Denkbestimmungen, die für das Seiende zugleich gelten; 2) als apriorisch-Subjektive, phänomenale Bestimmungen; 3) als empirisch-objektive; 4) als empirisch-subjektive Bestimmungen; 5) als bloß biologisch-wertvolle Begriffe. Also: rationaler, apriorischer Ursprung der Kategorien, Ursprung aus der äußeren, aus der inneren Erfahrung; aus dem Zusammenwirken von Denken und Erfahrung; Subjektive, objektive (transzendente) Gültigkeit der Kategorien; Elimination derselben.

 

Inhalt:

Platon, Aristoteles, Bacon, Hume

Kant

Schopenhauer, Cohen, Husserl

Fichte, Hegel, Schleiermacher

Trendelenburg, Lotze, Hartmann

Renouvier, Herbart, Nietzsche

Herbart, Spencer, Nietzsche

Quelle: Rudolf Eisler, www.textlog.de

Kategorien - Platon, Aristoteles, Bacon, Hume

Das System des KANÂDA unterscheidet sechs Kategorien (padârthras): Substanz (dravja), Qualität (guna), Wirken (karma), Gemeinschaft (sâmanja), Unterschied (viceschna), »Zueinandersein« (samanâja). Die vorsokratischen Philosophen verwenden die Kategorien im objektiv-metaphysischen Sinne Eine gewisse Verwandtschaft mit einer Kategorientafel weist die Pythagoreische Tafel der Gegensätze (s. d.) auf. Der erste, der die Begriffe auf Grundbegriffe zurückführt, ist PLATO. Er nennt sie koina peri pantôn (Theaet. 185 E), megista genê, (höchste Gattungen, Soph. 254 C, D). Es sind dies Sein (Seiendes, on), Identität (tauton), Anderheit (heteron), Veränderung (kinêsis), Beharrung (stasis) (Soph. 254 C, D). Katêgorêteon (»Ausgesagtes«) kommt Theaet. 167 A vor. - Der eigentliche Begründer der Kategorienlehre ist ARISTOTELES. Von grammatikalischen Gesichtspunkten (vgl. TRENDELENBURG, Gesch. d. Kategorienl. S. 209) geleitet, nennt er katêgoriai, genê tôn katêgoriôn, schêmata tês katêgorias tôs ontôn die (objektiven) Grundaussagen über das Seiende, die allgemeinen Seinsweisen selbst, die obersten Gattungsbegriffe, denen alles Seiende sich unterordnen läßt. Er nimmt zunächst zehn Kategorien an: Substanz (ousia), Quantität (poson), Qualität (poion), Relation (pros ti), Ort (pou), Zeit (pote), Lage (keisthai), Haben oder Verhalten (echein), Tun (poiein), Leiden (paschein) (Top. I 9, 103 b 20 squ.; Categor. 4, 1b 25). Auch eine Achtzahl von Kategorien (ohne keisthai und echein) kommt vor (Analyt. post. I 22, 83a 21; 83b 16; Phys. V 1, 225b 6). Drei Kategorien (ousiai, pathê, pros ti) werden aufgezählt Met. XIV 2, 1089 b 23. Auch stellt Aristoteles der ousia die übrigen Kategorien als symbebêkota gegenüber (Analyt. post. I, 22). Die Kategorien haben ihr Correlat im Sein: hosachôs gar legetai, tosautachôs to einai sêmainei (Met. V, 7). - STRATO betrachtet als oberste Kategorie die ousia (Prokl. in Tim. 242 E). Die Stoiker stellen vier Kategorien (prôta genê, genikôtata) auf: Substrat oder Substanz (hypokeimenon), Qualität (poion), Verhalten (pôs echon), Relation (pros ti pôs echon) (Simplic. in Cat. f. 16). Das hypokeimenon ist die oberste Kategorie. PLOTIN unterscheidet sinnliche und intelligible Kategorien, d.h. Kategorien, die für die sinnliche, und solche, die für die Idealwelt gelten; die intelligiblen Kategorien gelten für die sinnliche Welt nur analogia kai homônymia (Enn. VI, 1 ff.). Die prôta genê tôn noêtôn sind: on, stasis, kinêsis, tautotês. heterotês (Enn. VI, 1, 25; VI, 2, 7 ff.). In der Sinnenwelt gibt es ousia, pros ti, poson, poion, kinêsis.. Die Aristotelischen Kategorien (»summa rerum genera«) werden bei BOËTHIUS, CLAUDIUS MAMERTINUS (De statu anim. I, 19), JOHANNES DAMASCENUS, ALCUIN, GERBERT, ANSELM u. a. aufgezählt: »substantia, quantitas, qualitas, relatio, actio, passio, ubi, quando, situs, habitus«. AUGUSTINUS nennt drei psychologische Kategorien: »memoria, intellectus, voluntas«, denen er »esse, nosse, velle« als Seinskategorien gegenüberstellt. Die sinnlichen Kategorien sind auf Gott nicht anwendbar. Gott (s. d.) ist »sine qualitate bonum«, »sine quantitate« u.s.w. (De trinit. 17, 2). Auch JOH. SCOTUS ERIUGENA behauptet: »Nulla categoria proprie Deum significare potest« (De div. nat. I, 15). Alle Kategorien stehen zueinander in Beziehung. Die ousia ist die Grundlage aller anderen; einige Kategorien sind zu jener periochai, circumstantes, andere dagegen Akzidenzen der ousia (l.c. I, 24; I, 27; I, 51; I, 54). Die Kategorien konstituieren den Körper (s. d.), welcher demnach aus Unkörperlichem (durch den Logos) gebildet wird. »Omnes... categoriae incorporales sunt per se intellectae. Earum tamen quaedam inter se mirabili quodam coitu - materiam visibilem efficiunt« (l.c. I, 36). Nach ABAELARD kann Gott nicht kategorial bestimmt werden (Introd. ad theol. II, p. 1073). THOMAS erklärt: »Modi... essenti proportionales sunt modis praedicandi« (3 phys. 5i). Nach WILHELM VON OCCAM sind die Prädicamente »termini primae intentionis«. Es gibt ihrer drei: »substantia, qualitas, respectus« (In 1. sent. I, d. 8). Eine Menge Prädikamente gibt es nach R. LULLUS.

 

LAURENTIUS VALLA zählt drei Kategorien auf: »substantia, qualitas, actio« (Dial. disp. I, 17). Zehn Kategorien kennt CAMPANELLA: »substantia, quantitas, forma seu figura, vis vel facultas, operatio seu actus, actio, passio, similitudo, dissimilitudo, circumstantia« (vgl. TRENDELENBURG, Gesch. d. Kategorienl. S. 266). MELANCHTHON definiert: »Praedicamenta sunt certi quidam ordines vocum inter se cognatarum« »Praedicamentum est ordo generum et specierum sub uno genere generalissimo« (Trendel., Gesch. d. Kategor. S. 253). Gegen die Aristotelische Kategorientafel erklären sich L. LIVES, PETRUS RAMUS, GASSENDI (De logicae origine, 8 f., opp. I).

 

F. BACON zählt als »transcendentia« (s. d.) auf: »maius, minus, multum, paucum; idem, diversum; potentia, actus; habitus, privatio; totum, partes; agens, patiens; motus, quies; ens, non ens« (De augm. scient. V, 4). Wie SPINOZA kennt LOCKE drei Kategorien: Substanz, modi, Relationen. Es sind zusammengesetzte Ideen, Producte der verbindenden Function des Denkens, deren Inhalt aus der Erfahrung stammt (Ess. II, ch. 12, § 3). LEIBNIZ zählt als »cinq titres généraux« auf: »substances, quantités, qualités, actions ou passions, relations« (Nouv. Ess. III, ch. 10, § 14). CRUSIUS nennt als die »einfachsten Begriffe«: Subsistenz, Irgendwo und Außereinander, Sukzession, Kausalität, unräumliches Auseinander, Einheit, Verneinung, Darinnensein (Vernunftwahrh. §102). Meist werden von den Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts nur Substanz, Eigenschaft, Zustand, Verhältnis (Relation) aufgezählt (vgl. PLATNER, Philos. Aphor. I, § 515). - HUME betrachtet die Kategorien der Substanz (s. d.) und der Kausalität (s. d.) als bloß Subjektive, pseudoempirische Begriffe, als Assoziations- und Phantasieprodukte, beruhend auf Gewohnheit (s. d.) und Glauben (s. d.). Dagegen betont die schottische Schule den rationalen Ursprung und Wert der Grundbegriffe des Erkennens. Als Denkgebilde, die ungeachtet ihres subjektiven Ursprungs Objektivität setzen, betrachtet die Kategorien TETENS (der so schon KANT nahe kommt). »Wenn wir zwei Dinge für einerlei halten, wenn wir sie in ursächlicher Verbindung denken..., so gibt es einen gewissen Actus des Denkens; und die gedachte Beziehung oder Verhältnis in uns ist etwas Subjektives, das wir den Objekten als etwas Objektives zuschreiben und das aus der Denkung entspringt.« »Diese Actus des Denkens sind die ersten ursprünglichen Verhältnisbegriffe« (Philos. Vers. I, 303; vgl. LAMBERT, Neues Organ.).

Quelle: Rudolf Eisler, www.textlog.de

Kategorien - Kant

Rudolf Eisler K Kategorien

Eine ganz neue Kategorienlehre begründet KANT. Er leitet sie aus der Gesetzmäßigkeit des Denkens, aus der »reinen Vernunft« (s. d.), aus der Denktätigkeit, als Formen (s. d.) dieser, ab; nicht sind sie Abstraktionen aus dem Erfahrungsinhalt, sondern sie sind etwas die Erfahrung Formendes, Gestaltendes, Konstituierendes, Bedingendes, sie sind a priori (s. d.), transzendental (s. d.), nicht als Begriffe angeboren (s. d.), gehen aber aller möglichen Erfahrung logisch voran, d.h. sie gelten notwendig und allgemein- gewiß im vorhinein für jede Erfahrung, weil sie eben die Formen unseres Denkens und damit auch alles Gedachten, Erkannten sind. Sie machen (actuale, geordnete) Erfahrung erst möglich, setzen erst Einheit und gesetzmäßigen Zusammenhang in den Erfahrungsinhalten. Das ist ihre Function; sie dienen nur der Anwendung auf Erfahrungsinhalte, nicht auf Dinge an sich, sind also nur »Subjektiv« (d.h. nichttranszendent). Schon in seiner vorkritischen Periode bestimmt Kant die Kategorien als »reine Verstandesbegriffe.« »Cum... in metaphysica non reperiantur principia empirica, conceptus in ipsa obvii non quaerendi sunt in sensibus, sed in ipsa natura intellectus puri, non tanquam conceptus connati, sed e legibus menti insitis (attendendo ad eius actiones occasione experientiae) abstracti, adeoque acquisiti. Huius generis sunt possibilitas, existentia, necessitas, substantia, causa etc. cum suis oppositis aut correlatis; quae cum numquam seu partes repraesentationem ullam sensualem ingrediantur, inde abstrahi nullo modo potuerunt« (De mund. sensib. sct. II, § 8). - Zur Verbindung des Mannigfaltigen der Anschauung bedarf es einer einheitsetzenden Synthese. »Diese Synthesis auf Begriffe zu bringen, das ist eine Funktion, die dem Verstande zukommt, und wodurch er uns allererst die Erkenntnis in eigentlicher Bedeutung verschaffet.« »Die reine Synthesis, allgemein vorgestellt, gibt nun den reinen Verstandesbegriff,« die Kategorie (Krit. d. r. Vern. S. 95). Sie ist also der Begriff eines Denkaktes bezw. dessen Produktes, der Synthese, der Einheitsform. Nun ist aber nach Kant die Einheitsfunction im Anschauen dieselbe Funktion, »welche den verschiedenen Vorstellungen in einem Urteile Einheit gibt« (ib.). »Auf diese Weise entspringen gerade so viel reine Verstandesbegriffe, welche a priori auf Gegenstände der Anschauung überhaupt gehen, als es... logische Funktionen in allen möglichen Urteilen gab: denn der Verstand ist durch gedachte Funktionen völlig erschöpft und sein Vermögen dadurch gänzlich ausgemessen. Wir wollen diese Begriffe, nach dem Aristoteles, Kategorien nennen« (1. e. S. 96). Es gibt zwölf Kategorien, die in vier Klassen zu bringen sind:

Kategorientafel (Kritik der reinen Vernunft S. 96):

Es gibt Kategorien

 

1) der Quantität:

Einheit

Vielheit

Allheit

 

2) der Qualität:

Realität

Negation

Limitation

 

3) der Relation:

Inhärenz und Subsistenz (Substanz und Accidens)

Kausalität und Dependenz (Ursache und Wirkung)

Gemeinschaft (Wechselwirkung)

 

4) der Modalität:

Möglichkeit - Unmöglichkeit

Dasein - Nichtsein

Notwendigkeit - Zufälligkeit.

 

Das sind die »ursprünglich reinen Begriffe, die der Verstand a priori in sich enthält, und um derentwillen er auch nur ein reiner Verstand ist; indem er durch sie allein etwas bei dem Mannigfaltigen der Anschauung verstehen, d. i. ein Objekt denken kann«. Die Einteilung ist »systematisch aus einem gemeinschaftlichen Prinzip, nämlich dem Vermögen zu urteilen« (l.c. S. 97). Die Kategorien sind »die wahren Stammbegriffe des reinen Verstandes« (ib.). Zu ihnen kommen noch die »Prädikabilien« (s. d.), »reine, aber abgeleitete« Verstandesbegriffe (Kraft, Handlung, Leiden, Widerstand, Veränderung u.s.w.) (l.c. S. 98). Die Kategorientafel zerfällt in zwei Abteilungen, »deren erstere auf Gegenstände der Anschauung (der reinen sowohl als der empirischen), die zweite aber auf die Existenz der Gegenstände (entweder in Beziehung aufeinander oder auf den Verstand) gerichtet ist«. Die erste Klasse ist die der »mathematischen«, die zweite die der »dynamischen« Kategorien (l.c. S. 99). Eine »artige« Betrachtung ist es, »daß allerwärts eine gleiche Zahl der Kategorien jeder Klasse, nämlich drei, sind...

 

Dazu kommt aber noch, daß die dritte Kategorie allenthalben aus der Verbindung der zweiten mit der ersten ihrer Klasse entspringt« (ib.). Die Kategorien (Prädikamente) sind »Denkformen« für den Begriff von einem Gegenstande der Anschauung überhaupt, sie sind für sich von den Formen der Sinnlichkeit (s. d.) nicht abhängig (Üb. d. Fortschr. d. Met. S. 112). Sie sind synthetische »Funktionen« (l.c. S. 116), »Gedankenformen« (Krit. d. r. Vern. S. 671), »reine Erkenntnisse a priori, welche die notwendige Einheit der reinen Synthesis der Einbildungskraft, in Ansehung aller möglichen Erscheinungen, enthalten« (l.c. S. 129). Sie gelten a priori, notwendig, für alle Erfahrung, bestimmen diese a priori gesetzmäßig. Die Berechtigung (»Möglichkeit«) dazu und die Möglichkeit der Beziehung dieser Subjektiv-formalen Begriffe auf Objekte zeigt die »transzendentale Deduktion« (s. d.) der Kategorien (l.c. S. 107 ff.). Die objektive Gültigkeit der Kategorien beruht eben darauf, »daß durch sie allein Erfahrung (der Form des Denkens nach) möglich sei«. Sie sind Bedingungen der Erfahrung. Ohne sie kann nichts Objekt der Erfahrung sein, nur vermittelst ihrer kann ein Gegenstand der Erfahrung gedacht werden (l.c. S. 109 f.). Zuletzt liegt die Notwendigkeit der Kategorien in der »Beziehung, welche die gesamte Sinnlichkeit, und mit ihr auch alle möglichen Erscheinungen, auf die ursprüngliche Apperzeption (s. d.) haben, in welcher alles notwendig den Bedingungen der durchgängigen Einheit des Selbstbewußtseins gemäß sein, d. i. unter allgemeinen Funktionen der Synthesis stehen muß, nämlich der Synthesis nach Begriffen, als worin die Apperzeption allein ihre durchgängige und notwendige Identität a priori beweisen kann«. Diese Identität (s. d.) muß in die Synthesis der Erscheinungen hineinkommen, und deshalb sind »die Erscheinungen Bedingungen a priori unterworfen, welchen ihre Synthesis (der Apprehension) durchgängig gemäß sein muß, d.h. die Erscheinungen stehen unter notwendigen Gesetzen« (l.c. S. 124 f.) Der reine Verstand ist in den Kategorien »das Gesetz der synthetischen Einheit aller Erscheinungen«. Der Verstand zeigt in seinen Synthesen seine »Spontaneität« (s. d.) (l.c. S. 662 ff.). Warum diese gerade zwölf Kategorien hervorbringt, können wir nicht wissen (l.c. S. 668). - Die Kategorien verschaffen nur Erkenntnis, wenn sie auf (mögliche) Anschauungen angewandt werden; sie haben keinen Gebrauch als nur für »Gegenstände möglicher Erfahrung« (l.c. S, 668 f.). Sie haben »keine Bedeutung, wenn sie von Gegenständen der Erfahrung abgehen und auf Dinge an sich selbst (Noumena) bezogen werden sollen. Sie dienen gleichsam nur, Erscheinungen zu buchstabieren, um sie als Erfahrung lesen zu können« (Prolegom. § 30). Ihr Gebrauch ist ein immanenter (s. d.) (WW. IV, 76). »Unsere sinnliche und empirische Anschauung kann ihnen allein Sinn und Bedeutung verschaffen« (l.c. S. 670). Was der Verstand »aus sich selbst schöpft, ohne es von der Erfahrung zu borgen«, das hat er »dennoch zu keinem andern Behuf, als lediglich zum Erfahrungsgebrauch«. Abgesehen von der Anschauung, sind die Kategorien »ein bloßes Spiel, es sei der Einbildungskraft oder des Verstandes« (l.c. S. 224). »Der Begriff bleibt immer a priori erzeugt, samt den synthetischen Grundsätzen oder Formeln aus solchen Begriffen; aber der Gebrauch derselben und Beziehung auf angebliche Gegenstände kann am Ende doch nirgends als in der Erfahrung gesucht werden, deren Möglichkeit (der Form nach) jene a priori enthalten.« »Daher können wir auch keine der Kategorien definieren, ohne uns sofort zu Bedingungen der Sinnlichkeit, mithin der Form der Erscheinungen herabzulassen, als auf welche, als ihre einzigen Gegenstände, sie folglich eingeschränkt sein müssen« (l.c. S. 142 ff.). Die Kategorien bedürfen »Bestimmungen ihrer Anwendung auf Sinnlichkeit überhaupt«, des transzedentalen »Schemas« (s. d.). Die Schemata »realisieren« die Kategorien und »restringieren« sie auf die Sinnlichkeit (l.c. S. 142 ff.). Die Kategorien haben transzendentale Bedeutung, aber nur empirischen Gebrauch, sie gelten nur für Phänomene (s. d.), setzen ein empirisch Gegebenes zur Anwendung voraus (l.c. S. 229 ff., 234). Durch die Kategorien lassen sich nur Erfahrungsobjekte erkennen, zu praktischen Zwecken aber können sie auch auf das Übersinnliche bezogen werden (Krit. d. prakt. Vern. I. T., 1. Bd., 1. Hptst.). Die Apriorität der Kategorien erklärt die Möglichkeit synthetischer Urteile (s. d.) a priori. - Es gibt auch »Kategorien der Freiheit«, die auf die Bestimmung eines freien Willens gehen und die Form des reinen Willens zur Grundlage haben. Sie sind »praktische Elementarbegriffe« (Krit. d. prakt. Vern. S. 79). Die Tafel derselben ist folgende (l.c. S. 81):

 

Kategorien der

 

1) Quantität:

Subjektiv, nach Maximen: Willensmeinungen des Individuums

Objektiv, nach Prinzipien: Vorschriften

A priori sowohl als subjektive Prinzipien der Freiheit: Gesetze.

 

2) Qualität:

Praktische Regeln des Begehens (praeceptivae)

Praktische Regeln des Unterlassens (prohibitivae)

Praktische Regeln der Ausnahmen (exceptivae).

 

3) Relation:

Auf die Persönlichkeit

Auf den Zustand der Person

Wechselseitig einer Person auf den Zustand der andern.

 

4) Modalität:

Das Erlaubte und Unerlaubte

Die Pflicht und das Pflichtwidrige

Vollkommene und unvollkommene Pflicht.

Quelle: Rudolf Eisler, www.textlog.de

 

Kategorien - Schopenhauer, Cohen, Husserl

Die Apriorität (s. d.) der Kategorien wird von Kantianern und Halbkantianern teils in streng logischem (rationalem), teils in mehr psychologischem Sinne genommen. Nach REINHOLD sind die Kategorien »bestimmte Formen der Zusammenfassung in objektiver Einheit«, »Handlungsweisen des Verstandes« (Vers. ein. neuen Theor. II, 458). BECK setzt das Wesen der Kategorien in die Erzeugung objektiver Einheit des Bewußtseins (Erl. Ausz. III, 155). Nach S. MAIMON sind sie Beziehungsformen des Denkens (Vers. üb. d. Transcend. S. 44). PLATNER sieht in den Kategorien »Grundanlagen des Verstandes«, subjektiv und zugleich objektiv, durch die Dinge selbst bedingt (Log. u. Met. S. 83 ff.). KRUG bestimmt die Kategorien als gesetzmäßige Handlungsweisen des Verstandes (Fundamentalphilos. S. 151, 168). »Kategorien der Sinnlichkeit« sind Räumlichkeit, Zeitlichkeit, räumliche Zeitlichkeit (Handb. d. Philos. I, 261). »Die Kategorien des Verstandes« sind »transzendentale Begriffe«, »welche nichts anderes ausdrücken, als die ursprüngliche Denkform selbst, abgesondert von dem Stoffe, mit welchem sie im gemeinen Bewußtsein zu empirischen Begriffen von wirklichen Gegenständen verschmolzen ist« (l.c. I, 266). Zu unterscheiden sind »reine« und »versinnlichte« (»schematisierte«) Prädikamente (l.c. I, 273). Die »Urkategorie« ist die Realität (das Sein). Die Verstandeskategorien sind: Einheit, Vielheit, Allheit; Positivität (Gesetztsein), Negativität, Limitativität (Beschränktsein); Beständigkeit, Ursachlichkeit, Gemeinschaftlichkeit; Möglichkeit, Wirklichkeit, Notwendigkeit (l.c. I, 272 f.). Nach FRIES sind die Kategorien ursprüngliche Tätigkeitsformen des Denkens, welche Einheit in die Erfahrung bringen (N. Krit. II2, 27). Es sind dies: Ding, Beschaffenheit (Größe, Eigenschaft), Verhältnis, Art und Weise, Ort, Zeit (Syst. d. Log. S. 387). - Nach JACOBI sind die Kategorien notwendig und allgemeingültig, nicht weil sie apriori sind, sondern weil die durch sie ausgedrückten Beziehungen »unmittelbar und in allen Dingen vollkommen und auf gleiche Weise gegeben sind« (WW. II, 261).

 

SCHOPENHAUER erklärt, die Kantische Kategorientafel verdanke ihren Ursprung einem Hange zur architektonischen Symmetrie (W. a. W. u. V. I. Bd., S. 447). Von den Kategorien sind elf als grundlos zu entfernen. Nur die Kausalität (s. d.) ist zu behalten, deren Tätigkeit aber schon »Bedingung der empirischen Anschauung« ist (l.c. S. 446 f.). Für die Begriffe dürfen wir »keine andere a priori bestimmte Form annehmen, als die Fähigkeit zur Reflexion überhaupt« (ib.). Nur die Kausalitätskategorie ist a priori vorhanden und die »Form und Function des reinen Verstandes« (l.c. S. 449). Nach F. A. LANGE gehen die Kategorien aus bestimmten Einrichtungen unseres Denkens hervor, durch welche »die Einwirkungen der Außenwelt sofort nach der Regel jener Begriffe verbunden und geordnet werden« (Gesch. d. Material. II3, 44). HELMHOLTZ erklärt Kausalität, Kraft, Substanz für apriorische Grundbegriffe (Tats. in d. Wahrn. S. 42). Nach O. SCHNEIDER ist die Kategorie (kategoriale Funktion) eine »Geistestätigkeit, welche den Bewußtseinszustand klaren und deutlichen Auffassens des Seienden und des Zusammenfassens des Vielen im Gemeinsamen und damit jede Erkenntnis... überhaupt erst ermöglicht, dann aber auch dem kritischen Geiste zu jenem Bewußtseinszustande verhilft, in welchem er sich von dem Vorhandensein solcher Tätigkeit Rechenschaft gibt«. Die Kategorien sind a priori, formen die Erfahrungsinhalte (Transzendentalpsychol S. 94). Es gibt: 1) subjektive Stammbegriffe, welche bewirken, daß ein bestimmtes Etwas in meinem Bewußtsein und für dasselbe als Gegenstand da ist: Ding und Eigenschaft, Einheit, Vielheit und Allheit, Identität und Verschiedenheit; 2) objektive, Wirklichkeits- oder Seinsbegriffe: Ursache und Wirkung, Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit (l.c. S. 129). FR. SCHULTZE nimmt vier Kategorien an: Zeit, Raum, Kausalität, Empfindung. Die drei ersten sind Subjektiv, immanent, apriorisch (Philos. d. Naturwiss. II, 325). Nach H. COHEN sind die Kategorien ursprüngliche Verknüpfungsarten des Mannigfaltigen, notwendige, logische Bedingungen der Erfahrung (Kants Theor. d. Erfahr.2, S. 248, 255). »Die Kategorien sind nicht angeborene Begriffe, sondern vielmehr die Grundformen, die Grundrichtungen, die Grundzüge..., in denen das Urteil sich vollzieht,« »Betätigungsweisen des Urteils« (Log. S. 43 ff.). Eine Urteilsart kann eine Mehrheit von Kategorien enthalten, und eine Kategorie kann zugleich in mehreren Urteilen enthalten sein (l.c. S. 47 ff.). Die Kategorie bedeutet »die reine Erkenntnis, welche die Voraussetzung der Wissenschaft ist« (l.c. S. 222); ähnlich NATORP, K. VORLÄNDER u. a. Nach HUSSERL, sind die Kategorien a priori, sie gehören zur Natur des Verstandes (Log. Unters. II, 672), sie sind die ergänzenden Formen, welche unmittelbar kein Correlat in der Wahrnehmung haben (l.c. II, 608). Durch Idealgesetze wird die Anwendung der Kategorien geregelt, begrenzt (l.c. II, 660 ff., I, 243 ff.). - Vgl. WINDELBAND, Vom System der Kategorien 1900.

In anderer Weise werden die Kategorien aus der Gesetzmäßigkeit des Denkens abgeleitet, wobei zum Teil die objektive Geltung jener betont wird, sei es für die immanenten, sei es für transzendente Dinge.

Quelle: Rudolf Eisler, www.textlog.de

Kategorien - Fichte, Hegel, Schleiermacher

Nach J. G. FICHTE sind die Kategorien Setzungen des Ich (s. d.), sie entstehen »mit den Objekten zugleich« »auf dem Boden der Einbildungskraft«, um die Objekte zu constituieren (Gr. d. g. Wiss. S. 415). Dinge an sich (s. d.) gibt es nicht, also gelten die Kategorien nur für die Dinge als Inhalte des (überempirischen) Ich. SCHELLING erklärt: »Alle Kategorien sind Handlungsweisen, durch welche uns erst die Objekte selbst entstehen« (Syst. d. transc. Ideal. S. 223). Ursprünglich sind nur die Kategorien der Relation (l.c. S. 232, 292). HEGEL betrachtet die Kategorien ebensowohl als subjektive als auch als objektive Bestimmungen, sie sind Denk- und Seinsformen zugleich (vgl. Encykl. § 20, 43 ff.). Die Kategorien sind: Sein: Qualität, Quantität, Maß; Wesen: Grund, Erscheinung, Wirklichkeit; Begriff: subjektiver Begriff, Objekt, Idee. Nach K. ROSENKRANZ sind die metaphysischen Kategorien »Momente der Idee als logischer«, homogen mit den logischen Kategorien. Sie haben abstract nur »ideelle Existenz«, sind nicht »kosmogonische Mächte« (Syst. d. Wiss. S. 9). Aus Denken und Erfahrung (Wahrnehmung) leitet die Kategorien G. W. GERLACH ab (Hauptmomente d. Philos. S. 124 ff.). Nach SCHLEIERMACHER sind die (Subjektiv-objektiv gültigen) Kategorien als Anlagen dem Verstande angeboren, sie entstehen aus ihrem »Schematismus«, aus der Vernunft, dem »Orte« der Kategorien (Dialekt. S. 104 f., 315). CHR. KRAUSE sieht in den Kategorien den »Gliedbau der Grundwesenheiten«, die Grundgedanken der Erkenntnis des Seins: Wesenheit, Formheit, Seinheit, Selbheit, Ganzheit, Vereinheit u.s.w. (Vorles. üb. Philos. 173 ff.). C. H. WEISSE versteht unter den »abstrakten Allgemeinbegriffen« oder Kategorien »die schlechthin notwendige, nicht nicht sein und nicht anders sein könnende Form und Gesetzmäßigkeit alles Daseienden, Wesenhaften und Wirklichen« (Grdz. d. Met. S. 37). Die Vernunft besitzt diese Begriffe »durch sich selbst«, schon bevor sie sich ihres Besitztums bewußt ist (l.c. S. 47). Das natürliche Bewußtsein trägt diese Begriffe unbewußt und unwillkürlich in den Weltinhalt hinein (l.c. S. 56 f.). Sie haben »eine von aller subjektiven menschlichen Auffassung unabhängige Geltung« (l.c. S. 57). Insofern in den Kategorien die Totalität des Seienden enthalten ist, heißen sie Ideen (l.c. S. 65). Ideen sind »die Kategorien, so wie sie in einer Reihe geschichtlicher Gestalten der Philosophie, jede als Ausdruck für das Ganze auftreten«. Metaphysische Idee ist »die echt wissenschaftlich, mit dem ausdrücklichen Bewußtsein ihrer Bedeutung für den positiven Inhalt aufgefaßte Totalität der Kategorien« (l.c. S. 66 f.). Aufgabe der Metaphysik (s. d.) ist es, »die Gesamtheit der Kategorien in einen dialektischen Cyclus zu verarbeiten« (l.c. S. 75). Die Kategorien sind: Sein: Kategorien der Qualität: Sein, Dasein, Unendlichkeit; der Quantität: Zahl, Größe, Verhältnis; des Maßes: Individuum - Art - Gattung, specifische Größe - Regel - Gesetz, Form und Inhalt. Wesen: Identität - Einheit, Zweiheit - Gegensatz, specifische Dreiheit; Ausdehnung, Ort, Raum; Schwere, Polarität und Kohäsion, Chemismus. Wirklichkeit: Kategorien der Reflexion: Substantialität - Möglichkeit, Kausalität - Wirklichkeit, Wechselwirkung - Notwendigkeit; des Zeitbegriffs: Bewegung, Dauer, Zeit; der Lebendigkeit: Teleologie und Organismus, Leben, Freiheit (l.c. S. 99 ff.). ESCHENMAYER versteht unter den Kategorien »allgemeine Formen, die der ganzen Begriffswelt zukommen«. Nicht die Logik, sondern die rationale Psychologie kann sie deduzieren, nämlich aus der Ichheit.

 

Das formale Denken ist nicht das Höchste. Das Selbstbewußtsein ist das Ursprüngliche in uns, in welchem Form und Gehalt zugleich gegeben ist. »In dem Grundgesetz desselben, welches das Zentrum des ganzen geistigen Organismus einnimmt, ist die Form schon mit den Gehalt gegeben, und erst von ihm aus erhält der logische Verstand seine Formen, seine Kategorien, seine Fundamentalsätze, die er dann auf die ihm anderwärts her dargebotene Materie des Denkens anwendet« (Psychol. S. 299 ff., 309). Nach FROHSCHAMMER wohnen die Kategorien des Seins, der Kausalität, der Notwendigkeit) »dem Geiste insoferne inne, als er selbst in seiner Realität und Wirksamkeit deren Realisierung ist«. In diesen Kategorien ist die objektive Phantasie tätig. Im Geiste sind die Kategorien »gleichsam die Organe, wodurch das Material der Sinneswahrnehmung in die Einheit des psychischen Organismus aufgenommen werden kann« (Monad. u. Weltphantas. S. 64 f.). - Nach J. BERGMANN sind die Kategorien »Momente der allgemeinen Form der Gegenständlichkeit«, sie sind »Projektionen« von Momenten des Ich (Sein u. Erk. S. 172). - Aus der innern Erfahrung von Bestimmtheiten des Ich leitet die Kategorien (»Urbegriffe«) J. WOLFF ab. Es sind: Identität, Einheit, Vielheit, Substantialität, Kausalität u.s.w. Nach Analogie unseres Innern werden die Objekte kategorisiert (Das Bewußts. u. sein Objekt S. 593 ff.). Aus der innern Erfahrung leitet die Kategorien schon M. DE BIRAN ab (vgl. Kausalität, Kraft). Vgl. unten. - Aus der Idee des Seins (s. d.) stammen die Kategorien nach ROSMINI-SERBATI.

Quelle: Rudolf Eisler, www.textlog.de

 

Kategorien - Trendelenburg, Lotze, Hartmann

TRENDELENBURG sieht in den Kategorien Begriffe, die aus der Reflexion über die Formen der Denkbewegung entspringen (Log. Unt. I2, 330). Indem die »Bewegung« (s. d.), die Quelle der Kategorien, in der Anschauung schon mitenthalten ist, werden sie aus ihr abstrahiert (l.c. S. 358). Sie sind aber »keine imaginären Größen, keine erfundenen Hülfslinien, sondern ebenso objektive als subjektive Grundbegriffe« (Gesch. d. Kategorienl. S. 368). Reale Kategorien sind die Formen, durch welche das Denken das Wesen der Sachen ausdrücken will (Log. Unt. I2, 329), die »Grundbegriffe, unter welche wir die Dinge fassen, weil sie ihr Wesen sind« (Kategorienl. S. 364). Modale Kategorien sind »die Grundbegriffe, welche erst im Akt unseres Erkennens entstehen, indem sie dessen Beziehungen und Stufen bezeichnen« (ib.; Log. Unt. II, 97 ff.). Es gibt sonst Kategorien aus der Bewegung und Kategorien ans dem Zweck (Log. Unt. I, 278 ff. II, 72 ff.). Nach J. H. FICHTE sind die Kategorien a priori und zugleich objektiv (Psychol. I, 185 f.). Nach M. CARRIERE sind die Verstandeskategorien »zugleich die Gesetze der Dinge und die Normen, nach denen die Welt unterschieden und geordnet ist« (Sittl. Weltordn. S. 92). Doch stammen sie nicht aus der Erfahrung, sondern sind Normen unseres Denkens (l.c. S. 94). LOTZE bestimmt die Denkformen als Subjektiv- objektive Formen, sie sind zur Behandlung der Naturobjekte bestimmt, beziehen sich notwendig auf diese (Mikrok. III2, 204). Sie sind »weder bloße Folgen der Organisation unseres subjektiven Geistes, ohne Rücksicht auf die Natur der zu erkennenden Objekte, noch sind sie unmittelbare Abbilder der Natur und der gegenseitigen Beziehungen dieser Objekte. Sie sind vielmehr ›formal‹ und ›real‹ zugleich. Nämlich sie sind diejenigen subjektiven Verknüpfungsweisen unserer Gedanken, die uns notwendig sind, wenn wir durch Denken die objektive Wahrheit erkennen wollen« (Gr. d. Log. S. 8). Es gibt vier logische Kategorien: Ding, Eigenschaft, Tätigkeit, Relation (l.c. S. 17). ULRICI leitet die Kategorien aus der unterscheidenden Denktätigkeit ab. Sie sind »die an sich rein logischen, schlechthin allgemeinen, ideellen, formellen Begriffe..., welche die allgemeinen Beziehungen der Unterschiedenheit und resp. Gleichheit der (seienden wie gedachten) Objekte ausdrücken« (Log. S. 142, 215 ff., 285 ff.). Sie sind an sich nicht Begriffe, sondern Normen der Denktätigkeit, leitende Gesichtspunkte für dieselbe (Gott u. d. Nat. S. 563). Sie haben metaphysische Gültigkeit (l.c. S. 561). Die höchste Kategorie ist das »Denkbare« (Log. S. 53). Die ethischen Kategorien sind ursprünglich (Gott u. d. Nat. S. 680). FORTLAGE betrachtet die Kategorien als Produkte unbewußter Geistesfunktionen, die auf Veranlassung des Bewußtseins entstehen (Syst. d. Psychol. I, 165 ff.). Sie entspringen dem Triebleben des Geistes (l.c. I, 464). »Trieb-Kategorien« sind Bejahung und Verneinung (l.c. I, 92). Nach E. V. HARTMANN sind die Kategorien nur als »Kategorialfunctionen«, nicht als Begriffe a priori (Krit. Grundleg. S. 125 f.). Sie sind Denkformen, welche sich »aus Keimen und Anlagen des Verstandes entwickeln, in denen sie vorbereitet liegen« (l.c. S. 11). Die Kategorie ist »eine unbewußte Intellektualfunktion von bestimmter Art und Weise, oder eine unbewußte logische Determination, die eine bestimmte Beziehung setzt« (Kategorienl., Vorw. S. VII). Die Kategorien sind »supraindividuelle« »Betätigungsweisen der unpersönlichen Vernunft in den Individuen« (l.c. S. VIII). Sie sind Formen der Beziehung, der Synthese, der logischen Determination (l.c. S. 334). Ein Teil der Kategorien gilt für die Subjektive, objektive, metaphysische Sphäre zugleich, ein anderer nur für die Subjektiv-objektive, wieder ein anderer nur für die objektive und metaphysische (vgl. Kausalität, Quantität u.s.w.). Die Kategorientafel ist folgende:

 

A. Kategorien der Sinnlichkeit:

 

I. Kategorien des Empfindens:

Qualität

Quantität (intensive, extensive = Zeitlichkeit)

 

II. Kategorien des Anschauens:

Räumlichkeit

 

B. Kategorien des Denkens:

 

I. Urkategorie der Relation

 

II. Kategorie des reflektierenden Denkens (5 Arten)

 

III. Kategorie des spekulativen Denkens:

Kausalität (Ätiologie)

Finalität (Teleologie)

Substantialität (Ontologie).

 

Das Wahrgenommene ist »durch und durch ein Kategoriengespinst«, es weist auf eine transcendente Wirklichkeit hin (l.c. S. 339). Ohne Kategorien ist die Welt nicht zu verstehen (Gesch. d. Met. I, 562). An Hartmann schließt sich eng A. DREWS, an (Das Ich S. 178). Die transsubjektive Geltung der Kategorien betont VOLKELT (Erfahr. u. Denk. S. 89, 95 u. ff.). Nach G. SPICKER beruht alles Denken auf einem sinnlichen Substrat, geht aber über dieses hinaus (K., H. u. B. S. 165). Die Kategorien bringen erst geordnete Erfahrung hervor (l.c. S. 174). Aller »Gewohnheit« liegt schon die Denknotwendigkeit zugrunde (l.c. S. 178 f). Die Kategorien haben metaphysische Geltung, führen zum Ding an sich (l.c. S. 180; 42, 47). Die Funktion der Kategorien fängt erst recht da an, wo die Sinnlichkeit aufhört (l.c. S. 180). Einen erweiterten Gebrauch der Kategorien im Übersinnlichen, in der Richtung auf das Ganze der Erfahrung, hält WITTE für zulässig (Wes. d. Seele S. 336). Nach G. THIELE ist den Kategorien das »Nach-außen-sich-beziehen« wesentlich. Sie »meinen« etwas außer sich, beziehen sich auf ein anderes, sei es was immer (Philos. d. Selbstbewußts. S. 74 f., 183, 411). Ähnlich UPHUES und H. SCHWARZ. Nach A. DORNER haben die Kategorien keinen Sinn, wenn ihnen nicht eine Realität entspricht. Unser Denkorgan zwingt uns, in das Gebiet der Metaphysik überzugehen. »Daß unser Denken gezwungen ist, Kategorien zu bilden, die über das bloße Denken hinausgreifen, beweist uns..., daß es intelligible Realitäten gibt, die die Vernunft beeinflussen, Kategorien zu bilden, mit denen sie sich diese Realitäten vergegenwärtigt« (Gr. d. Religionsphilos. S. 18 ff., 24; Das menschl. Erkenn. 314 f.). »Die realen Kategorien sind nicht bloß logischer Natur, sie besagen mehr; sie sind nicht bloß Produkte der Phantasie, vielmehr werden durch sie, die wir anwenden müssen, immer die Dinge als beharrend und wirkend, nicht als bloß logisch zusammenhängend gedacht, wie ein Begriffssystem« (Gr. d. Religionsphilos. S. X). Die Kategorien sind nicht zu eliminieren, wohl aber müssen sie richtig angewendet werden (ib.). Die transzendente Gültigkeit der Grundbegriffe (Kausalität, Substanz, s. d.) behauptet W. JERUSALEM. - Nach L. RABUS sind die logischen Kategorien die »Akte des Begreifens«, d.h. des Denkens, welches »die gegenständliche Mannigfaltigkeit auf die ihr zugrunde liegende Einheit zurückführt und umgekehrt auf Grund solcher Einheit die Mannigfaltigkeit sich zurechtlegt« (Log. S. 234). Urkategorie ist der Gedanke der Einheit (ib.). Idee ist das »durch die Kategorie in seiner universellen Bedeutung begriffene Bild« (l.c. S. 236). Gegen die subjektive Kategorienlehre erklärt sich HAGEMANN (Log. u. Noet.5, S. 146). So auch die katholisch-thomistische Logik und Metaphysik (PESCH, COMMER, GUTBERLET, Log. u. Erk.2, S. 13, 209 ff.).

Quelle: Rudolf Eisler, www.textlog.de

 

Kategorien - Herbart, Spencer, Nietzsche

Als Produkt der Erfahrung (und psychologischer Prozesse), Abstractionsgebilde, Erzeugnisse der Induktion (s. d.) werden die Grundbegriffe von den Empiristen (s. d.) betrachtet. - Nach HERBART sind die Kategorien Produkte des Vorstellungsmechanismus, Modifikationen psychischer »Reihenformen« (Met. I, 209), die »allgemeinsten Begriffe, die zur Apperzeption dienen« (Psychol. als Wiss. II, § 124 ff.). Sie sind nicht apriorische Stammbegriffe (Lehrb. zur Psychol.3, S. 133). Die Hauptkategorien sind: Ding, Eigenschaft, Verhältnis, Verneintes. Die Kategorien der »inneren Apperzeption« sind: Empfinden, Wissen, Wollen, Handeln (l.c. S. 134; Psychol. als Wiss. § 131 f.). Die dinglichen Kategorien sind Formen der gemeinen Erfahrung, die noch mit allen »Widersprüchen« (s. d.) behaftet sind und einer philosophischen Bearbeitung bedürfen (vgl. Met. II, 351 ff.). Ähnlich SCHILLING (Psychol. S. 147 ff.) und VOLKMANN (Lehrb. d. Psychol. II4, 282). BENEKE leitet die Kategorien aus der Gesetzmäßigkeit des Bewußtseins ab, sie sind das Entwicklungsproduct psychischer Prozesse (Log. II, 35 f.). Vor ihrer Entwicklung in und mit der Erfahrung sind die Kategorien nur »prädestinierte Anlagen« in der Seele (l.c. II, 271, 283). ÜBERWEG bestreitet (wie CZOLBE) die Apriorität und Subjektivität der Kategorien. Er betont, das Wesentliche der Dinge könne nur mittelst der Erkenntnis des Wesentlichen in uns erkannt werden (Log.4, S. 129). Nach E. LAAS sind »reine« Verstandesbegriffe Undinge. Es ist undenkbar, daß ein Inhalt in eine ihm absolut fremde Form eingehen soll. In den Empfindungsdaten müssen zwingende Motive zur Bildung der Kategorien liegen (Ideal. u. posit. Erkenntnistheor. S. 374). Nach STEINTHAL sind die Kategorien »Formen des Prozesses, in welchem sich die Begriffe bilden« (Einleit. in d. Psychol. S. 105).

 

Nach R. HAMERLING abstrahiert der Verstand die Kategorien durch das beziehend-vergleichende Denken aus dem Material der Sinnesanschauung. Sie gelten für die Dinge an sich (Atomist. d. Will. I, 38, 49). Nach F. ERHARDT stammen die Kategorien aus der Erfahrung (teilweise aus der innern) und sind von objektiver Gültigkeit (Met. I, 443 ff., 513 f., 574 ff., 600). Nach LIPPS sind »subjektive Kategorien«: Einheit, Einzelheit, Identität, Gleichheit, Ähnlichkeit und die Gegensätze davon. Sie besagen alle, »daß wir etwas tun, oder uns in unserem Tun etwas begegnet« (Gr. d. Log. S. 105). Oberste Kategorie ist die des Bewußtseinsobjektes überhaupt (l.c. S. 136 f.). - J. ST. MILL leitet die Grundbegriffe aus der Erfahrung und Assoziation ab (vgl. Substanz). Nach H. SPENCER sind die Grundbegriffe phylogenetisch (s. d.) empirisch erworben, ontogenetisch, beim Individuum der Anlage nach a priori (s. d.). Die Grundbegriffe, Stoff, Raum, Bewegung, Kraft u.s.w. entstehen als solche aus der Generalisation und Abstraction von Erfahrungen des Widerstandes (Psychol. II, § 348, S. 236). H. CORNELIUS sieht in den Grundbegriffen nur Formen des Zusammenhanges aktualer und möglicher Erfahrungen. Die »naturalistischen« Begriffe (s. d.) sind ihren dogmatischen Elementen nach zu eliminieren. Eine »Elimination« der Kategorien Kausalität, Substanz u. dgl. als bloß subjektiver Zutaten des Denkens zur Erfahrung (s. d.) fordert E. MACH. An deren Stelle hat das Prinzip der »Ökonomie« (s. d.) des Denkens zu treten. Den Kategorien kommt bloß »praktisch« (biologische) Bedeutung zu. - So auch NIETZSCHE, der die rein biologische Bedeutung der Kategorien betont (WW. X, 183). Sie haben sich durch ihre Nützlichkeit bewährt, sind lebenserhaltend. Aber diese ihre biologische Zweckmäßigkeit ist ihre einzige »Wahrheit« (WW. XV, 268). Sie sind Produkte der Phantasie, des Anthropomorphismus (s. d.), mit der (metaphorischen) Sprache (s. d.) werden sie in die Objekte introjiziert. Erst fingieren wir ein »Ich« (s. d.), dann projizieren wir es auf die Außenwelt, und nun erscheint uns diese als eine Summe von Substanzen, Tätern, Kräften u.s.w. (WW. VIII, 2, S. 80; XV, 273). Eine solche Welt entspricht unserem Verlangen nach einer Welt des Bleibenden, der unser Wille zur Macht mehr gewachsen ist als dem ständigen Flusse des Geschehens (l.c. XV, 268 f., 285). Eine biologisch-projektionistische Auffassung der Kategorien findet sich bei SIMMEL, (Philosophie des Geldes S. 484, 507). L. STEIN erklärt: »Zeit, Zahl, Raum, Kausalität, wie die Verstandeskategorien überhaupt, sind nichts anderes, als das Alphabet, welches sich die Menschen im Kampfe ums Dasein als Schutzmaßregeln gebildet haben, um erfolgreich im Buche der Natur lesen zu können« (An d. Wende des Jahrh. S. 6). Vgl. Introjektion, A priori, Kausalität, Ding, Substanz, Kraft, Identität, Einheit, Individuum.

Quelle: Rudolf Eisler, www.textlog.de

 

Kategorisch

Kategorisch (gr. katêgorikos von katêgorein = aussagen, franz. catégorique) heißt eigentl. aussagend, behauptend, dann im Gegensatz zu hypothetisch soviel als unbedingt. Kant nennt daher das oberste Sittengesetz den kategorischen Imperativ; denn es gebiete einfach und schlechthin, unabhängig von jeder Bedingung und jeder Rücksicht auf Nutzen und Vergnügen. Da er in diesem also ein reines Vernunftgesetz suchte, kam er zu der Schlußfolgerung, das Moralprinzip müßte ein bloß formales sein, während es durch Rücksicht auf ein bestimmtes Ziel des Willens empirisch würde. Es lautet für ihn daher: »Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne« (Kr. d. r. V. S. 54), oder: »Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde«, oder: »Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte«. (Grundlegung der Metaphysik der Sitten, 2. Abschnitt.) Aber die Tauglichkeit dieses Prinzips ist beschränkt. Denn da Kant im kategorischen Imperativ kein inhaltliches Sittengesetz aufstellt, sondern nur die sittliche Allgemeingültigkeit der Handlungsweise fordert, so läßt er es unbestimmt, wohin unser Handeln in jedem einzelnen Falle sich wenden solle. Auch dürfte es in Wirklichkeit schwierig oder für den einzelnen sogar unmöglich sein, festzustellen, ob seine Maxime sich zum Allgemeingesetz eigne. Die Ethik verlangt also, um mit dem Leben in fruchtbare Beziehung zu treten, an Stelle des kategorischen Imperativs inhaltliche, wenn auch nur empirisch bestimmte Prinzipien. Vgl. Freiheit. - Ein kategorisches Urteil ist dasjenige, in welchem ein Prädikat dem Subjekt schlechthin beigelegt oder abgesprochen wird (A ist B, oder A ist nicht B), also nur zwei Begriffe in ihrem Verhältnis zueinander bestimmt sind. Den Gegensatz dazu bildet das hypothetische Urteil, in dem zwei Urteile in ein Verhältnis zueinander (das des Grundes und der Folge) gesetzt sind. (Wenn A ist, so ist B usw.) (Kant, Kr. d. r. V. S. 19.)

https://www.textlog.de/1722.html

 

Klassifikation

Klassifikation (franz. classification) oder Klassifizierung heißt die übersichtliche Darstellung des gesamten Begriffsinhaltes eines Wissensgebietes mit Hilfe einer fortgesetzten Division (d.h. der Einteilung des Umfanges der Begriffe), welche von dem höchsten Begriffe bis zu den niedrigsten stetig fortschreitet. Ihr Ergebnis ist das System (s. d.). Die einzelnen Gliederungsstufen werden mit den Namen Reich, Kreis, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art, Unterart usw. bezeichnet. Zur Klassifikation gehört an jeder Stelle des Systems 1. der allgemeine Begriff, welcher eingeteilt werden soll, 2. der Einteilungsgrund (principium divisionis), 3. die Einteilungsglieder (membra divisionis). Ist der Einteilungsgrund willkürlich, so heißt das System künstlich (vgl. System); liegt er in der Natur der Sache, so heißt es natürlich. Die Klassifikation gestattet eine doppelte Ordnung des Systems. Analytisch ist sie, wenn sie vom Einzelnen zum Allgemeinen emporsteigt; synthetisch, wenn sie vom Allgemeinen zum Besondern herabsteigt. Die bekanntesten durch Klassifikation gewonnenen Systeme sind das natürliche Pflanzen- und Tiersystem. In jeder einzelnen Sprache liegt aber schon, durch die Worte vorbereitet, ein Keim zu einer Klassifikation sämtlicher Begriffe. Vgl. System.

https://www.textlog.de/1530.html

 

Logik

Logik (gr. logikê sc. technê v. logos = Denken) heißt die Wissenschaft von den Gesetzen des Denkens. Sie scheidet sich von den Einzelwissenschaften ab und stellt sich über diese. Von der ihr beigeordneten Psychologie unterscheidet sich die Logik dadurch, daß jene die Naturgesetze unserer Geistestätigkeit aufsucht, diese dagegen die Normalgesetze derselben aufstellt. Jene nimmt also die geistigen Prozesse, wie sie sind, diese bestimmt, wie sie sein müssen, um zu richtiger Erkenntnis zu führen. Die logischen Gesetze stehen in ihrem Wesen und Werte etwa in der Mitte zwischen den Naturgesetzen und denen der Moral; während die ersteren der Ausdruck für ein stetiges Geschehen sind und die letzteren eine Verpflichtung, eine Forderung enthalten, sind die logischen Gesetze soweit einerseits Gesetze des Wirklichen, als alle normalen Menschen gleichmäßig denken, soweit andrerseits bloße Forderungen, als jeder einzelne Mensch durch subjektive Gefühle, Vorurteile und Interessen beeinflußt wird und sich zu logischem Denken erst anhalten und erziehen muß. Zu den anderen Wissenschaften steht die Logik im Verhältnis der Überordnung. Denn sie begründet die Methoden, die jene anzuwenden haben; sie bestimmt allgemein den Prozeß des Erkennens, den jene im einzelnen verfolgen, jede auf ihrem besonderen Gebiete der Anwendung. Während es die Einzelwissenschaften mit der Erkenntnis eines bestimmten materialen Objektes zu tun haben, berücksichtigt die Logik nur die allgemeinen Gesetze des Erkennens. Jene suchen Wahrheit, diese Richtigkeit des Denkprozesses. So ist die Logik die Wissenschaft vom Wissen. Ihr Ziel ist, zu zeigen, wie das richtige Denken zustande kommt, wodurch es gehemmt oder gefördert wird. Ihr Nutzen ist nicht unbedeutend. Was die Mathematik für die Naturerkenntnis, das leistet die Logik für jede Erkenntnis. Man lernt durch sie Begriffe, Urteile und Schlüsse richtig bilden, seine eigenen Behauptungen beweisen, die des Gegners widerlegen; man unterscheidet mit ihrer Hilfe leichter Wahrheit und Irrtum, erkennt die Schwächen im Räsonnement oder lernt sich selbst vor Beweisfehlern zu hüten. Aber überschätzt darf der Wert der Logik auch nicht werden. Ihre Allgemeinheit, ihr formaler Charakter und ihr Mangel an Erfindungsgeist bilden ihre Schranke, und für den geistig regen Menschen, der den Reichtum der Erfahrung liebt, hat sie oft etwas Abschreckendes, während sie manchem hohlen Geist Krücken und Paradeuniform leiht. Die Logik heißt auch Dialektik, Kunst der Unterredung (s. d. W.). Unter diesem Namen wurde sie von den Sophisten, Megarikern, von Sokrates, Platon und Aristoteles, der mit Recht der Vater der formalen Logik genannt wird, geschaffen. Für die Sophisten war sie noch die Kunst zu überreden. Sokrates (469-399) schuf die Begriffe und Methoden der Definition und Induktion, die Megariker bildeten die Eristik aus, Platon (427-347) fügte die Deduktion hinzu, Aristoteles (384-322) gab die erste systematische Darstellung der Logik. (Vgl. Aristotelismus.) Die Scholastik des Mittelalters bildete die Logik des Aristoteles nur durch subtiles Ausspinnen des Einzelnen fort. In der Neuzeit schuf Bacon (1561-1626) die Theorie der induktiven Erkenntnis. Chr. Wolf (1679-1754) behandelte die Logik als Erkenntnistheorie und setzte sie in Beziehung zur Metaphysik und Psychologie. Kant (1724-1804) stellte neben die formale Logik die transzendentale, die in ihrem Wesen Erkenntnistheorie innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft- ist. Nach-. dem er gezeigt hatte, daß der Mensch in den Gesetzen des eigenen Denkens auch die Gesetze der Erscheinungswelt habe, schrieben seine Nachfolger Fichte (1762-1814), Schelling (1775-1854) und Hegel (1770-1831) den reinen Denkformen auch inhaltliche Bedeutung zu. So ward die Logik zu einer materialen, objektiven Wissenschaft, besonders bei Hegel, der sie ganz mit der Metaphysik identifizierte. Die Hegelsche Logik ist die Wissenschaft des Universums, unter welche alle Dinge fallen, sofern sie gemäß den allgemeinen und notwendigen Gesetzen des Daseins, welche eben die Denkgesetze sein sollen, beschaffen sind. Der Begriff bewegt sich nach Hegel wesentlich in den schon von Aristoteles festgesetzten Formen des Urteils und Schlusses, aber nach »dialektischer« Methode (s. d.).

...

https://www.textlog.de/1769.html

 

Logos

Logos (gr. logos) heißt sowohl Gedanke, Denken als auch Wort. Die jüdisch-platonische Philosophie (besonders Philon, 20 v. Chr. bis 45 n. Chr.) verstand darunter den von Ewigkeit her gedachten Gedanken Gottes von sich selbst, an dem er als dem gegenständlichen Nicht-Ich das Selbstbewußtsein seines Ichs hätte, der aus Gott herausgetreten und wesentlich geworden sei, den von Ewigkeit gezeugten Sohn Gottes, den Abglanz der göttlichen Vollkommenheit, den Schöpfer der Welt und das alle Menschen zur Weisheit, Tugend und Wissenschaft leitende Wesen. Diese neuplatonische Idee nahm dann das Johannesevangelium in sich auf: Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes, welches von Anfang an war, durch das die Welt geschaffen, ja das selbst Gott ist. Denn der Ewige, Unerkennbare bedarf, menschlich gedacht, des Wortes, um sich zu offenbaren, er muß sprechen, damit etwas geschehe, nachdenken, um etwas zu erfinden. Und wie wir in unserer Persönlichkeit das Denken hypostasieren, d.h. von uns selbst absondern und selbständig machen, so dachte sich der Verfasser dieses Evangeliums auch Gott als Subjekt-Objekt. Die Gedanken fanden ihre weitere Auslegung in folgenden Sätzen: Der Gedanke ist Gottes Sohn, er ist Gott selbst, wenn auch nicht in seiner Totalität; er ist teils in Gott verborgen (logos endiathetos), teils in der Schöpfung sichtbar geworden (logos prophorikos); er hat alle Propheten begeistert und ist zuletzt in Jesu Fleisch geworden. Das talmudische »Memra« (Wort), der platonische Nous (Verstand), die apokryphische »Weisheit« sind Analogien dieses Logos. Vgl. Duncker, Zur Gesch. d. christl. Logoslehre. 1848. M. Heinze, Die Lehre vom Logos in der griech. Philos. 1872.

https://www.textlog.de/1768.html

 

Liebe

Liebe (lat. amor, gr. erôs) heißt das Wohlgefallen an einem anderen mit dem Bestreben, es zu besitzen, ihm sich zu widmen, sich mit ihm zu vereinigen und zu identifizieren. Die Liebe hat Wohlgefallen am Wohlsein eines andern. Zuerst entsteht im Menschen die Freude an dem Objekt, an einer Sache oder an einer Person; er legt dem Objekt einen Wert bei und fühlt sich zu ihm hingezogen, so daß der Besitz desselben ihm als hohes Glück, der Verlust als unerträglich erscheint. Damit verbindet sich dann bald die Illusion, daß sich im geliebten Gegenstand dasselbe Gefühl rege, selbst wenn er unbeseelt ist. Denn die Liebe beseelt selbst das Tote, wie man an der Naturanschauung der Kinder, der kindlichen Menschen und der Dichter sehen kann. Diese Illusion der Liebe im Verhältnis des Menschen zum Menschen bringt z.B. Goethe zum Ausdruck in dem Gedichte: Warum gabst du uns die tiefen Blicke? mit den Worten: »In dem andern sehen, was er nie war, immer frisch auf Traumglück auszugehen und zu schwanken auch in Traumgefahr.« Da die Liebe ihre Befriedigung in der Gegenwart des Geliebten findet, so spricht sich die Nichtbefriedigung ihres Begehrens als Sehnsucht aus. Wie jede Neigung, so erwächst auch die Liebe zunächst aus der Gewohnheit, dem Verkehr, dem Umgang, wie man aus der Liebe zu Eltern, Geschwistern, Spielkameraden und zur Heimat erkennt. Anderen, gleichartigen Personen gegenüber wird sie zum Streben nach dauernder Vereinigung. Liebe will im andern leben; sie hat ihr reinstes Selbstgefühl im Mitgefühl mit dem anderen und hebt am höchsten über den Egoismus empor. In diesem Streben nach völliger Erhebung über den Eigennutz und tiefer Durchdringung mit dem anderen liegt freilich auch der Anspruch auf Alleinbesitz. Hierin unterscheidet sie sich von der Freundschaft, die selten einseitig, aber oft nicht ohne egoistische Beimischung ist. Augustinus (• 430) nennt die Liebe »vita quaedam, duo aliqua copulans vel copulare appetens« Trin. 8, 10; Thomas von Aquino (• 1274) »complacentia appetibilis seu boni« Summa I, 2 qu. 26. - Nach Veranlassung, Individualität, Charakter und Bildungsgrad ist natürlich die Liebe verschieden. Die Wurzel der Liebe ist wohl die den Menschen mit den Menschen verbindende Sympathie, welche in der Eltern-, Geschwister- und Verwandtenliebe ihre Ausbildung findet und sich dann zur Liebe gegen Stamm, Volk, Vaterland und Menschheit ausdehnt. Am leidenschaftlosesten und weitesten ist die Menschenliebe, aber sie ist auch ein selten erreichtes Ideal. Die stärkste Liebe dagegen ist die Geschlechtsliebe, die aus einem Bedürfnis und Triebe entspringt, sich aber durch die Dauerhaftigkeit und Konzentrierung desselben auf ein Individuum veredelt; sie hat für Kultur und Moral die größte Bedeutung. Je enger sie sich beschränkt, desto intensiver ist sie. Sie hängt an der Existenz des Individuums, an seinem dauernden Besitz und Genüsse. Die Geschlechtsliebe ist zwar nie von der Weite und Abgeklärtheit der Nächstenliebe, sie ist persönlich und gibt das eigene Ich nicht auf, sondern ringt nach eigener Glückseligkeit; und wird ihr ihr Ziel versagt, so entwickelt sie sich leicht zur Leidenschaft; aber sie ist andrerseits der größten Opfer fähig, wie es z.B. poetisch in dem freiwilligen Tode der Alkestis (der gynê hyperbeblêmenê) für Admetos von Euripides dargestellt ist. Wo der liebende Mensch sich selbst vergißt, sich für andere aufopfert, da tritt die schönste Art der Züge der Menschheit hervor. - Die Liebe zur Menschheit, Wahrheit, Freiheit, Kunst u. dgl. setzt voraus, daß man diesen Begriffen Realität beilegt, wobei freilich Enttäuschungen nicht ausbleiben. Die Liebe zu Gott (amor dei) ist nach Platon, Spinoza und J. G. Fichte der höchste moralische Affekt; sie entspringt aus dem Streben des Menschen nach Vollkommenheit. Die sog. platonische Liebe ist vom Streben nach Geschlechtsgenuß völlig frei. Liebe zu den Feinden ist das Wohltun auch gegen die, welche uns schaden, weil sie Menschen sind wie wir. - Empedokles (484-424) sah in Liebe und Haß (philia und neikos) die bewegenden Weltkräfte (Arist. Met. I, 4 p. 985 a. 29). Zum philosophischen Begriff ist die Liebe, der Eros, vor allem durch Platon (427-347) umgeschaffen worden. Platon nennt den philosophischen Trieb Eros und drückt damit aus, daß die Philosophie nicht nur aus einem Erkenntnistrieb entspringt, sondern die praktische Verwirklichung, die Erzeugung der Wahrheit erstrebt. Die sterbliche Natur des Menschen ermangelt der göttlichen Unveränderlichkeit; sie fühlt daher das Bedürfnis, durch immer neue Erzeugung ihrer selbst sich zu erhalten. Dieser Trieb der Erhaltung ist der Eros, der aus der höheren gottverwandten Natur des Menschen entspringt und ein Streben ist, Gott ähnlich zu werden. Da dieser Eros nur ein Streben nach Besitz, nicht ein Besitz ist, also einen Mangel voraussetzt, andrerseits die Fülle begehrt, macht Platon den Eros zum Sohne der Penia (Armut) und des Poros (Reichtum). Das Ziel dieses Strebens ist der dauernde Besitz des Guten, die Glückseligkeit, die Unsterblichkeit. Der Eros ist also überhaupt das Streben des Endlichen, sich zur Unendlichkeit zu erweitern. Die äußere Bedingung für die Betätigung des Eros ist die Gegenwart des Schönen, und der Eros richtet sich stufenweise auf die schöne Gestalt, die schöne Seele, die Wissenschaft und die Idee und strebt nach der Darstellung des absolut Schönen. (Vgl. Platon, Symposion; Zeller, die Philosophie der Griechen II, S. 384 ff.) Dieser platonische Begriff des Eros ist vielfach in der Neuzeit von Dichtern und Philosophen wieder aufgenommen worden. Vgl. Dualismus.

https://www.textlog.de/1755.html

 

Lüge

Lüge (lat. mendacium, gr. pseudos) heißt eine absichtliche, bewußte und pflichtwidrige Unwahrheit. Als Lüge im weiteren Sinne ist nicht bloß die falsche Aussage, sondern auch die absichtliche Zweideutigkeit und Unbestimmtheit, die Zurückhaltung, Verstellung, Wortbrüchigkeit, Täuschung und Heuchelei zu verstehen. Gewöhnlich entspringt die Lüge der Selbstsucht, oft auch der Feigheit und Schmeichelei. Unzweifelhaft ist die Lüge verwerflich, weil jeder Mensch auf die Wahrheit des anderen ein Recht hat und die sittliche Gemeinschaft der Menschen durch die Lüge aufgehoben wird. Vgl. Augustinus, de mendacio. H. Krause, über die Wahrhaftigkeit. 1844. Heinroth, die Lüge. 1834.

https://www.textlog.de/1767.html

 

Natur

Natur (lat. natura v. nasci = geboren werden) bezeichnet allgemein alles, was ohne fremdes Zutun so ist, wie es sich darstellt, also sich nach den ihm innewohnenden Kräften und Gesetzen entwickelt. So spricht man von der Natur der Dinge, der Planeten, der Elemente der Pflanzen, der Tiere, der Menschen, ja auch des einzelnen Menschen. Die Natur ist überall der Gegensatz zum künstlich oder absichtlich Gemachten, mithin das Gegenteil von der Kultur, Kunst und Erziehung, ferner von der Absicht, Freiheit, Sittlichkeit. Von den älteren Philosophen haben namentlich die Stoiker die Natur als die Richtschnur des menschlichen Handelns angesehen (naturam sequi), von den neueren hat vor allem J. J. Rousseau (1712-1778) die Natur im Gegensatz zur Kultur und Erziehung gepriesen. Ihm ist die erste Regel der Erziehung, die Natur zu beobachten und den Weg zu verfolgen, den sie vorzeichnet. - In der Wissenschaft stellt man meist die Gebiete der Naturwissenschaften und der Geschichtswissenschaften einander gegenüber. Die Naturwissenschaften umfassen alles, was im Raume gegenwärtig existiert, die Geschichtswissenschaften alles, was in der Zeit vor uns geschehen ist. Jene suchen das Allgemeine, diese das Einzelne zu erfassen. Beide Gebiete haben aber auch viel Gemeinsames; denn alle Gegenstände der Natur waren auch schon früher, und alle Ereignisse der Geschichte müssen irgendwo geschehen sein. Auch jedes Naturobjekt hat seine Geschichte, wie umgekehrt alle historischen Begebenheiten ihre Naturseite haben. Zwischen Naturgesetzen und geschichtlichen Gesetzen ist aber ein Unterschied. Die Naturgesetze sind Formeln für die kausale Stetigkeit des Geschehens, die historischen dagegen, weil sittliche, schließen auch den Begriff der praktischen Willensfreiheit in sich ein. Vgl. Geschichte.

 Faßt man den Begriff der Natur konkret, so heißt alles, was durch die äußeren Sinne wahrnehmbar ist, Natur. Je nach seiner Bildung und Weltansicht steht der Mensch der Natur verschieden gegenüber, entweder praktisch oder ästhetisch oder theoretisch. Auf dem ersten Standpunkt sucht sie der Mensch seinen Zwecken zu unterwerfen, sie zum Organ seiner Tätigkeit zu machen, sie auszunutzen und zu beherrschen. Auf dem zweiten Standpunkt faßt er sie mit seinem Gefühl auf. Seine Phantasie bevölkert sie mit lebenden Wesen, indem er ihre Produkte und Kräfte personifiziert. So entstand die Naturreligion und Mythologie. Diese halb grauenvolle, halb anheimelnde Vorstellung von der Natur als der Mutter alles Lebendigen, der geheimnisvollen Macht ist ebenso religiös als poetisch. Allmählich aber traten an Stelle jener Phantasien Begriffe, an Stelle der Personifikationen Naturgesetze, und die theoretische Erforschung der Natur begann, die wieder die Herrschaft des Menschen über die Naturkräfte steigerte. Die Griechen setzten mit klarer Naturforschung ein, das Mittelalter mied die Natur wieder, erst die Neuzeit entwickelte die Naturforschung im vollen Umfange, und im 19. Jahrhundert hat die Naturforschung große Macht und Ausdehnung gewonnen; man hat jetzt die Natur als einen festen, unveränderlichen Gesetzen unterworfenen Mechanismus von unverlierbarer Masse und Energie anzusehen gelernt, von dem jeder Zufall, jeder Verlust und jede Zutat ausgeschlossen ist. - Die Stellung der Philosophie und Religion zum Begriffe Natur ist, wie leicht begreiflich, eine sehr vielfach wechselnde gewesen. Ein Teil der Philosophen sah in der Natur das Wirkliche, so die Hylozoisten, Herakleitos, Empedokles, die Atomisten, Epikur, die französischen Materialisten des XVIII. und die Naturalisten des XIX. Jahrhunderts. Die Religion der Griechen schrieb den Göttern nicht die Erschaffung, sondern nur die Ordnung der Natur zu. Das Judentum und das Christentum sah in der Natur Gottes Schöpfungswerk (natura creata, natura naturata), die Stoiker, Spinoza, Goethe, Schelling u. a. betrachteten die Natur und Gott als eins (deus sive natura, Gott - Natur). Für die Eleaten, Platon, Fichte u. a. war die Natur eine Scheinwelt, ein Nichtseiendes, ein Nicht-Ich. Aristoteles (384-322) sah in ihr ein nochnichtseiendes, aber die Möglichkeit des Seins in sich Schließendes; Kant (1724-1804), der sie am strengsten dem Gesetze der Kausalität unterordnete, reduzierte sie auf die Welt der Erscheinungen, deren. Wesen unbekannt ist; Hegel (1770 bis 1831) faßte sie als den Geist in seinem Anderssein. Platon (427-347) und das mittelalterliche Christentum standen der Natur mit ethischer Abneigung gegenüber, J. J. Rousseau (1712-1778) mit der entgegengesetzten Gesinnung. Im allgemeinen ist die neuere Philosophie naturfreundlich geworden.

 An der exakten Durchforschung des einzelnen in der Natur arbeiten, alle Zweige der Naturwissenschaften. Die Idee der Natur als, Ganzes auszubilden ist die Sache der Naturphilosophie. Der ungeheure Nutzen der Naturforschung für die Praxis und für die Kultur liegt klar zu Tage, aber auch die dichterische und religiöse Erhebung und die Empfänglichkeit des Menschen für Natureindrücke leidet nicht darunter. Im Gegenteil, die Größe und Schönheit der Natur bewundern wir Neueren mehr als die Alten. Endlich ist der Fortschritt der Naturwissenschaft auch für die Philosophie wichtig. Denn diese hat die exakten Resultate jener als Grundlage zur Aufstellung ihrer Weltanschauung zu verwerten. Vgl. Naturphilosophie.

https://www.textlog.de/1835.html

 

nonlinear dynamics

study of systems governed by equations in which a small change in one variable can induce a large systematic change; the discipline is more popularly known as chaos (see chaos theory). Unlike a linear system, in which a small change in one variable produces a small and easily quantifiable systematic change, a nonlinear system exhibits a sensitive dependence on initial conditions: small or virtually unmeasurable differences in initial conditions can lead to wildly differing outcomes. This sensitive dependence is sometimes referred to as the butterfly effect, the assertion that the beating of a butterfly’s wings in Tokyo can eventually change the weather in New York City. Historically, in fact, one of the first nonlinear systems to be studied was the weather, which in the 1960s Edward Lorenz sought to model by a relatively simple set of equations. He discovered that the outcome of his model showed an acute dependence on initial conditions. Later work revealed that underlying such chaotic behavior are complex but often aesthetically pleasing geometric forms called strange attractors. Strange attractors exist in an imaginary space called phase space, in which the ordinary dimensions of real space are supplemented by additional dimensions for the momentum of the system under investigation. A strange attractor is a fractal, an object that exhibits self-similarity on all scales. A coastline, for instance, looks much the same up close or far away. Nonlinear dynamics has shown that even systems governed by simple equations can exhibit complex behavior. The evolution of nonlinear dynamics was made possible by the application of high-speed computers, particularly in the area of computer graphics, to innovative mathematical theories developed during the first half of the 20th cent. Three branches of study are recognized: classical systems in which friction and other dissipative forces are paramount, such as turbulent flow in a liquid or gas; classical systems in which dissipative forces can be neglected, such as charged particles in a particle accelerator; and quantum systems, such as molecules in a strong electromagnetic field. The tools of nonlinear dynamics have been used in attempts to better understand irregularity in such diverse areas as dripping faucets, population growth, the beating heart, and the economy.           

See S. N. Rasband, Chaotic Dynamics of Nonlinear Systems (1990); A. J. Lichtenberg and M. A. Lieberman, Regular and Chaotic Dynamics (1992); S. J. Guastello, Chaos, Catastrophe, and Human Affairs: Applications of Nonlinear Dynamics to Work Organizations and Social Evolution (1995); A. H. Nayfeh and B. Balachandran, Applied Nonlinear Dynamics: Analytical, Computational, and Experimental Methods (1995).      

file:///f:/encyc/alpha/www.bartleby.com/65/no/nonlinea.html

 

Noologie

Noologie nous, logos Geisteslehre (bei CRUSIUS = Psychologie). Jetzt wird das Noologische vom Psychologischen unterschieden; jenes bezieht sich auf den konkreten, lebendigen, activ-synthetischen Geist, auf das Geistige als Seinsprinzip. So scheidet besonders R. EUCKEN das schaffende Geistesleben vom empirischen Seelenleben, in jenem »erfolgt ein Aufsteigen der Wirklichkeit zu einer innern Einheit und zu voller Selbständigkeit« (Gesamm. Aufs. S. 116). Das »noologische Verfahren« muß in den Geisteswissenschaften angewandt werden, es geht nicht auf die Psyche, sondern auf das Geistesleben als solches (Einh. d. Geistesleb. 1888).

www.textlog.de, Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Noologie

 

Noumenon

Noumenon nooumenon Gedachtes Verstandesding, intelligibles (s. d.) Wesen, im Unterschiede vom Sinnending oder Phänomenon (s. d.); norymena schon bei PLATO (s. Ideen).

 

KANT versteht unter dem Noumenon einen Grenzbegriff (s. d.), nämlich das als nicht sinnlich zwar nicht erkannte, aber (negativ) gedachte Ding, das zugleich als positiver Gegenstand einer nichtsinnlichen (göttlichen) Anschauung gedacht wird. »Schon von den ältesten Zeiten der Philosophie her haben sich Forscher der reinen Vernunft außer den Sinnenwesen (Phänomena), die die Sinnenwelt ausmachen, noch besondere Verstandeswesen (Noumena), welche eine Verstandeswelt ausmachen sollten, gedacht, und da sie... Erscheinung und Schein für einerlei hielten, den Verstandeswesen allein Wirklichkeit zugestanden« (Proleg. § 32). In Wahrheit aber haben die Phänomena empirische Wirklichkeit, wenn sie auch nicht Dinge an sich (s. d.) sind. Solche muß es geben, nur können sie, wegen der Subjektivität der Erkenntnisformen, nicht erkannt werden. »Erscheinungen, sofern sie als Gegenstände nach der Einheit der Kategorien gedacht werden, heißen Phänomena. Wenn ich aber Dinge annehme, die bloß Gegenstände des Verstandes sind und gleichwohl, als solche, einer Anschauung, obgleich nicht der sinnlichen (als coram intuitu intellectuali) gegeben werden können, so würden dergleichen Dinge Noumena (intelligibilia) heißen« (Krit. d. r. Vern. S. 231). Der Begriff des Noumenon ist aber nicht positiv, nicht Erkenntnis, sondern ein abstrakter Gedanke, nicht das Ding an sich selbst (l.c. S. 233 f.). »Der Begriff eines Noumenon, d. i. eines Dinges, welches gar nicht als Gegenstand der Sinne, sondern als ein Ding an sich selbst (lediglich durch einen reinen Verstand) gedacht werden soll, ist gar nicht widersprechend: denn man kann von der Sinnlichkeit doch nicht behaupten, daß sie die einzig mögliche Art der Anschauung sei. Ferner ist dieser Begriff notwendig, um die sinnliche Anschauung nicht bis über die Dinge an sich selbst auszudehnen, und also, um die objektive Gültigkeit der sinnlichen Erkenntnis einzuschränken (denn das übrige, worauf jene nicht reicht, heißt er eben darum Noumena, damit man dadurch anzeige, jene Erkenntnisse können ihr Gebiet nicht über allesicht über alles, was da Verstand denkt, erstrecken). Am Ende aber ist doch die Möglichkeit solcher Noumenorum gar nicht einzusehen, und der Umfang außer der Sphäre der Erscheinungen ist (für uns) leer, d. i. wir haben einen Verstand, der sich problematisch weiter erstreckt, bis jene, aber keine Anschauung, wodurch uns außer dem Felde der Sinnlichkeit Gegenstände gegeben und der Verstand über dieselbe hinaus assertorisch gebraucht werden könne. Der Begriff eines Noumenon ist also bloß ein Grenzbegriff, um die Anmaßung der Sinnlichkeit einzuschränken, und also nur von negativem Gebrauche. Er ist aber gleichwohl nicht willkürlich erdichtet, sondern hängt mit der Einschränkung der Sinnlichkeit zusammen, ohne doch etwas Positives außer dem Umfange derselben setzen zu können« (l.c. S. 235). »Der Begriff eines Noumenon ist also nicht der Begriff von einem Objekt, sondern die unvermeidlich mit der Einschränkung unserer Sinnlichkeit zusammenhängende Aufgabe, ob es nicht von jener ihrer Anschauung ganz entbundene Gegenstände geben möge« (l.c. S. 257; Prolegom. § 32 ff.). Nur das moralische Gesetz läßt uns die Welt der Noumena, der Freiheit (s. d.) auch positiv bestimmen, nämlich als Welt autonomer (s. d.) Vernunftwesen (Krit. d. prakt. Vern. I. Tl., 1. B., 1. Hptst.). Der Mensch, »als mit innerer Freiheit begabtes Wesen (homo noumenon) gedacht, ist ein der Verpflichtung fähiges Wesen« (Met. Anf. d. Tugendl. S. 65). - AMPÉRE nennt Noumena die wirklichen Wesen. LEWES versteht unter ihnen nichts als »the unknowable otherness of relations«, »things in their relation to other forms of sentience... than our own« (Probl. I, 182). MONRAD nennt so die Dinge an sich (Arch. f. system. Philos. III, 129). Nach H. CORNELIUS ist das Noumenon nur ein Verstandesbegriff, der sich in den wechselnden Phänomenen manifestiert (Psychol. S. 263; Einl. in d. Philos. S. 263). Vgl. G. D. HICKS, Die Begriffe Phänomenon u. Noumenon u. ihre Verh. zueinander bei Kant 1897.

https://www.textlog.de/4736f753.html

 

Nous, Nus

Nus, Nous (gr. nous = Verstand) heißt schon bei Homer das Erkenntnisvermögen; von Parmenides und Demokritos wird er der Seele (psychê) gleichgesetzt, von Platon und Aristoteles als edelster Teil derselben gedacht. Platon versteht darunter die denkende Seele (logistikon), die im Haupte ihren Sitz hat, Aristoteles den Teil der menschlichen Seele, den sie vor den Tieren voraus hat. Die übrigen Teile der Seele sind nach ihm vergänglich; der nous ist präexistierend und unsterblich. - In der Geschichte der griechischen Metaphysik spielt der Nous eine wichtige Rolle: Schon Xenophanes von Kolophon (ca. 500 v. Chr.) nahm eine objektive göttliche Vernunft als Weltprinzip an. Ihm folgend, fand Anaxagoras (500-428) des Sokrates Lehrer, die bewegende und gestaltende Kraft weder mit den Hylozoisten in der Natur der Stoffe selbst, noch mit Empedokles in unpersönlichen psychischen Mächten, sondern in einem weltordnenden Geiste. Der Nous unterscheidet sich nach ihm von den materiellen Wesen durch Einfachheit, Selbständigkeit, Wissen und Herrschaft über den Stoff. Platon (427-347) definiert die weltbildende Vernunft als die schöpferische Zweckmäßigkeit in der Welt, während er die Notwendigkeitsursachen, welche nur mithelfen, als in der Materie begründet ansetzt. (Vgl. Notwendigkeit.) Aristoteles (384-322) nennt den stofflosen Geist direkt Gott, dessen Existenz er aus der Notwendigkeit eines ersten unbewegten Bewegers beweist (vgl. Beweise für das Dasein Gottes). Als solcher muß er reine Energie (purus actus), ewig, reine Form, ohne Materie, daher auch ohne Vielheit und Teile, reines Denken (nous), das sich selbst denkt, sein. Er ist also Selbstbewußtsein (noêsis noêseôs). Er bewegt, ohne zu bilden und zu handeln, selber unbewegt, als das Gute und der Zweck, dem alles zustrebt, wie der Liebende dem Geliebten. Die Welt als gegliedertes Ganzes hat ewig bestanden und wird nicht untergehn. Als Aktualität ist Gott nicht Produkt, sondern Prinzip der Entwicklung (Metaphys. 12, 6 u. 7). - Merkwürdig ist die Richtung der Neuplatoniker, die das Göttliche weder als Nous noch als Gegenstand der Vernunft (weder als nous noch als noêton) ansahen, sondern als Übervernünftiges (hyperbebêkos tên nou physin). Es verhält sich zum Nous, wie das Licht zum Auge. Die Einheit ist die Quelle und Kraft, woraus erst das Seiende stammt. So hypostasiert Plotinos (206-270) das Resultat seiner Abstraktion zu einem gesondert existierenden Wesen, hält es für ein Prinzip dessen, woraus es abstrahiert ist, und nennt es die Gottheit.

https://www.textlog.de/1862.html

 

Ontologie I

Ontologie (aus gr. on das Seiende u. logos) heißt der Teil der Metaphysik, der es mit dem Sein zu tun hat. Das Forschungsgebiet der Ontologie begegnet uns schon bei Platon (427-347), der in seiner Ideenlehre die Ideen als das wahrhaft Seiende (to ontôs on) darstellt. Mit den Prinzipien des Seins (Stoff, bewegende Ursache, Zweck, Form) beschäftigt sich ebenso Aristoteles' (384-322) »erste Philosophie« (philosophia prima); sie ist ihm die Wissenschaft vom Sein als Sein. Während sich Epikur, die Akademiker und Skeptiker nicht mit den realen Kategorien beschäftigten, schlossen sie die Stoiker, Neuplatoniker, ja fast alle Scholastiker eng an Aristoteles an. Die Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts sagten sich fast ganz von der Ontologie los; erst Chr. Wolf (1679-1754), Leibniz' Schüler, der die Philosophie deutsch reden gelehrt hat, nahm diese Disziplin wieder auf indem er die Metaphysik in Ontologie, rationale Psychologie, Kosmologie und rationale Theologie zerlegte. Die Ontologie behandelt die Eigenschaften und Arten des Seienden. Sie spricht vom Wesen, den Bestimmungen und Modis der Dinge, von Raum und Zeit, Ausgedehntem und Substanzen, Kräften und Aggregaten. Hume und Kant (1724 bis 1804) hingegen verwarfen die Ontologie ganz; an ihre Stelle hat nach Kant die Erkenntnistheorie oder Transzendentalphilosophie (s. d.) zu treten, welche den Vorrat unserer reinen Begriffe a priori einer Kritik zu unterwerfen hat. Die nachkantischen Philosophen : Fichte, Schelling, Hegel, Herbart, Schopenhauer und v. Hartmann haben jeder in anderer Weise die Ontologie aufs neue bearbeitet; ebenso Trendelenburg, Ulrici, Fichte d. J. und Lotze. Jedoch halten andere, wie Wundt, F. A. Lange, an der Verwerfung jener Disziplin fest. Vgl. Metaphysik.

https://www.textlog.de/1883.html

 

Ontologie II

Ontologie (ontologia): Wissenschaft vom Sein, vom Seienden (on) als solchem, von den allgemeinsten, fundamentalen, konstitutiven Seinsbestimmungen (=allgemeine Metaphysik, s. d.. prôtê philosophia des ARISTOTELES).

...

KANT setzt an die Stelle der früheren Ontologie die Transcendentalphilosophie (s. d.). »Die Ontologie ist diejenige Wissenschaft (als Teil der Metaphysik), welche ein System aller Verstandesbegriffe und Grundsätze, aber nur sofern sie auf Gegenstände gehen, welche den Sinnen gegeben und also durch Erfahrung belegt werden können, ausmacht, Sie berührt nicht das Übersinnliche, welches doch der Endzweck der Metaphysik ist, gehört also zu dieser nur als Propädeutik, als die Halle oder der Vorhof der eigentlichen Metaphysik, und wird Transcendentalphilosophie genannt, weil sie die Bedingungen und ersten Elemente aller unserer Erkenntnis a priori enthält« (Üb. d. Fortschr. d. Met. S. 98). - Bei J. J. WAGNER (Org. d. menschl. Erk.) ist die Ontologie das System der Kategorien. HEGEL erneuert die Ontologie, die bei ihm Logik und Metaphysik zugleich ist, als »die Lehre von den abstrakten Bestimmungen des Wesens« (Encykl. § 33)...

Rudolf Eisler, Quelle: www.textlog.de

 

P

Pathos

Pathos (pathos): Leiden, Zustand (s. d.), leidentliche Stimmung, leidenschaftliche Erregtheit, Leidenschaft (s. d.), Affekt (s. d.). ARISTOTELES stellt das pathos dem bleibenden êthos (s. Ethos) gegenüber (Eth. VII 2, 1155 b 10). Als leidenschaftliche Sehnsucht niederer Wesen nach dem Höheren erscheint das pathos bei den Gnostikern (Iren. I, 22. II, 17, 7). - Über das ästethische Pathos bemerkt SCHILLER: »Pathos ist... die erste und unnachläßliche Forderung an den tragischen Künstler, und es ist ihm erlaubt, die Darstellung des Leidens so weit zu treiben, als es, ohne Nachteil für seinen letzten Zweck, ohne Unterdrückung der moralischen Freiheit, geschehen kann. Er muß gleichsam seinem Helden oder seinem Leser die ganze volle Ladung des Leidens geben« (Üb. d. Pathet., WW. XI, 262). - Vom »Pathos der Distanz« spricht, im aristokratischen, antidemokratischen Sinne, NIETZSCHE .

https://www.textlog.de/4819.html

 

Prinzip

Prinzip (lat. principium, gr. archê = Anfang) bedeutet, allgemein genommen, den Anfang, den Ursprung, die Grundlage, die Voraussetzung irgend einer Sache. Ein Prinzip ist also ein (relativ oder absolut) Erstes, Ursprüngliches, von dem eine Reihe nachfolgender Dinge abhängig ist. (Quod in se continet rationem alterius, Chr. Wolf, Ontologie § 866.) Solche Prinzipien für die gesamte Wirklichkeit aufzusuchen, ist das Ziel der Metaphysik von ihren Anfängen bis zur Gegenwart gewesen. Thales (um 600 v. Chr.) fand das Prinzip alles Wirklichen im Wasser, Anaximandros (um 570) im qualitativ unbestimmten, quantitativ unendlichen Apeiron, Anaximenes (um 530) in der Luft, Herakleitos (um 600) im Feuer, Pythagoras (580 bis um 500) in der Zahl, Empedokles (484-424) in den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer, Leukippos (5. Jahrh. v. Chr.) und Demokritos (um 460-360) in den Atomen, Platon (427 -347) in den Ideen, Aristoteles (384-322) im Stoff, der Form, der bewegender Ursache und dem Zweck, oder im Stoff und der Form allein, die Stoiker im Stoff und in der Kraft, die Epikureer in den Atomen, die Scholastiker in Gott, Descartes (1596-1650) im Denken und in der Ausdehnung, Spinoza (1632-77) in Gott-Natur, Leibniz (1646-1716) in den Monaden, Fichte (1762-1814) im Ich, Schelling (1775-1854) im Absoluten, Hegel (1770-1831) in der logischen Vernunft, Schopenhauer (1788-1860) im Willen, v. Hartmann (1842-1906) im Unbewußten. Im engeren Sinne ist ein Prinzip ein erster Grundsatz, der eines Beweises nicht fähig ist und nicht bedarf und der eine Denknotwendigkeit für uns bildet. Sein Gegenstück ist das Axiom, d.h. ein unbeweisbarer Satz, der auf unmittelbarer Anschauung beruht (vgl. Axiom). Prinzipien in dieser engeren Bedeutung können dem Range nach entweder komparativ oder absolut sein. Komparative Prinzipien sind allgemeine Sätze, aus denen sich andere Sätze ableiten lassen, absolute Prinzipien sind die schlechthin obersten Sätze oder Regeln, die einer Ableitung zugrunde gelegt werden.

Der Beziehung nach zerfallen die Prinzipien in Realprinzipien, Kausalprinzipien, Erkenntnisprinzipien und Willenspinzipien. Realprinzipien sprechen die obersten Bedingungen des Daseins, der Wirklichkeit aus (principia essendi). Kausalprinzipien bestimmen die obersten Ursachen alles Geschehens (principia fiendi). Erkenntnisprinzipien (principia cognoscendi) umfassen die obersten Bedingungen für alle Erkenntnis, Willensprinzipien oder praktische Prinzipien (principia agendi) geben die obersten Regeln alles Handelns. Die Realprinzipien sind so mannigfaltig gestaltet worden, als es die verschiedenen metaphysischen Standpunkte verlangen (siehe oben). Das oberste Kausalprinzip lautet nach Kants Formulierung: Alles, was geschieht, setzt etwas voraus, worauf es nach einer Regel folgt. Die Erkenntnisprinzipien zerfallen in formale und materiale. Die Formalprinzipien beziehen sich auf die Form der Anordnung und der inneren Verbindung der Erkenntnisse; die Materialprinzipien bestimmen den Inhalt des Erkennens. Jene, wie den Satz der Identität, des Widerspruchs usw., stellt die Logik auf; diese hängen von dem jedesmaligen Erkenntnisgebiet ab. Je nachdem das Einzelne und Besondere, oder das Allgemeine als Ausgangspunkt der Erkenntnis dient, ist der eingeschlagene Weg der Ableitung regressiv (analytisch) oder progressiv (synthetisch). Nur im letzteren Falle können die Erkenntnisprinzipien mit den Realprinzipien sich decken, und die so gewählte Methode (s. d.) des Erkennens ist die eigentlich wissenschaftliche und konstruktive, während die entgegengesetzte nur heuristisch und propädeutisch ist. Die praktischen Prinzipien, die eine Forderung aussprechen und eine Wertbestimmung enthalten, sind entweder von allgemeiner und objektiver Geltung, wie der kategorische Imperativ Kants, oder sie gelten nur für die Person und sind subjektiv; sie heißen dann Maximen (s. d.). Was der gewöhnliche Mensch Prinzipien nennt, sind meist nur Maximen, die keineswegs als Prinzipien brauchbar sind. (Vgl. Überweg, System der Logik § 139. Schopenhauer, über d. vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde. Rudolstadt 1813.) Die Lehre von den Prinzipien im engeren Sinne hat mit der Entwicklung der Logik Schritt gehalten. Platon (427 bis 347) stellte den Begriff der archê auf und forschte über den progressiven und regressiven Weg (Arist. Eth. Nicom. I, 2. p. 1095 a 32 eu gar kai Platôn êporei touto kai ezêtei, poteron apo tôn archôn ê epi tas archas estin hê hodos hôsper en tô stadiô apo tôn athlothetôn epi to peras ê anapalin). Aristoteles (384-322) unterscheidet die verschiedenen Arten der Prinzipien, des Seins, des Werdens und des Erkennens, und nennt als solche Natur, Element, Gedanke, Entschluß, Wesen und Zweck: pasôn men oun koinon archôn tôn to prôton einai, hothen ê estin ê gignetai ê gignôsketai; toutôn de hai men enyparchousai eisin, hai de ektos. dio hê te physis archê kai to stoicheion kai hê dianoia kai hê prohairesis kai ousia kai to hou heneka. (Aristot. Metaph. IV, 1 p. 1013 a 17 ff.) Kant (1724-1804) verstand unter Prinzipien synthetische Erkenntnisse aus Begriffen und schied zwischen theoretischen und praktischen Prinzipien. Jene geben die Bestimmung der Natur nach Begriffen, diese die Bestimmungen unserer freien Handlungen durch allgemeine Begriffe. (Kant, Kr. d. r. V. S. 298 ff.) Prinzip aller menschlichen Erkenntnis ist für Kant die transzendentale synthetische Einheit der Apperzeption einerseits und die sinnliche Empfindung andrerseits, Prinzip der Natur das Kausalitätsgesetz, Prinzip alles Handelns der kategorische Imperativ und Prinzip der Kunst- und Naturbetrachtung im einzelnen das (nur regulative, nicht konstitutive) Gesetz der Zweckmäßigkeit.

https://www.textlog.de/1953.html

 

Qualität

Qualität (lat. qualitas von qualis = wie beschaffen, gr. poiotês), d.h. Beschaffenheit, wird Dingen, Begriffen und Urteilen zugeschrieben. Die Qualitäten eines Dinges sind seine durch die Sinne in der Empfindung erfaßten Eigenschaften, wie Licht, Farbe, Geruch, Geschmack, Wärme, Kälte, Härte usw. Die philosophische Besinnung führt aber zu der Erkenntnis, daß diese Qualitäten nur in der Empfindung des Subjektes existieren und dem Dinge ohne Beziehung auf ein erkennendes Bewußtsein abzusprechen sind. Diese Erkenntnis drang schon im Altertum bei den Atomisten durch. In der Neuzeit ist sie einer der Grundgedanken der Physik, welche die Qualitäten auf quantitative Verhältnisse zurückführt. Ihren philosophischen Ausdruck fand sie durch Locke (1632 -1704), der die Qualitäten sekundäre, die Quantitäten primäre Eigenschaften nennt. Bei Kant (1724-1804), der alle räumlichen und zeitlichen Verhältnisse für subjekiv hält, hat dieser Unterschied Lockes keinen Platz. Er setzt aber Quantität und Qualität als extensive und intensive Größe einander gegenüber. Qualität als Kategorie a priori ist ihm also dasjenige, was sich an jeder Empfindung, als Empfindung a priori erkennen läßt. (Kr. d. r. V. S. 166 ff.) - Die Qualitäten eines Begriffs sind seine Merkmale, die seinen Inhalt ausmachen. Man denkt einen Begriff logisch genau, wenn man sich nach seiner Qualität richtet. - Bei Urteilen nennt man gewöhnlich das Verbindungsverhältnis zwischen Subjekt und Prädikat Qualität. Die Urteile sind demgemäß der Qualität nach bejahende oder verneinende (auch limitierende). Dieser Begriff der Qualität ist nur ein Beziehungsbegriff und hat mit dem sonstigen Begriff der Qualität nichts gemein.

https://www.textlog.de/905.html

 

Realität

Realität (mlat. realitas v. lat. res) heißt Sachlichkeit, Wirklichkeit; Realität bedeutet in der Metaphysik das Dasein eines von uns Vorgestellten. In der Logik bezeichnet Realität soviel als Bejahung im Gegensatze zur Negation. Kant (1724-1804) stellt der objektiven Realität, d.h. der Beziehung einer Erkenntnis auf einen Gegenstand, die subjektive gegenüber, d.h. die Gültigkeit einer Erkenntnis für die menschliche Vernunft. Empirisch nennt er die Realität eines Gegenstandes, welcher unseren Sinnen gegeben ist, transzendental die eines solchen, dessen Begriff an sich selbst ein Sein in der Zeit anzeigt.

https://www.textlog.de/1978.html

 

Reich

Reich heißt die oberste systematische Einheit verschiedener Wesen durch gemeinschaftliche Gesetze. So spricht man von dem Naturreich, wenn die bestimmenden Gesetze Naturgesetze sind; Reich der Zwecke nennt Kant (1724-1804) dagegen dasjenige Reich, dessen Gesetze die Beziehung der Wesen desselben als Zwecke und Mittel zur Absicht haben, also die moralische Welt. Dem Reiche der Natur steht auch das Reich der Gnade oder das Reich Gottes gegenüber; jenes bezeichnet die Menschen, sofern sie nur durch physische und soziale Gesetze zusammengehalten werden, dieses sofern sie Gott als dem höchsten Gesetzgebergehorchen. Vgl. höchstes Gut. Kant, über den Gebrauch teleologischer Prinzipien in der Philosophie. Teutscher Merkur 1788. Januar und Februar.

https://www.textlog.de/2001.html

 

Rhythmus

Rhythmus (gr. rhythmos) heißt die taktmäßige und abgemessene Bewegung, bei der im Wechsel miteinander in gleichen Zeitabständen gleiche Zustände oder Vorgänge wiederkehren. Die Körperbewegungen des Menschen verlaufen zum Teil rhythmisch, so von den physischen die Herz- und Atembewegung, von den psychophysischen die natürliche Gangbewegung. Dem Menschen wohnt daher ein natürliches Wohlgefallen am Rhythmus inne, und es ist für ihn ein Bedürfnis, anhaltende gleichmäßige Bewegungen rhythmisch zu gliedern. So arbeiten Schmiede, Steinsetzer, Drescher, Ruderer usw. am liebsten nach dem Takte; ebenso marschiert man flotter nach Musik oder Gesang. Selbst dem Geräusch schieben wir gern rhythmische Form unter, teils weil diese die Auffassung erleichtert, teils weil sie dem Interesselosen Interesse verleiht. Besonders aber verwendet den Rhythmus die Musik und die Poesie; hier ist er der regelmäßige Wechsel der in Zeitdauer und Tonstärke verschiedenen Töne und Silben. Verbindet sich hiermit auch regelmäßiger Wechsel der Tonhöhen, so geht der Rhythmus in die Melodie über. - Es gibt auch einen Rhythmus der Gefühle, der in dem regelmäßigen und dadurch wohlgefälligen Fluß derselben besteht.

https://www.textlog.de/2003.html

 

schön

schön heißt im weiteren Sinne dasjenige, was unser geistiges Wohlgefallen erregt, ohne unsere Begierden zu reizen; es gefällt durch die Einheit in der Mannigfaltigkeit, die Harmonie seiner Teile, durch seine scheinbare Zweckmäßigkeit, ohne daß es selbst für anderes direkt als Mittel diente. In ihm erscheint den höheren Sinnen erfaßbar das eigentümliche Innerste Wesen, der Dinge, befreit von den störenden Zufälligkeiten. Beim Schönen ist also die sinnliche Form durchaus von der geistigen Idee bestimmt. Schon im engeren Sinne heißt die völlige Durchdringung des Geistigen und Sinnlichen; im Komischen dagegen wird das Geistige, vom Sinnlichen überragt, im Erhabenen das Sinnliche vom Geistigen; das Häßliche ist die rohe, geistverlassene Sinnlichkeit. Alles Schöne erbebt den Menschen über sein persönliches Interesse zur Objektivität der Idee; denn diese tritt ihm im Schönen der Natur und der Kunst derartig entgegen, daß er zum selbst und willenlosen Betrachter wird. Der Sinn für das Schöne heißt Geschmack. Der Geschmack findet das Schöne zunächst in der Natur vor. Das Schöne der Natur (s. Naturschönheit), ist die erste und vorbildliche Stufe der Schönheit; die Kunst, die Fähigkeit, das Schöne zu schaffen, sucht diese in bewußter Tätigkeit zu überbieten. Mit der Wissenschaft hat die Kunst gemein die Darstellung des Wesens der Dinge, der Wahrheit, nur daß die Wissenschaft diese begrifflich, die Kunst sie anschaulich darstellt. Auch idealisiert die Kunst das Natürliche, d.h. sie faßt das in der Wirklichkeit Zerstreute zusammen und legt andrerseits das Verworrene übersichtlich auseinander, erhöht, und veredelt sein Wesen. Die Wissenschaft vom Wesen des Schönen heißt Ästhetik (s. d.). - Da aber; die Idee des Schönen bei den verschiedenen Völkern und in den verschiedenen Zeiten gewechselt hat, so wechselt auch die Erscheinung des Schönen in den verschiedenen Zeiten. Deshalb hat die Ästhetik (s. d.) auch die Kunstgeschichte zu berücksichtigen und ihre eigene Methode empirisch zu gestalten, was sie nicht immer getan hat.

 Platon (427-347), der nur Ansätze zu einer Ästhetik geschaffen hat, trennt das Schöne nicht vom Guten und verlegt es in die Idee; Aristoteles (384-322) setzt die Schönheit in die Ordnung, Symmetrie, Begrenztheit, Einheit und Ganzheit, also in die Form des schönen Gegenstandes. Nach Plotinos (205-270) besteht sie nicht in der bloßen Form, sondern in der Herrschaft des Höheren über das Niedere, der Ideen über den Stoff, der Seele über den Leib, der Vernunft und des Guten über die Seele...

Kant (1724-1804) nennt schön den Gegenstand eines allgemeinen notwendigen interesselosen Wohlgefallens, welches durch das subjektiv Zweckmäßige hervorgerufen ist. Schiller (1759-1805) definiert das Schöne als Freiheit in der Erscheinung und findet es da, wo Vernunft und Sinnlichkeit übereinstimmen. Nach Schelling (1775 -1854) ist das Kunstwerk die Darstellung des Ewigen oder Unendlichen im Endlichen, die Harmonie des Bewußten und Bewußtlosen, des Freien und Notwendigen, von Natur und Geist, Realem und Idealem. Hegel (1770-1831) definiert es als das Absolute in sinnlicher Existenz, die Wirklichkeit der Idee in der Form begrenzter Erscheinung. Auf dem Verhältnis der Idee zum Stoffe - dem Überwiegen der Erscheinung - dem Gleichgewicht von Idee und Erscheinung - dem Überwiegen der Idee - beruht der Unterschied der symbolischen, klassischen und romantischen Kunst...

https://www.textlog.de/2035.html

 

Sein

https://www.textlog.de/5177.html

https://www.textlog.de/5179.html

https://www.textlog.de/5176.html

https://www.textlog.de/5175.html

https://www.textlog.de/5178.html

 

Sinn

Sinn bezeichnet allgemein 1. objektiv a) theoretisch den Inhalt eines Wortes, einer Rede, eines Kunstwerkes, einer Dichtung, so z.B. in dem Satze Schillers: »Was ist der langen Rede kurzer Sinn?« (Piccol. 1, 2); b) praktisch die Bedeutung oder den Zweck einer Handlungsweise, z.B. »Ein hoher Sinn liegt oft im kind'schen Spiel«. 2. subjektiv a) theoretisch die Empfänglichkeit und das Verständnis eines Menschen für Wissenschaft und Kunst, Natur usw.; so redet man z.B. von einem Sinn für die Malerei, Musik usw.; b) praktisch die Gesinnung oder Stimmung des Menschen; so spricht man von einem heiteren, ernsten, leichten, bescheidenen Sinne. - Im besondern bezeichnet Sinn (sensus) nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch die Fähigkeit beseelter Wesen mit Hilfe bestimmter leiblicher Organe Reize von außen zu empfangen dieselben, durch die Nerven zu den Zentren fortzuleiten und zu bewußten Empfindungen und Gefühlen zu gestalten. Die sogenannten Sinne sind also die Hilfsmittel, durch die den Seelen Erfahrungsinhalte zugeführt werden. Der Mensch hat nach gewöhnlicher Annahme fünf Sinne: 1. den allgemeinen Sinn oder den Tastsinn; und die besonderen Sinne, nämlich: 2. das Gehör; 3. den Geruch; 4. den Geschmack; 5. das Gesicht. Durch diese Sinne empfängt er die Elemente der Erfahrungsinhalte, die Empfindungen, wie Wärme, Kälte, Schmerz, Ton, Licht usw. Dies geschieht, indem ein Gegenstand, ein Vorgang auf das Sinnesorgan einen Reiz ausübt, dieses den Reiz aufnimmt, die Nerven denselben fortpflanzen und der Reiz so fortgepflanzt im Nervenzentrum zu einem Bewußtseinsvorgang wird. Bei der Aufnahme des Reizes findet entweder keine Umgestaltung des Reizes statt, oder es vollzieht sich eine Transformation in den Endorganen der Nerven. Man unterscheidet daher (nach Wundt) die mechanischen Sinne, bei denen eine Umgestaltung nicht nachweisbar ist, nämlich den allgemeinen Sinn (Tastsinn) und das Gehör von den chemischen Sinnen, dem Geruch, dem Geschmack und dem Gesicht, bei denen eine solche Umgestaltung Platz greift.

 Die Sinnesempfindungen unterscheiden sich erstens durch ihren Inhalt (Qualität). Dem allgemeinen Sinne oder dem Gefühle kommen vier Qualitätssysteme zu. Diese sind: 1. das System der Druck- oder Tastempfindungen, 2. das System der Kälte-, 3. das System der Wärme-, 4. das System der Schmerzempfindungen. Das Gehör besitzt der Qualität nach 1. Geräusch -, 2. Tonempfindungen. Der Geruch und der Geschmack schließen eine größere Anzahl der Qualität nach verschiedener Empfindungssysteme, deren Sonderung noch nicht genügend erfolgt ist, in sich ein. Die Empfindungen des Gesichts sind entweder farblose Empfindungen oder Farbenempfindungen. Die Verschiedenartigkeit der Qualität der Empfindungen der einzelnen Sinne erklärte man sich seit Joh. Müller aus ihrer »spezifischen Energie«, d.h. aus der Anlage, nur gewisse Reize aufzunehmen. Jeder Sinn führt hiernach gleichsam seine eigene Sprache, in welcher er auf die verschiedensten Reize antwortet, während ein und derselbe Anlaß in jedem Sinn eine andere Empfindung weckt. Lichtempfindungen liefert nur der Sehnerv, gleichgültig, ob er durch Licht, Stoß oder Elektrizität gereizt wird. Ein Schlag auf die Haut erzeugt Schmerz, auf das Auge Licht, auf das Ohr Geräusch. Ein elektrischer Strom wird von der Zunge als Geschmacksempfindung, vom Auge als Lichtreiz, vom Ohr als Schall wahrgenommen. Die Lehre von der spezifischen Energie der Sinne ist namentlich von Du Bois-Reymond und v. Helmholtz ausgebildet, aber von Wundt, vor allem im Hinblick auf die Tatsache der Stellvertretung nervöser Bahnen, bestritten worden, der ihr Vorhandensein leugnet oder ihre Ausbildung sich erst während des Lebens durch spezifische Reize erworben denkt. Herings Ansicht, daß eine spezifische Sinnesenergie zwar nicht ursprünglich gegeben, aber in der Stammesentwicklung erworben und vererbt ist, hat die Wahrscheinlichkeit für sich.

 Die qualitativ bestimmte Sinnesempfindung tritt in verschiedener Stärke auf. Den Sinnesempfindungen kommt also zweitens neben der Qualität eine Intensität zu. Die Intensität der einzelnen Empfindung ist unmittelbar von der Art der Reize und den Sinnesorganen abhängig (vgl. Webersches Gesetz). Der Wechsel in der Intensität ist entweder eine Zunahme oder Abnahme der Stärke der Empfindung, so daß die Intensitätsgrade jeder Empfindung geradlinige Kontinuen von einer Dimension bilden, deren Endpunkte die Minimal- und Maximalempfindungen sind. Außer durch ihre Qualität und Intensität unterscheiden sich die Sinnesempfindungen noch durch ihren Gefühlston. Der Gefühlston ist von den äußeren Reizen weniger abhängig und steht zu dem jedesmaligen Gesamtzustande des Bewußtseins in engerer Beziehung.

 Uns bekannte Organe für die sinnliche Empfindung haben außer dem Menschen nur die Tiere, und zwar je höher sie stehen, desto feinere. Der Mensch überragt alle Tiere auch in dieser Hinsicht, weil alle seine Sinne große Empfänglichkeit zeigen und weil kein einzelner Sinn dergestalt über die anderen herrscht, daß Umfang und Richtung menschlicher Erfahrung und die damit zusammenhängende Bildung des Gedankenkreises einseitig bestimmt würde. Aristoteles (384-322) setzte des wegen auch die Sinne mit den Elementen in Parallele, das Gesicht mit dem Wasser, das Gehör mit der Luft, den Geruch mit dem Feuer, das Gefühl mit der Erde. Ähnlich lehrte Schopenhauer (1788-1860), der Sinn für das Feste (Erde) sei das Gefühl, für das Flüssige (Wasser) der Geschmack, für das Dampfförmige (Dunst) der Geruch, für das permanent Elastische (Luft) das Gehör, für das Imponderabile (Feuer, Luft) das Gesicht.

 Mit den sinnlichen Empfindungen verbinden sich die Vorstellungen der Gestalt, Größe, Lage, Entfernung, Folge, der Verknüpfung zur Einheit (genannt »Ding«), der Identität den Dinges und seiner Veränderungen. Der naive Beobachter glaubt, daß diese Vorstellungen unmittelbar in der einfachen sinnlichen Empfindung liegen. Die Psychologie dagegen zeigt, wie erst aus einer komplizierten psychophysischen Tätigkeit diese Elemente der Vorstellungen entstehen, und widerlegt so den Materialismus. Zur Erklärung jener Vorstellungsformen nahm Aristoteles (384-322) einen besonderen Sinn, den Gemeinsinn (koinê aisthêsis sensus communis, s. Gemeingefühl) an, der dasjenige wahrnehme, was, wie z.B. der Raum, den übrigen Sinnen gemein sei. Kant (1724-1804) reduzierte die Formen der Sinnlichkeit auf Raum und Zeit. Die moderne Psychologie dagegen weist nach, daß ohne Assoziation, und Reproduktion der einzelnen sinnlichen Reize gar keine Wahrnehmung zustande kommen könnte.

 Der Anteil der einzelnen Sinne an unserer Erkenntnis und der Wert ihrer Tätigkeit für das menschliche Leben ist verschieden. Der Geruch und Geschmack dienen der Auswahl bei unserer Ernährung, Gesicht und Tastsinn bringen uns das Räumliche zur Anschauung, das Gehör gibt uns die Grundlage für die Vorstellung der Zeit. Vor allem ausgezeichnet durch Klarheit, Deutlichkeit, Reichtum und Weite der Wahrnehmungen ist das Gesicht; von ihm hat daher der Sprachgebrauch die Bilder für Vollkommenheit der Erkenntnis entlehnt (Evidenz, Anschaulichkeit, Einsicht), und auf optische Wahrnehmung wird die der anderen Sinne gern zurückgeführt. Das Gesicht allein verbindet uns mit dem gesamten Kosmos, während das Gehör uns unmittelbar nur mit der nächsten irdischen Umgebung verbinden kann, oder mit Hilfe von Instrumenten (Telephon usw.) auch mit weiteren Fernen, doch nicht über die Erde hinausführt. Alle einzelnen Wahrnehmungen zusammen ergeben die sinnliche Anschauung oder Erfahrung, welche die Voraussetzung aller höheren seelischen Tätigkeit ist. In den ersten neun Lebensjahren sind die Sinne am empfänglichsten. Der Mensch macht in ihnen die meisten sinnlichen Erfahrungen; später herrscht die apperzeptive Verbindung der Wissenselemente vor. Vgl. Bewußtsein, Ich, Apperzeption, Wahrnehmung. - George, die fünf Sinne. 1846. Preyer, die fünf Sinne des Menschen. Leipzig 1870. Wundt, Grundriß der Psych. 7. Aufl. 1905. S. 45-106 § 6,7.

https://www.textlog.de/2067.html

 

Sophist

Sophist (gr. sophistês) hieß ursprünglich bei den Griechen jeder denkende Mensch, der sich durch seine Beschäftigung mit geistigen Dingen über das praktische Alltagsleben erhob. Sophisten waren also geistig Gebildete, nicht bloß Weise, Philosophen, sondern auch Dichter, Künstler, Ärzte usw. Seit Sokrates (469-399) aber änderte sich der Sprachgebrauch: mit dem Überhandnehmen des Parteihaders und der Aufklärung waren Männer willkommen, welche den Einzelnen durch Bildung und Redefertigkeit befähigten, sich im öffentlichen Leben geltend zu machen. Das taten die Sophisten. Daher genossen sie hohes Ansehen und wurden gut bezahlt. Sie trugen vorzüglich dazu bei, ihre Zeitgenossen gebildet, selbständig und aufgeklärt zu machen. Freilich erregte es auch Anstoß, daß sie Bezahlung nahmen; der Dünkel einzelner unter ihnen, die Prahlerei mit Kenntnissen und Beredsamkeit, die dreiste Rechthaberei und Betonung der Form stieß ernstere Männer ab, zumal manche Sophisten charakterlose Menschen waren. Daher wurden sie von Sokrates, Platon und Aristoteles als verschmitzte Menschenjäger und feile Mäkler mit Kenntnissen geschildert, die durch Trugschlüsse den Verstand verwirrten und statt wahrer Wissenschaft nichtige Scheinweisheit verbreiteten. Aus der Masse der Sophisten heben sich aber als wirkliche Philosophen ab: Protagoras aus Abdera, Gorgias aus Leontini, Hippias aus Elis und Prodikos aus Keos. Der gemeinsame Zug ihrer Philosophie liegt in der Ablenkung der Forschung von der Natur auf das Ich und in dem Gedanken, daß das einzelne Ich Richter über das Wahre und Gute sei. Protagoras (480 bis 410) lehrte, daß der Mensch das Maß der Dinge sei, der seienden, daß sie sind, der nichtseienden, daß sie nicht sind (pantôn chrêmatôn metron anthrôpos, tôn men ontôn hôs estin, tôn de ouk ontôn hôs ouk estin, Diog. Laert. IX, § 51), Gorgias (ca. 483-375) behauptete, daß überhaupt nichts sei, oder wenn etwas sei, daß es nicht erkannt, oder wenn es erkannt, daß es nicht mitgeteilt werden könnte (Sextus Emp. adv. Math. VII, 65 ff.). Hippias (um 430) sprach aus, daß das Gesetz ein Tyrann der Menschen sei und sie zu vielem wider ihre Natur zwinge (ho de nomos tyrannos ôn tôn anthrôpon polla para tên physin biazetai Plat. Prot. p. 337 D). Prodikos (um 430) betrieb praktische Sittenlehre, indem er Mythen allegorisch ausdeutete. Vgl. Wecklein, die Sophisten. 1865. Schanz, die Sophisten. 1867.

https://www.textlog.de/2074.html

 

Sprache

Sprache heißt im weiteren Sinne jede Mitteilung innerer Zustände eines lebenden Wesens an andere durch Ausdrucksbewegungen oder Zeichen. So gibt es eine Gebärden-, Mienen-, Augen- und Lautsprache. Insoweit haben nicht nur Menschen, sondern auch manche höher organisierte Tiere eine Sprache. Im engeren Sinne ist aber Sprache die Äußerung und Mitteilung von Gefühlen, Gedanken und Willensregungen durch artikulierte Laute, Wörter und Wortverbindungen. Eine solche völlig entwickelte Lautsprache besitzt nur der Mensch, der in der Fähigkeit aktiver Apperzeption das Tier übertrifft, und bei dem die Verbindung der Stimm- und Gehörsnervenfasern innerhalb des Zentralorgans eine höher entwickelte als bei den Tieren ist. Die Lautsprache ist dem Menschen nicht angeboren, nicht also ein Geschenk Gottes, auch nicht von den Menschen erfunden, nicht also ein beabsichtigtes Werk des Menschen, sondern sie ist ein notwendiges Entwicklungsprodukt seines Geistes, das, einmal entstanden, zugleich auch das wichtigste Werkzeug der Ausbildung seiner Gedanken geworden ist. Die Frage nach dem Ursprung der Sprache kann durch historische Forschung nicht zur Beantwortung gebracht werden. Sie muß vielmehr aus der Wirksamkeit derjenigen Faktoren gelöst werden, die auch jetzt noch in der lebendigen Sprache tätig sind. Die Sprache ist zunächst ein psychophysisches Gebilde. Sie entwickelt sich nur bei Menschen, die den Gehörsinn besitzen. Der Taubgeborne lernt, trotzdem ihm die physische Fähigkeit dazu nicht abgeht, nicht auf natürliche Weise sprechen, weil er nicht hören kann. Das Gehör ist also die psychische Vorbedingung der Sprachentstehung. Sprache ist die von Menschen produzierte und zugleich gehörte Summe von Lautvorgängen. Der Zusammenhang zwischen Gehör und Sprachvermögen ist ein um so wertvolleres Moment der menschlichen Organisation, als ein gleicher Parallelismus für das Gesicht nicht existiert. Licht und Farben, die wir sehen, können wir mit unsern Organen nicht hervorbringen. In der Lautsprache verbinden sich Laut und Bedeutung miteinander. Die Urschöpfung der Sprache ist also die Verbindung des Lautes mit der Bedeutung; aber zur Sprache wird diese Verbindung erst dadurch, daß sie von dem Sprechenden festgehalten und reproduziert und von anderen verstanden und gleichfalls reproduziert und so zu etwas Bleibendem und Wiederkehrendem wird. Die ersten Sprachlaute sind Reflexe, Trieb- und Ausdrucksbewegungen, Äußerungen, bei denen Gefühl und Anschauung noch innerlich verbunden sind. Die Sprache ist auf dieser Stufe pathognomischer Affektausdruck, also wesentlich interjektional (pathognomische Sprachperiode). Der Laut hat aber ferner in diesem Entwicklungspunkte eine innere Verwandtschaft zu dem, was ihn hervorgerufen hat. Die Lautbedeutung ist daher Onomatopöie, Nachahmung eines Schalls oder natürliche Wiedergabe der Empfindung eines anderen Sinnes durch eine verwandte Klangbildung. Nachdem für den Sprechenden eine solche Verbindung zwischen dem Laut und der Bedeutung entstanden ist, ist ihre Reproduktion seitens des Sprechenden bei Wiederkehr gleichen Anlasses nach dem Gesetze der Assoziation verständlich; und ebenso ist für den Hörenden, der dieselbe Ursache der Verbindung des Lautes mit seiner Bedeutung miterlebt, das Verständnis und die Möglichkeit der Reproduktion gegeben. So entstehen die ursprünglichsten Bestandteile der Sprache, die Sprachwurzeln, die zunächst nur Sinneswahrnehmungen bezeichnen können. Aus sinnlicher Bedeutung werden aber dann allmählich andere verwandte Bedeutungen gebildet, und es entwickelt sich, wobei sich das ursprüngliche Verhältnis zwischen Laut und Bedeutung natürlich löst, aus dem Konkreten das Abstrakte, indem eine Vorstellung durch die andere bereits vorhandene apperzipiert wird. Diese Stufen der etymologischen Sprachentwicklung und des Sprachgebrauchs, in denen Bedeutungswandel und Lautwandel die Lebensprozesse der Sprache sind, geben ihr erst den Reichtum an Worten und Bezeichnungen, dessen sich die entwickelten Sprachen erfreuen, machen aber das Wort zu einem mehr willkürlichen Zeichen des Gedankens. Und weiter bilden einzelne Sprachen durch Zusammensetzung, Ableitung und Flexion, wobei wiederum Laut und Bedeutungswandel innig ineinandergreifen, den Ausdruck syntaktischer Beziehungen heraus, und es entsteht auf der Stufe des grammatischen Baues aus der Sprache die Möglichkeit, logische Beziehungen bequem zu denken und darzustellen. So muß die Sprache als Produkt der geistigen Entwicklung des Menschengeschlechts gelten, und Sprachforschung und Psychologie stehen in engster Verbindung miteinander.

 Die geschichtliche Entwicklung der menschlichen Sprache hat bisher nicht zu der Herrschaft einer Gemeinsprache geführt. Nur eine Reihe von Einzelsprachen und Sprachfamilien sind im Laufe der Kulturentwicklung entstanden. Der Form nach unterscheidet man unter ihnen isolierende oder einsilbige Sprachen (z.B. das Chinesische), d.h. solche, die nur Wurzeln besitzen und die Beziehungen derselben nicht zum Ausdruck bringen, agglutinierende Sprachen (z.B. die finnisch-tatarischen Sprachen), d.h. solche, die den Ausdruck für Beziehungen durch Anfügung (Nachsetzung, Vorsetzung, Hineinsetzung) der Beziehungslaute an die Wurzel besitzen, und flektierende Sprachen (z.B. das Indogermanische), d.h. solche, in denen der Ausdruck der Beziehung sowohl durch Anfügungen als durch innere Veränderungen der Wurzeln erfolgt. Die Erforschung der Sprache beginnt mit den Griechen; doch haben diese sich auf die eigene Sprache beschränkt und, indem sie wesentlich den logischen Gehalt der Sprache erfaßten, nur die Terminologie für die Redeteile geschaffen, in denen sie fälschlich auch zugleich die Satzteile sahen. Die Anfänge der griechischen Sprachforschung liegen bei den Sophisten (5. Jahrh. v. Chr.), von Bedeutung war Aristoteles (384; - 322), der Abschluß fällt den Stoikern zu. Die Römer haben die griechische Terminologie auf die lateinische Sprache angewandt und, zum Teil mit groben Mißverständnissen, ins Lateinische übersetzt. In der Neuzeit ist die griechisch-römische Terminologie auf alle europäischen Sprachen übertragen worden. Neue Prinzipien in der Sprachforschung tauchen nach den Griechen erst gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts bei den Deutschen auf. Es entsteht die philosophisch- historische Sprachwissenschaft. An der Spitze derselben steht Herders (1744 bis 1803) Abhandlung über den Ursprung der Sprache (verfaßt 1770), in der er nachwies, daß der Mensch kraft des Charakters seiner Gattung, der Merkmale suchenden Besonnenheit, unterstützt von der ihn tönend umgebenden Natur, sich notwendig Sprache und Poesie habe erschaffen müssen. Eine umfassende Sprachphilosophie schuf dann Wilhelm von Humboldt (1767-1835) auf der Grundlage historischer Kenntnis der verschiedensten Sprachen und der Kantischen Philosophie. Ihm ist die Sprache der sich offenbarende und mitteilende menschliche Geist, der Übergang vom Geist zur Erscheinung, kein Werk, sondern Energie, in der der ganze Mensch energiert, und ihm dient die Sprachwissenschaft dazu, eine Charakteristik des Menschen bezüglich seiner idealen Fähigkeit und realen Leistung zu geben. Sein Hauptwerk ist das Werk über die Kawisprache, mit seiner Einleitung über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts (erschienen 1836-1839). Die von Humboldt geschaffene Sprachphilosophie hat ihre Fortsetzer in Steinthal und Lazarus gefunden (vgl. Völkerpsychologie).

 Während W. v. Humboldt die neuere Sprachphilosophie begründete, erforschte Jacob Grimm (1785-1863) die historische Entwicklung der germanischen Sprachen und gab in seiner Deutschen Grammatik (seit 1819) das erste Beispiel einer geschichtlichen Behandlung des Sprachstoffes, und um dieselbe Zeit widmete sich Franz Bopp (1791-1867) dem Sprachstudium mit der Absicht, hierdurch in das Geheimnis des menschlichen Geistes einzudringen. Er wurde der Schöpfer der Sprachvergleichung und lieferte für den indogermanischen Sprachstamm den Nachweis der Verwandtschaft der einzelnen Sprachen und zugleich den ersten Nachweis der Entstehung grammatischer Formen. Was z.B. Deklination und Konjugation ist, hat Bopp zuerst im Wesen aufgehellt. Sein Hauptwerk, die vergleichende Grammatik (1. Aufl. 1833-1852, 2. Aufl. 1856-1861, 3. Aufl. 1868), hat den tiefsten Einfluß auf die Sprachforschung im 19. Jahrhundert ausgeübt, obwohl anfangs die klassische Philologie sich in grober Kurzsichtigkeit und Parteilichkeit gegen die Sprachvergleichung feindselig verhielt. Die von W. v. Humboldt, J. Grimm und Bopp gegebenen Gesichtspunkte der Sprachforschung sind anfangs gesondert voneinander, dann zusammenwirkend, die Linien geworden, auf denen sich alle Sprachwissenschaft fortentwickelt hat. Dominierend ist die historisch-vergleichende Behandlung der Sprachen; aber auch die philosophische Grundlegung, freilich befreit von den Fesseln einseitiger Metaphysik, ist nicht zu entbehren und bildet heute kaum noch einen Gegensatz zur historischen Richtung. Kräftig einwirkend ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den neu gewonnenen Gesichtspunkten der Forschung der phonetische hinzugetreten, der erst der natürlichen Seite der Sprache die volle Aufmerksamkeit zugewandt hat. Von diesem Standpunkte aus betrachtet man die Laute darauf hin, wie sie akustisch wirken und wie sie durch die Artikulationsorgane hervorgebracht werden, und erklärt die Veränderungen in der Sprache aus den Modifikationen der Stellung der Sprachwerkzeuge. Man faßt daher die Sprachgesetze als Naturgesetze auf. Die Phonetik hat ihre wichtigsten Vertreter in Brücke (Grundzüge der Physiologie und Systematik der Sprachlaute. 1856), Merkel (Physiologie der menschlichen Sprache. 1866), Rumpelt (das nat. System d. Sprachlaute. 1869), G. Michaelis der zuerst an der Berliner Universität sprachphysiologische Vorlesungen hielt (Zeitschrift für Stenographie und Orthographie. 1853 ff.), Bell (Sounds and their relations. 1882; Visible Speech. 1867), Scherer, zur Gesch. d. deutschen Sprache, Trautmann (Sprachlaute. 1884-86), Sievers (Phonetik. 1876, 3. Aufl. 1885), Sweet (Handbook of Phonetics. Oxford 1877) usw. gefunden. Aber auch der phonetische Gesichtspunkt ist nur eine Seite, und zwar nicht die höchste der Sprachbehandlung und hat sich den anderen beizuordnen, nicht überzuordnen, was ihm in der Gegenwart noch nicht immer gelingen will. Vgl. Steinthal, Abriß der Sprachwissenschaft. 1872 ff.; Whitney, die Sprachwissenschaft (übersetzt von Jolly. 1874); L. Geiger, Ursprung und Entwicklung der menschlichen Sprache und Vernunft. 1868; Bleek, über den Ursprung der Sprache. 1868; Marty, über den Ursprung der Sprache. 1876; Noiré, der Ursprung der Sprache. 1887; H. Paul, Prinzipien der Sprachgeschichte, 3. Aufl., 1898; H. Oertel, Lectures on the Study of Language. 1901; K. Bruchmann, die neueste Sprachphilosophie (Preuß. Jahr., Bd. XLI, S. 409-420); Wundt, Grundriß d. Psychol. 1905 § 21, 3. S. 367 ff.

https://www.textlog.de/2083.html

 

Synthesis

Synthesis (gr. synthesis) oder Synthese, eigentlich Zusammenstellung, Verknüpfung, Verbindung, ist das Gegenteil von Analysis (s. d.). Die Synthesis besteht in der unwillkürlichen oder willkürlichen Verknüpfung, die bei der Auffassung und Verarbeitung der sinnlichen Erscheinungen und unserer eigenen Seelenvorgänge stattfindet, wenn wir die Empfindungen zur Einheit der Anschauung und die Mannigfaltigkeit der einzelnen Merkmale zur Einheit des Begriffs verbinden. Darum hat Kant das Ich die transzendentale synthetische Einheit der Apperzeption (s. d.) genannt; denn in ihm verschmelzen sich alle Empfindungen, Vorstellungen, Gefühle und Bestrebungen des einzelnen Menschen zur Bewußtseinseinheit. Das Maß der Aktivität bei den einzelnen Synthesen (ob Assoziation oder Apperzeption) zu bestimmen, ist Aufgabe der Psychologie. Eine Synthesis findet bei der Wahrnehmung, bei der Reproduktion, bei der Betätigung des Gedächtnisses und der Phantasie statt. Am meisten entwickelt sie sich aber beim wissenschaftlichen Denken, d.h. bei der Bildung von Begriffen, Urteilen und Schlüssen. - Eine synthetische Erklärung ist dann möglich, wenn die Merkmale vor dem Begriffe, zu welchem sie verknüpft werden, bekannt sind und die Art ihrer Verknüpfung unzweifelhaft ist. Hier wird also der Begriff durch das zusammenfassende, konstruktive Denken (z.B. in der Mathematik) erst geschaffen, während die fertig und verbunden gegebenen empirischen Begriffe nur der analytischen Verdeutlichung, d.h. der Zerlegung in ihre Merkmale, unterliegen. - Ein Urteil heißt synthetisch, wenn sein Prädikat nicht schon, wie beim analytischen, im Subjekt liegt. So ist (nach Kant) z.B. ein analytisches Urteil: »Alle Körper sind schwer«, ein synthetisches: »Jede Veränderung hat eine Ursache.« Analytische Urteile erläutern, synthetische erweitern unsere Erkenntnis. Hängt das synthetische Urteil von der Erfahrung ab, so ist es ein synthetisches a posteriori; geht es aus der Vernunft hervor, so ist es ein synthetisches a priori. Kant knüpft seine gesamte Vernunftkritik an die Frage an: »Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?« - Die synthetische Schlußreihe entwickelt, von Prinzipien fortschreitend, Folgerungen, während die analytische rückwärts von den Folgerungen zu den letzten Gründen emporsteigt. Jenes nennt man auch die synthetische (progressive), dieses die analytische (regressive) Methode (s. d.). Jene geht vom Prinzip aus, diese vom Einzelfall; jene empfiehlt sich mehr bei einfacheren, diese bei komplizierteren Phänomenen; jene wird besonders von der Mathematik und der spekulativen Philosophie, diese von der Naturwissenschaft angewandt.

 Eine besondere Bedeutung hat die Synthesis noch innerhalb der Methode bei den absoluten Idealisten (Fichte u. Hegel): Hier ist Synthesis die Vermittlung des Gegensatzes von Thesis und Antithesis, durch welche sich das Denken zu höheren Begriffen fortentwickelt.

https://www.textlog.de/2101.html

 

Theorie

Theorie (theôria, theoria) eigentlich: Betrachtung, geistiges Schauen, Spekulation (s. d.), jetzt: Lehrgebäude, wissenschaftliche, einheitlich-gesetzmäßige Erklärung, Interpretation eines Tatsachenkomplexes aus einem Prinzip (s. d.), (abgeschlossene) Hypothese. Im Gegensatze zur Praxis (s. d.) ist die Theorie das Erkennen als solches. Die Bedeutung von »speculatio« hat theôria bei ARISTOTELES (Met. XII 7, 1072 b 24). ALBERTUS MAGNUS erklärt: »Theoria lumen est in corporalibus similitudinibus acceptum, quod ducit ad dei cognitionem, quae secundum Hugonem dicitur mundana theologia« (Sum. th. I, 15, 3). - Nach FERGUSON besteht die Theorie in der »Zurückführung einzelner Veränderungen auf die Prinzipien oder allgemeinen Gesetze, unter welchen sie zusammengefaßt werden« (Grdz. d. Moralphilos. S. 6). - Nach FRIES ist Theorie »eine Wissenschaft, in der die Tatsachen in ihrer Unterordnung unter die allgemeinen Gesetze erkannt und ihre Verbindungen aus diesen erklärt werden« (Syst. d. Log. S. 488). Nach ÜBERWEG ist Theorie »die Erklärung der Erscheinungen aus ihren allgemeinen Gesetzen« (Log.4, § 134). Nach WUNDT ist die Theorie »die Hypothese samt der Deduktion der Erscheinungen, zu deren Erklärung die Hypothese gemacht wurde« (Log. I, 407). Nach KÜLPE ist »Theorie des Talbestandes« »die vollständige Reflexion über einen Talbestand, die den bestimmten Inhalt desselben darlegt, indem sie auch allen Beziehungen desselben zu anderen Erlebnissen gerecht wird« (Philos. Stud. VII, 397). HUSSERL bestimmt: »Die systematische Einheit der ideal geschlossenen Gesamtheit von Gesetzen, die in einer Grundgesetzlichkeit als auf ihrem letzten Grunde ruhen und aus ihm durch systematische Deduktion entspringen, ist die Einheit der systematisch vollendeten Theorie« (Log. Unt. I, 232). Nach E. MACH ist die Theorie eine »indirekte Beschreibung«, d. h. »eine solche Beschreibung, in welcher wir uns gewissermaßen auf eine bereits anderwärts gegebene oder auch erst genauer auszuführende berufen« (Wärmelehre2, S. 398). Als Endziel der Forschung ist die Theorie eine »vollständige systematische Darstellung der Tatsachen« (l. c. S. 461. vgl. Üb. d. Princ. d. Vergleich. in d. Phys. 1894, S. 6 ff.). H. CORNELIUS erklärt: »Die allgemeine begriffliche Formulierung der Zusammenhänge, die... als notwendige und hinreichende Bedingung für die Erklärung eines Jeden bestimmten Erscheinungsgebietes zu betrachten ist, bezeichnen wir als Theorie der betreffenden Klasse von Erscheinungen.« »Je nachdem eine solche Theorie auf Grund wissenschaftlicher Bemühung als Ergebnis zielbewußten Klarheitsstrebens oder auf Grund der vorwissenschaftlichen Entwicklung des Denkens zustande kommt, wollen wir sie als eine wissenschaftliche oder aber als eine natürliche Theorie unserer Erfahrungen bezeichnen« (Einl. in d. Philos. S. 33). Vgl. Hypothese.

https://www.textlog.de/5242.html

 

Wahrheit

Wahrheit (alêtheia, alêthes, veritas, verum) ist ein Normbegriff (s. d.), ein theoretischer Wertbegriff. Die Wahrheit ist keine empirisch vorfindbare Eigenschaft eines Dinges, sie ist auch nicht ein Ding, etwas Selbständiges, Reales, sondern das »Wahr« ist ein Erkenntnischarakter, eine besondere Charakterisierung von Urteilen, Sätzen. Der Wahrheitsbegriff entsteht als solcher erst durch ein Beurteilen, durch ein (charakterisierendes, wertendes) Urteil über Urteile. Vorstellungen, Begriffe als solche sind weder wahr noch unwahr. Wahrheit ist ein Charakter nur von Urteilen, Behauptungen, Aussagen. 1) Formal-logische Wahrheit ist nichts als Richtigkeit (s. d.) der Gedanken, Schlußfolgerungen, Übereinstimmung der Gedanken untereinander gemäß den Denkgesetzen. Kriterium der Wahrheit ist hier die (unmittelbare oder mittelbare) Evidenz (s. d.) der Urteile, die absolute Denknotwendigkeit. Diese kommt auch zu 2) der transzendentalen Wahrheit, die in der Denknotwendigkeit (weil in der Gesetzmäßigkeit des Denkens selbst gegründeten) der Axiome (s. d.) besteht. 3) Materiale Wahrheit ist erst eigentliche Wahrheit, d.h. Übereinstimmung des Denkens (Gedachten, Denkinhaltes) mit dem Sein. Es gibt aber zwei Arten der materialen Wahrheit: a. empirische Wahrheit. Hier bedeutet die »Übereinstimmung« von Denken und Sein nicht die Abbildung u. dgl des Seienden im und durch das Denken, sondern Übereinstimmung des Einzelvorteils mit der wissenschaftlich, methodisch gesetzten, konstatierten Realität, objektiven (s. d.) Verhaltungsweise, die in einem System von Urteilen sich darstellt. Ein Urteil ist empirisch-objektiv wahr, wenn es objektive Gültigkeit (s. d.) hat, wenn es so ist, wie es die empirische Gesetzmäßigkeit fordert, wenn also dem Subjekt ein Prädikat zugeschrieben wird, wie es auf Grund methodisch verarbeiteter Erfahrung und kritischer Besinnung und Konklusion gefällt werden soll, muß. Das Kriterium (s. d.) der Wahrheit ist hier das Eintreffen des Geurteilten in einer (möglichen) Erfahrung, ergänzt durch die objektive Denknotwendigkeit! sowie die Übereinstimmung der Denkenden untereinander. 4) Metaphysische Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens mit der absoluten Wirklichkeit (s. d.). Auch hier kann von einem »Abbilden« keine Rede sein, sondern die »Übereinstimmung« bedeutet hier ein mehr oder weniger treffendes Wiedergeben, Nachkonstruieren der transzendenten Wirklichkeits-Verhältnisse in immanenten, begrifflichen Symbolen (s. d.). Formal- logische und transzendentale Wahrheit sind absolute Wahrheit, d.h. ein berechtigter Zweifel ist hier (ernsthaft) unmöglich, und eine Beziehung, Relation hat hier nicht statt. Die empirisch-objektive Wahrheit kann vielfach nur auf annähernde Gültigkeit Anspruch machen, ist der Entwicklung unterworfen. Die metaphysische Wahrheit ist relativ, d.h. sie gilt nicht bloß oft nur annähernd, sondern hat Sinn immer nur für die Beziehung, die zwischen dem Erkennenden (etwa der Gattung Mensch) und den transzendenten Faktoren (s. d.) obwaltet. alle Urteile sind von metaphysisch- relativer Wahrheit, die eine Beziehung der transzendenten Faktoren zum Subjekt aussagen. Z.B. ist das Urteil »Gold ist ein Metall« empirisch-absolut wahr, aber metaphysisch nur von relativer Wahrheit, da das »An-sich« des Goldes nur in Beziehung auf ein erkennendes Wesen die im Begriffe »Gold« enthaltenen spezifischen Merkmale hat. An sich wahr ist jedes Urteil, dessen Geltung nicht von der Willkür irgend eines Subjekts abhängt, sondern in der »Natur der Dinge« so gegründet ist, daß zu jeder beliebigen Zeit von jedem Denkfähigen das gleiche Urteil gefällt werden muß oder müßte. In diesem Sinne ist die Geltung des an sich Wahren eine zeitlose, ewige, nicht aber ist etwa die Wahrheit eine an sich, ohne ein Denken seiende Wesenheit. An sich existiert nicht die Wahrheit (welche untrennbar, als Charakter, an ein Urteil geknüpft ist), sondern die Wirklichkeit. - Von der theoretischen unterscheidet sich die »Wahrheit« ästhetischer, ethischer, religiöser Urteile. Die besteht in der Übereinstimmung des Geurteilten mit den Ideen, Idealen des Schönen, Guten, Göttlichen. Was seiner Idee, seinem Musterbegriff entspricht, ist in diesem Sinne wahr (z.B. wahre Humanität, wahre Kultur). - Wahrheiten nennt man auch die wahren Urteile, wahren Urteilsinhalte selbst. Ewige Wahrheiten sind die a priori (s. d.) gültigen Urteile (z.B. der Satz der Kausalität).

 

Wahrheit wird bald als Übereinstimmung des Denkens mit dem Sein, bald als Übereinstimmung des Denkens mit sich selbst, bald als objektive Gültigkeit, bald als Denknotwendigkeit, bald als biologische Nützlichkeit bestimmt. Gegenüber dem Relativismus (s. d.) wird verschiedenerseits die Existenz von Wahrheiten an sich behauptet.

https://www.textlog.de/5396.html

https://www.textlog.de/5489.html

https://www.textlog.de/5488.html

https://www.textlog.de/5487.html

https://www.textlog.de/5486.html

https://www.textlog.de/5485.html

https://www.textlog.de/5484.html

 

Wille

Wille (boulêsis, voluntas, volitio) ist 1) die allgemeine Bezeichnung für alle Arten von Willensvorgängen, 2) die einheitliche Kraft, Disposition zu einzelnen Wollungen, 3) der bestimmte Inhalt eines Wollens (»Willensmeinung«). Psychologisch umfaßt der Wille sowohl die einfache oder Triebhandlung (s. d.) als auch die zusammengesetzte oder Willkür- Handlung. Das Wollen ist nicht eigentlich definierbar, es ist ein Grundprozess des Bewußtseins, der sich nicht auf einen andern zurückführen läßt (s. Streben). Doch ist der Wille nichts Einfaches, Elementares, sondern jeder Willensakt lädt sich in verschiedene Momente zerlegen, die nicht für sich, sondern erst als Bestandteile, Glieder eines eigenartigen Zusammenhanges das Wollen konstituieren. Insbesondere erscheinen als solche konstituierende Glieder Gefühle (s. d.) und ihre Wirkungen (Strebungen). In allem Wollen liegt als Ziel die Erreichung, Gestaltung eines mehr oder weniger bestimmten Zustandes bezw. die Vermeidung, Entfernung eines solchen. Geht das Wollen unmittelbar von einzelnen Gefühlen (die sich an Empfindungen oder Vorstellungen »knüpfen«) aus, so ist es triebartig, reaktiv. geht ihm ein Kampf der Motive (s. d.), Überlegung voraus, so haben wir einen Willkür- oder Wahlakt (s. d.) vor uns. Dieser, das eigentliche Wollen, ist eine aktive Betätigung des Ich (s. d.), welches im Willen seinen zentralsten, innersten Kern hat. Je nachdem der Willensakt auf den Verlauf der Bewußtseinszustände als solcher (als Apperzeption, s. d.) oder auf Objekte der Außenwelt gerichtet ist, spricht man von innerer oder äußerer Willenshandlung. Alles Denken (s. d.) ist Willenstätigkeit, ein »Denkwille« besteht, dessen Forderungen im Logischen zum Ausdruck kommen wie die Postulate des praktischen Willens in Recht und Sittlichkeit. Die Einheit des Willens mit sich selbst in allen seinen (möglichen) Funktionen zu gewinnen, ist die Grundidee, welche alle individuelle und soziale Entwicklung leitet. Die Willensaktion ist das Urbild aller Tätigkeit (s. d.). Indem wir die Dinge als aktive Kraftzentren auffassen, introjizieren wir (ursprünglich) in sie einen Willen, etwas Willensartiges (s. Kraft, Objekt). Die Metaphysik kann diese Introjektion (s. d.) zu einer bewußten machen und als »transzendente Faktoren« der Dinge Willenseinheiten annehmen bezw. die gesamte Weltentwicklung auf ein gegliedertes einheitliches Willens-System zurückführen, dessen Einheit der göttliche Weltwille ist.

 

Während der Voluntarismus (s. d.) im Willen eine primäre psychische Tatsache erblickt (»autogenetische« Willenstheorie), ist der Wille nach der »heterogenetischen« Theorie nur ein Produkt oder eine Summe anderer psychischer Faktoren, etwas Abgeleitetes, Sekundäres.

https://www.textlog.de/5474.html

https://www.textlog.de/5473.html

https://www.textlog.de/5472.html

https://www.textlog.de/5471.html

https://www.textlog.de/5470.html

https://www.textlog.de/5469.html

https://www.textlog.de/5468.html

 

Wort

Wort (logos, onoma, vox, verbum, vocabulum, terminus) ist ein Lautkomplex von significativem Werte. Das Wort ist ein Zeichen (s. d.) für einen Vorstellungs- oder Begriffsinhalt. das Wort »bedeutet« (s. d.) etwas heißt, es bezieht sieh auf einen solchen Inhalt, es vertritt uns einen solchen, hat die Fähigkeit, einen Begriff auszulösen. Ursprünglich sind Wort und Satz (s. d.) eins, später differenzieren sich selbständige Haupt-, Eigenschafts-, Zeitwörter u.s.w. Die Wörter sind Zeichen für bestimmte Apperzeptionsweisen der Dinge, die durch Konvention (s. Sprache) und Wissenschaft allgemeingültig werden. Insofern das Wort etwas nicht bloß bedeutet, sondern bezeichnet, ist es ein Name (s. d.). Wortvorstellungen sind die (neben taktilen auch akustische, optische Elemente enthaltenden) sprachlichen Einzelgebilde als Bewußtseinsinhalte, in Wahrnehmungs- oder in Reproduktionsform.

 

Über PLATO s. Namen. Nach ARISTOTELES sind die Wörter Zeichen von Vorstellungen (De interpret. 1). Das Konventionelle der Worte lehrt ABAELARD: »Neque enim vox aliqua naturaliter rei significatae inest, sed secundum hominum impositionem« (Dial. p. 487). »Vocabula homines instituerunt ad creaturas designandas, quas intelligere poluerunt, quum videlicet per illa vocabula suos intellectus manifestare vellent« (Theol. Christ. p.1275).

...

https://www.textlog.de/5450.html

 

Zahl

Zahl (arithmos, numerus) ist die Heraushebung (Unterscheidung) und Zusammenfassung einer gleichartigen Mannigfaltigkeit zur (komplexen) Einheit, sie entsteht durch (primäres) Zählen, d.h. durch wiederholte Setzung der Einheit und Verbindung, Synthesis der Einheitssetzungen. Das Zählen ist ein zeitlicher Vorgang, die (fertige) Zahl hingegen abstrahiert nicht bloß von allem qualitativen Inhalt, der für sie gleichgültig ist, nicht in Betracht kommt -, sondern auch von räumlich-zeitlichen Bestimmungen. Das Zählen kann ebenso gut an Objekten der Außenwelt als an Vorstellungen, Denkakten u.s.w. vorgenommen werden, es ist in seiner Gesetzmäßigkeit unabhängig von der Existenzart des zu Zählenden. Die Zahlgesetze, wurzelnd im Wesen des Denkens überhaupt, gelten daher unbedingt für alle möglichen Inhalte. sie sind rein formaler Natur. Der Zahlbegriff hat seine Quelle in der Bewußtseinstätigkeit, ist insofern a priori (s. d.), kommt aber ursprünglich nur am Erfahrungsinhalte zur Ausbildung, durch welche auch weiterhin die Bestimmtheit (Größe) der Zahlen bedingt ist, so daß (teilweise) die Zahl (Anzahl) ein objektives Fundament besitzt. Doch darf deswegen die Zahl noch nicht zu einer metaphysischen Wesenheit hypostasiert werden, wie dies seit den Pythagoreern zuweilen geschehen ist.

https://www.textlog.de/5510.html

 

Zahl - Pythagoras, Platon, Aristoteles

Nach der Lehre der Pythagoreer ist die Zahl das Wesen (s. d.) der Dinge. die Prinzipien der Zahlen, das Gerade und Ungerade (Unbegrenzte und Begrenzte, s. Peras), sind auch die Prinzipien der Dinge. Die Dinge sind eine »Nachahmung« (mimêsis) der Zahlen, welche letztere substantiell Wesenheit besitzen, die Eigenschaften der Dinge bestimmen: metaphysisch - quantitative Weltanschauung. Alles ist nach Zahlenverhältnissen geordnet, wird durch Zahl erkannt (Philol. Fragm., Mull. 13). Die arithmôn stoicheia sind zugleich die Elemente der Dinge, nämlich to artion kai to peritton (apeiron, peperasmenon, perainonta), aus welchen alle Verhältnisse entstehen. 'Archas arithmous ... hypetithento, hoti edokei autois to prôton archê einai kai to asyntheton (Alex. Aphrod. in Arist. Met. I, schol. Arist. p. 551a). arithmous einai phasin auta ta pragmata (Aristot., Met. I 6, 987 b 28). hoi men gar Pythagoreioi mimêsei ta onta phasin einai tôn arithmôn (l. c. I 6, 987 b 11). Daß sich diese Ansicht aus der Beschäftigung der Pythagoreer mit der Mathematik ergeben, sagt Aristoteles: hoi kaloumenoi Pythagoreioi tôn mathêmatôn hapsamenoi prôton tauta proêgagon, kai entraphentes en autois tas toutôn archas tôn ontôn archas ôêthêsan einai pantôn. epei de toutôn hoi arithmoi physei prôtoi, en de tois arithmois edokoun theôrein homoiômata polla tois ousi kai gignomenois, mallon ê en pyri kai gê kai hydati, hoti to men toiondi tôn arithmôn pathos dikaiosynê, to de toiondi psychê kai nous, heteron de kairos kai tôn allôn hôs eipein hekaston homoiôs. eti de tôn harmoniôn en arithmois horôntes ta pathê kai tous logous. hoi d'arithmoi pasês tês physeôs prôtoi, ta tôn arithmôn stoicheia tôn ontôn stoicheia pantôn hypelabon einai, kai ton holon ouranon harmonian einai kai arithmon. kai hosa eichon homologoumena deiknynai en te tois arithmois kai tois harmoniais pros ta tou ouranou pathê kai merê kai pros tên holên diakosmêsin tauta synagontes ephêrmotton ... phainontai dê kai houtoi ton arithmon nomizontes archên einai kai hôs hylên tois ousi kai hôs pathê te kai hexeis, tou d' arithmou stoicheia to t' artion kai to peritton. toutôn de to men apeiron, to de peperasmenon, to d' hen ex amphoterôn einai toutôn kai gar artion einai kai peritton, ton d' arithmon ek tou henos, arithmous de, kathaper eirêtai, ton holon ouranon (Met. I 5, 985 b 23 squ.). hoi de Pythagoreioi dia to horan polla tôn arithmôn pathê hyparchonta tois aisthêtois sômasin, einai men arithmous epoiêsan ta onta, ou chôristous de, all' ex arithmôn ta onta (Met. XIV 3, 1090 a 20 squ.). - gnômonika gar ha physis tô arithmô kai hagemonika kai didaskalika tôn aporoumenô pantos kai agnooumenô panti. ou gar ês dêlon oudeni ouden tôn pragmatôn oute autôn poth' hauta oute allô pot' allo, ai mê ês arithmos kai ha toutô essia. nyn de houtos kattan psychan harmosdôn aisthêsi panta gnôsta kai potagora allalois kata gnômonos physin apergazetai, sômatôn kai schizôn tôs logôs chôris hekastôs tôn pragmatôn tôn te apeirôn kai tôn perainontôn. idois de ka ou monon en tois daimoniois kai theiois pragmasi tan tô arithmô physin kai tan dynamin ischyousan, alla kai en tois anthrôpinois ergois kai logois pasi panta, kai kattas damiourgias tas technikas pasas, kai kattan mousikan ... pseudos de oudamôs es arithmon empitnei (PHILOLAUS, Stob. Ecl. I, 8). - In seiner letzten Periode bestimmt PLATO die Ideen (s. d.) als (metaphysische) Zahlen (vgl. Aristot., Met. I, 6. XIII. XIV, 1. Simplic. ad Phys. 247, 256 Dox. D.). Hypostasiert werden die Zahlen auch von den Neupythagoreern. Diese sehen in den Zahlen logous en tê hylê (vgl. Heinze, Lehre vom Logos, S. 180). Nach MODERATUS ist die Eins das Symbol der Einheit, die Ursache der Harmonie, die Zwei aber das Symbol der Anderheit, der Veränderung (Porphyr., Vit. Pythag. 48 ff.). Die Zahl ist ein 'systêma monadôn, ê propodismos plêthous apo monados archomenos kai anapodismos eis monada katalêgôn (Stob. Ecl. I, 18). Nach NIKOMACHUS sind die Zahlen als Urbilder der Dinge im göttlichen Geiste. Die Zahl ist plêthos hôrismenon (Arithm. I, 7. vgl. Überweg-Heinze, Grundr. I9, 362. Zeller, Philos. d. Griech. III, 23, 120 f.). - Nach der Kabbalâ sind Zahlen und Buchstaben Elemente des göttlichen Wortes (Sohar. s. Sephiroth). Als Urbilder der Dinge werden die Zahlen von den »treuen Brüdern von Basra« (2. Hälfte d. 9. Jahrh.) bestimmt. - NICOLAUS CUSANUS erblickt in der (göttlichen) Zahl das Urbild der Dinge. Die Zahl ist »ratio explicata« (De coniect. I, 4). Die unendliche Einheit ist Grund und Anfang der Zahl. Nach FRANZ. ZORZI ist alles in der Welt nach Zahlen geordnet. Zwischen irdischer und himmlischer Welt besteht eine Harmonie. Die Seele ist eine vernünftige Zahl (De harmonia mundi, 1549). - ARISTOTELES definiert die Zahl als die Menge des Gemessenen, der Maße (plêthos memetrêmenon kai plêthos metrôn). Daher ist die Eins (hen) noch keine Zahl: oude gar to metron metra, all' archê kai to metron kai to hen (Met. XIV 1, 1088 a 5 squ.). esti gar arithmos plêthos heni metrêton (Met. X 6, 1057 a 3). to gar plêthos adiairetôn estin arithmos (Met. XI 9, 1085 b 22). Die Zahl gehört zu den aisthêta koina (De anim. II, 6, 3). Über NIKOMACHUS und MODERATUS s. oben. Nach EUKLID ist die Zahl to ek monadôn synkeimenon plêthos (Elem. VII). So auch BOËTHIUS: »Numerus est acervus ex unitatibus profusus.«

https://www.textlog.de/5528.html


Bibliographie

Weitere Literatur unter: Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.

A

Advaita Bodha Deepika: Lamp of Non-Dual Knowledge, Publ. T.N. Venkataraman, Sri Ramanashram, Tiruvannamalai (1979)

 

Armand, Louis: From Symptom to Machine: James Joyce & the Perversions of the Textual Apparatus
file:///f:/mat-phil/joyce/armand.html

 

Assmann, Aleida; Jan, Hrg.
1983     Schrift und Gedächtnis. Wil­helm Fink, München (1983)

Assmann, Jan; Tonio Hölscher
1988     Kultur und Gedächtnis. Suhrkamp, Frank­furt (1988)

Assmann, Aleida; Diet­rich Harth, Hrg.
1991a   Kultur als Le­benswelt und Monu­ment. Fischer, Frankfurt (1991a)

Assmann, Aleida; Diet­rich Harth, Hrg.
1991b   Mnemo­syne.
Fischer, Frankfurt (1991b)

Assmann, Jan
1991c   Stein und Zeit. Wil­helm Fink, München (1991c)

Assmann, Aleida; Jan Hrg.
1991d   Weisheit. Wilhelm Fink, München (1991d)

Assmann, Jan
1992     Das Kul­turelle Gedächtnis. Beck, München (1992)

 

Augustinus, Aurelius: Confessiones, übers. Joseph Bernhart, Fischer, Frankfurt/M (1955)

 

Bachofen, J. J.: Versuch über die Gräbersymbolik der Alten, Helbing & Lichtenhahn, Basel (1925)
Ocnus der Seilflechter, p. 301-422

 

Baruzzi, Arno: Philosophie der Lüge, Wiss. Buchges., Darmstadt (1996)

 

Barrow, John D.: Impossibility, MIT Press, Cambridge, Mass. (1998)

 

Bateson, G., Ruesch J.: Communications, Norton, New York (1968)

Bateson, G.: Steps to an ecology of mind, Chandler, Toronto (1972)

Bateson, G.: Mind and Nature, a necessary unity, Bantam, Toronto (1979)

Bateson, Gregory; Bateson, Mary Catherine: Angels fear, Bantam, New York (1986)

 

Bednarik, R.G.: On the scientific study of paleoart, in: Semiotica, p. 141-168 (1994)

 

Bee, R.: Patterns and processes, Free Press, New York (1974)

 

Bellier, C., Chattelain. (1990). La chasse dans la prehistoire. Treignes: Ed. du Cedarc.

 

Beniger, James R.: The control revolution, Harvard Univ. Press, Cambridge (1986)

 

Berg, E.: Johann Gottfried Herder, in Marschall, p. 51-68 (1990)

 

Berman, Morris: Die Wiederverzauberung der Welt, Dianus-Trikont, München (1983)
engl. The Reenchantment of theWorld, Cornell Uni Press, 1981

 

Bertalanffy, L.v.: General systems theory, Braziller, New York (1968)

Bertalanffy, L.v., Rappaport, A. (eds): General systems. Yearbook of the society for general systems research, (16 Vols.), Braziller, New York (1956-1971)

 

Bloom, H.: The Lucifer Principle. A scientific expedition into the forces of history, Atlantic Monthly Press, New York (1995)
http://www.bookworld.com/lucifer/

Bloom, H.: History of the Global Brain (www)
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/glob/default.html
http://www.howardbloom.net
file:///f:/mat-div/howard-bloom/bloom/howardbloom.net/index.html

 

Böhme, Gernot: Am Ende des Baconschen Zeitalters, Suhrkamp, Frankfurt/M (1993)

 

Bolter, J. David
1990     Der Digi­tale Faust. Klett-Cotta Ok­togon, Stuttgart (1990)

Bolter, J. David
1991     Writing Space.
Hillsdale (1991)

 

Bolz, Norbert
1992     Chaos und Simu­la­tion. Wil­helm Fink, München (1992)

Bolz, Norbert
1993     Am Ende der Gutenberg-Galaxis. Wil­helm Fink, München (1993)

Bolz, Norbert
1994     Das kon­trollierte Chaos. Econ, Düsseldorf (1994)

Bolz, Norbert: Computer als Medium

 

Borelli, S., Seekamp, G., Vogelsang, V.: Psychologie des Geruchs (???)

 

Breidbach, Olaf: Expeditionen ins Innere des Kopfes, Thieme, Stuttgart (1993)

Breidbach, Olaf; Rusch, Gebhard; Schmidt, Siegfried, (Hrsg.): Interne Repräsentationen, Suhrkamp (1996)

Breidbach, Olaf (Hrsg.): Natur der Ästhetik - Ästhetik der Natur, Springer, Wien (1997)

 

Bresch, Carsten: Muster und Evolution, p. 109-128, in: Wissensstrukturen und Ordnungsmuster, Proc. 4. Fachtagung d. Gesellschaft f. Klassifikation eV, Salzburg, 16.-19. April 1980, INDEKS Verlag, Frankfurt/M (1980)

 

Britannica: Encyclopaedia Britannica, Inc., CD ROM Version (1997)
cited as (Britannica: keyword)

 

Brock, Bazon: Ästhetik gegen erzwungene Unmittelbarkeit, DuMont, Köln (1986)
http://www.uni-wuppertal.de/FB5-Hofaue/Brock/Schrifte/AGEU/

Brock, Bazon: Neuronale Ästhetik (NeuroAe)
http://www.uni-wuppertal.de/FB5-Hofaue/Brock/Projekte/NeuroAe1.html
http://www.uni-wuppertal.de/FB5-Hofaue/Brock/Projekte/NeuroAe2.html
http://www.uni-wuppertal.de/FB5-Hofaue/Brock/Projekte//NeuroAe3.html

Brock, Bazon, Breidbach, Olaf: Neuronale Ästhetik, Zyma Art Today, 2 (1994)

 

Brockman, John (www): www.edge.org/

 

Bruno, Giordano: Gesammelte Werke, Hrg. Ludwig Kuhlenbeck, Diederichs, Leipzig/Jena (1904-1909)

Bruno, Giordano: Heroische Leidenschaften und Individuelles Leben. Hrg. Ernesto Grassi, Rowohlt, Hamburg (1957)

Bruno, Giordano: Das Aschermittwochsmahl. Übers. Ferdinand Fellmann, Insel, Frankfurt/Main (1969)

Bruno, Giordano: Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten, Übers. Ludwig Kuhlenbeck, Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt (1973)

Bruno, Giordano: Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen, Meiner, Hamburg (1977)

Bruno, Giordano: Von den heroischen Leidenschaften, Meiner, Hamburg (1989)

Bruno, Giordano: Über die Monas, die Zahl und die Figur als Elemente einer sehr geheimen Physik, Mathematik und Metaphysik, Meiner, Hamburg (1991)

 

Calvin, W. H. (www): The throwing madonna, The cerebral code. http://www.WilliamCalvin.com/

 

Campell, Joseph: The Hero With a Thousand Faces, Meridian Press (1956)

Campbell, J.: Die Masken Gottes, Vol 1-4, DTV München (1996)
engl: The masks of god, Viking, N.Y. 1968

 

Canfora, L.: Die verschwundene Bibliothek, Rotbuch, Berlin (1988)

 

Carneiro, R. L. (ed): The evolution of society: selections from Herbert Spencer's Principles of sociology, Univ. of Chicago Pr., Chicago: (1967)

 

Cassirer, E.: Freiheit und Form, Berlin (1922)

Cassirer, E.: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit, Stuttgart (1957)

Cassirer, E.: Was ist der Mensch?, Kohlhammer, Stuttgart (1960)

Cassirer, E.: Zur Logik der Kulturwissenschaften, Wiss. Buchges., Darmstadt (1994)

 

Castells, Manuel: The Rise of the Network Society, Blackwell, Cambridge, MA  (1996)

 

Charpentier, Louis: Die Geheimnisse der Kathedrale von Chartes, Droemer Knaur (1999)

 

Chandler, D. (www): Media Theory Web Site.
http://www.aber.ac.uk/~dgc/influ05.html
http://www.aber.ac.uk/~dgc/about.html

Clausberg, Karl: Neuronale Kunstgeschichte, Springer, Wien (1999)

 

Cohen, M.: La grande invention de l'écriture et son évolution, Imprimerie nationale, Paris (1958)

 

Connerton, Paul: How societies remember. Cambridge University Press, Cambridge New York Port Chester (1989)

 

Coulmas, F.: Über Schrift, Suhrkamp, Frankfurt/M (1981)

Coulmas, F.: Schriftentwicklung, Schriftverarbeitung: Herkunft und Funktionsweise der japanischen Schrift, in: Coulmas, p. 57-79 (1981)

 

Cramer, Friedrich: Der Zeitbaum, Insel, Frankfurt/M (1993)

 

Creveld, Martin van: Aufstieg und Untergang des Staates, Gerling Akademie Verlag, München (1999)

 

Cusanus, Nicolaus: Über den Ursprung, Schriften des Nicolaus von Kues, F.H. Kerle Verlag, Heidelberg (1967)

Cusanus, Nicolaus: De Ludo Globi, Schriften des Nicolaus von Kues, Meiner, Hamburg (1978)

D

D' Aquili et al, eds.
1979     The Spec­trum of Ritual.
Columbia Uni Press, NY (1979)

 

Dawkins, R.: The Selfish Gene, Oxford Univ. Press, New York (1976)

Dawkins, R.: The Blind Watchmaker, Norton, New York (1986)

 

Dechend, H v.: Bemerkungen zum Donnerkeil, Prismata, (Festschrift für Will Hartner), Franz Steiner, Wiesbaden (1977)

Dechend, H v., Santillana, G.: Hamlet's Mühle, Kammerer & Unverzagt, Berlin (1993)[.1] 

Dechend, H v.: Archeoastronomy, draft (1997)

 

Derrida, Jaques
1974     Gramma­tologie. Suhrkamp, Frank­furt/Main (1974)

 

Deschner, Karlheinz: Kriminalgeschichte des Christentums, Band 1-3, Rowohlt, Reinbeck (1986-1989)

 

Deussen: Das System des Vedanta, Leipzig (1883)

Deussen, Paul: Die Sutras des Vedanta, Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim (1966)

 

Diamond, S.: Kritik der Zivilisation, Campus, Frankfurt/M (1976)

Diamond, J.: The third chimpanzee, HarperCollins, New York (1992)

Diamond, J.: Guns, germs, and steel, Norton, New York (1997)

 

Diels, Hermann; Kranz, Walther: Die Fragmente der Vorsokratiker, Weidmann, Berlin (1954)
3 Vols.

 

Drewermann, Eugen: Dein Name ist wie der Geschmack des Lebens, Tiefenpsychologische Deutung der Kindheitsgeschichte nach dem Lukasevangelium, Herder, Freiburg (1986)

 

Eco, Umberto:  Einführung in die Semiotik. Wilhelm Fink Verlag, München (1972)

Eco, Umberto:  Zeichen, Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Suhrkamp, Frankfurt (1977)

Eco, Umberto:  Semiotik und Philosophie der Sprache. Wilhelm Fink Verlag, München (1985)

Eco, Umberto: Semiotik, Entwurf einer Theorie der Zeichen. Wilhelm Fink Verlag, München (1987)

Eco, Umberto: Foucault's Pendulum, Ballantine, New York (1990)

Eco, Umberto: Die Suche nach der vollkommenen Sprache, C.H. Beck, München (1993)

Eco, Umberto: Baudolino

 

Eigen, Manfred: Das Spiel, Piper, München (1975)

 

Erdheim, M.: Die gesellschaftliche Produktion von Unbewußtheit, Suhrkamp, Frankfurt/M (1984)

 

Evola, Julius: Heidnischer Imperialismus, Armanen-Verl., Leipzig (1933)

Evola, Julius: Das Mysterium des Grals, Barth, München (1955)

Evola, Julius: Metaphysik des Sexus, Klett, Stuttgart (1962)

Evola, Julius: Die Hermetische Tradition: von der alchemistischen Umwandlung der Metalle und des Menschen in Gold ; Entschlüsselung einer verborgenen Symbolsprache, Ansata-Verl., Interlaken (1989)

Evola, Julius: Revolte gegen die moderne Welt, Arun, Vilsbiburg (1993)

Evola, Julius: Schritte zur Initiation: Theorie und Praxis des höheren Bewußtseins, Ansata-Verl., Bern (1997)

Evola, Julius: Grundlegung der Initiation: Magie als Wissenschaft vom Ich, Ansata-Verl., Bern (1997)

 

Felken, D.: Oswald Spengler. Konservativer Denker zwischen Kaiserreich und Diktatur, Beck, München (1988)

 

Ferrill, A.: The origins of war: from the Stone Age to Alexander the Great. Thames and Hudson, London (1985)

 

Feyerabend, P.: Against Method, Humanities Press, London (1975)

Feyerabend, P.: Farewell to reason, Verso, London (1993)

 

Fischer, Hugo: Theorie der Kultur: das kulturelle Kraftfeld, Seewald, Stuttgart (1965)

 

Foucault, M.: Überwachen und Strafen (1969)

 

Fuchs, Christian: Selbstorganisation in der Informationsgesellschaft
http://stud4.tuwien.ac.at/~e9426503/

 

Fülöp-Müller, R.: Macht und Geheimnis der Jesuiten, Fourier, Wiesbaden (1996)
orig. 1929

 

G

 

Gebser, J.: Ursprung und Gegenwart, DTV, München (1973)

 

Gellner, E.: Pflug, Schwert und Buch, DTV, München (1993)

 

Gennep, A.v.: The rites of passage, Univ. of Chicago Press, Chicago (1960)

 

Gfäller, Georg: Gruppenanalyse als Ritual, Curare, Vol. 10 (1987, 85-97)
Zeitschrift für Ethnomedizin, Heidelberg

 

Giddens, Anthony: The Consequences of Modernity, Stanford University Press, Stanford (1990)

 

Goleman, Daniel: Emotionale Intelligenz, DTV, München (2001)

 

Goppold, A.: Vom Wesen des Ursprungs: Platon und die Archae-Tektonik (1994)
http://www.noologie.de/plato.htm

Goppold, A.: Goethe, Meta-Morphology, and the Polycontexturality of Gotthard Guenther (Polycontexturality, Society, and the Distribution of Subjectivity), Günther-Symposion Universität Klagenfurt, Inst. f. interdisziplinäre Forschung und Fortbildung IFF, 14.12.-15.12. (1997)
http://www.noologie.de/poly.htm

Goppold, A. (1998a): Information and Third Order Ontology, FIS96, Vienna, BioSystems, Vol. 46, p. 169-173, April
http://www.noologie.de/inform.htm

Goppold, A. (1999a): The Ethics of Terminology and the new Academic Feudalism, Proceedings of TKE '99, 23-27.8.1999, TermNet, Vienna
http://www.noologie.de/symbol09.htm

Goppold, A. (1999d): Design und Zeit: Kultur im Spannungsfeld von Entropie, Transmission, und Gestaltung, Dissertation, Univ. Wuppertal,
http://www.bib.uni-wuppertal.de/elpub/fb05/diss1999/goppold/
http://www.noologie.de/desn.htm
(URL) (CD_local) http://www.noologie.de/ag-dis.pdf

Goppold, A. (1999e): Spatio-Temporal Perspectives: A new way for cognitive enhancement, HCI International '99, München, August 22-27, 1999, in: Bullinger, H.-J., Ziegler, J. (eds): Human-Computer Interaction: Ergonomics and User Interfaces, Vol I, Lawrence Erlbaum, Mahwah, p. 476-480
http://www.noologie.de/symbol10.htm

Goppold, A. (1999i): Music, Pattern, and the Neuro-Structures of Time.[.2]  Or: The Infinite Return of the Eternally Unequal, ISSS / IASS, Vienna,
http://www.noologie.de/symbol18.htm

Goppold, A. (2000a): Time, Anticipation, and Pattern Processors, International Jrnl. of Computing Anticipatory Systems, CHAOS ASBL, Liège, Volume 7, 2000, pp. 99-120. http://www.noologie.de/symbol08.htm

Goppold, A. (2000b): Neuronal Resonance and User Interface Technology
http://www.noologie.de/symbol12.htm

Goppold, A. (2000c): The LPL TLSI Principle: Neuronal Resonance Technology, User Interface Language, and End User Programming Language
http://www.noologie.de/symbol13.htm

Goppold, A. (2000d): Neuronal Resonance Technology und das Software-Lego-Prinzip
Presentation at IICM, Graz, 2000-03-17.
http://www.noologie.de/symbol19.htm

Goppold, A. (2000e): Die neue Kunst der Perspektive: Das Pyramidale Buch, die Neuronale Resonanz, und die Meta Pattern Machines. 2000-02-08, Hochschule f. Kunst u. Medien, Köln
http://www.noologie.de/symbol20.htm

Goppold, A. (2000f): Ein Struktursystem zur Klassifikation von *Wissen[.3]  in der Biosphäre. in : H.P. Ohly (ed.): ISKO '99, Hamburg 23.-25.9.1999, Ergon Verlag, Würzburg
http://www.noologie.de/symbol23.htm

Goppold, A. (2001a): Anticipation, Meta-Morphology, and the Promethean Venture of Computing. International Journal of Computing Anticipatory Systems, ed. by D.M. Dubois, publ. by CHAOS, (2001)

Goppold, A. (2001b): Prolegomena to an Art Theory of Event-Scape Architecture, International Journal of Computing Anticipatory Systems, ed. by D.M. Dubois, publ. by CHAOS, (2001)

Goppold, Andreas: "Noologie und das Spannungsfeld von Liebe, Wissen und Macht"
Books on Demand (2005), ISBN 3-8334-2651-9, Vol I der Noo-Serie, (384 Seiten)
http://www.noologie.de/spf-noo.pdf

Goppold, A.: Bibliographie
http://www.noologie.de/agbib.htm

 

Gottwald, T.; Klepsch, A. (hrsg): Tiefenökologie, Diederichs, München (1995)

 

Groce, Abel: Giordano Bruno, der Ketzer von Nola, Europäischer Verlag, Wien (1970)

 

Günther, G.: Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik, Meiner, Hamburg (1976), Band 1: Metakritik der Logik - nicht-Aristotelische Logik Reflexion - Stellenwert-Theorie - Dialektik Cybernetic Ontology - Morphogrammatik - Transklassische Maschinentheorie

Günther, G.: Idee und Grundriß einer nicht-Aristotelischen Logik, Die Idee und ihre philosophischen Voraussetzungen, Meiner, Hamburg (1978a)

Günther, G.: Grundzüge einer neuen Theorie des Denkens in Hegels Logik, Meiner, Hamburg, (1978b)

Günther, G.: Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik, Meiner, Hamburg (1979), Band 2: Wirklichkeit als Poly-Kontexturalität - Reflexion - Logische Paradoxie Mehrwertige Logik - Denken - Wollen - Proemiale Relation - Kenogrammatik - Dialektik der natürlichen Zahl - Dialektischer Materialismus

Günther, G.: Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik, Meiner, Hamburg (1980), Band 3: Philosophie der Geschichte und der Technik - Wille - Schöpfung - Arbeit - Strukturanalyse der Vermittlung - Mehrwertigkeit - Stellen- und Kontextwertlogik - Kenogrammatik - Theorie der Zeit

 

Das Werk von G. Günther und seiner Nachfolger wird auf dieser Website auführlich vorgestellt: http://www.vordenker.de
file:///f:/vordenker/vordenker/www.vordenker.de/ggphilosophy/gg_bibliographie.htm

 

Gumilev, Lev: Searches for an imaginary kingdom: the legend of the kingdom of Prester John, Cambridge Univ. Pr., Cambridge (1987)

Gumilev, Lev: Searches for an imaginary kingdom: the legend of the kingdom of Prester John, Cambridge Univ. Pr., Cambridge (1987)

Gumilev, Lev: Ethnogenesis and the Biosphere, Progress, Moskau (1990)

 

Haarmann, Harald: Language in Its Cultural Embed­ding. de Gruyter, Berlin (1990)

Haarmann, Harald:  Universal­geschichte der Schrift. Campus, (1992)

 

Halbwachs, M.: Das Gedächtnis, Suhrkamp, Frankfurt/M (1985)

 

Hamilton, E.: Mythology, Mentor, Boston (1942)

 

Hardin, Garrett: Filters against folly, Penguin, New York (1985)

 

Harris, Baine R. (Ed.): Neoplatonism and Indian Thought, Int'l Society for Neoplatonic Studies, Norfolk, Virginia (1982)

 

Harth, D.: Die Erfindung des Gedächtnisses, Keip, Frankfurt/M (1991)

 

Havelock, Eric: The Linguistic Task of the Presocratics, In: Language and Thought in Early Greek Philosophy, ed. Kevin Robb, Monist Library of Philosophy, La Salle, Illinois

Havelock, E.: Preface to Plato, Harvard Univ. Press, Cambridge (1967)

Havelock, E., Hershbell, J.(eds.): Communication arts in the ancient world, Hastings House, New York (1978)

Havelock, E.: The muse learns to write, Yale Univ. Press, New Haven (1986)

Havelock, E.: Schriftlichkeit, VCH, Weinheim (1990)
engl: The literate revolution in Greece and its cultural consequences, Princeton Univ.
Press, Princeton 1982

 

Hegel, G. W. F.: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, Meiner, Hamburg (1969)

Hegel, G. W. F.: Phänomenologie des Geistes, Suhrkamp, Frankfurt/M. (1986)

Hegel, G. W. F.: Wissenschaft der Logik, Lehre vom Sein, Meiner, Hamburg (1990)
Wissenschaft der Logik, Lehre vom Wesen, Meiner, Hamburg (1992)
Wissenschaft der Logik, Lehre vom Begriff, Meiner, Hamburg (1994)

 

Heidegger, M.: Heraklit, Klostermann, Frankfurt/M (1970)

Heidegger, M.: Was heisst Denken?, Niemeyer, Tübingen (1971)
Abkürzung: WHD

Heidegger, M.: Zur Sache des Denkens, Niemeyer, Tübingen (1976a)

Heidegger, M.: Wegmarken, Klostermann, Frankfurt/M (1976b)

Heidegger, M.: Sein und Zeit, Klostermann, Frankfurt/M (1977a)

Heidegger, M.: Holzwege, Klostermann, Frankfurt/M (1977b)

 

Heinrichs, Johannes: Reflexionstheoretische Semiotik, 1. Teil: Handlungstheorie, Bouvier Verlag, Bonn (1980)
F:\ht-phil\jheinrichs\www.johannesheinrichs.de\ReflexionstheoretischeSemiotik1.pdf

Heinrichs, Johannes: Reflexionstheoretische Semiotik, 2. Teil: Sprachtheorie, Bouvier Verlag, Bonn (1981)

Heinrichs, Johannes: Handlung - Sprache - Kunst - Mystik, Skizze ihres Zusammenhangs in einer reflexionstheoretischen Semiotik, KODIKAS / CODE, Ars Semeiotica, Volume 6 (1983) S. 245-265 - No. 3/4, Gunter Narr Verlag, Tübingen
F:\ht-phil\jheinrichs\www.johannesheinrichs.de\pdf\handlung.pdf

Heinrichs Johannes: Wege aus einer kranken Gesellschaft – Sozialpsychologische Überlegungen im Anschluß an Erich Fromm, (erschienen in: Zeitschrift für Sozialökonomie Heft 131 (2001), S. 49-62)

Heinrichs, Johannes: Gesammelte Werke
file:///f:/ht-phil/jheinrichs/www.johannesheinrichs.de/texte_zum_download.html

 

Hesiodos: Theogonie, Hrsg. Karl Albert, Henn, Kastellaun (1978)

 

Hesse, Hermann: Das Glasperlenspiel, Suhrkamp, Frankfurt/M (1971)
(orig. Zürich, 1943)

 

Hölscher, Uvo: Anaximander und die Anfänge der Philosophie. in: Gadamer, Hans Georg, Hrsg. Um die Begriffswelt der Vorsokratiker. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt (1989)

 

Hoffmeister, J.: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Meiner, Hamburg (1955)

 

Hoffmeyer, Jesper: Signs of meaning in the universe, Indiana Univ. Press, Bloomington, (1996)

Hoffmeyer, Jesper: The Global Semiosphere, In: Irmengard Rauch and Gerald F. Carr (eds.): Semiotics Around the World. Proc. 5th Fifth Congress of the Int'l Ass. for Semiotic Studies. Berkeley 1994. Mouton de Gruyter, Berlin (1997), pp. 933-936.

Hoffmeyer, Jesper: Semiosis and biohistory: A reply, Semiotica 120-3/4 (1998), 455-482

 

Hofkirchner, Wolfgang (ed.): Vernadsky, Vladimir I., Der Mensch in der Biosphäre, zur Naturgeschichte der Vernunft, Lang, Frankfurt/M (1997)

 

Hofstadter, Douglas: Gödel, Escher, Bach, Basic Books, New York (1979)

 

Humboldt, W. v.: Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts
Werke in 5 Bänden, Bd. III, Hrg. Andreas Flitner und Klaus Giel
Wissensch. Buchgesellschaft, Darmstadt, p. 368-756. (1963)

 

Illich, I., Verne, E.: Imprisoned in the global classroom, Writers and Readers, London (1976)

Illich, I.: Fortschrittsmythen: Schöpferische Arbeitslosigkeit oder Die Grenzen der Vermarktung, Rowohlt, Reinbek (1978)
engl: The right to useful unemployment

Illich, I.: Schulen helfen nicht: über d. mythenbildende Ritual d. Industriegesellschaft, Rowohlt, Reinbek (1980)

Illich, I.: Entschulung der Gesellschaft: Entwurf e. demokrat. Bildungssystems, Rowohlt, Reinbek (1984)
engl: Deschooling society, Harmondsworth : Penguin Books, 1977

Illich, I., Sanders, B.: The alphabetization of the popular mind, North Point Pr., San Francisco (1988)

Illich, I.: Guarding the eye in the age of show: Marion Boyars, London (1998)

 

Innis, H. A.: Changing concepts of time, Univ. of Toronto press, Toronto (1952)

Innis, H. A.: Empire and communications, Univ. of Toronto press, Toronto (1972)
first printing 1950

Innis, H. A.: The bias of communication, Univ. of Toronto press, Toronto (1991)
first printing 1951

 

Janich, Peter: Das Maß der Dinge, Suhrkamp, Frankfurt (1997)

 

Jantsch, E.: Die Selbstorganisation des Universums, DTV (1982)

 

Jaspers, K.: Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, Fischer, Frankfurt/M (1955)

Jaspers, Karl: Plato, Augustin, Kant, Piper (1967)

 

Jaynes, Julian: The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind, Houghton Mifflin, Boston (1976)
dt.: Der Ursprung des Bewußtseins, Rowohlt, Hamburg 1988

 

Joyce, James: Finnegan's Wake, Penguin Books, NY (1976)

 

K

Kant, I.: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Berlinische Monatsschrift. Dezember-Heft (1784). S. 481-494

 

Karbe, L.: Venedig oder Die Macht der Phantasie, Diederichs, München (1995)

 

Kauffman, Louis H.: Virtual Logic - The Matrix Full Text, Cybernetics & Human Knowing, Volume 6, No.3, (1999)
http://www.imprint.co.uk/C&HK/vol6/v6_3-kauffman.html

Kauffman, Louis H.: Virtual Logic - Infinitesimals and Zero Numbers, Cybernetics & Human Knowing, Volume 7 No. 1, (2000)
F:\mat-phil\imprint\www.imprint.co.uk\C&HK\vol7\kauffman_7-1.PDF

 

Kerckhove, D., Lumsden, C. (eds.): The Alphabet and the Brain, Springer, Berlin (1988)

Kerckhove, D.: Schriftgeburten, Fink, München (1995a)

            french: La civilization vidéo-chretiénne

Kerckhove, D.: The Skin of Culture, Sommerville, Toronto (1995b)

 

Kingdon, Jonathan: Und der Mensch schuf sich selbst, Insel, Frankfurt (1997)

 

Klages, L.: Der Geist als Widersacher der Seele, Bouvier, Bonn (1981)

 

Korvin-Krasinski, C.v.: Trina Mundi Machina. Die Signatur des alten Eurasien, Grünewald, Mainz (1986)

 

Kotkin, Joel: Tribes: how race, religion, and identity determine success in the new global economy. Random House, New York (1993)

 

Kramer, Joel; Alstad, Diana: The Guru Papers, Masks of authoritarian power, North Atlantic/Frog, Berkeley (1993)

 

Krauss, Friedrich Salomo: Anthropophyteia, 10 Vols., DVA, Leipzig (1904++)

 

Kropotkin, Peter: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt, Ullstein, Frankfurt/M (1975)

 

Kuhn, Thomas S.: The Structure of Scientific Revolutions, Chicago (1962)

 

Kunzmann, Peter; Burkhard, F.P.; Wiedmann, F.: dtv-Atlas zur Philosophie, dtv, München (1991)

 

Latacz, J.: Homer. Tradition und Neuerung. Wiss. Bu­ch­gesellsch., Darm­stadt (1979)

Latacz, J.: Homer. Der erste Dichter des Abend­landes. München (1989)

 

Leiber, Theodor: Kosmos, Kausalität und Chaos, Ergon, Würzburg (1996)

 

Lenski, G.: Macht und Privileg, Suhrkamp, Frankfurt/M (1977)

 

Levi-Strauss, C.: Strukturale Anthropologie II, Suhrkamp, Frankfurt/M (1975)

Levi-Strauss, C.: Strukturale Anthropologie I, Suhrkamp, Frankfurt/M (1977)

Levi-Strauss, C.: Traurige Tropen, Suhrkamp, Frankfurt/M (1978)
orig. Tristes Tropiques 1955

 

Lex, Bar­bara: The Neu­ro­biology of Ritual Trance. in: D' Aquili (1979, 117-151)

 

Liedl, Gottfried: Al_Hamra. Zur Geschichte der spanisch-arabischen Renaissance in Granada, Bd. 1, Turia & Kant, Wien (1990)

Liedl, Gottfried: Dokumente der Araber in Spanien. Zur Geschichte der spanisch-arabischen Renaissance in Granada, Bd. 2, Turia & Kant, Wien (1993)

 

Liessmann, Konrad Paul: Philosophie des verbotenen Wissens, Zsolnay, Wien (2000)

 

Lilly, John: Programming and Metaprogramming in the Human Biocomputer - Theory and Experiments, Julian Press (1972)

 

Lippe, Rudolf z.: Neue Betrachtung der Wirklichkeit, Europ. Verl. Anst., Hamburg (1997)

Lippe, Rudolf z.: Neue Betrachtung der Wirklichkeit, Europ. Verl. Anst., Hamburg (1997)

 

Lommel, Hermann: Die alten Arier, Vittorio Klostermann, Frankfurt/M (1935)

 

Lotman, Y. M.: Universe of the mind: a semiotic theory of culture, Tauris, London (1990)

 

Luhmann, Niklas: Soziale Systeme: Grundriß einer allgemeinen Theorie, Suhrkamp, Frankfurt/M. (1993)

 

Lumsden, C., Wilson, E.O.: Genes, Mind, and Culture, Harvard Univ. Press, Cambridge (1981)

 

Macchiavelli, Niccolo: Der Fürst, Übers. Friedrich Blaschke, Meiner, Leipzig (1924)

 

Mandelbrot, Benoit: Die fraktale Geometrie der Natur, Birkhäuser, Basel etc. (1987)
engl: The Fractal Geometry of Nature, Freeman, New York 1977-1983

 

Margulis, L, Sagan, D.: Mystery Dance, Summit, New York, London, Toronto (1991)

Margulis (www): http://www.bio.umass.edu/faculty/biog/margulis.html

 

Marvin, C.: Innis, McLuhan and Marx, Visible Language, 20, 3, p. 355-359 (1986)

 

Maturana, H. R.: Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit, Vieweg, Braunschweig (1982)

Maturana, H. R.; Varela, F.: Der Baum der Erkenntnis, Scherz, Bern (1987)

Maturana, H. R.: Zur Biologie der Kognition: ein Gespräch mit Humberto R. Maturana und Beiträge zur Diskussion seines Werkes, Volker Riegas und Christian Vetter (hrsg.), Frankfurt/M (1990)

Maturana, H. R.: Biologie der Sozialität. In: Schmidt, Sieg­fried J. (Hrsg): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. 4. Auflage, Suhrkamp, Frankfurt/M., S. 287-302 (1991)

Maturana, H. R.: Was ist Erkennen?, München (1994a)

Maturana, H. R., Verden-Zöller, G.: Liebe und Spiel: die vergessenen Grundlagen des Menschseins, Auer (1994b)

 

McClain, Ernest G.: The Myth of Invariance. The Origin of the Gods, Mathematics and Music from the Rg Veda to Plato, Shambala, Boulder & London (1978)

MacClain, Ernest G.: The Pythagorean Plato: prelude to the song itself, Nicolas-Hays, York Beach, Me. (1984)

 

McLuhan, M.: The Place of Thomas Nashe n the Learning of his Time, Dissertation, (1943)

McLuhan, Mar­shall:  Under­stand­ing Media. McGraw Hill (1965)

McLuhan, M.: The Gutenberg Galaxy: The Making of Typographic Man, Univ. of Toronto, Toronto (1972)

McLuhan, M.: Wohin steuert die Welt? Europaverlag, Wien (1978)

McLuhan, M., Powers, B.: The global village, Oxford Univ. Press, New York (1989)

McLuhan, M., McLuhan, E.: Laws of Media. The new science, Univ. of Toronto Press, Toronto (1988)

 

Mellaart, James: Catal Hüyük: A Neolithic Town in Anatolia. London (1967)

Mellaart, James; Udo Hirsch, Bel­kis Balpinar: The God­dess from Anatolia. Eskenazi, Milano (1989)

 

Meyl, Konstantin: Potentialwirbel, INDEL, Villingen-Schwenningen (1990)

 

Miller, G.A.: The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on Our Capacity for Processing Information, Psychological Review 63, p. 61-97 (1956)

 

Mittelstraß, J.: Der Flug der Eule, Suhrkamp, Frankfurt/M (1989)

 

Mühlmann, H.: Die Natur der Kulturen, Springer, Wien, New York (1996)

 

Mumford, L.: Technics and Civilization, New York (1934)

Mumford, L.: Mythos der Maschine, Frankfurt/M (1977)
engl: Myth of the Machine, Vol.1, Technics and Human Development, New York 1967, Vol.2: The Pen­tagon of Power, New York 1970

 

Münkler, Herfried: Im Namen des Staates, Die Begründung der Staatsräson in der Frühen Neuzeit. Frankfurt am Main 1987.

Münkler, Herfried: Thomas Hobbes. Frankfurt am Main 1993.

Münkler, Herfried: Politische Bilder, Politik der Metaphern. Frankfurt am Main 1994.

Münkler, Herfried: Machiavelli. Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz. Frankfurt a.M 1995.

Münkler, Herfried: Imperium

 

Munowitz, Michael: Physik ohne Formeln, Rowohlt, Reinbek (2006)

 

N

Nadin, Mihai. (1997). Civilization of Illiteracy, Dresden: Dresden Univ. Press

 

Neirynck, J.: Der göttliche Ingenieur, Expert, Renningen (1994)

 

Neuburger, A.: Die Technik des Altertums, Voigtländer, Leipzig (1919)

 

Neumann, John von: Collected Works, 6 Vols., Oxford (1961-1963)

 

Nietzsche Friedrich: Werke in drei Bänden, Könemann, Köln (1994)
(1994-1): Band I: Die Geburt der Tragödie / Unzeitgemässe Betrachtungen / Menschliches, Allzumenschliches.
(1994-3): Band III, Jenseits von Gut & Böse 5-236 / Ecce homo 385-494

Nietzsche, Friedrich: Über Wahrheit und Lüge im außer­moralischen Sinne, aus dem Nachlass.
NOO1, p. 162 ff., Abkürzung: WLA

 

O'Connor, M.: The alphabet as a technology, in: Daniels, p. 787-794 (1996)

Ong, W.: Rhetoric, romance, and technology, Cornell Univ. Press, Ithaca (1971)

Ong, W.: Interfaces of the word, Cornell Univ. Press, Ithaca (1977)

Ong, W.: Fighting for life: Contest, sexuality, and consciousness, Cornell Univ. Press, Ithaca (1981)

Ong, W.: Orality and literacy: the technologizing of the word, Methuen, London (1982)
dt: Oralität und Literalität, Opladen, 1987

 

Parmenides (1974): Die Anfänge der Ontologie, Logik und Naturwissenschaft, (Ernst Heitsch ed.), Heimeran Verlag, München

 

Parry, Mil­man: Studies in the Epic Tech­nique of Oral Verse-Mak­ing. Harvard Studies in Classical Philology 41 (1930). Harvard Uni Press, Cam­bridge (1930)

 

Pfeiffer, Rudolf: Geschichte der klas­sischen Phi­lologie. Beck, München (1978)

 

Platon: Werke in acht Bänden. Hrsg. Günther Ei­gler. Wissensch. Buch­gesellschaft, Darm­stadt (1972)

 

Pleger, Wolfgang H.: Die Vorsokratiker, Metzler, Stuttgart (1991)

 

Popper, K.: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Mohr, Tübingen (1992)

 

Posner, R.: What is culture? Toward a semiotic explication of anthropological concepts. in: Koch W.A. (ed.): The Nature of Culture, Brockmeyer, Bochum, p. 240-295 (1989)

 

Prigogine, I.; Stengers: Order out of Chaos, Bantam, New York (1984)

 

Raible, W.(ed.): Erscheinungsformen Kultureller Prozesse, Narr, Tübingen (1990)

Raible, W.(ed.): Symbolische Formen - Medien - Identität, Narr, Tübingen (1991)

 

Rentschler, Ingo et al. (1988): Beauty and the Brain. Birk­häuser, Basel (1988)

 

Rifkin, Jeremy: Access. Das Verschwinden des Eigentums, Campus, Frankfurt/M (2000)

 

Roth, Gerhard: Das Gehirn und seine Wirklichkeit, Suhrkamp, Frankfurt (1996)

 

S

Safranski, R.: Mephisto oder die Verkörperung des Realitätsprinzips, Basler Zeitung, 13.6., p. 31 (1999)

 

Schopenhauer, A.: WWV: Die Welt als Wille und Vorstellung, Werke in zwei Bänden, Hrg. Werner Brede, Hanser, München (1977)

 

Schütt, Rolf: Die Liebhaber der Sophie, Königshausen und Neumann, Würzburg (1989)

 

Shankara: Viveka Chudamani: Kleinod der Unterscheidung, O.W. Barth Verlag (1981)

 

Sidney, P.: The De­fence of Poetry. In: Kim­brough, R.(ed.). Selected Prose in Po­etry. Rinehart and Win­ston, New York (1969, p. 110)

 

Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte.- Verlag C.H.Beck München (1980)

 

Sturm, H.P.: Weder Sein noch Nichtsein, Ergon, Würzburg (1996)

 

Suarès, Carlo: The Sepher Yetsira, Shambala, Boulder and London (1976)

 

Vaihinger, Hans: Philosophie des Als Ob, Reuther & Reichard, Berlin (1913)
Abkürzung: PAO

 

Völz, H.: TU Berlin
Kunst und Computer:
file:///f:/mat-sci/voelz-felder/voelz/rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/Kunst_Comp/AKZENT.doc
file:///j:/0g/mat-sci/voelz-felder/voelz/rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/PDF/pdf.html
file:///f:/mat-sci/voelz-felder/voelz/rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/PDF/.
file:///f:/mat-sci/voelz-felder/voelz/rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/inform03/.
file:///f:/mat-sci/voelz-felder/voelz/rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/erkennen/.
file:///f:/mat-sci/voelz-felder/voelz/rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/Filmschool/.
file:///f:/mat-sci/voelz-felder/voelz/rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/Kunst_Comp/.

 

Whitehead, A. N.: Process and reality, The Free Press, Macmillan, New York (1969)
first edition: 1929

 

Zimmer, Heinrich: Der Weg zum Selbst, Lehre und Leben des Shri Ramana Maharshi, Diederichs Gelbe Reihe, München (1974)

 

 

 

 

 

 

 

4.7.      Hypertext und WWW

We Are Drowning In Information Being Hungry For Knowledge.

John Naisbitt

 

W (double U)

Has, Of All The Letters In Our Alphabet, The Only Cumbrous Name, The Names Of The Others Being Monosyllabic. This Advantage Of The Roman Alphabet Over The Grecian Is The More Valued After Audibly Spelling Out Some Simple Greek Word, Like Epixoriambikos. Still, It Is Now Thought By The Learned That Other Agencies Than The Difference Of The Two Alphabets May Have Been Concerned In The Decline Of "The Glory That Was Greece" And The Rise Of "The Grandeur That Was Rome." There Can Be No Doubt, However, That By Simplifying The Name Of W (Calling It "Wow," For Example) Our Civilization Could Be, If Not Promoted, At Least Better Endured.

Ambrose Bierce:

file:///f:/mat-div/bierce/devils/www.alcyone.com/max/lit/devils/w.html

4.7.1.     Noologie und Hypertext

@:NOO_HYTEXT

Hypertext und WWW

Das WWW ist sowohl Chance, wie auch Bedrohung und Chaos. Ich gehe heute nicht mehr in die Bibliothek, um Material für irgendwelche Themen zu finden, sondern gebe einfach ein paar Stichworte bei Google ein. Innerhalb von 1/2 Stunde habe ich dann ca. 5-10 Mbyte Material dazu auf der Platte. Mein Problem damit ist, dass ich das überhaupt nicht mehr lesen kann, und bei 100.000 Treffern pro Eintrag artet das oft in die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen aus. Dies erfordert Informations-Verarbeitungstechniken, die am Bergbau orientiert sind. Informations-Massenverarbeitung. Das Stichwort hierfür sind ökonomische Implementationen der Bayes'schen Algorithmen. In NOO2 folgt eine mehr technisch orientierte Ausarbeitung mit besonderer Fokussierung auf diese Möglichkeiten und Problematiken des WWW. Eine Einführung dazu ist in:

http://www.noologie.de/nooa01.htm

Eine Materialsammlung zum Thema WWW ist in:

http://www.noologie.de/inetpb01.htm

 

Die Form der Schrift "Noologie" ist auch das Ergebnis von ca. 20 Jahren Erfahrung mit Hypertext-Systemen. 1985 entwickelte ich wohl das erste komplett Hypertext-basierte Programmiersystem, das Leibniz-System, das auch auf der Noologie-Website in einer lauffähigen Demo-Version vorliegt:

http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/memosys/lpl93/demo.exe

http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/memosys/lpl93/demo.zip

 

Eine Win32-Variante von LPL, LPL 2k findet sich unter:

http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/memosys/lpl-perl/lpled.zip

 

WWW-Materialien

Die Hypertext-Struktur der Schrift "Noologie" macht starken Gebrauch von WWW-Hypertext Links, um auf Unterthemen und innerhalb des Textes, auf ähnliche und weiterführende Stellen zu verweisen. Als Begleitversion zu dem Text dient die DVD-Version, mit der man sich das Nachblättern im Text ersparen kann, und sich die WWW-Verweise direkt anklicken kann.

 

Inhaltlich ist der Band "Noologie und das Spannungsfeld von Liebe, Wissen und Macht" zu ca. 70 % eine Neuordnung von Material, das ich in meinen verschiedenen Schriften schon im WWW und in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht habe. Die hauptsächlichen Artikel sind unter folgenden Links zu finden:

http://www.noologie.de/neuro.htm

http://www.noologie.de/desn.htm

http://www.noologie.de/infra.htm

http://www.noologie.de/poly.htm

http://www.noologie.de/inform01.htm

http://www.noologie.de/symbol.htm

insb:

http://www.noologie.de/symbol14.htm

http://www.noologie.de/symbol23.htm

Hypertext-Verweise

Ausser den explizit gegebenen Hypertext-Verweisen lassen sich im WWW mit Google und mit dem Search-Tool Copernic auf der DVD zu allen relevanten Stichworten ausreichend Materialien zu den og. Themen finden. Das Stichwortverzeichnis in der HTML-Version hat einen technischen Fehler: Die Verweise gehen nicht in die Fussnoten, so dass sie scheinbar ins Leere verweisen. Ich hoffe, dies in einer der nächsten Versionen zu berichtigen.


4.7.2.     Die Noologie-DVD als Wissens-Wiki

Die Noologie-DVD ist geplant als eine Art Wissens-Wiki zu den Themen dieser Serie. Damit verbunden sind Software-Techniken, wie die WWW-Materialien geeignet aufbereitet werden können, so dass sie in einer lokalen Wissens-Sammlung genutzt werden können.

Art, Mathematics, Proportion, Ratio, Harmonics, Music

Bazon Brock Werke bis 1997

file:///f:/mat-art/brock97/Schrifte.html

 

Bazon Brock Werke bis 2007

file:///f:/mat-art/brock-werke/bbrock/www.bazonbrock.de/werke/werkuebersicht.html

 

Bazon Brock Lustmarsch

file:///f:/mat-art/brock-lustmarsch/lustmarsch/blog.bazonbrock.de/index.html

 

William Blake / Gustave Doré

file:///f:/mat-art/blake-dore/.

file:///f:/mat-art/blake-dore/god-measure-search.htm

 

Paul Calter: Geometry in Art and Architecture

file:///f:/mat-art/dartmouth-geomet/dartmouth/www.math.dartmouth.edu/_matc/math5.geometry/index.html

 

Günter Eckstein, nach Otto von Simson

F:\mat-phil\licht\gotiktext.pdf

 

M.C. Escher

file:///f:/mat-art/escher/escher-zvi/www.math.technion.ac.il/_rl/M.C.Escher/index.html

file:///f:/mat-art/escher/Escher.htm

file:///f:/mat-art/escher/.

Celtic Art

@:CELTIC_ART

http://en.wikipedia.org/wiki/Newgrange

http://altreligion.about.com/library/graphics/bl_celticknots.htm

http://www.symbols.com/encyclopedia/14/1419.html

http://en.wikipedia.org/wiki/Triskelion

file:///f:/mat-art/celts/Triskelion.html

file:///f:/mat-art/celts/.

http://www.celtic-tattoos.info/history.html

@:BOOK_KELLS

file:///f:/mat-art/book-kells/knots-history.html

http://en.wikipedia.org/wiki/Book_of_Kells

http://www.snake.net/people/paul/kells/image/kells2

http://www.snake.net/people/paul/kells/image/kells3

http://www.clanbadge.com/knots.htm

http://www.snake.net/people/paul/kells/image/4evangelists/large

file:///f:/mat-art/book-kells/evangelist-large.html

file:///f:/mat-art/book-kells/kells2.html

file:///f:/mat-art/book-kells/kells3.html

 

Harmonics, Music

@:MUSIC_HARMONIC

Ästhetisch

https://www.textlog.de/3131.html

Akkord

https://www.textlog.de/3120.html

Arithmetische Teilung

https://www.textlog.de/3175.html

Dissonanz

https://www.textlog.de/2468.html

Dreiklang

https://www.textlog.de/2477.html

Dreistimmig

https://www.textlog.de/2475.html

Duett

https://www.textlog.de/2488.html

E

Mythology, Greek

Argonautica

file:///f:/mat-ph3/hesiod/www.greekmythology.com/Books/Argonautica/argonautica.html

The Iliad

file:///f:/mat-ph3/hesiod/www.greekmythology.com/Books/Iliad/iliad.html

The Odyssey

file:///f:/mat-ph3/hesiod/www.greekmythology.com/Books/Odyssey/O_Book1/o.book1.html

Hesiod, Theogony

file:///f:/mat-ph3/hesiod/www.greekmythology.com/Books/Hesiod-Theogony/hesiod-theogony.html

Dictionary of Greek Gods / Olympians / Titans

file:///f:/mat-ph3/hesiod/www.greekmythology.com/Olympians/olympians.html

file:///f:/mat-ph3/hesiod/www.greekmythology.com/Titans/titans.html

file:///f:/mat-ph3/hesiod/www.greekmythology.com/Other_Gods/other_gods.html

Philosophy

file:///f:/mat-phil/phil-freewebsp/evans-experientialism.freewebspace.com/index.htm

file:///f:/mat-phil/phil-freewebsp/evans-experientialism.freewebspace.com/academy_contents.htm

 

The Dictionary of the History of Ideas

file:///f:/mat-ph2/hist-ideas1/etext-virg/etext.virginia.edu/DicHist/alpha/alpha-all.html

file:///f:/mat-ph2/hist-ideas1/etext-virg/etext.virginia.edu/DicHist/dict.html

file:///f:/mat-ph2/hist-ideas2/dhi/.

file:///f:/mat-ph2/hist-ideas3/Ethics / Morals

file:///f:/mat-phil/evil/evil-search.html

file:///f:/mat-phil/evil/howard-devil001402.html

Goethe, Faust

file:///f:/gutbg/gutbg.spiegel/goethe/faust1/faust_to.htm

file:///f:/gutbg/gutbg.spiegel/goethe/faust2/faust2.htm

 

Peter Matussek: Faust I

file:///f:/mat-ph1/faust-drama.html

Gotthard Günther

Vordenker

file:///f:/vordenker/vordenker/www.vordenker.de/navigation.htm#vordenker%20Navigationshinweise

 

David Köpf

F:\vordenker\vordenker\dk_gg_technikphilo.pdf

Greek Philosophy and History

file:///f:/mat-phil/heraklit/socsci-gulf/socsci.gulfcoast.edu/rbaldwin/web_sites.htm

Hegel

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Über Leben und Werk

https://www.textlog.de/hegel.html

Vorlesungen über die Ästhetik

https://www.textlog.de/hegel_aesthetik.html

 

PhdG

file:///f:/gutbg/gutbg.spiegel/hegel/phaenom/

 

"Liebe" in der PhdG

file:///f:/gutbg/gutbg.spiegel/hegel/phaenom/phavorr2.htm

file:///f:/gutbg/gutbg.spiegel/hegel/phaenom/pha5cb01.htm

file:///f:/gutbg/gutbg.spiegel/hegel/phaenom/pha6aa01.htm

file:///f:/gutbg/gutbg.spiegel/hegel/phaenom/pha7c004.htm

 

Heinrichs, Johannes

Gesammelte Werke von Johannes Heinrichs:

file:///f:/ht-phil/jheinrichs/www.johannesheinrichs.de/texte_zum_download.html

Nietzsche

file:///f|/gutbg/gutbg.spiegel/autoren/nietzsch.htm

file:///f:/mat-phil/nietzsche/Friedrich_Nietzsche.html

 

English Translations

file:///f:/mat-phil/nietzsche/nietzsche-genealogy/nietz-genealogy/www.underthesun.cc/Classics/Nietzsche/index.html

 

Genealogy of Morals

file:///f:/mat-phil/nietzsche/nietzsche-genealogy/nietz-genealogy/www.underthesun.cc/Classics/Nietzsche/GenealogyMorals/GenealogyMorals71.html

Imprint: Cybernetics & Human Knowing

Cybernetics & Human Knowing

A Journal of Second Order Cybernetics, Autopoiesis & Cyber-Semiotics

file:///f:/mat-phil/imprint/www.imprint.co.uk/C&HK/index.html

Lacan

file:///F:/ht-phil/inetphil/www.iep.utm.edu/l/lacweb.htm

Onfray, Michel

file:///f:/mat-phil/onfray/onfray/perso.wanadoo.fr/michel.onfray/accueilonfray.htm

file:///f:/mat-phil/onfray/onfray20050113_2907.rtf

The Idea of Evil

file:///f:/mat-phil/evil/CorruptTheBestGetWorst.html

file:///f:/mat-phil/evil/evil-dhi.cgi.html

file:///f:/mat-phil/evil/howard-devil001402.html

file:///f:/mat-phil/evil/theosophical-OriginEvil.htm

Robert Wright: War on Evil, (Foreign Policy, Sept./Oct. 2004)

F:\mat-phil\evil\WarOnEvil-Wright.pdf

Philosophenlexikon

file:///f:/mat-ph1/philo-lex/www.philosophenlexikon.de/index.html

Philosophy of mind

file:///f:/mat-phil/phil-mind/waterloo-phil/philosophy.uwaterloo.ca/MindDict/dictindex.html

Schopenhauer-Links

file:///f:/mat-phil/schopenhauer/schopenh/free.freespeech.org/schopenhauer/links.html

file:///f:/mat-phil/schopenhauer/schopenh/dmoz.org/World/Deutsch/Wissenschaft/Geisteswissenschaften/Philosophie/Personen/Schopenhauer,_Arthur/index.html

file:///f:/mat-phil/schopenhauer/schopenh/www.unmoralische.de/zitate2/Arthur_Schopenhauer.htm

file:///f:/mat-phil/schopenhauer/schopenh/www.budwitz.de/wwv.html

file:///f:/mat-phil/schopenhauer/schopenh/www.ingchen.de/maerchen/stachelschweine.htm

 

Die Kunst, Recht zu behalten - The Art Of Controversy

file:///f:/mat-phil/schopenhauer/schopenh/coolhaus.de/art-of-controversy/index.html

 

Ueber Religion, Parerga und Paralipomena II, KAPITEL XV.

file:///f:/mat-phil/schopenhauer/schopenh-rel/homes.rhein-zeitung.de/_ahipler/kritik/religion.htm

Semiotics

file:///f:/mat-phil/semiotics/inet-semio/www.semioticon.com/virtuals/index.html

file:///f:/mat-phil/semiotics/inet-semio/www.semioticon.com/virtuals/index1.html

 

Schorno

file:///f:/mat-phil/semiot-schorno/semiotik/www.semiotik.ch/sitemap.htm

Spengler

@:MAT_SPENGLER

F:\mat-phil\spengler\10spengler_uda.pdf

F:\mat-phil\spengler\08spengler_taf.pdf

F:\mat-phil\spengler\spengler_bio.htm

Zizek

file:///f:/ht-phil/inetphil/www.iep.utm.edu/z/zizek.htm

Quotations

Ambrose Bierce

The Devil's Dictionary  

file:///f:/mat-div/bierce/devils/www.alcyone.com/max/lit/devils/index.html

Samuel Johnson

file:///f:/mat-div/sam-johnson/sam-johnson/www.samueljohnson.com/topics.html

Network: Any thing reticulated or decussated, at equal distances, with interstices between the intersections.

Reticulated: Made of network; formed with interstitial vacuities.

MegArt Quotes

file:///f:/mat-div/hammer-ClassicQuotes.html

Art / Architecture / Film- / -Philosophy

F:\mat-phil\licht\gotiktext.pdf

Matrix

@:MATRIX_MAT

file:///f:/mat-div/matrix/philosophie_der_matrix__die_-_die_kybernetische_ironie.shtml.htm

file:///f:/mat-div/matrix/philosophie_der_matrix__die_-_die_verfilmung_der_philosophie.shtml.htm

file:///f:/mat-div/matrix/philosophie_der_matrix__die_-_die_zwei_seiten_der_perversion.shtml.htm

file:///f:/mat-div/matrix/matrix6_3-kauffman.html

Temet Nosce

file:///f:/mat-div/temet-nosce/temetnosce1.htm

Religion

@:MAT_RELIGION

(Anti-) Abrahamitic / Monotheistic

file:///f:/mat-rel/abrahamitic/.

 

The Sceptics Bible

file:///f:/mat-rel/sceptics-bible/sceptics/www.skepticsannotatedbible.com/index.html

 

Archaeology and Biblical Accuracy

file:///f:/mat-rel/sceptics-bible/bible-982front.html